keine-zeit-ich-muss-reisen
keine-zeit-ich-muss-reisen
vakantio.de/keine-zeit-ich-muss-reisen
Zuletzt in Doha

Making new friends in Luang Prabang

Veröffentlicht: 22.11.2024

Nach dem vollgepackten Mittwoch ging es am Donnerstag dann gleich am Morgen tierisch weiter. Die neue Reisegruppe bestand aus drei US-Amerikanern aus Arizona und 4 Franzosen, und wir machten uns, erneut überpünktlich, auf den Weg in Richtung Elephant Village. In Luang Prabang gibt es verschiedene Companys, die sich alle mehr oder weniger dem Schutz der Elefanten verschrieben haben. Wahrscheinlich ist es so wie mit allem: frage 10 verschiedene Personen, und du bekommst 15 verschiedene Meinungen. Egal wie man’s macht, allen kann man es nicht recht machen. Doch hatte ich mich vorab ein bisschen informiert und dieser, gestriger Anbieter klang recht vertrauenswürdig. 

Im Village gibt es 6 Elefantendamen, die aus dem Arbeitsdienst, den sie in ihrem ersten Leben verrichten mussten, gerettet wurden und nun ihr Rentnerinnenleben verbringen dürfen. Dass sie dennoch dem Tourismus ausgesetzt sind, sichert ihnen quasi Kost und Logis – fressen die Vegetarierinnen doch rund 250 kg am Tag!

Nach einer kurzen Einführung ging’s dann auch direkt zur Fütterung und ich durfte den Damen aus meinem Bananen-Körbchen die Früchte anreichen. Entweder sie haben sie mit dem Rüssel „gegriffen“, oder mit selbigem eingerollt und zum Maul geführt. Auf jeden Fall zuckersüß – und die Geräusche erst! Ein Highlight für alle ASMR-Fans. Das Schnaufen, Schmatzen und leichte Brummen - sehr bezaubernd. Nach diesem Snack sind die Damen dann wieder abgetrottet, Richtung Dschungel, um das zweite Frühstück einzunehmen. Kann man sich leicht vorstellen: wer 250 kg am Tag fressen muss, hat quasi keine Zeit zu verlieren.

In der Zwischenzeit sind wir mit dem Boot zum Tad Sae Waterfall gefahren, der, muss man leider sagen, gegen den Kuang Si Waterfall schon etwas abstinkt. Vor allem auch wegen des ganzen Mülls. Haben wir aber im Nachgang erfahren: die Chinesen haben sich vor nicht allzu langer Zeit die Konzession für diesen Wasserfall gesichert. Dieser wurde dann geschlossen – wohl aber kurzzeitig wieder „geöffnet“, aber es gibt aktuell niemanden, der sich um das Gelände kümmert. Vor allem haben die Bootsführer nun Angst um ihre Jobs, da sie befürchten, dass die chinesischen Investoren ihre eigenen Companies mitbringen und so das Einkommen und der Lebensunterhalt der Locals auf dem Spiel steht. Übrigens wurde natürlich auch die super Autobahn, von der ich geschwärmt hatte, von China gebaut.

Wir sind dann also mit dem Boot wieder zurück zum Camp gefahren und noch bevor ich festen Boden unter den Füßen hatte, wartete das eigentliche Highlight auf mich: ich durfte mit einer der Elefantendamen baden und sie „waschen“. Während wir mit dem Boot anlegten, kam sie schon den Weg runtergeschlendert, hat es sich im Fluss bequem gemacht und mir ein absolut vertrauenserweckendes Gefühl gegeben. Selbstverständlich war der Mahout, der persönliche Betreuer der Dame, immer dabei und hat mit ihr permanent per Kommandos kommuniziert. Natürlich wollte sie auch ein bisschen spielen und hat keine Gelegenheit ausgelassen, uns alle mit Wasser nass zu spritzen. Zwischendurch ist sie aufgestanden, hat sich gedreht, war aber immer zurückhaltend und vorsichtig. Von wegen, der Elefant im Porzellanladen! Irgendwann hat’s ihr dann gereicht und sie ist zurück den Berg hoch getrottet. Sicherlich zur nächsten Mahlzeit. Und hat mich beseelt zurückgelassen. Das waren ganz tolle, persönliche und vertraute Momente. Einer Elefantendame so nahe zu kommen, ihr in die Augen zu schauen – sehr schön war das!

Nach so vielen Erlebnissen, war am Abend mehr als ein Sundowner nicht drin. Auch heute bin ich lediglich durch die Stadt gewandelt, hier und da etwas getrunken oder gesnackt, gelesen und die letzten Eindrücke aufgesogen. Morgen früh will ich zum Abschluss noch einen Abstecher zum Highlight-Tempel von Luang Prabang machen, bevor mich das Taxi am frühen Nachmittag zum Flughafen bringt.

Ja, genau, ich trete die Heimreise an. Das, was man hier innerhalb von knapp 2 Wochen erlebt, reicht im „normalen“ Leben für mindestens 2 Monate. Oder noch länger. Es sind täglich so viele Eindrücke – Menschen, ungewohntes Verhalten, Müll, Situationen, die man nur mit Kopfschütteln quittieren kann – die auf mich einprasseln, und die ich mit dem Schreiben versucht habe, zumindest ein bisschen zu verarbeiten. 

Nicht falsch verstehen - bevor jemand fragt: „Aber warum fliegst du dann immer in solche Länder?“. Es macht für mich das Leben aus, diese unbekannten Länder und Kulturen zu entdecken. Mich auch mal bewusst an meine Grenzen zu bringen, um das Zuhause wieder einzuordnen, was wir denn eigentlich alles haben. Aber das alles alleine zu wuppen, kostet mich gefühlt die doppelte Kraft, weswegen sich die 2 Wochen möglicherweise wie 4 anfühlen. Ich habe einen super Eindruck bekommen und ein Land kennengelernt, das zwar mitten zwischen jenen Ländern liegt, die ich in den letzten Jahren alle schon bereist habe. Und natürlich auch von diesen beeinflusst ist. Sich aber trotzdem ganz anders anfühlt. Ich weiß nicht, wie Laos in 2 Jahren sein wird oder in 5 Jahren. Wenn der Einfluss Chinas wächst und gleichzeitig auch der generelle Tourismus. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, zurückzukommen und zu zweit oder in der Gruppe alle weiteren tollen Ecken zu erkunden. Für jetzt reicht es aber, und ich freue mich auf die, für uns alle, ganz banalen Dinge:

  • Eine Duschabtrennung, oder wenigstens standardmäßig einen Duschvorhang zu haben
  • Im Laden oder auch Rechnungen mit Karte/online zu zahlen
  • Überhaupt, im Alltag nicht mehr mit Preisen im Millionenbereich jonglieren zu müssen (1 € sind umgerechnet rund 23.000 Laotischer Kip => für 2 Übernachtungen habe ich heute rund 1,7 Millionen Kip in bar bezahlt, weil das Hotel, wie 80 % aller Geschäfte, keine Kreditkarte annehmen)
  • Toilettenpapier zu haben, das bei Gebrauch nicht sofort zerbröselt - und das man auch einfach so in die Toilette werfen darf und nicht in einen separaten Eimer
  • Bequem und dauerhaft auf dem Bürgersteig laufen zu können, weil dort nicht ständig wechselweise Garküchen oder Motoroller/Autos stehen
  • Dass sich die Quote an großen und lauten chinesischen Reisegruppen im erträglichen Maß hält
  • Im Supermarkt einkaufen und nicht im verstaubten Minimarkt, bei dem jeder das gleiche (eingeschränkte) Angebot vorhält
  • Dass ich in meiner Stadtwohnung nicht befürchten muss, wahlweise von einer Spinne oder einem Gecko überrascht zu werden
  • Auf meine Matratze, die meinen persönlichen Härte- bzw. Weichegrad hat
  • Ein anderes Parfum nutzen zu können, als Care Plus Moskitospray
  • Auf Zähneputzen mit normalem Leitungswasser
  • Generell darauf, Leitungswasser einfach trinken zu können und ohne Angst vor einem verdorbenen Magen Lebensmittel zu essen
  • Auf Straßen, die einem beim darauf Fahren keine Gehirnerschütterung bescheren
  • Auf Menschen, die mich verstehen, wenn ich wahlweise Deutsch oder Englisch rede
  • Dass ich mich selbstbestimmt fortbewegen kann und nicht befürchten muss, dass mich der Taxi- oder Van-Fahrer in die nächste dunkle Ortschaft fährt und die Axt auspackt

Reisen prägt ungemein, aber auch das nach Hause Zurückkommen ist ein tolles Gefühl. Doch bis dahin sind es noch knapp 16 Stunden reine Flugzeit, 2 Zwischenstopps mit einigen Stunden Aufenthalt und den letzten Erlebnissen, die ich dabei noch mitnehme. Vielleicht lesen wir uns nochmal!

keine-zeit-ich-muss-reisenFolge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.
Antworten (2)

thomasvor mehr als 1 Jahr
Gute Heimreise

JuSi vor mehr als 1 Jahr
Während ich hier so warte (du weißt wo) habe ich alle deine Beiträge nochmal am Stück gelesen und ich bin jetzt fast etwas traurig dass es zu Ende ist mit deinem tollen Geschichten und Erlebnissen. Aber vielleicht gibt’s ja doch noch einen Beitrag. Und sonst freu ich mich dich bald in den Arm nehmen zu können ❤️

Laos
Reiseberichte Laos