Auf dem Weg zum Atlantik machen wir Halt in Montreuil-sur-Mer. Auf dem Wohnmobilstellplatz können wir für zwei Euro unsere Wasservorräte aufstocken und bei einem Spaziergang durch die tausend Jahre alte Burganlage die Füße vertreten.
Körperpflege ist auch mal wieder fällig, also suchen wir einen Zugang zum Flüsschen.
Die Canche mündet nach nur zwanzig Kilometern Strecke ins Meer.
Montreuil-sur-Mer
Bei hoher Sturmflut staut das Wasser bis hierher ins Inland zurück und der Fluss tritt mit überwältigender Kraft über die Ufer, weshalb man hohe Deiche angelegt hat.
Wir kämen zwar ins Wasser hinein, aber schwerlich wieder raus. Also doch die Bottle-Dusche mit dem frischen Leitungswasser.
Montreuil-sur-Mer
Ein Plätzchen für die Siesta findet sich jedoch in direkter Nachbarschaft zu einem Zwei-Sterne-Restaurant. Der Maître hat sich auch schon fünf Kochmützen beim Gault-Millau verdient, wie uns das Internet verrät. Da lässt der dritte Michelin-Stern wohl nicht mehr lange auf sich warten.
Ich schlage vor, mein nächstes Monatsgehalt in eine Übernachtung plus Abendmenü zu investieren. Leider ist die Lokalität schon für die nächsten Monaten ausgebucht. Wir hätten aber kostbares Bottle-Shower-Wasser sparen können.
Kommt auf die Liste fürs nächste Mal.
Während der Weiterfahrt entdecke ich Blaulicht im Rückspiegel. Doch bevor Zappa die Straße räumen kann, sind die Signale wieder ausgeschaltet.
Vor dem nächsten Kreisel blinken die Lampen hinter uns erneut und zusätzlich ertönt die Sirene. Jetzt fährt der Held an den Wegesrand, um sie für ihren Einsatz vorbeizulassen.
Doch die Gendarmen halten neben uns.
Monsieur gibt uns bei heruntergelassenem Fenster zu verstehen, dass wir dem Fahrzeug folgen sollen.
Barbie am Atlantik
Ohnein-ohnein-ohnein! Was kann das Auge des Gesetzes denn nur von uns wollen? Wir haben keine Zwei-Sterne-Zeche geprellt. Wir führen zwar Unmengen an holländischen Keksen mit und wir wissen auch genau, dass die süchtig machen, aber die sind doch nicht illegal! Und die reichen mit Ach und Krach für den Eigenbedarf. Oder haben wir die erlaubte Höchstmenge an mitzuführenden Barbiepuppen überschritten? Im harmlosesten Fall muss Zappa ins Röhrchen pusten, weil er mal wieder wie ein besoffener Opa trödelt und eine lange Schlange ungeduldiger Normannen hinter sich herzieht.
Mitten im Kreisel halten die Gendarmen am Rand und wir gezwungenermaßen hinter ihnen. Der Verkehr dröhnt an uns vorbei, viele erleichterte und ein paar mitleidige Blicke treffen uns aus den Autos.
Ein junger Mann begrüßt uns höflich durchs Fenster und fragt nach unserem Reiseziel. Dann bittet er eine Person von uns beiden auszusteigen und die hintere Klappe zu öffnen. Aber nur einer!
Petit-Craux
Ich werde diese Aufgabe übernehmen, um auf eventuelle französische Anklagen reagieren zu können.
Schweiß steht mir auf der Stirn, meine Beine sind wacklig, die Hände zittern. Unsicher gehe ich an die Rückseite des Kangoos, wo zwei weitere Gendarmen auf mich warten.
Sotteville-sur-Mer
Ohnein-ohnein-ohnein! Was passiert hier nur? Werden wir jetzt gefesselt, abgeführt und die Räuberhöhle abtransportiert und kriminaltechnisch untersucht? Werden alle unsere Habseligkeiten konfisziert, weil die beiden Stromverteilerkisten vom Flohmarkt geklaute Hehlerware sind?
Sotteville-sur-Mer
Cool bleiben, sage ich mir und schaue den beiden Flics selbstbewusst in die Augen. Während mir der Arsch auf Grundeis geht, öffne ich die Heckklappe und frage megalässig, ob es ein Problem gibt.
Die unabdingbare, unverzichtbare, lebenswichtige Cateringkiste fällt mir beinahe entgegen! Da wir Château Mistral auf dieser Reise zu Hause gelassen haben, brauchen wir die mobile Küche und die steckt in der schwarzen Kiste, die gerade ganz nah am Heckfenster platziert ist.
Sotteville-sur-Mer
Die beiden Männer lächeln mich sehr freundlich an und der ältere Gendarm fragt, ob wir un bateau dabei haben.
Nein, auf dieser Reise begleitet uns ausnahmsweise kein Boot. Wir haben es freilich schon geschafft, das orange Kanu neun Wochen bis nach Spanien und zurück zu kutschieren. Und es in dieser Zeit lediglich in den Pyrenäen auf einem Tour-de-France-Gipfel zur Freude aller Radler aufzublasen.
Monsieur lächelt erneut und versichert mir, dass es sich lediglich um eine Routine-Kontrolle handelt. Souverän klopfe ich auf die schwarze Box im nun offenen Auto und erkläre, dass es sich hierbei um la cuisine handelt. Jetzt lächeln alle drei Gendarmen charmant, wünschen uns eine gute Reise und steigen winkend in ihren Dienstwagen.
Der Held und die Garnele
Vielleicht hat die unabdingbare, unverzichtbare, lebenswichtige Cateringkiste den Verdacht erweckt, wir wären Muscheldiebe und transportieren unsere Ware gerade zum Zwei-Sterne-Koch ins Hinterland. Oder der erfahrene Monsieur wollte heute Nachmittag mit seinen jungen Kollegen den schwierigen Umgang mit Ausländern im Ernstfall üben lassen.
Wir brauchen jetzt erst mal einen Platz für die Nacht. Und möglicherweise könnte eine Neuordnung in der Räuberhöhle auch nicht schaden.
Auf einen Blick
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Stimmung
Abseits der Pfade
Highlights
Montreuil-sur-Mer
tausend Jahre alte Burganlage
Polizeikontrolle unterwegs
Ausrüstung
WohnmobilBottle-Duschemobile Küche
Themen
RoadtripTransitGeschichteNatur
Kosten
Wasser auffüllen am Wohnmobilstellplatz2 €
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