Die letzte Reisewoche naht unausweichlich. Die Temperaturen haben wieder moderate Höhen, weshalb wir beschließen, neue Wege zu gehen und bisher unentdeckte Landstriche zu erkunden.
Vorher müssen wir jedoch die Tanger-Waldschabe vertreiben. Wer weiß, vielleicht eine Verwandte der berüchtigten Kakerlake. Der Held entdeckt zwei freche Exemplare, als sie flinken Fußes in den Tiefen der unabdingbaren, unverzichtbaren, lebenswichtigen Cateringkiste verschwinden.
Tanger-Waldschabe Wohin soll denn die Reise gehen?
Das Internet behauptet zwar, dass diese Tierchen nur im Wald und nicht in Häusern leben. In unserer mobilen Küche scheinen sie sich jedoch sehr wohl zu fühlen. Also entrümpeln wir sie, schmeißen die beiden Plagegeister in den, von ihnen bevorzugten Lebensraum und desinfizieren gründlich.
Befreiung der Kochkiste
Komischerweise begleiten uns weitere drei Schaben in den nächsten Tagen und müssen nun damit leben, in verschiedenen Regionen neue Familien zu gründen. Wir hoffen, dass sich nicht doch noch ein Exemplar in den Tiefen der Räuberhöhle versteckt.
Café au lait
Nun aber wollen wir das französische Inland entdecken und machen als erstes Halt im Geopark Normandie-Maine, ein paar Kilometer westlich von Le Mans.
Hier ist uns aber irgendwie zu viel Trubel und ein paar Wohnmobile wecken uns morgens um 5:00 Uhr auf dem einsamen Wanderparkplatz. Ich wundere mich, erkläre mir aber die frühmorgendliche Ankunft mit einem Zwischenstopp auf dem Weg von Paris ans Meer. Mich schützen die Ohrenstöpsel vor weiteren Störungen, der Held jedoch ist um seinen Schlaf gebracht. Weil Mademoiselle la Fête nicht aufhören kann, vor unserer Tür zu quietschen und zu kreischen. Und das auch noch tut, als wir zum Frühstück aus dem Bett kriechen.
Bellême
Keine Ahnung, welche Pillen die junge Frau auf welcher wilden Party eingeklinkt hat, wir können uns heute jedenfalls nicht mehr mit lautem Türenknallen rächen. Sie will einfach nicht ins Bett, da kann Monsieur noch so bitten. Der hat aber augenscheinlich ebenfalls diverse Drogen im Körper und wir sehen schon dunkle Wolken im Paradies aufziehen.
Dolmen
Zufällig entdecken wir das Viadukt von Saint-Georges-les-Gaultier, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Bahnstrecke Le Mans - Alençon mit 150 Metern Länge und 50 Metern Höhe gebaut wurde. Durch den 1. Weltkrieg konnten die Arbeiten aber nicht beendet werden und das Bauwerk an der Eisenbahn wurde nie in Betrieb genommen. Jetzt kann man sich hier beim Bungee-Springen den Kick holen. Allerdings sollte man vor dem bröselnden Beton der riesigen Brückenpfeiler die Augen verschließen, denn hier und da liegen schon großflächig statisch wichtige Bewehrungseisen frei.
Viadukt für Saut elastique
Wir fahren weiter in den Naturpark Perche. Eine Hügellandschaft, in der überwiegend von der Landwirtschaft gelebt wird. Früher züchtete man hier Percheronpferde, eine robuste Rasse, die vor allem für die Arbeit in Wald und Flur geeignet ist. Die Pferde sieht man jetzt nur noch im Logo des Naturparks und diverse schicke Schlösser und herrschaftliche Landhäuser zeugen davon, dass es sich um ein einträgliches Geschäft gehandelt haben muss.
Château der Ackergäule...?
Mehrere touristische Rundfahrten führen an den Attraktionen der Gegend vorbei.
In den idyllischen Dörfchen herrscht friedliche Ruhe. Hier kann man sehr entspannt seine Auszeit genießen. Nur im Hochsommer könnten die Plätze an den wenigen Wasserstellen knapp werden.
Bellême
Heute morgen begrüßt uns Madame Livraison auf unserem ruhigen Waldparkplatz. Sie entschuldigt sich wort- und gestenreich für die Störung unseres petit-déjeuners.
Sie erwartet eine Lieferung und weil ihr Grundstück, wie so viele Häuser in dieser Gegend, mitten im Wald liegt und die Zufahrt sehr eng ist, wird die Bestellung kurzerhand auf dem Wanderparkplatz konspirativ übergegeben.
Bellême
Der Bote verspätet sich und wir kommen ins Plaudern. Thema Nummer eins ist natürlich das Wetter. Jetzt es geht ja zum Glück wieder und hier im Wald ist es immer ein bisschen kühler und ein leichter Wind weht durch die dichten Bäume. Aber am Wochenende kommt sie wieder, la canicule, eine neue große Hitze. Nun, was soll man machen, die Fenster schließen und im Haus bleiben. Sie muss ja nicht mehr arbeiten. Woher wir kommen und wohin wir noch wollen, will sie dann wissen.
Manoir de Courboyer
Ein lautes Rumpeln unterbricht Madame, ein großer LKW rast polternd am Parkplatz vorbei. Madame ruft aufgeregt und Zappa winkt mit seiner Unterhose. Dann quietschen die Bremsen, Ladung kracht und poltert im Lastraum und laut knarzend wird der Rückwärtsgang eingelegt. Der Brummi wendet, hält an der Einfahrt und blockiert die Straße. Das einzige Auto des Tages will ausgerechnet jetzt an ihm vorbei und lässt ein wildes Hupkonzert erklingen.
La Perrière
Madames Päckchen wird von der riesigen Rampe gezerrt und Monsieur legt es ihr höchstpersönlich in den Wagen. Wir wollen zu weiterer Hilfe eilen, doch da drückt sie dem Fahrer schon einen Fünfer in die Hand. Der springt in seinen LKW, rumpelt weiter und gibt den Durchgangsverkehr wieder frei.
Mittwochs geschlossen!
Madame warnt uns zum Abschied, sehr vorsichtig in den Wäldern unterwegs zu sein. Es passieren gerade sehr viele Wildunfälle, denn die Rehe finden bei dem Wetter zu wenig Wasser und werden verrückt. Dann rennen les biches einfach auf die Straße und man kann nicht mehr stoppen.
Ich versichere ihr, dass Zappa sowieso immer wie ein besoffener Opa fährt und sogar die Wildschweine in aller Ruhe die Straße überqueren lässt.
La Perrière
Dann winken wir uns zu. Wir fahren nun weiter Richtung Osten.
Auf einen Blick
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Wetter
Sommer
Begleitung
Zu zweit (2)
Stimmung
Abseits der PfadeAbenteuerlich
Highlights
Geopark Normandie-Maine
Viadukt von Saint-Georges-les-Gaultier
Naturpark Perche
Bellême
La Perrière
Ausrüstung
Ohrenstöpselmobile KücheCateringkiste
Themen
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