Bei hochsommerlichen Temperaturen um die vierzig Grad können wir die bretonsiche Küste nur empfehlen.
Jede Menge Meer, jede Menge Strand und immer ein erfrischendes Lüftchen. An schattigen Plätzen mangelt es zwar und die Gezeiten sollten auch im Auge behalten werden. Denn es kann zum einen passieren, dass bei unglaublichen acht Metern Tidenhub gerade Ebbe herrscht und man halbe Kilometer durch Watt wandern und über dicke Steine zum Wasser klettern muss. Zum anderen könnte sich der Strand bei Flut auf Handtuchbreite verkleinern und man muss ganz kuschelig mit den Mitbadenden zusammenrücken.
Wir haben für die heißen Tage einen wunderbaren Platz am Felsenstrand und beobachten die alltäglichen Abläufe.
Das Wasser geht, Möwen schnappen sich die freigelegten Delikatessen des Meeres: Miesmuscheln, Austern, Krabben, Krebse. Skurril geformtes Granitgestein kommt zum Vorschein, Mini-Strandkrabben flitzen durchs Watt, Fischerboote liegen auf dem Trockenen.
Nach sechs Stunden ist das Meer zurück, jemand mit roter Warnboje am Arm schwimmt zur nächsten Insel und retour, Männer in Schlauchbooten machen sich mit Angeln und Netzen auf zur Jagd auf Meeresgetier, befreundete Familien aus dem Dorf kommen zum Bade und tauschen liebevoll Unmengen ihrer Bises.
Heute brauche ich aber mal Abwechslung, also umfahren wir das weit ins Land reichende, fjordähnliche Mündungsgebiet des Flusses Jaudy, um neue Eindrücke zu sammeln.
Unterwegs kann ich den Helden noch zu einem Spaziergang durch Tréguier überreden, eine Cité pittoresque mit dem entsprechenden Label. Ein hübsches Städtchen mit dieses Mal echtem Fachwerk, doch die brütende Hitze verkürzt die Stippvisiste und treibt uns schnell weiter an den Strand.
Tréguier Ebbe in Plougrescant
Wir finden einen malerischen Platz am Meer und suchen wie immer den Schatten der geöffneten Heckklappe der Räuberhöhle. Schon ist wieder Mittagszeit und wir holen die unabdingbare, unverzichtbare, lebenswichtige Cateringkiste aus dem Minicamper. Kaum haben wir Platz genommen, hält ein weißer Van neben uns. Die jungen Leute lassen den Motor laufen, packen belegte Baguettes aus und starren auf ihre Handys. Sie bleiben einfach im Auto sitzen, lassen die Karre brummen und sich, das Mittagessen und ihre Telefone von der Klimaanlage kühlen.
Pleubian
Wir sitzen daneben und werden von dem Gedröhn und den Abgasen eingehüllt. Ich kann so viel Rücksichtslosigkeit nicht fassen, merke dass mein Blutdruck steigt und mir die Stulle nicht mehr schmeckt. Sooo ne Ader!
Die sitzen in ihrem Auto in der ersten Reihe mit bestem Meerblick, starren auf ihre Handys und der Motor läuft und läuft und läuft.
Rechts oder links? Keine Ahnung, lass uns abhauen!
Zappa schaut mich besorgt an. Erinnerungen an einen spanischen Parkplatz werden wach, auf dem ich in einer ähnlichen Situation nur durch sein beherztes Eingreifen von einem Amoklauf abgehalten werden konnte. Er schob mich auf den Beifahrersitz und brachte mich in die Abgeschiedenheit und Ruhe der Kantabrischen Berge, wo ich verwirrt, aber glücklich, wieder zu mir fand.
Als ich jetzt, nach zwanzig Minuten soweit bin und aufspringe, um die ökologische, weltrettende Generation "Fridays for futur" anzuschnauzen, endlich die Scheißkarre auszumachen, legt Monsieur den Rückwärtsgang ein und rauscht mit, von den Reifen wegspritzenden Kieselsteinen auf und davon.
Ich setze mich wieder. Endlich Ruhe, herrje!
Eine halbe Stunde später muss der junge Influencer im VW-Bus nebenan seinen Laptop aufladen und schmeisst den Motor an. Wir gehen derweil ins Wasser, dort kann ich mein Mütchen kühlen. Die Flut hat die Felsen überspült und das Meer funkelt in sämtlichen nur vorstellbaren Blautönen: Kobalt, Azur, Helios, Aquamarin, Türkis bis hin zu Himmel- und Schlumpfblau. Man kann gar nicht alle aufzählen.
Mittlerweile sind die heimischen Großfamilien zum Baden eingetroffen. Die Ruhe ist nun endgültig dahin. Autotüren werden auf- und zugeschlagen, Picknick- und Kühltaschen ausgeladen, Hunde erzogen, Kinder in Schwimmringe verpackt.
Fröhliches Geschrei, Getöse und Gelächter, allerlei spaßiges Treiben.
Flut in Plougrescant
Bis ein plötzliches Donnergrollen dem Tumult Einhalt gebietet. Eine dunkle Wolkenwand schiebt sich unaufhaltsam näher und rumpelt vernehmlich über unseren Köpfen.
Gespannte Stille herrscht am Strand, wir halten gemeinsam den Atem an und dann geht alles ganz schnell. Luftmatratzen, Kühltaschen, Getränke, Chipstüten, Handtücher, Kinder, Hunde, ratz fatz ist sämtliches Zubehör eingepackt und der Strand in nullkommanix komplett leer.
Gewitter
Nur der Influencer lädt die Bilder des Tages hoch.
Und ein verspätetes Badekommando geht noch schnell ins Wasser.
Wir packen unseren Kram auch zusammen, auf diesem Platz das Parken nachts zwischen 22:00 und 6:00 Uhr verboten. Hier ist man auch ganz pfiffig, denn das Verbot gilt nicht nur für Wohnmobile und Caravans, sondern für alle "bewohnbaren" Fahrzeuge! Und wir wollen nicht testen, ob das morgens in aller Herrgottsfrühe von Monsieur Police-municipal kontrolliert wird.
Während wir die Stühle zusammenklappen, brummt plötzlich das einsame Fahrzeug der letzten Badenden los. Ich glaubs nicht. Niemand drin, keiner da, das Auto springt einfach an und dröhnt in meinen Ohren!
Nur schnell weg an unseren täglich gleichen, verschlafenen und so schön ruhigen Stammplatz!
Sonnenuntergang in Pleubian
Auf einen Blick
Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
1 Tag
Wetter
Sommer · 40–40°C
Begleitung
In der Gruppe
Stimmung
EntspannendAbseits der Pfade
Highlights
Felsenstrand bei Ebbe und Flut
Spaziergang durch Tréguier
Watt, Granitgestein und Meeresleben
Sonnenuntergang in Pleubian
Ausrüstung
MinicamperCateringkiste
Themen
StrandNaturStadt
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Antworten (3)
Kasivon châteaugeschichtenvor etwa 2 Monaten
😁
Hobbitvor etwa 1 Monat
Knight Rider auf Urlaub...?
Kasivon châteaugeschichtenvor etwa 1 Monat
Haben eher zwei norddeutsche Nagetiere im Verdacht, am Schlüssel gedreht zu haben...