châteaugeschichten
châteaugeschichten
vakantio.de/chateaugeschichten
Zuletzt in Frankreich

Über dem Nebelmeer

Veröffentlicht: 23.06.2026

Fahrt
Étretat → … → Marais du Cotentin
Frankreich
Attraktion
Veules-les-Roses
Veules-les-Roses, Frankreich
Attraktion
Paragleiter-Hotspot
Normandie, Frankreich
Attraktion
Marais du Cotentin
Normandie, Frankreich
Attraktion
Storchenruine
Marais du Cotentin, Frankreich
Mittlerweile haben wir die Einflugschneise nach Étretat erreicht, die Wohnmobildichte wird höher, die Anzahl gesperrter Zufahrten ebenso.
Mit der Fähre über die Seine
Wir spazieren durch Veules-les-Roses, eines der Schönsten Dörfer Frankreichs und lernen dabei den Veules kennen. Der kürzeste Fluss Frankreichs entspringt in dem Ort und fließt nach kaum mehr als einem Kilometer in den Ärmelkanal. 
Zappa entlarvt viele der Fachwerkbalken im Dörfchen mit Kennerblick als aufgemalte unechte Attrappen, was der pittoresken Romantik einen leichten Abbruch beschert.
Fachwerkatrappe in Veules-les-Roses

Jetzt suchen wir seit geraumer Zeit einen Platz für die Mittagspause, schließlich ist schon wieder Midi. Am liebsten mit Meerblick, wenn wir schon mal am Ärmelkanal sind.
Doch die einzige Möglichkeit liegt direkt über der gigantischen Baustelle für ein neues Atomkraftwerk. Darüber könnten wir hinwegsehen, doch der infernalische Lärm verhindert jegliche Unterhaltung, von einer wohlverdienten Siesta-Ruhe mal abgesehen. 
Kühe im Marais

Gefühlte Stunden und endlose Kilometer später rasten wir am Waldesrand, frei von jeglicher Aussicht, dafür aber voller Stille und Entspanntheit, bis uns das Grollen und Poltern eines herannahenden Gewitters weitertreibt. 
Ich habe schon wieder schlechte Laune, nörgele genervt herum und will in die Alpen. Scheiß auf die über tausend Kilometer!
Noch mehr Kühe

Der Held weiß mal wieder guten Rat: wir klappern ab sofort nur Plätze ab, die wir von der letztenTour kennen. In der Hoffnung, dass diese noch erreichbar sind. 
Also umfahren wir in weitem Bogen Le Havre und Caen und genießen das happy End des Tages bei einem sensationellen Sonnenuntergang in rotglühenden Farben auf einem Parkplatz mit grandioser Aussicht. 
Sonnenuntergang in Commes

Die ersten Sonnenstrahlen des nächsten Morgens werden schnell von einer dicken Nebelwand vertrieben, die sich aus Nordwest unaufhaltsam unserem Bellevue nähert. 
Keine halbe Stunde später umwabern uns feuchte Dunstwolken und nehmen jegliche Sicht auf den Atlantik.
Ich übe mich in Gelassenheit und Gleichmut. Ich habe Meerblick gebucht, ich lasse mir das jetzt nicht von einem dahergelaufenen feuchtkalten Niederschlag nehmen.
Frühstück im Nebel
Plötzlich fällt eine Karawane bis übers Dach vollgestopfter Vanlifer ein. Zwei österreichische Pärchen zerren riesige Stoffballen und dicke Rucksäcke aus ihren Transportern und stapeln das Geraffel rund um einen der Picknicktische auf. Die Jungs entfernen ihre Autos dann ordnungsgemäß aus der Zufahrt zu unserem Parkplatz, denn der angebrachte Spriegel lässt nur Fahrzeuge bis 1,90m Höhe durch.
Kühe im Nebel
Damit ensteht ausreichend Raum für die nächsten Busse. Innerhalb kürzester Zeit ist der Platz übersät mit bunten, voluminösen Stoffsäcken und internationaler Besetzung.
Na klar, ein unübersehbares Schild gibt darüber Auskunft, dass an dieser Stelle ideale Bedingungen herrschen, um mit Paragleitern hoch in die Lüfte zu steigen.
Paragleiter-Hotspot
Ich wundere mich ein bisschen, denn sehen kann man heute nichts. Der Nebel umwabert uns weiterhin in nasskalten Wogen. Kein Lüftchen weht und das merkt auch die eigens angereiste Community.
Gleitschirme im Nebel
Die Österreicher haben ihr Hauptquartier eingerichtet, checken unablässig die Windverhältnisse auf ihren Handys und beobachten mit mürrischen Mienen die schweizer Gleitschüler. Die bauen derweil das Wikingerschach zwischen den Fußballtoren auf und lassen Hölzchen fliegen.
Spiele im Nebel
Die Franzosen ihrerseits spielen Boule und werfen Bumerangs. Alle haben ein strenges Auge auf die vielschnäuzige Hundemeute, damit sich nicht unkontrolliert vermehrt wird. 
Den ganzen Vormittag herrscht buntes Treiben mit einem äußerst hohem Unterhaltungswert.
Nur der Wind fehlt. Und die Aussicht.
Endlich Wind und Sonne!
Gegen Mittag tritt leichte Verunsicherung ein, Handys werden immer wieder konsultiert und im Nebel nach Zeichen von Luftbewegungen Ausschau gehalten.
Die Österreicher bleiben in ihrem Tower weiter in Stellung, die Schweizer legen sich ermüdet in das grüne Gras und die Franzosen holen Baguette und Fromage aus den mobilen Küchen und lassen sich zum Dejeuner nieder.
Die Hunde verkrümeln sich unbeaufsichtigt in die Büsche am hinteren Ende des Geländes.
Marais du Cotentin
Gerade als ich für ein Nickerchen in die Räuberhöhle kriechen will, ertönt ein überraschter Ausruf. In vielen Sprachen erklingt es überaus erfreut: Wind! Jetzt gehts los, jetzt kommt Aktion in die Menge. Plötzlich ist es windig und die warme Sonne schiebt sich durch den Dunst.
Die Österreicher warten skeptisch ab und beobachten die Lage aus ihrem Basecamp. Die Franzosen sind schon in der Luft und gleiten einige hundert Meter entfernt die Küstenlinie entlang.
Die schweizer Flugschüler nehmen die Schirme huckepack und stehen am Abhang. 
Ein weißhaariger drahtiger Mann in knackigen Lederhosen versucht genervt um sie herum seinen Absprung. Leider lässt genau in diesem Moment eine Flaute seinen Gleiter in sich zusammen fallen. Kein Problem, die Eidgenossen packen alle an und schon ist der Bayer majestätisch auf und davon. Der versteht was vom Fliegen.
Alle packen an
Wir haben wieder Sicht auf das Meer und überall sind die bunten Schirme unterwegs. Was das für ein Vergnügen sein muss.
Wir kramen unsere Sachen zusammen, wir wollen heute noch weiter fahren. Unser Ziel ist das Marais du Cotentin, mal schauen, wie es mit der Ruhe im Moor bestellt ist.
Ein bisschen wie im Drömling
An der Storchenruine empfangen uns unzählige der großen Vögel. Wir versuchen sie zu zählen, das müssen über hundert sein.
Unglaublich! Und auch hier wird majestätisch durch die Lüfte gesegelt.
Das Geklapper wiegt uns in den Schlaf, bis die Störche spät nachts schlafen gehen und sich die Frösche mit lautem Quaken aus ihren Verstecken wagen.


Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
2 Tage
Wetter
Sommer
Begleitung
Zu zweit (2)
AbenteuerlichEntspannend
  • Spaziergang durch Veules-les-Roses
  • Paragleiter-Hotspot an der Küste
  • Nebel und Sonnenuntergang an der normannischen Küste
  • Marais du Cotentin mit vielen Störchen
NaturStrandRoadtripTransitTierwelt
châteaugeschichtenWie ein Newsletter: jeder neue Beitrag kommt per Mail.
Antworten (1)

Kasivon châteaugeschichtenvor etwa 2 Monaten
😇

Frankreich
Reiseberichte Frankreich