châteaugeschichten
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Es geht los, es ist soweit. Die Mega-Atlantik-Tour kann beginnen: 66 Tage in der Räuberhöhle zu Hause, neun Wochen der Nase nach auf Entdeckerfahrt.
Die Monate Juli und August sind nicht gerade unsere bevorzugte Reisezeit, superheiße Tage, umkämpfte Schlafplätze und überfüllte Hotspots sind zu befürchten. Nach einigem Hin und Her beschließen wir, entlang der Atlantikküste die hoffentlich milderen Temperaturen auszunutzen und dabei Landstriche zu erkunden, die bisher nicht auf unseren Reiserouten lagen. Los gehts in Calais und dann mal schauen - vielleicht bis nach Gibraltar?

Ich starte allerdings mit einem fiesen Infekt, der mir nächtelang mit einem ätzenden trockenen Husten und später mit verstopfter Betonnase den Schlaf raubt. Dabei erinnere ich mich an eine Reise vor ein paar Jahren, auf der ich mich unterwegs übel erkältet habe. Husten, Schnupfen, Heiserkeit schränken die Lebens- und Touristenqualität erheblich ein. Madame La Pharmacie berät mich gern und verkauft mir einen Sirop contre la toux, dessen Inhalt ich noch vor der Apotheke nach dem Motto "Viel hilft viel" zur Hälfte in mich hineinschütte. Den Rest kippe ich noch vor dem Abendessen hinterher.
Ich kann mich kaum noch an den Verlauf dieses milden Abends erinnern. Wie in Watte verpackt dämmre ich in wohlig-weichen, rosa Wölkchen vor mich hin und falle alsbald in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
Am nächsten Morgen erwache ich wie neugeboren, der Husten ist weggeblasen, die Nase frei und ich fühle mich putzmunter. Erst jetzt lese ich die Packungsbeilage und stelle fest, dass vom Autofahren nach dem Genuss dieses Teufelszeugs dringend abgeraten wird.
Ich denke, ich sollte diese Fahrt dann endlich dazu nutzen, von dem Zaubertrank, der in Deutschland nicht zugelassen ist, ein paar Fläschchen zu bunkern.

Blick nach Dover

Doch ansonsten stehen der Mega-Reise bisher keine Hindernisse im Weg, der Kangoo ist wirklich und wahrhaftig fahrbereit, alles ist gepackt und wie es scheint, ist nichts vergessen.
Auf dem Weg nach Calais machen wir noch einen Abstecher auf den schlechtesten Flohmarkt aller Zeiten in Lippstadt. Auf den ca. 100m Marktgelände stehen zwei Trödler mit rostig-gammligen Plunder, den die Welt nie wieder brauchen wird. An den restlichen Ständen schillern in gruselig schräg-bunten Farben Plastik-Spielzeug, Klamotten, Haushaltswaren, die die Welt noch nie gebraucht hat. Dieser Umweg hat sich wirklich nicht gelohnt.

Calais empfängt uns etwas unterkühlt. Ein strammer Wind bläst uns beim Frühstück um die Nase, doch schon bald schiebt sich die Sonne durch die Wolken und hebt die Laune. Wir machen uns als erstes auf die Suche nach einer Einkaufsmöglichkeit und überfahren dabei eine Brücke, die links und rechts mit hohem, dicken Stacheldraht umsäumt ist. Das Ganze wirkt wie ein Hochsicherheits-Militärgelände, doch beim zweiten Blick und richtiger Deutung der Schilder stellen wir fest, dass wir in den Eingang des Eurotunnels geblickt haben, der so sicher befestigt wurde, wie das Amen in der Kirche.

Wenn die Briten kommen...

 
Beim Bau des Ganzen hat man nebenbei die größte deutsche Geschützbatterie Lindemann, durch deren 40cm dicke Kanonenrohre Geschosse bis zu einer Tonne und 50km Reichweite abgeschossen werden konnten, im Schlamm versenkt. Anders ließ sich das Problem wohl nicht lösen. Nun ist der dicke Beton-Bunker im Dreck verschwunden, dahin wo er gehört, wie ich finde.

Die Sch'tis sind gerade vollkommen damit beschäftigt, sich auf die bald durchziehende Tour de France vorzubereiten. Überall werden die Wege und Gassen gefegt, Unkraut gezupft, Pflänzchen gerade gebogen, neue Markierungen auf die Strassen gemalt und schon prophylaktisch Kühe aus den Gräben gezogen. Das führt zu Umleitungen und Sperrungen, die aber nicht sehr professionell beschildert werden, so dass wir einen Vormittag lang auf der Suche nach dem Zugang zum Meer durch die Landschaft irren und immer wieder an den Mitarbeitern der Auffrischungsmaßnamen vorbei müssen, bis sie uns schließlich mitleidig die Route-barrée-Schilder beiseite ziehen. Sie machen eh bald Feierabend.

Wir jedoch wollen noch bis nach Gibraltar, können deshalb nicht bis zur Tour bleiben und fahren weiter in die Normandie zu Cidre, Calvados und Camembert.


#calais#frankreich#atlantik#strand#küste#minicamper#wildcamping#gezeiten#wind#meer
Kommentare

Andreas
Wie immer interessant und spannend geschrieben... Weiter so...🎯👍

Papi
Einen schönen Urlaub und eine gute Zeit für Euch beide! Wir wünschen Euch allzeit Gute Fahrt! Liebe Grüße aus Neuenkirchen von Heiko, Heike und Moppi, der meint:" Nüscht wü raus aus Tschörmenie!"