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Zuletzt in Deutschland

...und seit einer Woche zurück auf dem Weg...

Veröffentlicht: 11.03.2026

Bus
Tarifa → Tarifa
Tarifa, Spanien
Unterkunft
Hostel in Tarifa
Hostel · Tarifa
Unterkunft
Albergue Municipal Jerez de la Frontera
Jerez de la Frontera
Unterkunft
Hostel in Jerez de la Frontera
Hostel · Jerez de la Frontera
Spaziergang
Tarifa → … → Jerez de la Frontera
Camino del Estrecho / Via Augusta
Attraktion
Medina Sidonia
Medina Sidonia, Spanien
Attraktion
Camino del Estrecho
Tarifa, Spanien
Attraktion
Via Augusta
Jerez de la Frontera, Spanien
Attraktion
Jerez de la Frontera
Jerez de la Frontera, Spanien
Attraktion
Gibraltar
Gibraltar, Gibraltar

Nachdem ich Spanien verlassen hatte, ging es dort und in Portugal mit solch heftigen Regen, Stürmen, Überschwemmungen weiter, dass ich beim gelegentlichen Ansehen diesbezüglicher Meldungen recht froh war, jetzt nicht dort zu sein! Ungefähr seit dem 18. Februar schien dann aber laut Wetterbericht meist die Sonne; so wagte ich einen neuen Aufbruch und fand mich am 3. März wieder in Tarifa ein. Eine schöne Busfahrt entlang der Küste, diesmal sogar mit Blick auf den markanten Felsen von Gibraltar. Gerade noch zum Sonnenuntergang komme ich im Hostel an und genieße erneut den Blick von der Dachterrasse über die weiße Stadt, den Hafen, das marokkanische Ufer - im Schein des Leuchtturms glänzen die Möwen jeweils silbern auf, wenn sie laut schreiend über die Dächer segeln.

Nachts gewittert es heftig - Sturmwarnung und Starkregen war vorhergesagt - und auch am kommenden Tag regnet es meist. Erst spät am Nachmittag und Abend kommt hin und wieder die Sonne durch und lässt das Meer in magischem Licht leuchten. Ich gehe bei kaltem Wind lange am Strand entlang, kann mich allerdings leider auch davon überzeugen, dass sich trotz der vergangenen trockenen Tage nichts daran änderte, dass "die Landschaft" zu nass ist. Und nun regnet es außerdem wieder und ist dazu noch kalt: kälter als in Deutschland zur gleichen Zeit. Im Hostel arbeitet ein junges Mädchen aus England, sie beklagt sich, wenn sie gewusst hätte, dass es in England gerade wärmer und sonniger ist als hier in Südspanien, wäre sie nicht hergekommen... und im Touristenbüro, wo ich leider nichts über die Wanderwegbeschaffenheit erfahren kann, meint die Dame, es gäbe hier nur noch schottisches Wetter statt spanischem...

So war die vergangene Woche nun geprägt zunächst von Regen und Kälte. Da die Verwüstungen an den Küsten wohl am stärksten sind, gab ich meine "immer der Küste entlang um Portugal und Spanien herum"- Pläne schon zuhause auf. Statt dessen versuche ich, tatsächlich recht direkt nördlich zu gehen, um über Sevilla dann sozusagen auf höheres Land zu gelangen, in Regionen, die in den Schreckensnachrichten weniger auftauchten. Das Zelt blieb ebenfalls daheim, der Rucksack ist so schon immer zu schwer... An vielen Stellen ist sichtbar, welche Verheerungen das zu viele Wasser anrichtete. Wobei erstaunlicherweise ausgetrockneter Boden von der Sonne wohl so hart gebrannt wird, dass sich die " Scherben" selbst nach Wochen im Wasser nicht auflösen!

Bei dieser Gelegenheit sammle ich nun auch wieder wie einst Stempel im Credencial, dem Pilgerausweis (wird in Pilgerherbergen als Berechtigung geprüft), denn tatsächlich liegt bereits Tarifa an einem "Jakobswegzubringer", dem Camino del Estrecho; inzwischen pilgere ich auf der Via Augusta, ein Camino, welcher, einer alten Römerstraße folgend , von Cadiz kommend nach Sevilla führt.

Außer einer kleinen Pilgerherberge im noch kleineren Dörfchen Tahivilla - nicht weit von da, wo ich Anfang Februar aufgab - gibt es bis Sevilla aber keine Herbergen.   Die ersten beiden Tage sind kalt und verregnet, es ergeben sich - da die Wege nicht begehbar - ungeplant "Gewaltmärsche" ausschließlich auf Asphalt, am ersten Tag gleich 26 km (ins schöne Medina Sidonia, weiß und märchenhaft auf einem Hügel gelegen; selbst bei Regenwetter ein hübscher Ort voll Geschichte, die sich in unterschiedlichsten Bauwerken spiegelt, selbst einen Abschnitt Original-Römerstraßenpflaster gibt es in einer Gasse! Ich kann dort hinter dem Gitter unter sozusagen dem Vordach vor der größten Kirche ganz oben im Ort schlafen; nachts ein Blick wie auf dunkles Meer voll roter Lichter: Windräder) und am nächsten eher 35 km, was meine Beine mir übel nahmen. Ich hatte gehofft, wenn schon immer an der Straße, könne ich einen Teil der Strecke Bus fahren oder trampen, es fuhr aber keiner (Bus) und es nahm mich niemand mit.  Ich lief durch eine gespenstisch-andere Art von Agrarlandachaft: endlose Flächen Solarfelder und unzählige Windräder (auch schon an der Küste waren sie allgegenwärtig). In einen kleineren Ort vor Jerez de la Frontera, bekam (endlich wieder) Wasser bei einer netten Familie, die ich auch fragte, ob es hier irgendwo eine Möglichkeit zu schlafen gebe. Mithilfe der "Handyübersetzer" unterhielten" wir uns sogar und sie kümmerten sich rührend, telefonierten und organisierten, während ich mich vor Müdigkeit und Schmerzen im Bein kaum noch aufrecht halten konnte. Schließlich wurde ich bei Dunkelheit in einem superunbequemen Polizeiauto von sehr leutselig-netten Polizisten ("in Spanien schläft niemand auf der Straße!") und unter lautstarkem Winken und Adieu der Familie und ihrer Nachbarn... doch noch nach Jerez gebracht und in einer so engen Gasse, dass die Autotüren kaum geöffnet werden konnten, bei der Albergue Municipal, dem Obdachlosenheim, abgeliefert. So hatte ich gegen halb zehn dann doch ein (Fünfbett)Zimmer für mich alleine. Am nächsten Morgen erzählt mir der diensthabende Sozialarbeiter, er sei selbst schon dreimal in Santiago gewesen. Er bestätigt auch, dass diese Einrichtungen von Pilgern genutzt werden dürfen, solange sie Plätze frei haben...

Um meine Beine auszuruhen, nehme ich mir für die zweite Nacht in Jerez de la Frontera dann ein Zimmer in einem Hostel, und seitdem jede weitere Nacht bis jetzt - ein Weilchen kann ich mir das leisten, wenn es noch so kalt ist nachts, auch kann ich so die Beine eher länger hochlegen; ich bin zwar verunsichert, dass diese nicht wie gewohnt "einfach laufen" und außer Muskelkater "nix sagen", zugleich bin ich ehrfürchtig-dankbar, wie unermüdlich sie mich und das schwere Gepäck tragen! Um es zu erleichtern, nehme ich möglichst wenig Wasser von Ort zu Ort mit; unterwegs irgendwo nach Wasser fragen, ist hier eher unmöglich, da alle Anwesen, egal wie groß oder klein von Zäunen umgeben sind und von Hunden bewacht werden. Die immer möglichst billig ausgesuchten Zimmer sind zwar sehr unterschiedlich und leiser ist es nachts oft nicht gerade ruhig, aber es gibt mir einen Rückzugsraum, eine heiße Dusche, eben etwas Privatsphäre - insgesamt aber hatte ich von Korkeichenwäldern geträumt und von draußen-schlafen, von schmalen Fußpfaden und... ...na ja, wie das mit Träumen und Plänen so ist... hier ist " die Natur" momentan noch sehr zugemüllt, ausgeräumt, vollgebaut, lärmig...

 Zum Gück regnet es nicht mehr, sondern nur noch dunkle Wolken gestalten den Himmel abwechslungsreich und bilden immer wieder einen schönen Kontrast zu den vielen weißen Mauern. Heute war der erste Tag, an dem "einfach nur die Sonne von blauem Himmel schien" allerdings morgens auch noch bei nur 4° C, tagsüber wurde es dann bei Windstille sogar recht warm; gestern zog ich zum ersten Mal einige Zeit mein langes Wollhemd aus - und ich hatte noch überlegt, ob es überhaupt nötig sei, die langen Wollsachen mitzunehmen!..

Es gibt schon so viel Blühen, die Orangen sind inzwischen fast alle abgefallen, aber die Bäume sind schon voll weißer Knospen; schon zweimal fand ich eine Zitrone ("Fallobst") für meine Wasserflasche; Palmen, Oliven- und Eukalyptusbäume und natürlich die schlanken Zyressen;  Kaninchen, Eidechsen, Vögel - es gäbe so viel zu berichten. 

Daneben bin ich mir noch immer unsicher, ob und wie ich nun mit den dieses Jahr doch ungeahnt großen Unterschieden zwischen geträumten Vorstellungen und tatsächlicher Realität umgehen kann und soll. Es ist gut, es nochmal versucht zu haben; es ist bitter, dass es wetterbedingt so anders ist und nun (mit bedingt dadurch) ich nicht weiß, ob ich mein nach zwei Ruhetagen zwar weniger aber noch immer schmerzendes Bein überhaupt mit Gepäck und langen Wanderungen belasten darf. Gestern wanderte ich vorsichtig gut 10 km, da waren zwei Orte schön nah beieinander; froh machte mich auch, dass die Feld- bzw. Wiesenwegstücke begehbar waren! Welch himmlische Stille so zwischen Feldern und Vogelstimmen nach den Tagen an Straßen und in Städten, wo selbst durch die engsten Gässchen noch Autos und Roller fahren (und selbst in einer Bar oder auf öffentlichen Plätzen halten die Spanier nichts von ruhigen Unterhaltungen, es muss schon immer sehr lautstark zugehen!). Heute ergaben sich dann doch wieder eher gut 20 km als kürzeste Möglichkeit; eintönig lange Schotterwege zwischen Bahnlinie und einem Kanal entlang - und da umgaukelte mich bereits ein Schwalbenschwanz! Welch zartes, bunt-fröhliches Geschenk!

 

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
7 Tage
Wetter
Frühling · 4°C
Begleitung
Allein
Abseits der PfadeAbenteuerlichEntspannend
  • Rückkehr nach Tarifa am 3. März
  • Blick auf Gibraltar bei der Busfahrt entlang der Küste
  • Übernachtung in Medina Sidonia mit Blick auf Windräder
  • Polizeifahrt nach Jerez de la Frontera
  • Wanderung auf dem Camino del Estrecho und der Via Augusta
RucksackZeltCredencialWollsachen
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