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Sevilla - einige Tage Pause

Veröffentlicht: 16.03.2026

Ehe ich mich morgen von Sevilla verabschiede, hier einige Eindrücke aus dieser besonderen Stadt, in welcher ich allerdings vor allem und fast ausschließlich auf der Dachterrasse des Hostels "La Flamenka" den Rat einer Freundin befolgte: "Beine hoch, Laune hoch!" und mich im Ruhe halten übte. (kam am Do. 12. März  mit geschwollenem, noch immer stark schmerzenden rechten Bein und ziemlich bedrückt hier an; viele Stunden Liegen, Joghurtwickel - Quark konnte ich hier nirgendwo finden - Entspannen, Arnikasalbe... später, fühlt sich inzwischen dankenswerterweise auch das rechte Bein wieder soweit wohl.)

Trotz allem unternahm ich kurze Spaziergänge in die Stadt, verzichte aber auf Bilder der Kathedrale, des Plaza de Espanol, des Torre del Oro oder ähnlicher Bauwerke - da findet ihr im Netz oder in Büchern viel bessere als ich sie machen könnte. Sowieso besichtigte ich weder die Kathedrale noch den berühmten königlichen Palast Alcazar von innen, da teuer und Endlosschlangen vor den Eingängen... ...von der Dachterrasse des Hostels aus sehe ich (durch einen kleinen Wald aus Hausdach-Antennen) auf die Kathedrale, welche die weißen Häuser weit überragt: die größte gotische Kirche Spaniens und eine der größten Kirchen der Welt (laut Wikipedia) mit einem Turm (Giralda), welcher ehemals Minarett einer Moschee war und sich frei neben dem Kirchenschiff erhebt (nachts angestrahlt, wirkt dieses alles überragende Bauwerk besonders beeindruckend). 

Enge Gassen voller (Souvenir)läden, eine Flamenkotänzerin auf der Straße, die allgegenwärtigen (weißen) Tauben, die sich auch immer wieder so nett auf streng-erhabene Denkmäler niederlassen oder auch mal in einen Laden hineinverirren..., die inzwischen weiß bühenden und süß duftenden Orangenbäumchen (wobei die hübschen orange leuchtenden Kugeln doch attraktiver waren!), ein Schwarm grün-bunter kleiner Papageien, welcher sich mit einmal in den eben erst ganz zart knospenden Bäumen neben dem alten Gebäude, in welchem u.a. das Hostel untergebracht ist, niederlässt, all die Figuren und Verzierungen an alten Häusern (inzwischen oftmals auch in Form von Gräsern und sonstigen Pflanzen, die aus Mauerritzen und Gesimskanten hervorwachsen), all die Menschen, welche die Stadt füllen (ihre Kleidung, ihr Gebaren... ich könnte endlos nur "Menschen anschauen"; ein Mann schläft, in eine Art rotgemusterten Teppich gehüllt tief und fest direkt am altehrwürdigen Eingang der Universidad de Sevilla, mitten am Tag; ein grauhaariger Mann sitzt unter einem violett blühenden Bäumchen vespernd auf einer Parkbank, auf dem Kopf eine lila McDonalds-Papp-Krone... ein " uraltes" Paar sitzt nebeneinander wie 20 jährige: beide starren jeder auf ihren Bildschirm... ...), das Keramikviertel auf der anderen Seite des Guadalquivir, des Flusses, der durch Sevilla fließt (ja, der, bei dem es so schlimme Überschwemmungen gab im Februar): Triana, das älteste Viertel Sevillas; dorthin spazierte ich gestern, am Sonntag über die schöne schmiedeiserne Trianabrücke. Dort wurde wohl im wesentlichen die schöne Keramik hergestellt, welche in charakteristischen Mustern, Formen und Bildern so viele Gebäude, Hauseingänge... schmückt, aber natürlich auch Geschirr und andere Gebrauchsgegenstände.

Dann schlenderte ich (auf dem Weg zu Sevillas ältester Kirche) miteinmal durch Gassen, an welchen sonntäglich gekleidete Menschen "Spalier standen"! Soweit ich verstehen konnte, warteten sie auf eine Prozession, welche in einer halben Stunde "vorbeikommen" sollte. Ich setzte mich zu allen anderen auf die Bordsteinkante und wartete mit. Ganz offensichtlich war dies keine Touristenveranstaltung: rundum war ausschließlich Spanisch zu hören, alle Menschen, alt und jung waren in ihren besten Kleidern unterwegs (Jungs in Anzug mit kurzen Hosen und Kniestrümpfen, Mädchen in Kleidchen und Schleifchen, Männer in Anzügen und Frauen, na ja in allem, was diejenige eben für vornehm und schön hält, da ist heute die Bandbreite ja sehr groß...), viele trugen ein großes silbernes Emblem der Marienfigur als Kette um den Hals, auch Männer und Kinder; und der Strom an solcherart herausgeputzten Menschen hörte und hörte nicht auf... Um 12 Uhr stieg die Spannung, bis dann mit Weihrauch, mit feierlichem Singsang, vorneweg eine enggepferchte Masse an Menschen, dann einige wie Admiralitäten o.ä. gekleidete Männer (aber keine Priester), dann Träger hoher silberner Kerzen, welche zuerst um die Ecke in "unsere " Gasse schwankten und schließlich eine überlebensgroße Marienfigur  mit Blumen und weitem rotem Samtmantel, welchen die am Weg stehenden zu berühren suchten, dahinter Blasmusik in "endlosen" Fünferreihen (mindestens 50 Musiker), welche gekonnt getragene, schön-traurig-stimmungsvolle Musik spielen, einmal nur eine hohe Flöte, sehnsuchtsvoll, ehe alle wieder einsetzen. Und während dessen so dicht eingezwängt zwischen so unzähligen Menschen stehen, dass ich fast Platzangst bekomme...

Am Placa de Espanol, dem berühmten und wunderschönen Gesamtkunstwerk aus Gärten, Parks, Architektur und Wasser (geschaffen vor ziemlich genau 100 Jahren), wird vor historisch-romantischer Kulisse eine Braut in Szene gesetzt und professionell fotografiert - erst beim Näherkommen sehe ich, dass diese "Braut" höchstens 10 Jahre alt ist, es also wohl eher um die Erstkommunion geht...

Inzwischen dunkelt es, die Kathedrale erstrahlt und es wird empfindlich kühl - auch wenn die Mittagssonne bei Windstille auch schon auf über 20° C kommt, wird es Nachts noch recht frisch mit Temperaturen deutlich unter 10°C.

Jetzt bin ich hoffnungsvoll-gespannt, ob ich endlich "richtig" loswandern bzw. pilgern kann, oder ob dieses (Früh)jahr einfach anderes für mich vorgesehen ist?! Ich habe Sehnsucht nach Stille und Natur! So schön diese Stadt auch sein mag: es gibt keine Ruhe, nirgendwo; selbst hier auf der Dachterrasse sind immerzu viele Klimaanlagen/"Wärmepumpen"/Entlüftungen zu hören (und zu riechen), in den Schlafsaal klingt Motorenlärm und die vielen Menschen herauf (und auch mal Schnarchen von Mitschläfern...); in der Stadt ist es selbst in Parks, unter Bäumen und am Fluss nie ruhig - ich bin für diese Dauerbeschallung nicht gemacht...

Antworten (2)

Bettina vom Seevor 26 Tagen
Eindrucksvoll! Danke für die Beschreibung! Gutes Gelingen und insbesondere Gesundheit!

Irmgardvor 22 Tagen
Vielen vielen Dank für Deine für mich nach-empfindbaren Eindrücke. Bin ganz froh, dass Dir die "Wassermassen" nicht einen bleibenden Schaden zufügen konnten. Die Sonne (welche Christus heisst) macht auch auf mich einen wärmenden Eindruck. Gute Weiter-Reise

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