durch den Naturpark Quercy bis Conques in den Waldbergen der Auvergne
Noch nicht mal zehn Tage ist es her, dass ich zuletzt schrieb - da war es mir noch so kalt, dass ich (alles angezogen, was ich dabei habe) extra schnell wanderte, um warm zu...

Veröffentlicht: 07.06.2026




















Nachdem ich Conques verlassen hatte, war ich sehr gespannt auf "L'Aubrac", dieses ausgedehnte Hochplateau vulkanischen Ursprungs im "Massif Central". Zuvor noch das ein und andere Mal ins Tal des stark mäandernden Flusses Lot absteigen, über alte Steinbogenbrücken auf malerische Orte zugehen - so z.B. in Estaing, später Saint-Come-d'Olt mit ganz spitzen Kirchtürmen, oder nach einem langen, heißen Wandertag im schönen abendlichen Licht in Espalion, am Fluss entlang und wieder auf fast 500 m aufsteigen, um unterm Blätterdach auf einem Picknicktisch zu schlafen. Die einzelnen kegelförmigen Vulkanberge hin und wieder mit einer Burgruine gekrönt oder, wie oberhalb von Espalion, von einer überlebensgroßen Steinmadonna im wehenden Gewand, die segnend ins Tal hinabblickt, auf den Teppich aus Feldern, Wiesen, Äckern, Wald, Stadt und Fluss im Morgenlicht - ich stehe frühmorgens neben ihr auf dem Gipfel und fühle mich fast als könnte ich fliegen und sähe aus der Vogelperspektive übers Land...
Trotz Abstiegen ins Lot-Tal steige ich insgesamt immer höher und höher im "Parc naturel regional de l'Aubrac". Der Ort Aubrac selbst liegt auf 1300 m Höhe. Es gibt Gewitterwarnung nach den heißen Tagen - und als ich nach einem langen Wandertag mit immer mehr Stille, Walderdbeeren, wilden Stiefmütterle und schmalen Gebirgspfaden auf der kahlen Hochfläche ankomme, verschwindet die Sonne von einer Sekunde auf die andere hinter dunklen Wolken, als hätte jemand das Licht ausgeknipst, und ein kühler Wind kommt auf. "Bitte jetzt kein Gewitter hier, ohne Schutzmöglichkeit und nur noch einige Kilometer von Aubrac entfernt!", denke ich und gehe rascher. Weißdornbüsche (wieder) in voller Blüte, Ginster, Zäune und Weiden, Kreuze, Steinmauern, goldgelbe Arnikablüten, markante Felsen, Wolkentürme und wechselndes Licht - und der kalte Wind. Gegen halb acht erreiche ich Aubrac (wieder 32 km - längst bin ich ja "gut eingelaufen" und wandere an den meisten Tagen gut 30 km...): ein kleiner Ort mit den hier typischen wuchtigen Steinhäusern, einem großen Turm (Pilgerherberge), trutziger Kirche, Hotels, Restaurants - und dem Ortsschild noch immer auf dem Kopf (als im Januar 2024 bei uns Gummistiefel an die Ortsschilder gehängt wurden zum Zeichen der Solidarität mit den Bauernprotesten, wurden in Frankreich die Ortsschilder umgedreht - offensichtlich klappte es noch nicht überall wieder mit dem Zurückdrehen...). Ich schlafe in einem kleinen Schutzraum neben der Kirche - Größe und Charakter einer Bushaltestelle, aber trocken und soweit windgeschützt. In der Pilgerherberge duschte ich gegen eine Spende - da niemand da war, den ich hätte fragen können, entschied ich selbständig, dass dies möglich sei, und kochte mir auch noch einen Tee in der Küche im Dachgeschoss des Turmes... Die Menschen zu den Rucksäcken in den Schlafräumen auf den Stockwerken zwei und drei an der Wendeltreppe waren wohl alle zum Essen im Restaurant.
Die nächsten drei, vier Tage bleibe ich immer auf Höhen zwischen 1000 und 1300 m. Die "mythische Hochebene Aubrac im Zentralmassiv", wie die schwärmerische Lokalwerbung lautet, ist großteils Naturpark und wirklich verwunschen, einsam und wunderschön! Etwas mulmig ist mir, wenn ich durch Weiden gehen muss, da die Kühe alle Kälber haben, wenn dann noch ein großer Bulle dabei ist und direkt auf dem Weg herum stehen, bin ich doch froh, wenn ich vorbei bin und wieder ein Tor und ein Zaun zwischen der Herde und mir ist - weites Weidehochland, Wiesen voller weißer Narzissen und Teppichen aus violetten Stiefmütterle, hohes Wiesenschaumkraut, goldgelber Ginster, angenehmer Wind auf der Höhe und nicht mehr so heiß, Nadelbäume, blumenschimmernde noch-nicht-gemähte Wiesen und solche mit duftendem Heu, Getreidefelder voll Kornblumen... Meist kleine, wie ausgestorben wirkende Orte und Weiler oder einfach Kilometer um Kilometer Wald- und Wiesenwege ohne Ortschaften. Hin und wieder ein Wasserhahn oder Brunnen irgendwo (immer gut mit " eau portable" gekennzeichnet) und natürlich entgegenkommende Pilger. Die Nächte frisch und fast zu kalt zum draußen Schlafen, so bin ich nach einer eher frösteligen Nacht unter großen Kiefern froh, dass es bei der Kapelle von Saint-Roch, am Passübergang "Col de l'Hospitalet" auf 1300 m Höhe, wieder einen Schutzraum gibt, der zwar in seiner massiven Steinmauer-Dunkelheit nicht gerade warm und gemütlich ist, aber doch den Wind abhält. Früh dann waschen an der "heiligen Quelle" - leider ist die Kapelle geschlossen. Noch früher im Mittelalter gab es hier wohl mal ein "Hospital", daher noch der Name. (Leider sind in Frankreich fast alle interessanten Informationstafeln zu Geschichte, Geologie, Bauwerken, Landschaft... ausschließlich in Französisch verfasst, kein zusätzliches Englisch wie vielen anderen Ländern üblich.) Nach diesem "Übergang" am Col de l'Hospitalet verlasse ich Okzitanien und befinde mich seitdem in der Region Auvergne-Rhone-Alpes.
Bis Le Puy-en-Velay sind es nun noch zwei schwül-heiße lange Wandertage (Gewitterwarnungen) - 8 der 75 Wanderkilometer sind ein wunderschöner "Umweg", da die rotweiße Markierung eben nicht nur für den GR65 gilt, was ich eben einmal erst nach längerer Zeit bemerke, nachdem ich mich doch wundere, dass mir so lange keine Pilger mehr entgegen kommen!
Diese zwei Tage bis Le Puy führen immer noch durch gebirgiges Land. Jetzt aber viel Nadelwald, Blaubeersträucher, Gras und Moos unter den Kiefern und Fichten, Duft nach Harz, Nadelholz und Ginster. Dann endlich sogar lichtgrüner Buchenwald - wie vermisste ich das bisher in diesem Frühjahr!! Dazwischen immer wieder weite Blicke ins Land und auf waldige Höhenzüge. In der Region um Sauges gab es in den Jahren 1764-1767 einen Wolf oder wilden Hund(?), ein Untier jedenfalls, das rund hundert Personen (Frauen, Kinder, Jugendliche) tötete: die "Bestie des Gevaudan". Jeder kleine Ort hat einen Wolf aufgestellt, riesig, über einer Frau stehend, in Stein oder zähnefletschend aus Holz, als gemalte Fratze oder als Statue aus Metall - in Sauges gibt es sogar ein "Musee de la Bete du Gevaudan", beworben mit wilden Plakaten. Pilger-Unterkünfte werben in dieser Gegend nicht nur mit Muscheln aller Art, sondern auch mit Wolfsfratzen, Hotels, Geschäfte, Ortsschilder: überall taucht die Bestie auf; wie sehr dieses Jahrhunderte zurückliegende Trauma noch heute werbewirksam nachwirkt!
Die Häuser, Höfe, Burgen, Kirchen... dieser Gegend sind alle aus großen Feldsteinen gemauert, auf den Türstürzen stehen Zahlen aus dem 19. Jahrhundert, die Fensterläden sind rot, blau oder grünblau und die Rosen blühen. Wie gesagt: ein Ort wie der andere wirkt wie ein Freilichtmuseum... Dazwischen wieder Wiesen voll Margariten, Kornblumen, Skabiosen; auf allen Wiesen wird das Heu in Ballen oder Würfel gepresst oder auf Anhänger geblasen, es staubt, wenn die schweren Maschinen auf den unbefestigten Wegen vorbeidonnern. In diesen Tagen rufen wieder unermüdlich die Kuckucke... Weidensamen treiben in der Luft und liegen an Wegrändern wie Schneeflocken. Und dann all die Felsen! Runde Brocken, große, graue Felsen, die "auf den Wiesen herumliegen". Der Weg nach Monistrol d'Allier (alte Eisenbahn- und Industrie"stadt", Abstieg von über 1000 auf 500 m, alles zwischen Basaltwänden) und Saint-Privat-d'Allier ist wie ein "vulkanischer Lehrpfad" mit Höhlen und überhängenden Steilwänden aus schön "geometrisch gemustertem" Basalt; einmal eine Kapelle in die Felswand gebaut. In Saint- Privat-d'Allier stecke ich mein Telefon zum Laden in der Kirche in eine Steckdose, ehe ich meinen Schlafplatz in einem sehr kleinen, nach vorne offenen Gewölbe in der Nähe einrichte - der Zweck dieses "Bauwerkes" erschließt sich mir nicht, vielleicht war es Teil eines Tores zu einem Park?, jedenfalls habe ich so ein schützendes Dach gegen eventuellen Regen; der (fast)Vollmond leuchtet hell und es ist warm genug in dieser Nacht. Die Glocken der Kirche dröhnen allerdings so nah, dass ich froh bin, dass sie zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr früh nicht mehr erklingen! Zunächst aber ist mein Schreck groß, als ich mein Telefon holen will und die Kirche nun verschlossen finde. Unterhalb im Ort klopfe ich bei der ersten Gite, da sitzen eben die Gäste beim Abendessen, ein junger Mann versteht zum Glück Englisch, so kann ich mein Problem deutlich machen. Der Besitzer telefoniert kurz und schickt mich zur Kirche zurück: eine nette Frau im Sommerkleid hat bereits wieder aufgeschlossen, als ich ankomme, sie lacht herzlich ("you are welcome"), als ich Telefon und Ladekabel hole und mich entschuldige für die Mühe, die ich ihr machte...
In Le Puy-en-Velay komme ich am 31. Mai an und übernachte wieder in einer kirchlichen Pilgerherberge. Zwar ist es hier kein Klostergebäude wie in Conques, aber ein ebenso altes Gemäuer mit vielen verwinkelten Treppen und mehreren Stockwerken. Die landschaftsprägenden Basaltkuppen heißen auf Französisch "Puy" in Le Puy-en-Velay ragen spitze Bergkuppen mitten in der Stadt empor, gekrönt von einer riesigen roten Steinmadonna mit winkendem Kind auf fem Arm, oder von einer Kirche, die für ihre Spitze zu groß erscheint... Die Kathedrale und der Kreuzgang wirken zwei-bzw. mehrfarbig, alles verschiedenfarbige Natursteine aus der Region. Natürlich muss man über eine lange Treppe zur oben thronenden Kathedrale hinaufsteigen - in dieser (Alt)stadt gibt es nichts, das nicht steil wäre... Hier beginnt für die meisten Pilger der Weg Richtung Pyrenäen und Spanien (wobei die wenigsten soweit am Stück gehen) - entsprechend "aufgeregt" und "frisch" sind alle, kaufen in der Kathedrale den Pilgerausweis und Muscheln für die Rucksäcke. Früh um 7 Uhr ist Pilgermesse in der Kathedrale, jeden Tag. Ich entscheide mich, lieber die Gelegenheit eines Bettes zu nutzen, um erst nach sieben aufzustehen - auch will ich ja nicht früh losgehen, sondern mir erst die Stadt noch etwas ansehen, außerdem bin ich ja bereits fast drei Monate unterwegs und habe nicht das Gefühl, gerade jetzt eine Messe zu benötigen, von der ich sowieso nichts verstehe... Ich bin die einzige Pilgerin, die die Herberge nicht vor sieben verließ, und ich werde von den Hospitaleros "peinlich befragt", weshalb ich nicht zur Messe ging, und meine Antworten scheinen sie nicht zu überzeugen...
Ich verlasse Le Puy Montag Mittag, schwer bepackt nach Einkäufen im Supermarkt am Stadtrand und vespere dann an der Loire - ja, für kurze 1,6 km führt mein Weg an der breiten Loire entlang (erinnert mich wieder an das Radeln entlang dieses wunderbaren Flusses): riesige, hohe Steinpfeiler einer Eisenbahnbrücke; bei Brives-Charensac stehen neben der (auch schon alten) Brücke noch zwei Bögen einer Brücke aus dem 12. Jahrhundert am bzw. im Fluss, ohne Fortsetzung...
Zunächst verändert sich die Landschaft wenig, aber: Es gibt keine entgegenkommenden Pilger mehr! "Hinter" Le Puy wird es nun einsam auf den Wanderwegen und (leider) gibt es auch keine Überraschungen am Weg mehr wie bisher (Getränke gegen Spende, Rastplätze, Cafes, Wasserhähne...) - eindeutig habe ich seitdem den Bereich der vielbegangenen Pilgerwege verlassen. Während der vergangenen Woche traf ich insgesamt auf eine gute Handvoll entgegenkommende Wanderer. Die erste, die ich am zweiten Abend nach dem Aufbruch aus Le Puy erst traf, war eine Deutsche, die ebenfalls Anfang März aufbrach, allerdings in Süddeutschland. Am nächsten Morgen traf ich an einem Brunnen auf einen 71 jährigen Österreicher, der in Lausanne seine Wanderung begann... Es ist weiterhin der Fernwanderweg GR 65, als Pilgerweg heißt dieses Teilstück von Genf nach Le Puy-en-Velay "Via Gebennensis".
Nach den heißen Tagen kamen diese Woche nun solche mit wechselhaftem Wetter, Gewittern, Regen und Kälte. So suchte ich immer Schlafplätze "unter Dach" (einmal sogar in einem großzüg-sauberen, nicht-riechenden öffentlichen WC-Häusle eines Picknickplatzes, oder unterm gewölbten Torbogen vor dem Sitzungssaal des Rathauses in Saint-Jeures, oder neben dem plätschernden Wasserbecken einer alten, überdachten Tränke...); am Dienstag verbringe ich den Großteil des Tages in einem zugig-kalten Steinunterschlupf, in dem es zum Glück zwei Holzpodeste gibt, so dass ich mein Bettzeug auspacken und im Schlafsack liegen kann, während ein Gewitterregen nach dem anderen auf die Dach-Steine trommelt, es donnert und zwischendurch wieder kurz die Sonne scheint, so dass alles dampft. Erst nachmittags um fünf wandere ich weiter. Am Donnerstag regnet es sich dann ein, während ich im Wald unterwegs bin im "Parc naturel regional du Pilat", wieder Höhen um 1200 m, Besiedlung nur im Tal. Nass, kalt und zwischendurch nicht mehr so recht wissend, weshalb ich mir das eigentlich antue... steige ich ab ins Tal nach Saint-Sauveur, während der Weg eigentlich auf der Höhe bis Bourg-Argental weiterginge. In diesem Ort findet sich allerdings gar nichts - selbst die Bäckerei und das Restaurant, welche sich in meiner Karte durchaus noch befinden, gibt es nicht mehr: keine Aussicht auf Wärme... und die Kirche ist zwar trocken, aber kalt. Also muss ich nun wohl an der Straße entlang die 7 km bis Bourg-Argental wandern, von vorbeifahrenden Fahrzeugen noch mehr durchnässt, als ich bereits bin, außerdem friere ich unter dem Poncho (lasse meine Jacke und warmen Sachen schön trocken im Rucksack!). Obwohl ich wenig Hoffnung habe, in diesem Zustand mitgenommen zu werden, halte ich den Daumen raus - und siehe da, eine Frau nimmt mich und meinen nassen Rucksack ohne Zögern in ihr kleines Auto, obwohl mir das Wasser vom Hut tropft... Sie fährt zur Arbeit, kann etwas Englisch und fragt mich nach woher-wohin. Am Touristenbüro hängt ein Schild "ferme"! Ich ärgere mich, lese dann die Öffnungszeiten, wundere mich, versuche es: das Schild hängt nur verkehrtherum hinter der Scheibe, es ist geöffnet... Es ist schön warm (und nachher draußen wieder um so kälter) und die junge Frau erklärt mir, welche günstigsten Unterkünfte es hier gibt. Bei zwei Privatunterkünften habe ich kein Glück (AB, bzw. heute selbst nicht zuhause und daher keine Gäste), aber nachdem ich endlich einen heißen Tee trinken konnte, suche ich "Fritkot", ein Fastfood-Restaurant, wo es ein Zimmer für 18,- Euro geben soll. Es hat eigentlich nicht geöffnet, aber der Besitzer ist gerade da; ja, für 20,- kann er mir das "Pilgerzimmer" unterm Dach geben, da brauche ich dann meinen eigenen Schlafsack - ist mir recht. Und so lande ich kurz nach Mittag in einer "Absteige" in einem nur halb renovierten Haus in einem Zimmer mit nur einem Mini-Dachfenster sehr hoch oben und einem Stockbett ohne Bettwäsche. Aber es gibt eine heiße Dusche zwei Treppen tiefer, ich bin alleine im Haus und habe einen Schlüssel für die Hintertür... Während es bis zum nächsten Morgen weiterregnet, werde ich nach langer heißer Dusche im Schlafsack wieder warm, gehe später mal etwas zu essen einkaufen und eine alte Zeitung für meine nassen Schuhe organisieren, danach bleibe ich in meiner Höhle, schlafe bis nach sieben Uhr am nächsten Morgen, da es hier drin nicht wirklich hell wird...
Gestern erreichte ich dann das Rhonetal. Zunächst sah es überall noch schlimm aus von den Unwettern des Vortags: Zweige und Blätter auf den Wegen, überschäumende Gewässer, die noch-nicht-trockenen Schuhe vom nassen hohen Gras kleiner Wege gleich wieder durchnässt... Als ein junges Rehböckle direkt neben mir aufspringt, erschrecke ich - es ist aber wohl eher neugierig als ängstlich, bleibt mehrfach stehen und sieht mich an, ehe es mit weiten, federnden Sprüngen wie schwerelos durchs Getreide davonschnellt. Wenig später ein unversehrt wirkender, toter Dachs am Weg. Nach und nach geht die Landschaft in Weinberge über; nach wie vor viel auf und ab - oft geröllig-steil und bei der Nässe anstrengend, dann wieder so schöne Wege - und bei der sehr besonderen Chapelle de Calvaire dann der Blick auf die Rhone, breit und glitzernd unten im Tal. In Chavanay gelange ich an den Fluss und wandere anschließend rund 6 km auf dem Radweg (wieder eine Strecke, die ich letztes Jahr mit dem Rad befuhr...) am Fluss entlang - leider der Blick aufs Wasser oft von Uferböschungsbewuchs verdeckt und einige Zeit recht laut, da am gegenüberliegenden Ufer große Industrieanlagen sind, aber in Condrieu dann wunderschön: Abendsonne, die Weinberge überm Fluss, die Höhen, von denen ich "herabgestiegen" war... Lange sitze ich auf der Ufermauer, bis es mir zu kühl wird, dann schlüpfe ich unauffällig in ein weißes Zelt: verschiedenste Künstler verschönern die Uferpromenade und haben ihre Arbeitszelte aufgestellt, in denen Werkzeuge, Steine, Holz, halbfertige Skulpturen, Zementsäcke u.ä. lagern - mit einigen der Künstler sprach ich, um zu erfahren, was sie da machen. Ein Zelt ist leer bis auf einen Biertisch und zwei Stühle. So kann ich "ungesehen" direkt am Ufer der Rhone schlafen - leider kann ich allerdings auch nicht hinaussehen, aber da ich müde bin, macht das nichts. Und ich krieche heute früh genug wieder aus dem Zelt heraus, um das schöne Morgenlicht überm Wasser noch genießen zu können, ehe ich rasch wieder in die Einsamkeit der Berge hinaufsteige. Heute sah ich zum ersten Mal wieder Schneegipfel in der Ferne. Vermutlich werde ich noch oft die Alpen östlich meines Weges in der Ferne sehen, bis ich am Bodensee ankomme...
