Punta de Tarifa: Regen und Sturm nicht nur am südlichste Felsen Europas - wetterbedingt verzögerter Wanderungsbeginn
Tarifa - der Weg beginnt

Veröffentlicht: 24.01.2026
In Deutschland ist es seit Jahresbeginn winterlich kalt, eisig und weiß. Kaum vorstellbar, dass im Süden Europas jetzt bereits blühender Frühling herrscht und es ganz im Norden heute noch nicht einmal zwei Stunden Tageslicht gibt! Diese gewaltigen Entfernungen, Verschiedenheiten, jeweiligen Ausprägungen und Schönheiten wirklich zu erleben, ist Schrittgeschwindigkeit gerade richtig...
...aber nun KURZ zu mir (falls Menschen auf diese Seite finden, die mich nicht kennen...): ich heiße Dorothea (und Anna - daher die "Wildgans-Anna", denn schon als Kind träumte ich davon, wie Nils Holgersson mit den Wildgänsen in andere Länder zu fliegen, und bis heute wecken Zugvögel Fernweh und das "Sehnen, das nimmermehr ruht"...) Ich bin Wandervogel, Pilgerin, unterm-Sternenhimmel-Schlafende, Entdeckerin-mit-den-Füßen; so pilgerte ich als Studentin bereits vor über dreißig Jahren nach Santiago de Compostela und Finisterre (als noch kaum jemand wusste, wo das liegt...). Bis ich 19 war, begrenzte eine Mauer und ein "eiserner Vorhang" die Möglichkeiten, nach Osten zu wandern, dann änderte sich dies dankenswerterweise, und das wanderbare Europa "wurde größer".
Die vergangenen Jahrzehnte durfte ich intensiv Familie leben - mit Kindern (eigenen und Pflegkindern), Tieren, Garten und schließlich langer Krankenpflege. Gewandert und gesungen wurde auch als Familie mit Hund und notfalls Windeln im Rucksack: im Alpenraum, in Skandinavien, auf dem Balkan und natürlich wieder und wieder in Deutschland...
Seit wenigen Jahren nun bin ich verwitwet, die Kinder sind erwachsen und gehen eigene Wege, Haus und Garten dürfen inzwischen von einer neuen jungen Familie belebt werden - und ich wandere wieder meist alleine: So z.B. über die Alpen von Österreich nach Slowenien, mit dem Fahrrad durch Frankreich oder auf einem "endlosen Strandspaziergang" an der litauischen, lettischen und estnischen Ostseeküste. Überraschendes Geschenk des Lebens: Von Zeit zu Zeit gesellt sich ein "neuer" lieber Wanderkamerad dazu - so durch Rumänien auf der Via Transilvanica oder in Polen und der Tschechei, den "Waldeinsamkeiten" Eichendorffs im alten Schlesien...
Und nun? Bin ich 55 Jahre alt, mein bisheriges Leben war reich, bewegt, nicht immer einfach, aber jedenfalls nie langweilig - ich blicke voll Dankbarkeit zurück! "Leuchtende Tage: weine nicht, dass sie vorüber, sondern freue dich, dass sie gewesen." Konfuzius soll das gesagt haben und ich nehme es mir immer wieder neu zu Herzen. Nach dem Verkauf von Haus und Auto, dem Aufräumen und Weitergeben von so vielem, dem Unterstellen all dessen, was ich noch behalten möchte, dem (hoffentlich für lange Zeit) letzten Treffen mit dem Zahnarzt, den (hoffentlich nicht!) "letzten" Besuchen bei vielen Lieben... ...ist nun der Rucksack gepackt für einen Aufbruch, ein Los(lassen + Vorwärts)Gehen ohne festgelegtem Endzeitpunkt! "Ich werde zu Fuß durch Europa gehen" antworte ich möglichst selbstverständlich, wenn ich gefragt werde, was ich so vorhabe im nächsten Jahr, den nächsten Jahren - dabei fühlt es sich alles andere als selbstverständlich an:
Als ich im Sommer 2024 fast 1500 km an der baltischen Ostseeküste entlangwandern konnte, war mir sehr wohl bewusst, dass diese wunderbaren Küsten jahrzehntelang Außengrenze der Sowjetunion waren und damit Sperrbezirk, den niemand betreten durfte! Welche Freiheit, dass hier heute ein wochenlanges einsames nacktbade-amStrandschlafen-Wellen-Wind-undWeitegenießen Leben möglich ist! Erst vor wenigen Jahren konnten wir alle miterleben, wie beängstigend rasch sich die Situation eines "grenzenlosen" Europa veränderte! So ist meine Wanderung jubelnde Dankbarkeit über das Glück, durch ein Europa ohne Mauern und Schlagbäume wandern zu können - und zugleich stetiges Bewusstsein der Gefährdung dieser Freiheit!