Biken in Bangkok
17. Juni 2025: Mitten im Grossstadtdschungel von Bangkok, in einer Schleife des Flusses Chao Phraya, liegt die Halbinsel Bang Krachao, ein Paradies für Naturliebhaber und Biker.

Veröffentlicht: 02.06.2026
Am 22. Februar 2025, nach meiner Reise durch Malaysia, flog ich von Kuala Lumpur mit Air Asia direkt nach Phuket. Air Asia ist die grösste asiatische Billig-Airline. Ein nüchterner Transpoort von einem Ort zum nächsten also, kein Luxus, kein Gratis-Essen, keine Gadgets. Aber ich muss sagen: Mit Air Asia habe ich ungleich bessere Erfahrungen gemacht als mit Easyjet in Europa. Mein Spruch, von Goethe inspiriert, gilt hier in Asien nur bedingt: «Das Leben ist zu kurz, um mit Billigfliegern zu fliegen.»
Phuket und im Besonderen die Pagtong Beach haben für mich eine nostalgische Bedeutung: Vor fast 30 Jahren war ich zum ersten Mal in Thailand, zum ersten Mal in Phuket, und es begann eine bis heute anhaltende, masslose Sympathie für dieses Land. Dabei war alles einem Zufall zu verdanken: Im September 1997 war ich beruflich in Hongkong und beschloss, ein paar Urklaubstage anzuhängen, wenn man schon so weit geflogen ist (13 Stunden ab Frankfurt).
Ich betrat ein Reisebüro, fragte die Angestellte, welche Destination für einen Strandurlaub sie mir empfehlen würde, und sie zauberte Phukat aus dem Hut und im Besonderen das «Banyan Tree Resort», eine Luxusabsteige, wo ich einen eigenen Bungalow mit eigenem Jacuzzi im eigenen, ummauerten Garten bezog und abends in einem Restaurant auf Stelzen direkt über dem Wasser speiste. Ich glaube, ich gab damals (vor fast dreissig Jahren!), etwa 3000 Euro für eine Woche aus, was heute ungefähr meinem Reisebudget für einen ganzen Monat entspricht.
Diesmal ging ich es bescheidener an: Ich buchte ein Zimmer in den Savasdee Apartements, die sich in einer Fussgängerpassage mit Restaurants, Massagesalons und einem kleinen Markt fast direkt am Strand von Patong befinden.
Taxi-Mafia am Flughafen
Aber diesmal herrschte leider der Frust vor. Der begann schon am Flughafen, wo eine aufdringliche Taxi-Mafia versucht, unerfahrene Touristen gnadenlos über den Tisch zu ziehen. Ein an Taxiständen im Innern des Flughafens plakatiertes Lockvogelangebot von 300 Baht für die 35 km zur Patong Beach verwandelt sich, sobald man das Gebäude verlässt und sich der Horde der Schlepper und Taxifahrer aussetzt, in eine Forderung von 1800 Baht – aus umgerechnet knapp acht werden binnen Minuten 47 Euro.
Genervt schleppte ich mein Gepäck ein paar hundert Meter durch die schwüle Tropenhitze zur Station von Grab. (Grab und Bolt sind in Südostasien, was anderswo Uber ist.) Die Fahrt mit einer freundlichen Fahrerin in einem Luxus-Van nach Patong kostete dann vernünftige 20 Euro, wobei wir zwischendurch eine unfreiwillige Pause von eineinhalb Stunden einlegten: Ein jugendlicher Schnellfahrer hatte mit dem Honda Accord seiner Mutter unseren Van von hinten gerammt. Nun warteten wir auf die Vertreter der involvierten Versicherungen, die den Schaden direkt vor Ort protokollieren mussten.
Auch ohne Unfall ist der Verkehr zwischen dem Flughafen und der Patong Beach mörderisch, und einmal im Badeort angekommen, geht es nur noch im Schritttempo weiter.
Doch auch ohne Fahrzeug bleibt man stecken: Der breite und kilometerlange Sandstrand von Patong, der einst als einer der schönsten in Thailand galt, ist tagsüber dicht bevölkert von sonnengerösteten Touristen, ambulanten Verkäufern von Food, Getränken, Kleidern, Hüten, Schwimmgürteln und gefakten Schweizer Uhren, und Schleppern, die versuchen, den Touristen überteuerte Jetski-Fahrten, Paragliding, Bananenbootfahrten und ähnliche stress- und lärmerzeugende Aktivitäten anzudrehen.
Gogo, Cannabis und Kondome
Der Übergang vom Tageslicht in die tropische Nacht signalisiert einen Szenenwechsel: Die Menschenmassen verlagern sich jetzt Richtung der Bangla Road, die direkt vom Strand stadteinwärts führt. Die 400 Meter lange Strasse wird abends zur «Walking Street», zur verkehrsfreien Amüsierstrasse (wobei «verkehrsfrei» sich nur auf den motorisierten, nicht den zwischenmenschlichen Verkehr bezieht).
Die Bangla Road ähnelt ähnlichen Strassen in Bangkok oder Pattaya. Eine grelle, fast flächendeckende Kulisse aus Neonreklamen preist an, was die Strasse zu bieten hat: Bars und Gogo-Lokale, McDonalds, Burger King, Massagesalons und nochmals Bars, Geldwechsler, Souvenirshops, Cannabis-Läden und kleine Supermärkte, an deren Kassen Kondome ausliegen. Und permanent wird man bedrängt: Junge Frauen in knappen Outfits halten laminierte Schilder mit Getränkepreisen in die Gesichter der Flanierenden; Schlepper versuchen, diese in die Go-Go-Bars mit ihren Pingpong-Shows zu locken
Untermalt wird die Szene vom Krach, der aus überdimensionierten Lautsprechern aus den Lokalen quillt und sich auf der Strasse zu einem markerschütternden akustischen Amalgam vermengt. Das Publikum ist international und bunt gemischt: Paare, alternde Sex- und jüngere Sauf-Touristen, Backpacker, Pauschalreisende und Ausflügler von Kreuzfahrtschiffen, die vor der Küste ankern, und sogar die eine oder andere Familie mit Kleinkindern (wie kann man diese so etwas aussetzen?) schieben sich Schulter an Schulter durch die Strasse.
Hinter den Kulissen finden wir, die wir soeben noch von der tropischen thailändischen Nacht vereinnahmt waren, eine international geprägte Unterhaltungsindustrie mit Diskotheken, DJs, flächendeckenden LED-Wänden, CO2-Kanonen und dröhnenden Bässen. Oder aber halbbekleidete Gogo-Girls, die sich lustlos auf kleinen Bühnen bewegen. (Den Ausdruck «tanzen» mag man in diesem Fall nicht anwenden.) Die Maschinerie dreht bis in die frühen Morgenstunden weiter. Erst gegen vier Uhr in der Früh kommt sie allmählich zum Stillstand.
Beten beim Grossen Buddha
Um der Reizüberflutung zu entkommen und mein Karma wieder ins Lot zu bringen, habe ich mich von einer Bekannten im Toyota Fortuner hinaus zum Grossen Buddha chauffieren lassen. Zum 45 Meter hohen Buddha, der ganz mit weissen Marmorkacheln aus Myanmar bedeckt ist und in der Sonne gleisst, habe ich eine besondere Beziehung: Vor Jahren, als er gebaut wurde, habe ich einige Kacheln gekauft und auf der Rückseite mit einem dicken Filzstift mit den Namen meiner Töchter Lara und Alix beschriftet.
Zum Dank band mir ein Mönch ein geflochtenes, mehrfarbiges Wollband um das Handgelenk. Dort lugte es während Jahren unter den Ärmeln meiner Massanzüge und Masshemden hervor, als ich noch im Arbeitsleben stand.
Der Phra Puttamingmongkol Akenakkiri Buddha , wie er offiziell heisst, bildet den extremen, fast surrealen Kontrast zum Exzess an der Küste. Hier herrschen Sitte und Ordnung. Am Fuss der monumentalen Treppe, die zur Statue hinaufführt, wird die Bekleidung kontrolliert: Schultern und Knie müssen bedeckt sein; jenen, die zu freizügig unterwegs sind, werden Tücher zur Bedeckung der Blössen ausgeliehen. Wenn die Bässe aus der Bangla noch in den Ohren nachwummern, hört man hier nur ein sanftes Klimpern Hunderter von Messingglöckchen, die im Wind wehen, und das Murmeln betender Gläubiger.
Vom Plateau aus bietet sich ein ungetrübter 360-Grad-Blick über die Chalong-Bucht, Kata und Karon. Das müssen einst, bevor sie unter die Räder des Massentourismus gerieten, traumhafte Orte gewesen sein. Mich überkommt Wehmut: Ich werde Phuket, das ich während Jahrzehnten immer wieder besucht habe, nie mehr sehen; es hat sich zu weit von dem entfernt, was ich einst so sehr mochte.
