Zum letzten Mal in Patong
Nach der Reise durch Malaysia war ich Ende Februar 2025 wieder einmal an der Patong Beach auf Phuket - zum letzten Mal, denn die Insel ist vom Tourismus zerstört.

Veröffentlicht: 03.06.2026
Am 20. Juni kehrte ich in die Schweiz zurück und kam morgens um acht auf dem Flughafen Zürich an. Nach sieben Monaten in Südostasien fühlte sich die Schweiz seltsam an, irgendwie unterkühlt. Das galt allerdings nicht für die Temperaturen. Irgendwo las ich, es handle sich um den zweitheissesten Juni seit 1864 – nur übertroffen vom Juni 2003. In Zürich wurden am heissesten Tag 35 °C gemessen, in Basel sogar 36 °C. Viel heisser war es in Bangkok auch nicht gewesen, nur dass es dort überall Klimaanlagen gibt.
Obwohl ich keine Wohnung mehr hatte, die meiste Zeit in der Schweiz als Couch-Surfer bei Christoph Beer in Bern und vor allem bei Martin Kulik in Illnau bei Zürich verbrachte und einige Nächte in Hotels oder in einer Ferienwohnung an der Lenk im Simmental, kamen Erinnerungen an das frühere, bürgerliche Leben mit seinen Verpflichtungen, Einschränkungen und Konventionen wieder hoch. Aber ich unterdrückte die Versuchung, in den alten Trott zurückzufallen, erfolgreich.
Ich hatte noch aus der Ferne ein Auto gekauft, ohne es besichtigen oder probefahren zu können. Der 24-jährige Audi A3 mit 150.000 Kilometern auf dem Zähler kostete ab Motorfahrzeugkontrolle (so heisst in der Schweiz der TüV) gut 3000 Euro – eine Summe, die ich verkraften konnte, falls er sich als Wrack entpuppt hätte, was er nicht tat. (Fünf Monate und 10.000 zusätzliche Kilometer später verkaufte ich ihn noch für fast 2500 Euro weiter.)
Dank dem Auto konnte ich nicht nur die publizistischen Verpflichtungen erfüllen, derentwegen ich zurückgekehrt war. Ich nutzte es auch für diverse Ausflüge. Im Juli besuchte ich wieder einmal die Stadt Bern, in der ich lange gelebt hatte, und verbrachte danach, vom 14. bis 21. Juli, eine Woche an der Lenk, wo eine gute Bekannte, Lena Galanakis, Tourismusdirektorin ist und eine weitere, Michelle Bühler, die ich vom Rotary-Club kenne, im Organisationskomitee des jährlichen Jazz-Festivals sitzt.
Es war schön im Berner Oberland; abends fanden auf dem Kronenplatz mitten im Dorf die Konzerte statt, an der freien Luft, aber unter einem riesigen Zeltdach, falls es regnen sollte. Abends war es zwar nicht so kühl wie erhofft, aber immerhin so, dass ich in der Ferienwohnung statt mit einer Klimaanalage – die gar nicht vorhanden war – bei offenem Fenster schlafen konnte.
Lenk im Simmental, ein Ferienort zuhinterst in einem Tal im Berner Oberland, eingekesselt von Dreitausendern, ist das Clichée einer Schweiz, wie sie auf Postkarten dargestellt wird, aber natürlich nicht dem Leben der Mehrheit unten im flachen Land entspricht. Man wandert über die Almen, auf denen Kühe weiden, bimmelnde Glocken um den Hals. Man spaziert entlang des Flüsschens Simme zu den Simmenfällen, wo das Wasser tosend über die Felsen ins Tal stürzt. Wenn man dem Wanderweg etwa 30 bis 45 Minuten steil bergauf folgt, erreicht man, in meinem Fall laut keuchend, die so genannten Sieben Brünnen. Hier, an der Quelle der Simme, bricht das Wasser in sieben unbändigen Strahlen direkt aus dem weissen Kalkfelsen hervor.
Nach einer Woche bin ich restlos erholt – wie wenn das nach sieben Monaten Urlaub noch nötig gewesen wäre. In Spiez unten am Thunersee lege ich eine Rast ein und besuche wieder einmal das imposante Schloss.
Zwei Wochen später, am 5. August, hatte ich beruflich in Basel zu tun und benutzte einen freien Halbtag, um ins angrenzende Elsass zu fahren. Aus all den pittoresken elsässischen Dörfern und Städten suchte ich mir diesmal Kaysersberg aus, das ich noch nicht kannte.
Kaysersberg ist ein photogenes mittelalterliches Städtchen mit vielen Fachwerkhäusern, durch das ein Flüsschen fliesst. Wie überall im Elsass kann man hier vorzüglich speisen und noch vorzüglicher trinken; der Ort liegt direkt an der Elsässer Weinstrasse. Das wissen auch viele Besucher, denn Kaysersberg wurde 2017 zum «Lieblingsdorf der Franzosen» gewählt. Die Parkplätze ausserhalb des Ortes sind an diesem 5. August, einem hundskommunen Dienstag, randvoll, und die Restaurants mit ihren blumengeschmückten Terrassen ebenfalls.
Hier ist er wieder, der Overtourism, dem ich mich in Südostasien akribisch entzogen hatte.
