Auf Langkawi den Turbo herunterfahren
Nach einer spannenden Reise durch Malaysia will ich den Turbo herunterfahren und reise deshalb für zehn Tage auf die Insel Langkawi.
Veröffentlicht: 04.05.2026
Im Februar 2025, nachdem ich aus Malaysia abgereist war, verbrachte ich ein paar Wochen Ferien in Thailand, zuerst an der Patong Beach auf der Insel Phuket, dan in Hua Hin rund 200 km südlich von Bangkok. Phuket war der erste Ort in Thailand, den ich besuchte. Fast dreissig Jahre ist das her: Ich war 1997 beruflich in Hongkong und beschloss, ein paar Ferientage anzuhängen, und eine geschickte Reisebüroangestellte verkaufte mir einen Luxusaufenthalt im Banyan Tree Resort am Strand von Bang Tao.
Doch Phuket hat sich, unter anderem mit viel chinesischem Geld, in den vergangenen drei Jahrzehnten derart zu seinem Nachteil verändcert, dass ich erstens nicht mehr zurückkehren will und zweitens auch nicht darüber schreiben mag.
Anfang März 2025 flog ich nach Chiang Rai, nicht zu verwechseln mit dem bekannteren Chiang Mai knapp 200 km südlich. Chiang Rai ist Thailands nördlichste Grossstadt und wirkt auf den ersten Blick wie ein normales thailändisches Provinzkaff: Fussgänger retten sich zwischen knatternden Tuk Tuks und Motorrollern über die Strassen. Es gibt die üblichen Massagesalons und Bars, aber auf einer viel kleineren Skala als in den einschlägigen Touristenhochburgen, einen Nachtmarkt, Strassenküchen und an jeder Ecke einen 24 Stunden geöffneten Supermarkt von 7Eleven.
Und trotzdem leistet sich Chiang Rai ein paar Verrücktheiten, die den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis machen, auch wenn sie neuesten Datums sind und so etwas wie ein buddhistisches Disneyland darstellen: Da ist erstens Wat Rong Khun, der so genannte Weisse Tempel. Es wurde vom berühmten Künstler Chalermchai Kositpipat entworfen und 1997 eröffnet. Die filigranen Bauwerke mit ihrer weissen Fassade, verziert mit Tausenden Glasscherben, gleissen in der Sonne und blenden ihre Besucher.
Die Architektur des Tempels mit seinen Pagodendächern ist traditionell. Hingegen ist er über und über mit symbolischen Elementen verziert, mit Hunderten Händen, die sich einem entgegenstrecken, mit überdimensionierten Elefantenzähnen, aber auch mit Figuren aus der Popkultur wie Michael Jackson oder Superman. Ich könnte hier tagelang herumstreifen und immer wieder Neues entdecken. Wie Antoni Gaudis Sagrada Familia in Barcelona ist auch Wat Rong Khun längst nicht fertig gebaut.
Ebenso psychedelisch wie der Weisse präsentiert sich der Blaue Tempel, Wat Rong Seur Ten. Er wurde ab 2005 an der Stelle eines verfallenen alten Tempels gebaut. Der Entwurf stammt vom Künstler Phuttha Kabkaew, der zuvor mit seinem Meister Chalermchai Kositpipat am Weissen Tempel mitgearbeitet hatte. Auch der Blaue Tempel ist überschwänglich mit prachtvollen Ornamenten und Statuen bestückt.
Hohle Göttin
Drittens besichtige ich in Chiang Rai die gigantische, 70 Meter hohe Statue von Guan Yin, der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit. Die Göttin ist hohl: In ihrem Innern fährt ein Lift 25 Stockwerke hoch. Aus den Fenstern hat man einen umwerfenden Blick auf die hügelige Landschaft, die Reisfelder, die Stadt und vor allem die Tempelanlage unmittelbar neben der Riesenstatue, Wat Huai Pla Kung. Auch deren Pagode beeindruckt: Sie hat die Form einer neunstöckigen Pyramide.
Ich bin nicht nur wegen der Tempel nach Chiang Rai gekommen, sondern weil ich von hier aus auf dem Mekong hinunter nach Luang Prabang in Laos fahren will. Doch zuerst besuche ich das Goldene Dreieck. «Dreieck» deshalb, weil hier Thailand, Myanmar und Laos aufeinandertreffen, und «Golden», weil die Opiumhändler hier eine unerschöpfliche Goldgrube fanden.
Ab Anfang des 19. Jahrhundert begannen französische und vor allem britische Kolonialisten, das in der Gegend produzierte Opium kommerziell auszubeuten. Die Briten forcierten dessen Verkauf in China und Südostasien, was sich zu einem unermesslichen, grossflächigen Suchtproblem ausweitete.
Krieg um das Opium
Grossbritannien führte gegen des Kaiserreich China von 1839 bis 1842 sogar den sogenannten Opiumkrieg, weil chinesische Behörden gewagt hatten, Opiumvorräte britischer Händler zu beschlagnahmen, um den Opiumhandel zu bekämpfen. Die Chinesen verloren den Krieg und mussten sich dem britischen Diktat unterwerfen.
Nach einer längeren Flaute wurde in den 1950er-Jahren der Grossteil der weltweiten Opiumproduktion in diese Bergregion verlegt, weil die wichtigsten Produzenten China und Iran den Anbau unterbanden. Mehr als zwei Drittel des weltweit verkauften Opiums, ein Grossteil zu Heroin raffiniert, wurde schliesslich in der Gegend produziert. Instabile politische Verhältnisse vor allem in Myanmar (Burma) und Laos forcierten den Drogenhandel zusätzlich, denn aufständische Gruppen ebenso wie Geheimarmeen auf Regierungsseite finanzierten damit ihre Bürgerkriege, und korrupte Beamte füllten ihre Taschen.
Deshalb assoziiere ich mit dem «Goldenen Dreieck» Bilder von rot blühenden Mohnfeldern, Opium rauchenden Indigenen und geheimen Drogenlaboratorien.
Tatsächlich ist dies alles Geschichte. In den vergangenen Jahrzehnten wurden der Anbau und Handel von Opium drastisch reduziert. Die betroffenen Länder, besonders Thailand, haben zum Teil erfolgreiche Anstrengungen unternommen, um das Opium durch andere landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee, Tee und Macadamianüsse zu ersetzen, welche der lokalen Bevölkerung neue Einnahmequellen eröffnen.
Chiang Saen am Mekong, direkt an der Grenze zu Laos, ist nicht nur eine angenehme Ortschaft mit einer riesigen, goldenen Buddha-Statue. In Chiang Saen zeigt das House of Opium die Geschichte vom Anbau des Schlafmohns über die Produktion des Opiums bis zum Handel, seinen kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen.
Chinesische Retortenstadt
Jenseits des Mekongs stehen die Symbole einer neuen Sucht: Laos hat hier eine Sonderwirtschaftszone eingerichtet und für 99 Jahre an chinesische Unternehmen verpachtet. Am Flussufer wird eine pompöse Retortensiedlung aus dem Boden gestampft, mit Casinos, Hotels, Wohnblöcken, Schulen und Einkaufszentren. Nichts weniger als ein «neues Macau» soll entstehen.
Die Casinos in Macau selber, in der ehemaligen portugiesischen Kolonie 60 Kilometer westlich von Hongkong, die 1999 an die Volksrepublik China abgetreten wurde, übertreffen inzwischen jene im amerikanischen Spielerparadies Las Vegas: Im ersten Quartal 2025 beliefen sich die Bruttoeinnahmen aus Glücksspiel in Macau auf rund 7,2 Milliarden Dollar, in Las Vegas auf geschätzte 4,5 Milliarden, wie einschlägigen Publikationen zu entnehmen ist.
Hier, mitten in der laotischen Pampa, ist alles chinesisch: Die Arbeiter und Angestellten, die Besitzer der Hotels, der Geschäfte und des Kings Romans Casinos, dessen Bau rund eine halbe Milliarde Dollar kostete. Die Gäste stammen ebenfalls zu grossen Teilen aus der Volksrepublik, woher auch fast sämtliches Baumaterial für die neue Retortenstadt angeliefert wurde. Der internationale Flughafen Bokeo wurde von der Greater Bay Area Investment and Development Limited aus Hongkong finanziert und gebaut und kostete rund 225 Millionen Dollar.
Viele Deutsche und Schweizer dürften, ohne es zu wissen, mit der Sonderwirtschaftszone üble Erfahrungen gesammelt haben: Sie ist ein Hotspot für Cyberbetrug. Heere junger Menschen, mit falschen Job-Versprechen angelockt und zum Teil wie Sklaven gehalten, versuchen von hier (und von anderen Locations in Laos und Kambodscha) aus mit allen raffinierten Betrugsmethoden und Maschen , gutgläubige Internet-Nutzer um ihr Geld zu bringen. Liebesschwindel («Romance Scam»), Anlage- und Krypto-Betrug und andere Methoden, um Unwissenden oder Naiven das Geld aus der Tasche zu ziehen, werden hier in grossem Stil und offensichtlich mit Erfolg betrieben.
