Malaysias viele Götter
In Malaysia leben diverse Religionen relativ konfliktfrei nebeneinander. Allerdings nimmt der Einfluss des Islams auch hier zu.
Veröffentlicht: 04.05.2026














Nach intensiven Wochen und vielen Erlebnissen in Penang und Kuala Lumpur, Ipoh, Cameron Highlands und Malakka brauchte ich ein paar Strand-Tage, um den Turbo herunterzufahren. Ich hätte nach Langkawi fliegen können, aber ich fuhr Ende Februar 2025 mit einem klimatisierten Überlandbus vom modernen Bus-Terminal Penang Sentral 150 Kilometer Richtung Norden über Alor Setar nach Kuala Perlis. Am dortigen Hafen, wo wir uns für die Überfahrt mit der Autofähre hinüber auf die Insel Langkawi einschiffen wollen, herrschte allerdings zuerst einmal ein ziemliches Chaos.
Das war umso erstaunlicher, als meine Reise durch Malaysia bisher äusserst geordnet verlaufen war, vor allem, was die Überlandbusse betraf: Diese fahren mehr als pünktlich ab, kommen oft früher als von Fahroplan vorgesehen an, und manchmal sind sogar die Sitzplätze reserviert. Doch hier, am Fährhafen von Kuala Perlis, hatte man beschlossen, künstliche Hektik zu erzeugen, kein Englisch zu sprechen und Touristen von einem Schalter zum nächsten zu hetzen.
Schliesslich sind wir doch unterwegs auf den sanften Wellen der Strasse von Malakka. Nach einer zweiständigen Fahrt, die ich in Gesellschaft von zwei jungen Frauen aus der Schweiz verbringe, einer Arztpraxis-Assistentin und einer Managerin mehrerer Friseursalons, tauchen die ersten Inselchen vor Langkawi auf.
«Langkawi ist stark muslimisch geprägt», hatte mich derselbe, reiseerprobte Kollege informiert, der mich auch vor der Verstädterung der Insel Penang gewarnt hatte. Auf Langkawi buchte ich zuerst ein Hotel im Inselhauptort Kuah, das sich «Vintage Villa», nennt, aber weder Vintage noch eine Villa ist, sondern ein angenehmes Dreisterne-Haus aus roten Sichtbacksteinen mit einem schattigen Pool hinter dem Haus, an dem sich malaysische Familien mit sehr lebendigen und ebenso lauten Kindern breitmachen.
Abends esse ich, nur fünf Fussminuten vom Hotel entfernt, in einem hervorragenden Lokal namens Al Medan Syria Restaurant, wo Spezialitäten wie Schawarma, Sischtawouk, Baba Ghanoush, Falafel, Hummus und Mutabbal serviert werden, die ich aus meiner Zeit im Nahen Osten liebe. Die Betreiber sind als Emigranten aus Syrien in Langkawi gelandet und haben hier diesen gediegenen Gastronomiebetrieb aufgebaut.
Kuah ist ein verschlafenes Kaff, das an Orte im amerikanischen Wilden Westen erinnert – ausser dass hier das Kopftuch vorherrscht. Daraus voreilige Schlüsse zu ziehen, wäre aber falsch. Langkawi ist gleichzeitig zollfreies Gebiet und damit ein Einkaufsparadies für Parfüm, Schokolade – und Alkohol. An den Wänden von Duty-Free-Läden schimmern Reihen von Whisky-, Gin-, Rum- und Cognacflaschen im gedimmten Licht. Ich erstehe eine Flasche Singele Malt. Die Kasse des Schnapsladens wird von zwei kichernden Musliminnen bedient. Diese wickeln den erstandenen Whisky (der für sie strikte verboten wäre) diskret in eine alte Zeitung ein.
Nichtstun am Strand
Nach drei Tagen wechsle ich von Kuah in eine kleine Ferienanlage namens «Tropical Resort» am langen, erst zum Teil verschandelten Strand von Cenang. Ein Luxushotel mit Preisen weit jenseits meines Budgets hat sich am Strand breitgemacht, und daneben ragt ein hässliches, noch nicht fertiggebautes doppeltes Hochhaus in die Luft.
Wenn man von diesen Scheusslichkeiten wegschaut, stellt sich, barfuss im Sand spazierend, bald das unnachahmliche Kurzehosen-Feeling ein. Es erreicht zum Sonnenuntergang bei einem Cocktail in einer Strand-Bar seinen Höhepunkt, um dann in einem malaysischen, chinesischen oder japanischen Restaurant fortgesetzt zu werden. Oder ich lasse mich in ihrer Strassenküche von Siti verwöhnen, einer Muslimin vom Festland, die nicht nur köstliche Grillgerichte zubereitet, sondern auch das billigste Tiger-Bier der ganzen Insel anbietet. In den Nachtclubs entlang der Beach sind die Preise dann erheblich substanzieller.
Langkawi verkauft sich gern als tropisches Idyll. Duty-free-Shops, Resorts mit Pools, Instagram-taugliche Sonnenuntergänge. Aber wer sich ein paar Schritte entfernt, betritt alsbald eine andere Welt. Wenige Meter hinter den Hotels und Resorts beginnt ein Geflecht aus kleinen Strassen, staubigen Höfen und Häusern auf Stelzen. Hier riecht es nach Fisch und nach Frittieröl.
Selbstverständlich ist die Moderne auch hier präsent. Ich brauche ein neues Handy, weil mein iPhone 7 zwar noch perfekt funktioniert, aber sein Betriebssystem kein Update mehr erhält und all die Apps, die ich fürs Reisen brauche, nicht mehr speichern kann.
Auf Google finde ich einen Laden für gebrauchte Apple-Produkte, lasse mich hinfahren und erstehe für 400 Euro ein blaues iPhone 13 aus zweiter Hand, aber wie neu. Die freundliche und kompetente Verkäuferin wendet geschlagene zwei Stunden auf, um alle Daten vom alten auf das neue Gerät zu übertragen. Bezahlung oder Trinkgeld für die aufwändige Dienstleistung lehnt sie ab.
Ein 700 Meter hoher Berg
Weiter nördlich ist die Insel viel natürlicher und weniger touristisch. Mit einem Guide fahren wir auf dem dunklen, fast schwarzen Wasser durch die Mangrovenwälder. Der Guide erzählt von Adlern, von Fledermäusen, von einem empfindlichen Ökosystem, das unbedingt erhalten werden müsse. Dann stösst tatsächlich ein Adler herab, und für einen Augenblick werden wir alle ganz still.
