2017 VespamerikasuR 2019

Auf 12 Zoll und mit 125 cc quer durch SüdamerikA
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ab 20.06.: Llachon / Titicaca-See - 3.800 m

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20.06.:

heute ist abreisetag. Rolf und sandra haben mich neugierig auf das hostel direkt am titicacasee gemacht, sie wissen noch nicht, ob sie dahin wollen, da es dort keine gesicherte parkmöglichkeit für den defender gäbe.

Navi richtig eingestellt?                                                             foto: rolf l.

Kurze verabschiedung, videoaufzeichnung meiner abfahrt, polizei- und zollkontrolle und souveränes vorzeigen meiner nun vollständigen unterlagen.

Ich freue mich darauf, puno auf der uferstraße zu umfahren, um mich dann ein wenig später richtung llachon – dort wo das hostel liegt - einzunorden, aber es kommt anders.

Ich werde in die stadt umgeleitet, die an einem steilen hang liegt. Mir schwant böses. Wie soll das die vollgepackte nur 125 cm³ starke vepse bloß schaffen. Wenn sie erst einmal schwung hat, geht es. Wenn aber ampeln zum halten zwingen, dann ist die anfahrt noch schwieriger als in arequipa. Enge kurven, schlaglöcher, buckel, regenrinnen an den kreuzungen und rote ampeln lassen mich zum verkehrsrowdy werden. Eine rote ampel übersehe ich, die doppelte linie ingnoriere ich und überhole einen noch langsamer fahrenden und fürchterlich dieselnden collectivo an einer stelle, an der ich mit einem auto nicht überholen würde. Die vepse ist schlank und ich fädele mich vorbei, der gegenverkehr nimmt rücksicht. Die andere rechtssichere alternative: anhalten und schieben... schieben? Zwischendruch hatte ich einen tollen blick auf die bucht, aber an fotografieren war nicht zu denken.

ich komme aus puno raus und befinde mich auf der straße, die zu dem nur 50 km entfernt liegenden juliaca führt. Bin ich falsch? Da will ich bestimmt nicht mehr hin! Aber schon sehe ich hinweisschilder in meine gewünschte richtung, das navi bestätigt und sehr bald befinde ich mich in tiefer einsamkeit. Die straße wird schmaler, schlaglöcher nehmen zu, es gibt ein zwei steigungen zu überwinden, ich entdecke ein ländliches peru. Lehmhäuser liegen an den hängen verteilt, schafe weiden, die auf den feldern arbeitenden frauen tragen traditionelle peruanische kleidung mit dem typisch breitkrämpigen hut und den bunten weiten röcken.
Nach dem getöse in puno empfängt mich eine sehr friedliche stimmung. Ich fahre vorsichtig, denn nur eine einzige unaufmerksamkeit kann die vepse das vorderrad kosten – und mehr. Und dann: mitten auf der straße gähnt mich ein autoreifen großes und bestimmt 5 bis 10 cm liegendes schlagloch an. Glück gehabt!

In einem kleinen und vor sich hin träumenden ort namens capachica mache ich auf dem marktplatz pause. Unglaublich! Mich umgibt nach dem monotonen motorengeräusch absolute stille. Der mit schlips und kragen ausstaffierte bürgermeister kommt gerade aus dem rathaus, nimmt mich im augenwinkel zur kenntnis und geht auf eine erfrischung in einen kleinen laden. Wenig weiter sehe ich mechaniker vor ihrer werkstatt in der sonne sitzen, eine arme und krank aussehende frau sitzt nur einige meter von mir entfernt auf einem mäuerchen und beobachtet mich. Sie stellt sich zu mir, ohne ein wort zu sagen. Was machen? Ich tue mich immer schwer, leuten geld zu geben. Ich finde, es hat etwas mit der würde zu tun, die ihnen mit dieser geste genommen wird. Ist es besser, ihnen etwas zu essen zu geben, einen apfel etwa? Wohl kaum... ich entscheide mich für beides – sie sucht sich eine entferntere stelle und ich verlasse diesen gemütlich bis seltsam anmutenden ort. Vor ein paar tagen noch muss hier eine fiesta stattgefunden haben, das einfahrts- und auch das ausfahrtstor sind mit bunten fähnchen geschmückt.

Es sind vielleicht noch zwanzig bis dreissig kilometer und ich bin in Llachon, da wo sich das hostel befinden soll. Der große titicacasee (18 mal so groß wie unser bodensee) breitet sich in teilabschnitten vor mir aus. Der marktplatz des örtchens liegt menschenleer vor mir – eine schöne nachmittagsstimmung, die verheisst, dass die menschen noch auf den feldern sind. Mein navi weiss nicht weiter und so ruhen wir uns aus. Denn: um überhaupt auf den marktplatz zu kommen muss ich dicke feldsteine umfahren und dann eine stufe bewältigen, die so beim ersten mal nicht zu schaffen ist. Auf einem mauervorsprung eines hauses sitzt ein mann, der mich amüsiert beobachtet. Ich frage ihn hoffnungsvoll, ob es auch eine andere möglichkeit gäbe, nach llachon zu kommen. Er nickt. So befahre ich erst einmal die andere von ihm gezeigte strecke, merke aber sehr schnell, dass sie mich in die falsche richtung führt. Auf abschüssiger straße wenden erfordert sehr viel konzentration und bewegungsabläufe in zeitlupe. Liegt die vepse erst einmal flach, ist es ein größeres unterfangen, sie wieder in die senkrechte zu bringen... ich fahre wieder zurück, treffe unterwegs vollbeladene bauersfrauen auf dem weg nach hause, frage nochmals und werde meinen weg zurückgeschickt. Keine frage: ich bin in llachon. Ich komme wieder zu der stelle, wo mein ausgangspunkt war, der peruaner ist seines weges gegangen. ich mache einen zweiten versuch, diese unüberwindliche steigung zu schaffen. Dieses mal klappt es. Ich umfahre die größeren feldsteine und der schwung reicht, um mit knapper not auf den marktplatz zu kommen.
Ich weiss von dem ioverlander-eintrag, dass unser hostelvermieter im dorf bekannt ist. Ich frage nach felix und ein gerade vorbeifahrender motorradfahrer wird mehr aufgefordert als gebeten, mich zu dem hostel hinzuführen. Von dem interneteintrag weiss ich, dass der weg unbefestigt ist, tiefe spurrinnen hat und teilweise schwer passierbar sei. Mir bleibt nichts anderes übrig, dem zügig davon eilenden youngster hinterher zu fahren. Unterwegs begegnen uns uniformierte schulkinder, die sich über mich und meine vepse amüsieren, trotzdem nett grüßen und mir irgendetwas hinterher rufen. Erst geht es bergab, dann aber steil hoch. Die vepse schafft es und so geht es noch einige male. Da ich meinen guide nicht verlieren will, muss ich genauso schnell fahren wie er und das gibt mir den schwung für die steinigen und steilen stellen.
Endlich sind wir da. Ich habe den unbebauten blick auf den titicacasee! Einige boote dümpeln vor sich hin, ansonsten nichts. Ich weiss noch nicht, wo ich wohnen werde, aber es kann nur unten am wasser sein – so der interneteintrag.
Eine peruanerin, die sich später als felix schwägerin herausstellt geht nach unten – bestimmt 100m abschüssig – und währenddessen versuche ich ein gespräch mit meinem motorradguide zu beginnen, zu dem noch ein kumpel dazugestoßen ist. Europa kennen sie nicht. Gleichgültiges schulterzucken... sie sind auch mehr mit sich beschäftigt und ich zu abgelenkt, so dass nichts geht.
Felix ist nicht da. Ich darf aber die vepse auf dem grundstück des gegenüberliegenden hauses parken, was nicht leicht ist. Es muss dafür eine weitere steigung und eine scharfe kurve auf unwegsamen gelände genommen werden. Nach mehreren anläufen darf ich die vepse so stehen lassen. Als ich gerade abpacke, höre ich ein mir bekanntes dieselgeräusch und schon wenig später sehe ich rolf und sandra sich den berg raufquälen und sich neben mich stellen. Sie haben noch vorher einen anderen ort besucht und sind überrascht, mich hier anzutreffen, denn die letzten zwei kilometer hätten sie der vepse nun doch nicht zu getraut.

So gehen wir gemeinsam mit der schwägerin und anderen, die uns beim gepäcktragen helfen, runter und kommen, als wir dort sind, wo wir wohnen dürfen, aus dem staunen nicht mehr raus!!!



Im dritten haus wohnen wir im erdgeschoss mit blick auf den titicaca-see

Wie ein toskanisches weingut


Hier hat felix zu beginn der bauphase mit seiner familie gewohnt - jetzt ist es das esszimmer

der titicacasee in seinem tiefen blau gehört uns! Wir stehen auf einer mit granitsteinen gepflasterten terrasse, das aus rötlichem lehm gebaute gebäudeessemble ist mit rotweiss changierenden geranien berankt, ein freistehendes gebäude beherbergt den gemeinschaftsraum, in dem es später um 19:00 uhr abendessen geben soll. Mittlerweile ist auch felix eingetroffen. Er, wie seine schwägerin und seine frau nur strahlend. Hinter uns steht ein zweistöckiges lehmgebäude mit satteldach – auch etwas besonderes, nach dem die meisten häuser in den städten mit flachdächern ausgestattet sind – eine hölzerne aussentreppe führt in den zweiten stock. unsere hostelzimmer liegen im erdgeschoss in einem nachbargebäude mit einem tollen blick auf den see. Bruno, sandras und rolfs hund, hat bereits die küche ausgekundschaftet und einen großen napf mit reis und altem brot serviert bekommen. Es gibt einen zweiten hund, der großzügig sein revier zur verfügung stellt und auch keine ansprüche auf seinen napf stellt.

Sohn des Hauses - die "hausdame" in habachtstellung vor bruno...

Sobald die sonne weg ist, wird es kalt - richtig kalt!

Unsere zimmer, durch ein gemeinsames klo von einander getrennt, wirken sehr gemütlich, die betten sind mit tagesdecken in den typisch leuchtenden peruanischen farben bedeckt. Die zimmerdecke schmücken dämmende strohmatten, die lehmwände sind ebenfalls mit strohmatten vor der kälte geschützt. Die dusche ist in einem anderen häuschen untergebracht. Dass wir das klo ohne nächtlichen gang durch die kalte luft – so wie in den vorherigen nächten in dem anderen hostel – benutzen können, wird von uns wohlwollend zur kenntnis genommen.

Noch ist die wärmende nachmittagssonne da, die uns verheimlicht, dass es nach ihrem untergang richtig kalt wird. Ich habe zeit für ein nickerchen in meinem schlafsack und um punkt 19:00 uhr werden wir mit einer heissen gemüsesuppe und einer hauptspeise verwöhnt. 

Es ist noch ein franosenpärchen dazugekommen und eine deutsche aus halle, deren partner auch franzose ist. Ich schätze sie um die mitte zwanzig. Sie geht auf mitmenschen zu und stellt offene fragen. So erfahre ich nebenbei, dass sie sängerin ist und die von ihrem bruder geschriebenen texte in hallensischem dialekt singt. Rolf gibt mir den tip, ihr von unseren haus- und remisenkonzerten zu erzählen. Sie ist interessiert – ich bekomme ihre cd, die sie „zufällig“ mit dabei hat – der 02.06.2018 passt ihr – wir bleiben in verbindung.
Die temperaturen treiben uns um halb zehn ins bett. Ich komme mir vor, als ob ich kilometerweit gefahren wäre – so anders ist es hier – die menschen und auch der charakter der uns umgebenden landschaft.

21.06.:

wir wissen aus dem interneteintrag, dass felix ein boot besitzt und persönliche kontakte zu den bewohnern der schilfinseln hat. Gestern haben sandra und rolf ihn gefragt, ob er denn immer noch solche touren anböte und als er bejaht, melden wir uns sofort an. Sandra will denn auch noch wissen, was wir den einwohnern dort mitbringen können. Felix kennt deren bedürfnisse und zählt auf: quinoa, reis, nudeln, karamel für die kids, früchte und und und.

felix erlebt das vespa-gefühl. wann je wieder?                    foto: rolf l.

Also heisst es für uns, heute früh aufzustehen. Der markt in llachon ist ab 08:00 uhr geöffnet, um 09:00 uhr sollten wir im boot sitzen. Ein ehrgeiziger plan! Umso ehrgeiziger auch deswegen, weil wir ein richtiges frühstück bekommen: einen pfannkuchen, der mich an die mit ahornsirup getränkten amerikanischen frühstücksomlettes erinnert und in fett gebackene brötchen, die an fladenbrot erinnern. Dazu marmelade – ich vermute homemade. Es gibt thermoskannen mit heissem wasser und auf untertellern bereitliegende aus dem garten gepflückte kräuter. Wer will kann auch matetee aus beuteln bekommen.
Als wir beim defender sind, stellt sich raus, dass noch ein freund mit nach llachon fahren soll. Kein problem – ich fahre mit der vepse hinterher. Der markt in llachon ist sehr übersichtlich. Erst kaufen wir in dem krämerladen ein und später bei den auf dem boden sitzenden bäuerinnen bananen und mandarinen.

Felix - ohne worte

Um halb zehn etwa sitzen wir im boot – eine nussschale mit einem aussenborder. Wir sind nur zu viert. Die anderen sind am tag vorher schon von puno mit einem touristenschipper auf die anderen inseln gefahren und wollen nun einen spaziergang zur spitze der halbinsel machen.

Wir sind froh, dass wir sitzen und uns see und landschaft hingeben dürfen. Die höhe macht mir zu schaffen. Der ca. 100 m lange weg vorher hoch zur vepse zwang mich unterwegs zum innehalten.

Der Esel, der zum Haus gehört

Zum glück gibt es genügend gründe, stehen zu bleiben. Es gibt einen weissen hund, der ansprache möchte und einen esel, der sehr zutraulich ist. Und zwei schwarze schweine, die auch der aufmerksamkeit bedürfen. 

Mangelnde kondition? Keinesfalls – die tiere wollen gestreichelt werden...

wir tuckern bestimmt eine stunde in richtung schilfinsel. Wie bei unserer ankunft – kein bootsverkehr – wir sind völlig allein. Zu beginn wechseln wir noch ein paar worte mit felix, dann aber breitet sich wohltuende ruhe im boot aus, und ich kann in den standby-modus wechseln.

von der straße auf das wasser? die vespa hat ruhetage
                                                                                                        foto: rolf l.

Rolf hat beim internet-surfen einen fünf jahre alten artikel aus der zeitonline gefunden, den touristen bestimmt gerne überblättern. 150 liter abwasser fließen PRO SEKUNDE in den see. Vielleicht sind es jetzt weniger... Verursacher sind die teilweise illegal betriebenen minen, der klärschlamm der umliegenden dörfer und städte aus bolivien und peru. Ich beruhige mich damit, dass der rhein auch eine dreckskloake war und heute wieder beschwimmbar ist. Aber vielleicht hinkt der vergleich. Hier müssen zwei nationen auf einen nenner kommen, es müssen regeln aufgestellt werden, die nicht nur auf dem papier stehen bleiben dürfen...

hier auf unserem weg zu der schwimmenden insel ist aber nichts von kloake zu sehen oder zu riechen. Wir sind auch weit weg von puno oder la paz. Wir können die insel beim näherkommen gut erkennen. Sie ist etwa 100 m² groß und sieht aus wie ein überdimensioniertes schlauchboot, das nicht von gummi, sondern von schilflagen eingefasst ist.

Diese insel ist fuer touristen. die anderen liegen in den schilfguerteln versteckt

Wir werden formvollendet begrüßt: der sohn des präsidenten mit seiner frau. Beide um die mitte zwanzig. Sie trägt das peruanische outfit, er ein folkloristisches t-shirt und als zeichen, dass er in der gegenwart lebt, eine adidas-jogginghose...
Der wechsel von dem einen schwimmenden gefährt auf das andere schwimmende medium erfordert guten gleichgewichtssinn und immer noch drängt sich bei mir der vergleich mit dem schlauchboot auf. Der untergrund gibt bei jedem schritt nach, zwar nicht so, dass man gleich stolpert oder hinfällt – es ist aber ungewöhnlich. Wir werden zu einer aus drei schilfrollen geschaffenen sitzecke geführt. Unterwegs gibt es weitere zeichen, dass hier die zeit weitergeht. Solarpanele sorgt für strom in den hütten, ein altes handy hängt am eingang zwecks aufladung. Wir werden von ihm und seiner frau offiziell begrüßt
und danach möchte er auch unsere namen wissen und woher wir kommen.
Dann spult er ab, was ihm nicht vorzuwerfen ist. Er ist gut vorbereitet. 

Die massiven torfquader mit dem schilfrohr, das monatlich neu aufgeschichtet wird.

Vor uns steht die insel im miniaturformat, so dass wir sehr schnell lernen, wie sie aufgebaut ist. Das fundament sind torfquader, die miteinander verbunden sind und die größe der grundfläche bestimmen. Dann wird schilfrohr in mehreren schichten aufeinandergelegt, wobei dies schicht für schicht im 90 grad winkel geschieht. Bis heute erfolgt der aufbau monatlich. Später zeigt er uns


bei einer bootsfahrt mit einem seiner boote, die mich vom aufbau an die viracocha III erinnern, wie der schilf geschnitten wird. Knapp unter der wasseroberfläche, damit er schnell nachwachsen kann. Das obere drittel kann man abschälen und wie gemüse verzehren. Das machte die vorfahren unabhängig vom festland.

der sohn des präsidenten erklärt uns, wie der schilf geerntet wird
                                                                                                        foto: rolf l.

Damit die insel nicht wegschwimmt, ist sie an pfählen befestigt, die tief in den grund eingerammt sind. Es leben derzeit 5 familien mit 5 kindern auf der insel. Boote mit aussenbordern liegen zum ablegen bereit, um die kinder zur schule auf einer anderen insel zu bringen, die fensterlosen schilfhäuser zeigen uns, dass sie bewohnt werden, dennoch obliegt es der phantasie des inselgastes zu beurteilen, ob hier wirklich gelebt oder nur vorgespielt wird.
Es werden noch kunstwerke ausgebreitet und immer hinzugefügt, wie viel zeit es benötigt hat, sie herzustellen. Auch hier ist zeit geld.

Bei dieser insell handelt es sich nicht um das „original“, sondern um eine nachbildung, die für die touristen errichtet wurde. Die fünf familien haben sich vor einigen jahren zusammengetan, um die insel zu bauen und damit geld zu verdienen.
Die inseln, die von den uros bewohnt werden und nicht von den touristenströmen behelligt werden sollen, liegen in den schilfgürteln versteckt. Es soll sich hier um ein straßensystem handeln, über das die inseln untereinander erreicht werden können.
Noch immer stehen unsere tüten mit unseren „geschenken“ unbeachtet an unserem boot. Es ist zeit, die verteilung vorzunehmen. Aber wie? Es ist doch eine menge und das überreichen würde nicht funktionieren. So kündigen wir die übergabe an und legen sie auf den boden innerhalb der sitzecke. Eigentlich möchte ich das ein wenig „zelebrieren“ und beginne, die mandarinen kunstvoll zu stapeln. Das hätte aber zu lange gedauert und auch ein wenig unbescheiden gewirkt. Rolf macht es dann auf die schwäbisch-rationelle art und legt die verpackten tüten in die mitte. Das ist auch gut so. der sohn des präsidenten lässt noch eine decke besorgen, in die dann die gaben eingewickelt und fort gebracht werden.

Freundlicher abschied

Wir verabschieden uns mit handschlag und ein freundliches winken des jungen paares geleitet uns wieder auf den offenen titicaca-see hinaus.
Irgendwie wissen wir nicht, wie wir mit dem erlebten umgehen sollen und belassen es erstmal dabei.

Zügig geht es zurück – zweimal säuft der aussenborder ab. Ich erinnere mich an meine tour mit nora auf dem amazonas, als der motor unseres bootes tatsächlich den geist aufgegeben hat und marco unser guide, sich von uns bis zur nächsten station paddeln ließ. In unserem fall hier hat sich nur schilfgras in der schraube verfangen. Wir hätten lange paddeln müssen, bis wir wieder an land gewesen wären.

Wir kommen pünktlich zum mittagessen an. Unsere drei franzosen und die sängerin aus halle sind noch da. Es gibt wieder die leckere gemüsesuppe und einen hauptgang.
Der rest des tages ist entspannung im wahrsten sinne des wortes. Der blick auf das wasser beruhigt ungemein, die höhe unterbindet weitere körperliche anstrengungen, lediglich bruno sorgt für abwechslung, sei es dass die küche verlockende düfte ausströmt und ihn immer wieder anzieht, oder von bruno eingeforderte neue reviereinteilungen, die in einer prügelei enden.
Sobald die sonne weg ist ruft der schlafsack für ein nickerchen, dann das abendessen und sehr bald erneut der schlafsack. Erholung pur!

22.06.

der heutige tag – unser letzter in diesem paradies – beginnt mit wenig unterschieden so, wie der gestrige geendet hat. Rolf macht immer wieder den verzweifellten versuch, uns zu einem spaziergang an die spitze unserer halbinsel zu bringen, aber sei es das baldige mittagessen oder einfach unser schweinehund, der diese idee nicht sofort wirklichkeit werden lässt. Es gibt eine schwarze keine katze, die uns beschäftigt und bruno, der immer wieder an seine gute erziehung erinnert werden muss. Katze und hund machen erst einen bogen, die katze einen buckel mit dickem schwanz, wenn bruno sich nähert, aber am abend tritt entspannung ein und sie blinzelt träge in der sonne, wenn bruno sich neugierig nähert. Ja – wir benehmen uns wie die tiere. Sie machen es uns vor. Dösen, gucken, nichts tun und bierchen trinken.
Gegen abend denken wir an den nächsten tag und an die strapazen, die vor uns liegen. Das gepäck muss die langen 100 m aufwärts zum auto getragen werden. Ich habe meine beiden kofffer und den rucksack unten. Rolf bietet an, dass wir sie übernacht im auto lagern können – es gibt kein vertun - packen wir es an. Ich trage meine beiden koffer und den rucksack, ziehe blöderweise meinen nierengurt zu fest an und komme knapp bis zu den schweinen. Sauerstoff kommt nicht nach – kein gutes gefühl, aber als ich den nierenschutz abnehme, ist alles wieder gut. Kurze pause beim esel, noch die steigung bis zum auto und wir haben es geschafft. Als alles verstaut ist setzen rolfs vorschlag um und wandern gemächlich den weg zur inselspitze. Die sonne steht schon schräg und verteilt ein schönes licht. Links von uns die lehmhäuser an dem mit grasbüscheln bewachsenen berg, rechts unten von uns der see und die gehöfte mit ihren abseits stehenden wc-häuschen. Lange sind wir nicht zu viert. Es gesellen sich hunde dazu und die hackreihe ist schnell geklärt, eigentlich ist bruno der boss, aber ein kleiner kläffer will zumindest in der zweiten reihe sein und es gelingt ihm, einen wesentlich größeren hund in die defensive zu zwingen. Sandra ist hundeexpertin und erklärt mir die unterschiedlichen verhaltensweisen unserer begleiter. Bruno aber bleibt unwiderrufen der boss. Unser ziel schaffen wir zwar nicht, aber die vorfreude auf käse und rotwein vor unserem eigentlichen abendessen lässt das schnell vergessen. Es gibt keine neuen gäste – wir bekommen neben der gemüsesuppe noch ein hühnchenschenkel mit reis – vielleicht liegt es am rotwein, dass ich die kälte nicht so empfinde, wie die abende vorher. Felix musste am vormittag nach lima. Er ist präsident des lokalen ttouristenverbandes und besucht mit einem kollegen aus puno den kongress. Die busfahrt dauert 24 stunden, die tagung ist am freitag, am samstag will er wieder in llachon sein. Für wenige stunden tagung so ein aufwand...? in diesem zusammenhang haben wir ihm am morgen versprochen, einen guten text im ioverlander zu schreiben.

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