2017 VespamerikasuR 2019
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Zuletzt in Montevideo

ab 16.06.: Puno am Titicaca-See - 3.800 m

Veröffentlicht: 19.06.2017

16.06.

mein letztes frühstück im hotel. die morgende vorher habe ich beobachtet, dass die anderen gäste leckere spiegeleier vorgesetzt bekamen - ich nicht!
heute morgen will ich es wissen und schaue noch im fahrstuhl in goolge-translate nach der übersetzung und bestelle wenig später huevos fritos - DOS por favor! es funktioniert. keiner kommt mit einem zettel, den ich quittieren muss, sie gehören zum frühstück einfach dazu.
beim start ist die vepse unwillig - auch ihr macht die höhe zu schaffen -,  aber ich weiss, dass sie es kann. und nach ein paar versuchen  läuft der motor.
die beschleunigung ist eher mittelmäßig, aber zum glück komme ich doch noch etwas eher von den ampeln weg, als die mototaxis und die anderen autos.
juliaca ist mit arequipa nicht zu vergleichen. ich muss nur über wenige holperstraßen fahren, ärgere mich aber wieder über die buckel und die regenrinnen an den kreuzungen und über die schlaglöcher.
endlich bin ich auf der ausfallstraße und lasse juliaca hinter mir.
puno am titicaca-see ist das ziel. die stuttgarter - rolf und sandra -- haben mir per whatsapp ihren standort außerhalb von puno mitgeteilt. ich habe bisher noch keinen plan. ich will den titicacasee sehen und mich auf die schwimmenden schilfinseln schippern lassen. es sind nur 50 km - ca. anderthalb stunden.
nach der nächsten kurve sehe ich den dunkelblauen titiacasee und die stadt puno, die sich in die nahezu senkrechten berge hineingefressen hat. das staunen und die respektbezeugung für die bauliche leistung, an solch steil abfallenden hängen häuser hinzusetzen werden einfach nur abgelöst durch den gedanken: da komme ich ja nieeeee hoch! wenn da die hostels liegen ... auch, wenn es asphaltstraßen sein sollten. auf der karte ist nicht zuerkennen, wo die hostels geographisch liegen. ich kann mich nur auf das stadtzentrum der 125 tsd großen stadt konzentrieren - früher ciudad de plata, stadt des silbers genannt
ich habe keine lust für neuerliche strapazen und fahre durch die stadt hindurch zu der 20 km entfernt liegenden stelle, an der sandra und rolf mit ihrem hund bruno ihr domizil aufgeschlagen haben.
ich lasse meinem schweinehund den vortritt und entscheide, dass ich hier bleiben will. noch einmal zurück nach puno zu fahren mit dem risiko, die vepse die richtig steilen straßen zu dem hostel hoch zu quälen...? nein!

die berge um uns herum sind auch mit grasbüscheln bewachsen, verdienen aber eher den namen hügel, die an die toscana erinnern. der see verleiht dem licht eine besondere klarheit und lässt die felskonturen der etwas höherliegenden berge besonders scharf hervortreten. 

wirkt wie ein grandhotel, aber rolf bemaengelt die schmalen bogenfenster...

bei dem hostel handelt es sich um ein mehrstöckiges, allein liegendes, weiss getünchtes  haus, dessen architekt eine vorliebe für schmale bogenfenster gehabt haben muss, .
ich werde von sandra und rolf sehr nett empfangen, der hund bruno erfüllt als wachhund seine pflicht und scheint vergessen zu haben, dass wir uns vor knapp einer woche an der grenze zu peru erst getroffen haben. erst als ich ihn mit hundeleckerlies besteche, ist seine seele gekauft und er wird anhänglich. so sind sie - die hunde...

die preisverhandlungen mit der hostelsenora gestalten sich etwas schwierig. die währung auf der preisliste, die mir die rezeptionsdame zeigt, ist in dollar, ich soll pro nacht 16 US$ bezahlen. sandra und rolf bekommen das mit und sagen, sie würden für ihr auto 37 sol für die nacht bezahlen, etwas über 10 €. so kommt schwung in die verhandlungen und schließlich einigen wir uns nach einem telefonat mit ihrer chefin auf 25 sol, das sind knapp 7 € -  inkl. wifi-nutzung. ich beziehe nicht in dem hostel selbst mein zimmer, sondern eines, das zum garten führt, dusche und wc sind wie auf einem campingplatz in seperatgebäuden untergebracht.

Hinter dem defender ist mein zimmer versteckt

ich werde zu einer leckeren gemüsesuppe eingeladen. der geländewagen ist bestens ausgerüstet, es fehlt an nichts! am nachmittag machen wir noch eine runde mit hund bruno an den see, werden aber irgendwann von sumpfigen grund aufgehalten. so ein see hat eine sehr  beruhigende wirkung. wir sehen, wie peruanerinnen in bunten röcken und ihren breitkrämpigen hüten, korn dreschen und das stroh zum schutz gegen die kalte nacht auf den acker legen. den sehr kalten abend verbringen wir in meinem etwas von der sonne aufgewärmten zimmer und sind erstaunt, dass es erst halb 10:00 ist, als wir den abend beschließen.

17.06.:

rolf erzählt von einem hostel, das ca. 90 km von hier entfernt liegt und dessen familie kontakte zu den auf den schilfinseln lebenden urus hat.
es
handelt sich hierbei um eine indigene bevölkerungsgruppe, von denen ca. 2000 menschen hier am titicaca-see ansässig sind. nur noch 200 leben so wie ihre vorfahren auf den schwimmenden schillfinseln und ernähren sich hauptsächlich von den fischen aus dem see, von dem verkauf bunter decken und den trinkgeldern, die sie von den touristen bekommen, wenn sie sich fotografieren lassen.
auf camping bin ich nicht eingestellt und werde zu einem frühstück mit rühreiern und gerösteten brötchen eingeladen. wie in einem hotel kann ich wählen zwischen den teesorten earl grey und normalem schwarztee wählen. nicht etwa in form von beuteltee, sondern als teeblätter!
wir sind von der höhe ziemlich erschöpft. jede tat, die auch nur die geringste bewegung erfordert, erfordert unmengen von sauerstoff, den es hier nur in eingeschränkter form gibt und immer pausen verlangt.
gegen nachmittag machen wir einen spaziergang -  eigentlich eine wanderung zu in unmittelbarer nähe liegenden inkaruinen, die einen aufstieg von 3.800m auf knapp 4000 m erfordern. wir richten uns nach dem navigationssystem, weil wege für uns so nicht erkennbar sind. es ist eine mühsame kletterei, die uns langsam nach oben bringt.

Die inkaruinen - wahrheit oder marketing...?

besonders beeindruckt bin ich nicht. handelt es sich hier um einen marketinggag oder tatsächlich um ca. 900 alte grundrisse, die in form von locker aufeinanderliegenden feldsteinen erichtet sein sollen? die landschaft um uns herum erinnert mich an die toscana. in den tälern wird ackerbau betrieben und auf den terassenförmig gegliederten  anhöhen wächst büschelgras, das von schafen kurz gehalten wird. im gegenlicht sehe ich die scharf gezackten felsen auf den bergrücken. 

Die Toscana? Mein naechstes ziel mit der vepse

einer davon erinnert mich an goethe, der mit einer decke geschützt und einem breiten hut in das tal runter schaut (goethe in der normandie). die schatten werden merklich länger und wir müssen den heimweg antreten. dieses mal finden wir den offiziellen weg für den abstieg.
zum abendessen verwöhnt uns sandra mit pestonudeln und frischem salat von markt aus arequipa.

Goethe in der normandie?

wir wollen der kälte trotzen und setzen uns zum essen in mein zimmer, das die sonnenwärme des tages gespeichert hat. auffällig ist, dass es hier in der gegend noch viele lehmhäuser gibt und ich glaube, dass auch mein zimmer in lehmbauweise errichtet wurde und wir davon für eine weile profitierenkönnen. doch dann wird es kalt und wieder zeigt sich die perfekte ausrüstung der beiden stuttgarter. es gibt eine gasheizung, die sie aus spanien mitgebracht haben und die die spanier unter den esstisch stellen, damit ihnen von unten warm wird. denn auch dort sind zentralheizungen eher eine seltenheit. leider stellt er seine funktion nach etwa 10 minuten ein. wir wissen nicht warum, doch später erfahren wir, dass es mit der kälte und der geringen luftfeuchtigkeit hier oben zu tun hat.

18.06.:
heute ist sonntag. ich verspüre mehr tatendrang, schreibe an meinem blog weiter und beschäftige mich mit der düse. vielleicht wird die vepse im anzug schneller, wenn ich trotz schon erfolgter düsenverkleinerung mit einem draht nachhelfe.
heute gibt es müslifrühstück mit viel leckerem obst. auf der einen seite genieße ich das verwöhntwerden sehr, auf der anderen fühle ich mich in der rolle des ausschließlich nehmenden etwas unwohl.
der plan für heute ist geld holen und einkaufen in puno. der defender ist in seiner eigenschaft als reisewagen mit keinem dritten sitzplatz aussgestattet, so dass sandra sich mit hund bruno auf die ausgebreitete matratze hinter dem fahrersitz legen muss.
wir kommen in eine polizei- und zollkontrolle und rechtzeitig vorher versteckt sie sich unter der decke. eine große tat angesichts der temperaturen. wir werden gestoppt. rolf hat seine unterlagen parat, wozu auch seine versicherungspolice für peru gehört. diese situtation erinnert mich an die grenzkontrollen aus der ddr, vor denen sich ddr-flüchtende unter dem auto versteckt haben. wir kommen ungeschoren davon. rolf passt sich in perfekter weise den peruanischen verkehrsverhältnissen an, hupt wie die anderen, hält drauf wie die anderen und bremst rechtzeitig ab, wie die anderen. wir finden einen schattenplatz in der innenstadt, denn bruno wird den defender bewachen. wir erledigen unsere todos und ich bin froh, dass ich mich an den einkäufen beteiligen kann. ich bin noch an das chaos in arequipa gewöhhnt und wundere mich, dass hier alles sehr geordnet zugeht.
am spätnachmittag finden wir mit unterstützung eine apothekerin ein restaurant, das uns mit alpacafilets, lachsforelle und garnelenrisotto verwöhnt. uns wird die auswahl zwar mithilfe abgebildeter fotos der kunstvoll dargebotenen speisenkreationen erleichtert, aber die vielfalt der speisenkarte erfordert schon etwas mehr zeit. wir bestellen zwei der ebenso präsentierten entradas (vorspeisen)  und lassen uns drei teller bringen. der chilenische weisswein -  eigentlich hätte es ein peruanischer sein sollen - wird gekühlt serviert und wandert auf unsere bitte nach dem ersten ausschenken wieder in die kühlbox. wir sind so angetan, von dem, was uns serviert wird, dass wir alles fotografieren müssen. der kellner lacht still in sich hinein - das hat er wohl bisher noch nicht erlebt.


rolf lässt uns sein alpaca-filet, das er fast blutig bestellt hat, probieren und es ist so lecker, dass auch der überzeugteste vegetarier eine ausnahme machen würde. da müssen wir noch einmal hin und dann bestelle ich alpaca!

auf dem weg zurück zum auto holt sandra und rolf das schlechte gewissen ein. die armut ist an allen ecken und enden zu sehen. wir kommen gut gesättigt und verwöhnt an den menschen vorbei, die um geld bitten, und sie folgen der bittenden geste. fuer die reise haben sie sich vorgenommen, die mieteinnahmen fuer einen vermieteten stellplatz fuer einen guten zweck auszugeben und selbst irgendwie hand anzulegen.
die sonne ist schon lange weg und es ist wieder eisekalt. wir kommen an einem alpaca-laden vorbei, und es liegt auf der hand, dass wir stehen bleiben. ich als singlereisender wäre vorbei gegangen, aber so schauen wir uns zu dritt die auslagen an und machen anproben. jeder von uns ist jetzt mit einer sehr wärmenden mütze ausgestattet. ich hätte gerne noch eine jacke gekauft oder einen schal, aber die größen passen leider nicht.
am abend schreibe ich noch am blog weiter und bin um halb neun im bett. die unerbittliche kälte, die so langsam vom steinfußboden hervorkriecht, lässt mir keine andere wahl.

19.06.:

heute steht ein sehr wichtiger punkt auf unserer tagesordnung:

Beiläufig frage ich rolf, wie und ob er hier in peru schon versichert sei. Meine frage löst bei ihm erstaunen, fast entsetzen aus. Wie - soll das heissen, ich hätte noch keine? Hier in peru würde häufig kontrolliert und auch die versicherungspapiere erbeten... zu meiner rechtfertigung, die ich mir auch schon für mögliche polizeikontrollen zurecht gelegt habe, sage ich, dass ich schon einen versicherer an der hand hätte, der mich auch für die anderen länder in südamerika versichern würde. die police müsse täglich kommen.

Ich weiss nun um die dringlichkeit dieser geschichte und verkünde beim frühstrück, dass ich heute am montag zur agentur fahren wolle, verbunden mit der frage und der hoffnung, ob sie nicht auch vorhätten, heute nach puno reinzufahren und ich so der polizeikontrolle aus dem weg gehen könne. Zum glück möchten sie nach puno...
Für den nachmittag haben wir das auf dem programm.


Aber da ist eine ganz andere frage, die uns beschäftigt und weswegen es bei den beiden häufig rühreier gab. Die gekochten eier wollten einfach nicht die konsistenz annehmen, die sandra und rolf am liebsten mögen. ich erzähle von noras experimenten in thiersee, worauf rolf das internet bemüht und rausfindet, dass auf unserer höhe von gerundet 4.000 m der siedepunkt des wassers nicht wie auf meeresspiegelhöhe bei 100 grad ist. Sondern sich pro 300 m sich um ein grad reduziert und wir damit nur 87 grad erreichen. Entsprechend länger müssen die eier im wasser bleiben. Ich schlage vor, eine exceltabelle zu erstellen und den höhenmetern die erforderliche garzeit der eier gegenüberzustellen.

Am nachmittag fahren wir nach puno. Die kontrollstelle ist besetzt und ich bin dankbar, dass ich mich dieser prozedur nicht aussetzen muss. 300 € strafe hätte ich bezahlen müssen weiss rolf aus dem internet.

in puno suche ich das versicherungsbüro auf, nach dem ich fotos von der vepse gemacht habe. für ein viertel jahr bezahle ich umgerechnet 60 €.
rolf freut sich, weil er an der peruanischen grenze einen besseren deal gemacht hat. Doppelte leistung, also ein halbes jahr für 60 €. bei derselben versicherung mit ganz anderen cm³ und ps-stärken als die vespa. Es ist wie es ist.

das bild erinnert mich an die kathedrale in posadas, argentinien. hier in pouno war vielleicht derselbe lichtdesigner am werk?

eher nuechtern und das portal ist geoeffnet


Wir stärken uns in einer kleinen gemütlichen pizzeria, die über einen lehmofen verfügt, mit einer sehr guten pizza und einem pisco-saur, der mit steifem eischnee und zimt bestreut serviert wird. Bisher hat mein magen alle wirrnisse dieses kontinents gut überstanden – soll ich es wagen? Aber der eischnee ist hart, der löffel bleibt stehen – ich kann das risiko eingehen.

Am abend sitzen wir noch in meinem zimmer und trinken einen rotwein, der während unserer abwesenheit die in der sonne gespeicherte temperatur in meinem schlafsack gehalten hat. Die spanische gasheizung gibt nach 10 minuten den geist wieder auf, daran haben wir uns gewöhnt und außerdem ist es draußen gar nicht mehr so kalt...
morgen trennen sich unsere wege...

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