Koh Samui abseits der Strände
Nach meinem Aufenthalt in Isaan flog ich Mitte Januar 2026 wieder nach Koh Samui - alles andere als ein Geheimtipp, aber mit vielen Attraktionen abseits der Strände.

Veröffentlicht: 22.06.2026
















Die meisten Touristen kommen einen Tag: Von Bangkok, rund 80 km südlich, lassen sie sich in Bussen, Vans und Taxis nach Ayutthaya fahren, stürmen die Sehenswürdigkeiten, schiessen Selfies und sind am späteren Nachmittag wieder weg. Ich kam am 4. Februar 2026, nachdem ich ein paar Wochen auf der Insel Samui und anschliessend an meinem Rückzugsort Hua Hin Verbracht hatte. Und ich blieb drei Tage.
Ayutthaya, die alte Hauptstadt des Königreichs Siam, ist nicht nur eine eindrückliche Sammlung von Ruinen und Tempelanlagen, sondern in seinem Kern auch eine attraktive Provinzstadt. Am Abend erholt man sich von all den überwältigenden Eindrücken bei einem entspannten Bummel über den Nachtmarkt. Eine Strassenküche verspricht, nur leicht übertrieben, das «beste Thai-Essen». Man setzt sich auf einen der Campingstühle an einen Klapptisch und lässt sich das nationale Nudelgericht Pad Thai plus ein Chang-Bier servieren. Für das köstliche Mahl und das kühle Nass sind etwa 200 Baht oder gut fünf Euro fällig.
Ayutthaya wurde1350 gegründet und war während mehr als vier Jahrhunderten die Hauptstadt des Königreichs Siam und ein kosmopolitischer Knotenpunkt des Handels zwischen China, Japan, Indien, Persien und Europa mit Wohn- und Geschäftsquartieren für Chinesen, Japaner, Perser, Portugiesen, Holländer und natürlich Thais. Um 1600 lebten hier 200.000 bis 300.000 Menschen.
Siege und Niederlagen
Ayutthaya betrieb auch eine aggressive Expansionspolitik: Seine Armee belagerte und eroberte 1431 die Stadt Angkor, die Hauptstadt des Khmer-Reiches, heute Kambodscha. Etwa 200, 300 Jahre früher war Angkor seinerseits mit 700.000 bis 900.000 Einwohnern nach Hangzhou in China die zweitgrösste Metropole der Welt gewesen, noch vor Delhi, Bagdad, Kairo und Paris. Im 12. Jahrhundert wuchs das Khmer-Reich nach blutigen Eroberungen auf rund eine Million Quadratkilometer an, dreimal so gross wie die Bundesrepublik Deutschland. Das heutige Thailand und Laos, dazu Teile von Vietnam, Myanmar und Malaysia standen unter Khmer-Herrschaft.
Als das Königreich Siam seinerseits im 15. Jahrhundert Teile des Khmer-Reiches unterwarf, befand sich Angkor bereits im Niedergang, weil die komplexen Bewässerungssysteme nicht mehr funktionierten und die Khmer-Herrscher ihr Zentrum 300 km südlich nach Chaktomuk verlegten, dem heutigen Phnom Penh.
Stadt auf einer Insel
Ayutthaias historisches Zentrum liegt auf einer Insel, die durch den Zusammenfluss dreier Flüsse – des Chao Phraya, der weiter südlich auch durch Bangkok mäandert, des Pa Sak und des Lopburi – gebildet wird. Auf der Insel befinden sich, zusammengefasst in einem «Geschichtspark», die Überreste des einstigen Königspalastes und darum herum die Ruinen einiger bedeutender Tempel.
In den Stupas des Tempels Phra Si Sanphet aus dem 15. Jahrhundert wird die Asche verstorbener Könige aufbewahrt. Wat Mahathat präsentiert ein oft fotografiertes Motiv: Nach der Zerstörung Ayutthayas blieb ein steinerner Buddha-Kopf am Boden liegen. Er wurde mit der Zeit von den massiven Wurzeln eines Banyan-Baumes umschlungen und wuchs mit ihnen in die Höhe. Der Kopf mitten im Wurzelwerk ist ein Mahnmal für die Vergänglichkeit des Menschen und die Kraft der Natur.
Ebenfalls im Stadtzentrum, aber ausserhalb des Geschichtsparks, steht der Wat Lokayasutharam. Hier findet man unter freiem Himmel einen 42 Meter langen, acht Meter hohen liegenden Buddha aus dem 14. Jahrhundert. Trotz ihres Alters und aller Witterungseinflüsse ist die mächtige Statue aus Ziegeln und Stuck gut erhalten.
Stadtrundfahrt auf dem Wasser
Die aussergewöhnliche geografische Situation der Altstadt ermöglicht am frühen Abend, kurz vor Sonnenuntergang, ein einmaliges Erlebnis. Wenn die Touristenmassen abgereist sind, gondelt man auf einem Flussschiff rund um die Altstadt, besucht hier einen Tempel, dort eine antike Stätte und betrachtet die traditionellen Häuser auf Pfeilern und den einen oder anderen Tempel am Flussufer.
Der völlig intakte Wat Phanan Choeng liegt am Ostufer des Chao Phraya am Zusammenfluss mit dem Pa Sak. Er wurde Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut, noch vor Ayutthayas offizieller Gründung. Das Innere des Hauptgebäudes wird von einer gigantischen, vergoldeten Buddha-Statue beinahe ausgefüllt, 19 Meter hoch, knapp 700 Jahre alt und damit eine der grössten und ältesten Bronzestatuen Thailands. Gläubige werfen sich nieder; der Mensch kommt sich im Angesicht dieser übermächtigen Statue klein und unbedeutend vor.
Danach besuchen wir Wat Chaiwatthanaram, eine weitläufige Tempelanlage aus dem 17. Jahrhundert am Westufer des Chao Phraya ausserhalb der Insel. Der zentrale Tempelturm oder Prang in der Mitte ist von kleineren Türmen und Galerien umgeben. Besucher schlendern durch die Anlage, beeindruckt von der imposanten Präsenz dieser Stätte. Die hohen Türme im Khmer-Stil leuchten im Abendlicht in einem tiefen Terrakotta-Rot und werden so zum ästhetischen und emotionalen Highlight unserer Bootsfahrt.
Überrannt, geplündert, niedergebrannt
Das Königreich von Ayutthaya war während Hunderten von Jahren die dominierende Macht Südostasiens. Doch 1767 nahm die glanzvolle, lebensfrohe Hauptstadt ein jähes Ende: Nach langer Belagerung überrannte die Armee des Nachbarlandes Birma (heute Myanmar) die Stadt, plünderte sie, brannte sie nieder, und ermordete oder vertrieb die Bevölkerung.
Was bleibt, ist ein riesiges Freilichtmuseum, das 1991 auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes gesetzt wurde. Doch Ayutthaya ist mehr als ein Haufen alter Steine. Es ist ein Ort, der lehrt, dass Macht und Bedeutung vergänglich sind, aber Würde auch den Niedergang überdauern kann – ein tröstlicher Gedanke, wenn man selber den Zenit schon längst überschritten hat.
