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Freddy is on tour again. 3 months in South-East Asia, here we go!

Lost in the west

  “Soso, in Western Australia seid ihr also“ lautete die Antwort des 24 Stunden Notfall Fuzis mit einem unüberhörbaren Unterton, der uns zu verstehen gab, dass unsere Lebenserwartung soeben um 5 Jahre geschrumpft ist. Da standen wir also, 5 Backpacker im Schein der Warnblinker nachts irgendwo Pi mal Daumen an der Westküste Australiens.
Fürs Protokoll: 2 Stunden zuvor standen wir schon einmal rund um unser Auto und versuchten es zu überreden, noch eine Weile unter uns zu bleiben. Weder das Anschieben im 1. Gang (Profis am Werk) noch das fremdstarten per + auf - (mit Abitur kommt man auch nicht weiter im Leben) konnte es überzeugen, bis die zündende Idee es mit ++ zu versuchen unseren Scheißhaufen auf Rädern (ein hoch auf die Chaoscamper) dann wieder ins Rollen brachte. Kurze Zeit darauf überlegte es es sich dann doch noch einmal anders und ruckelnd wie in einem abstürzenden Flugzeug samt wie einstudiert blinkender Airbag und Batterie Lichtlein kamen wir wieder zum stehen. Nach erfolglosen Telefonkonferenzen nach Deutschland fanden wir uns also enthusiastisch winkend auf dem Highway wieder um das einzige Auto weit und breit zu stoppen. Eine Truppe von Franzosen hielt tatsächlich an und hatte zur Feier des Tages auch noch ein Fremdstarter Kabel dabei. Nach weiteren Minuten umherrangieren und rumbasteln schnurrte unser Kätzchen wieder und wir waren heilfroh endlich an unserem Campingplatz ankommen zu können. Es wurde dunkel und das Gezicke unseres Vans ging uns so langsam auf die Nerven. Aaaber nein. Keine 10 m gefahren ging der Zirkus wieder von vorne los. Wieder wurde Konferenz nach Deutschland gehalten, doch letzten Endes riefen wir dank unseres einzigen Handys, welches noch etwas Empfang ergattern konnte, bei unserer Autovermietung an.
Hallo erstmal, wir stehen irgendwo 20 km vor Monkey Mia am Highway neben einem Auto, das soeben das Handtuch geworfen hat. Nach etlichen Minuten hin und her, einer unterhaltsamen 'Please hold the line' Pause und Mayks unqualifizierten Einwürfen in Form von “this car is shit!“ saßen wir wieder um das Auto und warteten auf den Abschleppdienst. Wenigstens hatten wir mittlerweile die Milchstraße über uns, welche im wahrsten Sinne etwas Licht ins Dunkel brachte. Eine halbe Stunde später kam unser Abschlepper an samt einem Mechaniker, welcher wohl der 2. Kandidat hinter Leonardo für “Into the wild“ gewesen sein musste. Er packte unseren Van ein und nahm uns bis zum nächsten Campingplatz mit, wo er uns absetzte, um das Ding am nächsten Morgen genauer unter die Lupe zu nehmen. Nachdem er sich also mit seinem Kollegen (Kandidat Nummer 3) das Auto gefühlte 3 Sekunden ansah und todessicher den Alternator beschuldigte, begannen wir unseren Tag erst einmal mit Pancakes. So gesehen hätten wir an schlimmeren Orten liegen bleiben können. Wir hatten einen Pool, Duschen und das Meer vor der Nase. Bei dem Gedanken, das alles hätte im Outback passieren können, konnten wir unser Frühstück gleich noch mehr genießen.
Thank god hatten wir dank unserer 2 Mädels ein zweites, funktionierendes Auto dabei und so machten wir es uns zu 3 auf deren Bett gemütlich und düsten zur Little Lagoon, einer wunderhübschen türkisen Lagune. Nachdem uns die Fliegen dort wieder klein gekriegt hatten (ja.. Sie sind wieder da) verbrachten wir den Nachmittag in Denham, einem kleinen aber feinem Dorf in Shark Bay, wo wir abgeliefert wurden. Nach einer langen Suche nach Wifi konnte ich endlich endlich endlich wieder meinen Lieben Zuhause schreiben, welche mich schon fast als vom Hai gefressen abgehakt hatten.
Nach einem schönen aber eiskalten Sonnenuntergang bedarf es uns einem warmen Van und Alkohol und so kamen wieder alle möglichen Trinkspiele auf. Was würde ich geben, die Gesichter der vorbeimarschierenden Camper zu sehen, wenn aus unserem mit bunter Lichterkette geschmückten Van jede Minute ein mit Leidenschaft erfülltes “Yeehaaw“ ertönte. (Die unaufhebbare Trinkspielregel!) Wir haben Tränen gelacht und in Anbetracht der Tatsache, dass wir um 5 Uhr zu trinken begonnen hatten, war es uns dann auch gleich, um 10 ins Bett zu fallen.
Dementsprechend früh kamen wir am nächsten Morgen auch aus den Federn und machten wieder zu 5 los nach Monkey Mia. Die Dame, welche uns beim Eintritt in den Nationalpark das Geld aus der Tasche zog, wirkte etwas verwirrt als sie in unser Auto blickte und nach einem “Just the two of you?“ noch 3 andere unschuldig blickende Gesichter im Hinterteil des Vans entdeckte.
Wenig später standen wir dann mit den Füßen im Wasser und beobachteten die Delfine, welche dort 3 mal täglich gefüttert werden. Die Volunteers erzählten von den Powernaps der Delfine, bei denen sie an der Wasseroberfläche treiben, eine Gehirnhälfte abschalten und nur ein Auge offen halten, um mögliche Haie zu erspähen. Während den spannenden Erzählungen schwammen die Delfine den Mitarbeitern um die Beine und das alles wieder einmal in freier Natur, kein Netz, kein gar nichts hielt die Delfine fest. Es war ein Traum. 


Nach den 3 Fütterung entspannten wir unser Leben auf höchstem Niveau am Strand inmitten von Pelikanen und Möwen, bis ein junger Mann mit viel zu langen lockigen haaren uns auf seinen Catamaran einlud. Er vertickte uns das ganze für 20 anstatt 100$ mit der Bitte, den anderen Gästen kein Wort davon zu sagen. Geht klar Captain. Eine halbe Stunde später saßen wir auf einem riesigen Catamaran mit 2 jungen Typen, die Kapitän spielten und mit ihren verschränkten armen und ausgestreckter Brust vor Coolness fast explodierten. Und solchen Leuten vertrauen wir die nächsten 3 Stunden unser Leben an. Ziel des Trips war Dugongs, also Sehkühe zu sehen und so besuchten wir die 3 bekanntesten Seebänke vor Monkey Mia. Ich weiß nicht wie oft wir im Kreis fuhren oder an den scheinbar vor Dugongs wimmelnden Spots Ewigkeiten anhielten, doch am Ende des Tages sahen wir keine einzige fette Sehkuh und hatten uns dazu noch den Arsch abgefroren, nachdem das Wetter umschlug. Im Endeffekt konnte ich für 20 $ das erste mal auf einem Catamaran schippern und ein paar Delfine und eine Schildkröte hatten wir dann doch gesehen. Mein aufrichtiges Beileid gilt trotzdem den anderen Gästen, welche 100 $ in das Geplänkel investiert hatten und insgeheim machte ich 3 Kreuze, als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten.
Aufgrund des Anzac Days, einem nationalen Feiertag ließ unser Ersatzteil auf sich warten, und so galt es einen weiteren Tag rüberzubringen. In der Ecke hatten wir alles gesehen und so bearbeitete ich Stunden meine Bilder, schickte endlich meine Postkarten ab und widmete mich meinem nächsten Unternehmen, der Ostküste Australiens.
Am
Nachmittag wurde unsere Karre dann endlich abgeholt und ein paar Stunden später fuhr das Ding aus freiem Willen wieder über den Campingplatz. Endlich konnte es weiter gehen!!
Am nächsten Morgen packten wir also endlich alles zusammen und WIEDER sprang die verdammte SCHEIßKARRE NICHT an. Liebe Leute, der Geduldsfaden war ganz ganz dünn. Wieder kam unser Freund, der Mechaniker und gab uns einen Kickstart. Dann fuhren wir einfach los. Bei Shells Beach, unserem nächsten Ziel ließen wir das Auto laufen, während wir kurz ein paar Fotos machten, bevor wir wieder vor den Fliegen ins Auto flüchteten. 


Die paar hundert Kilometer nach Geralton machten wir ebenfalls in einem durch und nachdem wir wieder einmal ein kleines Vermögen im Supermarkt ausgeben mussten, fest im Blick eines Polizisten aus Pappe, der uns mitteilte, dass Stehlen ein Verbrechen ist, brachen wir den Tag in Geralton rüber, wo ich das erste mal seit über einer Woche Netz hatte. Halleluja!
Abends wurden wir mit einem wunderschönen Free Camping Spot direkt am Meer belohnt, wo wir am nächsten Morgen (Es ist ja auch schon wieder eine Weile her) unser Pancake Brekkie zelebrierten.
Leider ließen uns die sommerlichen Temperaturen gen Süden vor allem nachts im Stich und so standen langen Sommerabenden nicht nur die Dunkelheit, welche um 6 Uhr hereinbrach, sondern auch die Kälte im Wege.
Da uns aber keine 400 km mehr von unserem Ziel trennten, konnten wir tagsüber die Sonne an den Stränden Western Australias genießen, bis wir nach 2 faulen Tagen die Pinnacles erreichten. Die Felsdome erhoben sich endlos wie Gräber über die sanften Hügel. Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen: aus der Erwartung sich ein paar Steine anschauen zu gehen wurden dann doch wieder WOW-Momente!
Über eine Straße aus Sand cruisten wir durch das Felsenmeer, vorbei an den bizarrsten Formen und Farben.
In
Lancelin wartete ein entspannter Nachmittag auf uns: Kaffee, Wifi und einer dieser obercoolen australischen Spielplätze, was will man mehr?
Diese Rechnung beglichen wir am nächsten Morgen mit dem wohl anstrengendsten Sport dieses Planeten: Sandboarding.
Mit ausgeliehenen Boards bestiegen wir die weißen Sanddünen Lancelins und nach 1,2 oder 3 Versuchen surfte ich tatsächlich einige Sekunden den Hang hinunter. Es war ein riesen Spaß und anstrengend as fuck. Fazit: Jederzeit wieder!!
Je später es wurde, desto mehr näherte sich unser Roadtrip einem Ende.
Am
nächsten Morgen sollten wir unsere letzte Station erreichen und bereits eines unserer Autos abgeben. Als Abschiedsfeier wurde niveauvoll im Kofferraum gesoffen und ein letztes mal gespielt. Yehaw!!
Je breiter am nächsten Morgen die Straßen wurden, je häufiger die Ampeln und je lauter der Lärm, desto mehr stiegen auch die Glücksgefühle in mir!
Menschen! Zivilisation! Bezahlbare Supermärkte! Handyempfang!
Wir besuchten den wohl hübschesten Ort in Perth: den Kings Park. Der Park war nicht nur außerordentlich schön, gesäumt von einer Allee, sondern bot einen fantastischen Blick auf die Stadt.


Was Perth zu einem meiner absoluten Favoriten machte, war der Hafen der Stadt, welcher ein einziges Architektur Kunstwerk ist. Was die Aufmachung der Stadt, die Liebe zu Detail und das Spiel mit Farben und Formen angeht, ist Perth die mit Abstand schönste Stadt Australiens.
Da unsere Mädels mittlerweile ein Hostel bezogen hatten, bot uns das die hervorragende Chance, dort duschen zu gehen, Wifi zu snacken und alles aufzuladen. Da wir tagtäglich wie selbstverständlich ein und ausmarschierten, akzeptierte uns das Personal scheinbar schon bald als unsichtbare Hostelbewohner.
Da wir wieder einmal an einem Punkt angekommen waren, an dem für 5 Personen ein Auto übrig geblieben war, packten wir unsere Mädels hinten in den Van und machten uns abends auf in den Kings Park, um die Lichter der Stadt zu genießen.
Als wir in den Kreisel davor fuhren, winkten uns schon die Polizisten und begleitet von unserem panischen “Fuck Fuck Fuck“ rissen wir noch rechtzeitig das Ruder um und drehten noch eine Runde im Kreisverkehr. 2 von uns mussten also den Weg laufend hinter sich bringen, doch am Ende saßen wir alle gemeinsam im Park über dem Lichtermeer Perths.
Ich weiß nicht an welcher Stelle meine Kollegen auf doofe Gedanken kamen, doch 2 Tage später wurde ich um 4 Uhr morgens aus meinem ungemütlichem Campervanbretterbettchen gerissen und stand wenig später am Strand und fotografierte die 3 Idioten beim Fallschirmspringen. Dass ich unten am Boden definitiv an der Falschen Stelle war, wusste ich von Anfang an, doch mein Konto zeigte mir einen Vogel angesichts der 450$. So stand ich also unten und fieberte vom Strand aus mit meinen Lieben mit. Meine Zeit wird kommen, glaubt mir. 

Nach unserem letzten gemeinsamen BBQ tauschten wir am letzten Tag alle Fotos der letzten grandiosen 6 Wochen aus und schauten als Einstimmung auf den nächsten Abschnitt einen der besten Kinderfilme aller Zeiten. Na? P.Sherman? Got it?

Ich kann nicht beschreiben wir es mir manchmal die Eindrücke um die Ohren haut. Vom einen Highlight zum nächsten, zack zack. Manchmal wünschte ich mir ich könnte mich zwischendurch wieder ins kalte regnerische Deutschland beamen, um das hier alles wieder richtig schätzen zu können.
Seit 7 Monaten scheint die Sonne für mich, seit einem halben Jahr hab ich das Meer vor der Haustür. Und ja, es ist schwierig das alles jeden Tag so sehr zu schätzen als wäre es der erste Tag im Urlaub, so sehr ich es auch versuche.

Bald werde ich wieder zuhause sein und alles darum geben, meine Füße in den Sand zu stecken und die Wellen flüstern zu hören.

Ich werde es vermissen, das Meer, die Wellen, meinen Inbegriff von Freiheit.

Doch jetzt ist noch Zeit und Probleme werden gelöst, wenn sie auftreten. Also?
Lasst uns Kindheitsträume erfüllen gehen, lasst uns Nemo suchen gehen.

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