Einmal Asien Bitte
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Ulaanbaatar - Улаанбаатар

Veröffentlicht: 01.10.2019

Eine weitere Bahnfahrt. Dieses Mal aber ein bisschen anders – und vor allem ereignisreicher...

Nachdem sich unser Zug um 01:23 Uhr langsam Richtung Ulan-Bator zu bewegen begann, stolperten wir in unser Abteil, in dem wir ein verschlafenes, zunächst verwirrtes und zerstrubbeltes neuseeländisches Ehepaar antrafen. Die beiden stellten sich als Donna-Marie und Andrew vor und wir freundeten uns schnell mit ihnen an. Auch sie hatten eine lange Reise vor sich, da sie auf dem Heimweg von London, wo beide ein Jahr gearbeitet hatten, nach Neuseeland waren und dabei mit dem Zug durch Europa, Skandinavien, Russland, China und Thailand fuhren, um irgendwann mit dem Kreuzfahrtschiff von Singapur aus Neuseeland zu erreichen. Der Vorwand für diese Reise war Andrews Flugangst, da er einen Flug von England nach Neuseeland nicht überstehen würde...

Dieser Zug war nicht -wie man eigentlich erwarten könnte – mit Mongolen, Russen oder Chinesen besetzt, sondern Amerikaner, Neuseeländer, Italiener, Franzosen und vor allem, wie man ganz klar am Reuters-Rucksack, den Sandalen, dem Wörterbuch, der zweiteiligen Trekkinghose, der Kamera um den Hals und dem Reiseführer erkennen konnte - Deutsche - besiedelten die Kabinen der Züge. So konnte man sich endlich mal, nach dem bisherigen recht holprigen Smalltalk mit den Russen auf Engdeussisch, wieder länger und flüssig unterhalten (die Sandalen mit den Reuters-Rucksäcken haben wir dabei jedoch gemieden). Auch ein österreichischer Journalist, der für den ORF arbeitete war im Zug und interviewte uns, da er an einem Radiobeitrag über Zugreisende in der transsibirischen Eisenbahn arbeitete.

Endlich änderte sich auch die Landschaft und auch der Wald sah hier etwas anders aus (so wie Wälder eben aussehen wenn sie brennen). Anstatt des bisherigen Waldes hatten wir nun gute Sicht auf Berge, den Baikalsee und später, je dichter wir in Richtung Mongolei kamen, auch auf hügelige Graslandschaften. Der Genuss dieser dreitägigen Bahnfahrt hielt sich jedoch in Grenzen, da wir ohne Klimaanlagen, Duschen, eigene Steckdosen oder weiche Betten auskommen mussten.

Nach unserem ersten Grenzübertritt mit dem Zug, bei dem wir von salutierenden Soldaten begrüßt wurden, kamen wir endlich in der Mongolei an.

Die erste Nacht in Ulan-Bator verbrachten wir in einer typisch mongolischen Hütte zusammen mit der dort wohnenden, vierköpfigen Familie, die uns herzlich aufnahm und uns bekochte. Die Hütte oder je nach Definition auch das Zelt, beherbegte einen Raum, in dem gegessen, geschlafen und sich gewaschen wurde. Stehen konnte ich nur an manchen Stellen. Ein Bretterverschlag vor der Hütte diente als Toilette, die jedoch einen tollen Panoramablick über Ulan-Bator und die umliegenden Hügel bot.

Die restlichen Nächte verbrachten wir in einem Hostel und erkundeten die Stadt (meistens bei Regen). Am letzten Tag in Ulan-Bator buchten wir eine Tour in einen der Nationalparks der Mongolei. Unser Fahrer holte uns morgens um 6:00 Uhr morgens vom Hostel ab und fuhr uns bei nebligem Sonnenaufgang 300 km Richtung Westen. Auch wenn sich 300 km erstmal nach einer langen Strecke anhören, ist das jedoch in einem Land, dass flächenmäßig fünf Mal so groß wie Deutschland ist keine große Distanz. Auf unserem Weg zu dem Nationalpark, stellten wir fest, wie viele Facetten die Mongolei eigentlich zu bieten hat. Um Ulaan-Bator herum und im Norden des Landes betitelten wir die Mongolei zunächst als „Schottland in groß und ein wenig auseinandergezogen“, in anderen Teilen des Landes findet man Berge mit Wasserfällen, die teilweise an die Alpen erinnern könnten. Weiter Richtung Westen jedoch könnte man meinen man befinde sich in den American Grasslands von Montana mit grasenden wilden Pferden und Rindern. Noch ein wenig weiter könnte es aber auch die Steppe Tansanias sein auf die man blickt und als wir im Nationalpark ankamen hätte man behaupten können man befinde sich in der nördlichen Sahara. Der Nationalpark war ein Gebiet aus Sanddünen und Hügeln - im Prizip eine kleine Wüste. Hin und weg von der sandigen Landschaft erkundeten wir diese, sahen einige Echsen und Skelette von Kühen, Ziegen o.ä. und ritten auf einer zwei stündigen Tour auf Kamelen durch die Dünen. Nach holpriger Absprache mit unserem Fahrer ging es dann in der Abendsonne der Mongolei zurück in die Stadt.

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