Römerstadt Carnuntum #2 Therme & Heidentor
Wir schlendern in der römischen Stadt Carnuntum jetzt zum Nordkomplex, wo drei römische Gebäude sehr mächtig und aufwendig rekonstruiert wurden. Zunächst treten wir in die Villa...

Veröffentlicht: 24.07.2026
















Mit der Stadtbahn 7 fahren wir, von der römischen Stadt Carnuntum kommend, nach Wien, wo in dem Zug dreckige und stinkende Bettler unangenehm auffallen. Neben den zahlreichen Graffiti in der Stadt das ultimative Zeichen eines zivilisatorischen Verfalls. Beides habe ich in der Metro in Beijing, Hangzhou oder Xi’an in China nie erlebt.
Die Fahrt geht bis zur Station Rennweg und wir gehen die gleichnamige Straße nach Nordwesten entlang. Dabei kommen wir am Palais Metternich vorbei, welches der Staatskanzler nach seinem Bau erworben hatte. Metternich war einer der führenden Politiker Europas und spielte auf dem Wiener Kongress 1814/1815 nach dem Sturz Napoleons eine maßgebende Rolle bei der politischen und territorialen Neuordnung von Europa. 1908 erwarb die italienische Regierung den repräsentativen Bau, weshalb sich heute die italienische Botschaft in dem Gebäude befindet.
Ziel unseres Zwischenstopps in Wien ist aber das Schloss Belvedere, durch dessen Garten wir wandeln wollen. Die Schlossanlage war die Sommerresidenz des Prinzen Eugen von Savoyen und wurde zwischen 1712 und 1723 erbaut. Es ist in zwei Schlossanlagen unterteilt, der Oberen und Unteren Belvedere, wobei der Höhenunterschied etwa 23 Meter beträgt. Dieser wird durch den Muschelbrunnen und den Kaskadenbrunnen überwunden. Die aufgestellten Figurengruppen treffen so gar nicht meinen Geschmack und ein Figurenensemble in einem Springbrunnen sieht eher so aus, als wenn nach einer durchzechten Nacht der Alkohol seine Wirkung ausgiebig zeigt. Die Sphinx-Figuren wirken sogar sehr verstörend.
Der Schlossgarten im Oberen Belvedere macht einen ungepflegten trostlosen Eindruck, zu Zeiten des Prinzen sah dieser Teil definitiv ordentlicher aus. Sogar ein kleiner Mähroboter hat sich auf den Rasen wohl festgefahren oder ihm ist der Akku ausgegangen. Dagegen lädt das farbige Blumenarrangement auf der anderen Seite des Oberen Schlosses mit dem großen Bassin zum Fotografieren ein, zumindest nachdem eine etwas wirre Person seinen Spaziergang auf dem Rasen entlang vom Wasserbecken beendet hat. Ein – wie es scheint – schelmisch lächelnder Löwe mit dem Wappen des Prinzen Eugen von Savoyen verabschiedet uns am Portal der Belvedere-Anlage. Der Prinz hat übrigens einen Löwen als Haustier gehalten.
Wir verlassen die monarchische Gartenanlage und schreiten durch das moderne Ensemble der Bauten vom „Erste Campus“ und Bürogebäuden vor dem Hauptbahnhof, welches die Sauberkeit und Modernität ausdrückt, die eine europäische Hauptstadt haben sollte.
Im Bahnhof angekommen, wird unser Railjet mit einer 10-minütigen Verspätung angekündigt. Wir spazieren trotzdem zum Bahnsteig und steigen in den bereitgestellten Zug Richtung Bregenz/München ein. Ich bin wegen der Verspätung nicht beunruhigt, da uns eine halbstündige Umsteigezeit in Linz erwartet. Doch irgendwie muss die Österreichische Bundesbahn sich die Methoden der Deutschen Bahn angeeignet haben, denn die Abfahrtzeit des Zuges wird auf den Displays im Zug ständig nach oben korrigiert. Irgendwann ist auch der halbstündige Puffer für unseren Umstieg aufgebraucht und ich suche in der ÖBB-App nach alternativen Reisemöglichkeiten. Und so steigen wir wieder aus dem Zug aus und nehmen den InterCity am gegenüberliegendem Bahnsteig, der wenigstens in Wels hält, was unsere Weiterfahrtoptionen stärkt. Schließlich kommen wir eine Stunde später an unserem Zielort Schärding an, was nun endgültig beweist, dass nicht nur die DB, sondern auch die ÖBB ordentlich „Verspätung“ kann.
Insgesamt war es ein sehr gelungener Ausflug nach Pannonien mit dem tiefen Eintauchen in die antike römische Kultur und dem Streifen ehemaligen Glanzes der Habsburger Monarchie. Wer Wien noch etwas weiter besuchen will, kann das hier tun: Museumsbummel in Wien
