Eine Freifahrt mit der Bahn in
Österreich habe ich dieses Jahr noch übrig und diese nutzen wir für einen Ausflug nach Hallein südlich von Salzburg am Alpenrand gelegen. Die Salz- und Keltenstadt ist bekannt für ihre Bedeutung beim Salzabbau, denn das Salzbergwerk Hallein ist eines der ältesten Bergwerke der Welt. Heute ist es nur noch ein Schaubergwerk für Touristen und da uns die dunkle Höhle kein Interesse abringen kann, besuchen wir es nicht.
Allerdings liegt seine Bedeutung im Alter, denn schon zu vor 2600 Jahren in der Keltenzeit wurde hier Salz abgebaut. Und das bringt uns hier ins ansässige Keltenmuseum. Dieses wird zwar gerade umgebaut, aber die Ausstellungsstücke sind trotzdem zu bestaunen, wenn auch ohne spektakulärer Präsentation und nur mit beigelegten ausgedruckten Erklärungen. Diese holt man sich zusätzlich auch in der übersichtlichen App.
Zunächst werden archäologische Funde bis vor 7000 Jahren präsentiert, bevor einzelne Keltenstücke gezeigt werden. So wird der Kupferabbau 30 Kilometer südlich von Hallein beleuchtet, der schon im 2. Jahrtausend v. Chr. eine große Bedeutung hatte und dessen Kupfer in der Himmelsscheibe von Nebra eingesetzt worden sein soll.
Natürlich dominieren bei den archäologischen Ausstellungsstücken Grabbeigaben, da hier der meiste Fundus herstammt. Schwerter, die in Flüssen versenkt worden, ordnen Forscher religiösen Ritualen zu, können natürlich auch bei Kämpfen oder Fluchtwegen schlicht und einfach weggeworfen worden sein, ohne dass der Gegner davon profitieren kann. Der nachgebaute Streitwagen soll auf die damalige Bedeutung hinweisen, da man Radbeschläge und andere Wagenteile in verschiedenen Gräbern gefunden hat.
Im einem Grab wurde auch die kleine Keltenmaske aus Bronzeblech gefunden, welche als Krugverzierung identifiziert wurde und heute als Symbol des Museums dient. Viel spektakulärer fand ich dagegen die Goldkugeln als weiblichen Haarschmuck, deren Zustand bei der Ausgrabung in der App dargestellt ist und einer Beerdigung vor knapp 2500 Jahren als Beigabe dienten. Die zerfallenen Kugeln sind mühsam wieder rekonstruiert worden. Der Höhepunkt der Ausstellung ist eine Schnabelkanne aus Bronze, deren Tier- und Kopfverzierungen begeistert. Ich war von einem Hut aus Birkenrinde fasziniert, bei dessen Bedeutung die Archäologen völlig im Dunkeln tappen.
In der Ausstellung zum Thema Salz war für mich das Highlight die originale Salinenkonvention, welche am 18. März 1829 zwischen der österreichischen Monarchie und dem Königreich Bayern unterzeichnet wurde. Das Vertragswerk wird heute als ältester noch gültiger Staatsvertrag bezeichnet. Im Grenzgebiet zwischen dem deutschen Bayern und dem österreichischen Salzburg wird darin einerseits das Recht auf Arbeit in so genannten Lehensschichten neu geregelt, andererseits wird ein Teil der auf bayrischem Gebiet liegenden Salzlager zum Abbau an Österreich abgetreten.
Nach einer kleinen Rutschpartie in einer nachgebauten Bergwerksrutsche verlassen wir das Museum und spazieren durch die Altstadt von Hallein. Dort stoßen wir auf den Zeiserlbrunnen, auf dem ganz oben ein Zeisig thront. Dazu gibt es eine witzige Legende, denn einst sollte einem Bürgermeister von Hallein ein Zeisig zugeflogen sein, den er dann an seinem Haus in einen Käfig sperrte, um sich jeden Tag an seinem Gesang zu erfreuen. Doch einmal hat wohl seine Frau die Tür des Käfigs nicht richtig verschlossen und der Zeisig flog davon. Da der Zeisig am Stadttor Gampertor gesichtet wurde, beauftragte der Bürgermeister die Stadtwache, den Vogel wieder einzufangen, was wohl erfolglos blieb. Die Salzburger Bürger verspotten seit dieser Zeit die Bewohner von Hallein als "Zeiseifanga".
Nun stärken wir uns mit einem großen Kebap und Falafel und stiefeln weiter durch die Altstadt bis zum Stille Nacht Museum, welches sich im ehemaligen Wohnhaus des Komponisten Franz Xaver Gruber befindet. Er hat das berühmte Weihnachtslied "Stille Nacht! Heilige Nacht!" komponiert. Allerdings weckt der volkstümliche Komponist keine Begeisterung bei mir und auch in
China ist das Lied nicht bekannt, so dass meine Frau auch kein Interesse zeigt, weshalb wir uns das Eintrittsgeld zum Museum sparen.
Jetzt kommt der sportliche Teil unseres Ausflugs, denn wir wollen bis zur Burg Sulzeneck emporsteigen. Die Veste war mit dem Reckturm und Fuchsturm Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Hallein. Auf dem Weg dorthin bekam ein kleines Mädchen ihren Tretroller nicht auseinandergeklappt und nach einigen Sekunden intensivem Studiums der Sicherungsmechanik... habe ich es auch nicht hinbekommen. Aufgeben ist natürlich keine Option für mich, da ich ja schon mal meine Hilfe angeboten habe. Also ziehe und drehe und drücke ich noch einmal an dem Ringverschluss und siehe da, der Roller klappt auseinander. Die gute Tat des Tages ist vollbracht.
Wir steigen nun den Berg in den Berchtesgadener Alpen weiter hinauf, kommen an Heiligenfiguren vorbei und sehen links über dem Fels schon den Reckturm. Doch dann ist da oben alles ziemlich enttäuschend. Der Reckturm befindet sich unzugänglich auf Privatgelände und der Fuchsturm ist ein Wohnhaus, wo man bestenfalls Honig kaufen kann. Keine Aussicht auf das felsige Alpenpanorama und auch kein Aussichtspunkt Richtung Stadt. Wir steigen den Weg wieder hinunter nach Hallein und bummeln durch die Altstadt zum Bahnhof.
Fazit: Das Keltenmuseum in Hallein lohnt wirklich einen Besuch, besonders ab November 2026, wenn die Ausstellungen fertig neu gestaltet sind. Aber das Museum sollte man mit Salzburg kombinieren oder bei Begeisterung für den Salzabbau das Schaubergwerk besuchen. Ohne dieses ist Hallein als alleiniges Reiseziel in der Tat etwas klein, unspektakulär und unbedeutend.