Drachenkopf

Veröffentlicht: 24.09.2026
















Der nun von uns besuchte Abschnitt der Chinesischen Mauer hat eine historische Bedeutung bei dem Dynastiewechsel im 17. Jahrhundert. Der Shanhaiguan war die einzigste leicht passierbare Grenzstation zwischen Nord- und Nordostchina, wo das damalige Volk der Jurchen herrschte. Deswegen war die Verteidigung an diesem Mauerabschnitt für die Ming-Dynastie so immens wichtig.
Nach dem Ausbruch von Revolten in China und dem Tod des Ming-Kaisers holte sich der Ming-General Wu Sangui 1644 Hilfe bei dem nordöstlichen Volk der Jurchen gegen die Revolutionäre, die auch seine eigene Familie misshandelten. Da er für die Grenzbefestigung in Shanhaiguan verantwortlich war, öffnete er die Tore den Jurchen-Truppen, die dadurch den grausamen Revolutionsführer Li Zicheng bezwangen, dann allerdings bis nach Beijing (Peking) marschierten und die Macht in China übernahmen. Die Jurchen nannten sich ab jetzt "Qing" und gründeten die fast 300-jährige Qing-Dynastie, die letzte Kaiserdynastie in China.
Wir fahren zum "Ersten Pass unter dem Himmel", so auch die Bezeichnung dieses Ortes, weil er einerseits die erste östliche Grenzstation darstellt und andererseits so bedeutsam zur Verteidgung des Landes und vor allem für die Hauptstadt Beijing ist. Wir kommen mit dem Fahrservice am Infocenter an. Auf dem Parkplatz hat sich ein wartender Busfahrer einer Reisegruppe gemütlich eingerichtet.
Blumenschmuck kündigt schon den bevorstehenden Nationalfeiertag an.
Und dann stehen wir auch schon vor dem berühmten mächtigen Tor nach Ming-China, denn wir kommen von der Jurchenseite der Mauer nach Shanhaiguan.
Allerdings hätten die Jurchen an dieser Stelle schon einen Mauerverteidigungsring durchbrechen müssen, denn das Tor wurde von weiteren Mauern zusätzlich geschützt. In der Mitte des Durchgangs befindet sich eine Passstelle.
Während meine begleitenden Geschichtsbanausen den armen Grenzbeamten ignorieren wollen, bestehe ich auf die Ausstellung eines eigenen historischen Passes. Mit Tinte wird mein Name in das Dokument geschrieben.
Der wichtige rote kaiserliche Stempel wird gesetzt und das Dokument wird mir zeremoniell ausgehändigt.
Natürlich muss die Zeremonie wiederholt werden, denn der historische Grenzbeamte möchte noch mit seinem eigenen Smartphone ein Foto, da er wohl nicht so oft einem Deutschen den Pass ausstellt und diesen für ihn historischen Moment selbst festgehalten haben will. Wir steigen nun auf die Tormauer hinauf.
Im obigen Grenzturm befindet sich eine große historische Karte, wo wir sehr schön die Lage dieses Ortes zwischen Meer und Gebirge erkennen können.
Außerdem gibt es verschiedene Ausstellungsstücke, wie ein 1949 gefundener fossiler versteinerter Baumstamm, der über 100.000 Jahre alt ist.
Wir gehen nun auf der breiten Mauer bis zu den drei Statuen spazieren, die die drei berühmten Ming-Heerführer Chang Yuchun, Xu Da und Hu Dahai darstellen.
Von der Mauer blicken wir auf die Altstadt von Shanhaiguan herab, wo wir einerseits netten Häuschen sehen.
Andererseits gibt es noch Areale, die auf eine Neugestaltung warten.
Wir verlassen die Chinesische Mauer auf der sicheren Seite der Kanone.
Und wir gönnen uns einen kleinen Imbiss am Straßenrand, bevor wir zum Mauerabschnitt am Fuße des Gebirges aufbrechen.
