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Zuletzt in Singapur

Naturnahes und harmonisches Wohnen in Singapore

Veröffentlicht: 21.10.2026


Warum reise ich immer wieder nach Singapore? Weil die gesellschaftlichen Strukturen so faszinierend sind. Diese gehen weit über die hohe Sicherheit und Sauberkeit im Land hinaus. Die Bevölkerung hat ein ausgeprägtes Community-Bewusstsein, welches durch die menschenzentrierte und weitsichtige Politik geschaffen wurde.

Gerade wer die desolaten Zustände mit marodierenden Jugendbanden, Politikerignoranz, Hass und Hetze zwischen Bevölkerungsgruppen, Amokläufen und Drogenkriminalität in der westlichen Hemisphäre, also Europa und Nordamerika, kritisiert und eine bessere alternative Gesellschaftsstruktur sucht, wird in Singapore fündig. Zu dieser "Singapore Story" habe ich ergiebige Ausführungen auf meiner Website mittels der autobiografischen Bücher von Lee Kuan Yew gemacht: Singapore Heritage.

Die Community-Entstehung fasziniert mich immer wieder und ich habe schon viele Wohngebiete und Einrichtungen dazu besucht. In diesem Jahr möchte ich ein älteres Wohngebiet und einen brandneuen, noch entstehenden, Stadtteil von Singapore besuchen.

Aber den Anfang macht eine Ausstellung auf dem Gelände des National Community Leadership Institute (NACLI). Für die "Our Community Gallery" buche ich schon Wochen im Voraus den Besuchstermin im Internet. Und so fahren wir mit der Metro und dem Bus zu dieser vorgebuchten Zeit zum Fuße des Kent Ridge Park. Am Eingang erhalten wir zunächst Zugangspässe und stiefeln den Weg zum Ausstellungsgebäude empor.

Eine Mitarbeiterin stellt uns kurz die Besonderheit vor, dass wir mittels RFID-Chip interaktive Stationen nutzen können. Außerdem wird gleich eine regelmäßige Videovorstellung beginnen. Diese schauen wir uns auch an, wobei das kurze Video die Probleme mit Rassenunruhen unmittelbar vor der Unabhängigkeit von Singapore zeigt.

Lee Kuan Yew hat sich damals klar das Ziel gesetzt, eine friedliche Gemeinschaft in Singapore aufzubauen, in der alle Menschen unabhängig von Volkszugehörigkeit und Religion gleiche Chancen und Teilhabe bekommen:

We are going to have a multi-racial nation in Singapore. We will set the example. This is not a Malay nation. This is not a Chinese nation. This is not an Indian nation. Everybody will have his place, equal; language, culture, religion.
Wir werden in Singapore eine multi-ethnische Nation haben. Wir werden ein Beispiel geben. Dies ist keine malaiische Nation. Dies ist keine chinesische Nation. Dies ist keine indische Nation. Jeder wird seinen Platz haben – gleichberechtigt; was Sprache, Kultur und Religion betrifft.
Danach treten wir in die Ausstellung ein, die uns den vielfältigen Weg dahin aufzeigt. Ich will an dieser Stelle nur auf einige wichtige Aspekte eingehen.
Einen großen Erfolgsanteil hat dabei die Arbeitsmarktpolitik mit der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Von über 10% Anfang der 1960er Jahre stand bei der Arbeitslosenquote Ende der 1970er Jahre schon eine kleine drei vor dem Komma. Heute beträgt diese Quote nur 1,9 Prozent.
Der zweite große Baustein ist die Wohnungspolitik, die auf der Insel in schnellem Tempo neue Stadtgebiete entstehen lässt. Dabei sind für die Wohnhäuser Quoten für jede Volksgruppe festgelegt, die sich am Gesamtverhältnis im Land orientiert. Damit wird eine Ghettobildung verhindert, die noch im kolonialen Singapore üblich war. In den neuen Wohngebieten werden zahlreiche Community-Einrichtungen, wie Sportplätze, Parks und Freizeitzentren, errichtet.
Neben den ortsnahen Polizeistationen zählt auch das integrative Bildungssystem zum Erfolgsmodell. Citizens' Consultative Committees sind der erste bürgernahe Anlaufpunkt, um Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu regeln. Neben diesen Einrichtungen gibt es andere Nachbarschaftsorganisationen, die für das friedliche Miteinander in den Wohnbezirken sorgen.
Den besten Eindruck in der Ausstellung habe ich bei einem interaktiven großen Monitor, auf denen reale Menschen ihr Engagement in der Community erläutern und welche Beweggründe sie für diesen volontären Einsatz haben.
Am Ende der Ausstellung wird mein RFID-Chip ausgewertet, den ich bei den einzelnen Ausstellungsstationen für Entscheidungen zu Community-Fragen eingesetzt habe. Ich werde zwar als guter Nachbar bewertet, allerdings sind die Fragen logischerweise auf die Bewohner von Singapore ausgerichtet und nicht auf einen interessierten Touristen.


Mein nächstes Ziel ist das Wohngebiet "Holland Oasis" im Viertel Buona Vista, eine ältere HDB-Siedlung. Die Häuser wurden 1974 fertiggestellt, sind aber durch einige Modernisierungsprogramme und der guten Verkehrsanbindung bei Bewohner äußerst beliebt. Ich beginne meine Besichtigung im Block 8, der mir schon früher durch seine Architektur vom Rail Corridor aus aufgefallen ist.
Unten in der Parterre, die bei den meisten HDB-Häusern eine durchgehende Gemeinschaftsfläche ist und für überdachte Sitzecken und Fahrradabstellplätze genutzt wird, haben Künstler eine Pop Art Gallery angelegt.
Ich finde die Idee, dass die Parterreetage nicht durch Wohnungen bebaut wird einfach genial, weil man so quasi unter den großen Wohnblöcken hindurchgehen kann und das gesamte Wohngebiet luftig und frei begehbar vorfindet. Umwege um Häuserblöcke herum entfallen gänzlich und gibt somit auch der Anordnung neue Möglichkeiten.
Ich fahre mit dem Fahrstuhl im Haus ganz nach oben. Dort befindet sich aber kein Balkon, so dass ich die Treppe zwei Stockwerke nach unten gehe. Die besondere Architektur dieses Wohnblocks macht das notwendig. Hier habe ich einen schöne Blick auf die Umgebung, soweit es der indonesische Feuerdunst zulässt, und ich schaue auf die Metrostrecke, wo passenderweise gerade ein Zug für mein Foto vorbeifährt. Ganz hinten sieht man die 2017 fertiggestellte HDB-Wohnanlage "Ghim Moh Edge".
Ich fahre mit dem Fahrstuhl wieder runter und spaziere im Innenhof mit den vielen Bäumen herum. Besonders die Eckarchitektur des Blocks 8 gefällt mir dabei sehr gut. Die Balkons zum ruhigen Innenhof machen an dieser Stelle auch Sinn.
Neben dem Haus zum Nachbarblock 9 führt ein behindertengerechter Serpentinenweg zu dem überdachten Gemeinschaftsplatz, welcher sehr gern für Feiern und Sportübungen genutzt wird.
Für mich ist es beim Besuch älterer HDB-Wohnviertel immer wieder erstaunlich, welche hohe Lebensqualität die Wohnungen durch Grünanlagen und naheliegende Food-Märkte selbst 50 Jahre nach Erbauung noch besitzen. Ich besuche das gegenüberliegende Holland Drive Market & Food Centre aber nicht, sondern wir fahren am letzten Tag unseres Singapore-Urlaubs in das neue HDB-Stadtviertel Tengah, welches im Westen der Insel in der Nähe von unserem Hotel liegt.
Die Vorgeschichte zu dieser Besichtigung ist ausführlicher, als man denkt, da ich mich schon 2020 bei der Planung zum neuen Stadtviertel mit dem Wohngebiet befasst habe. Damals wurde es eingehend inklusive einer Multimedia-Show in den Ausstellungsräumen der HDB-Zentrale in Toa Payoh vorgestellt. Ich habe dazu auch einen ausführlichen Blogbeitrag geschrieben und ein Video von mir verlinkt: Wohnungspolitik: Housing and Development Board (HDB). Außerdem habe ich damals einen Artikel zum geplanten Stadtgebiet verlinkt: Tengah’s Park District.
Nun, sechs Jahre danach, will ich erste Eindrücke direkt vor Ort sammeln, auch wenn in Tengah noch fleißig gebaut wird. In diesem neuen Stadtviertel befindet sich das Stadtgebietszentrum entlang einer breiten Grünanlage, "Plantation" genannt, welche ich von Südwest nach Nordost komplett (also im fertiggestellten Teil) durchlaufen möchte. Mit dem Bus fahren wir deshalb zur Pioneer Primary School, dem Startpunkt unseres Spaziergangs zum circa ein Kilometer Luftlinie entfernten Endpunkt Parc Point.
Die ganze Parkanlage ist mit zahlreichen Spielplätzen bestückt, wobei die Spielinstallationen Themen folgen, wie hier dem Bambusdesign.
Wir fahren den Fahrstuhl zu einem Dachgarten empor und hier bekommt man einen sehr schönen Eindruck von der ganzen Idee des Wohnviertels in einer grünen Umgebung. Auf dem Foto links sieht man die Metrolinie als Hochbahn, die sich allerdings noch im Bau befindet.
Schließlich kommen wir zu den ersten beiden Community-Einrichtungen. Wir wenden uns zunächst nach links zum Plantation Plaza.

Dort nehmen wir im Koufu Food Court ein leckeres Mittagessen ein und einen riesigen Eiskaffee-Trink. Das moderne Hawker-Centre setzt ökologisch komplett auf Mehrweg-Geschirr, auch bei den Trinkgefäßen. Deshalb füllen wir den Rest des Trinks in unsere eigenen Flaschen.

Im Plantation Plaza gibt es einen großen Gemeinschaftsplatz, um den auf mehreren Etagen Restaurants, Geschäfte und Community-Büros eingerichtet sind.

Dann spazieren wir über die Fußgängerbrücke hinüber zum Tengah Community Club, wo gerade einige Jugendliche Basketball spielen.
Wir bleiben jetzt auf der Ebene und spazieren entlang der Häuser auf begrünten Hochwegen über der Grünanlage.
Die Häuser auf der einen Seite sind zwar stilistisch sehr schön gestaltet, aber die erdenfarbige Außenfassade könnte etwas mehr Farbe gebrauchen. Im hinteren Teil der Plantation Parkanlage sind die Bäume noch sehr klein und man merkt ihr die erst kürzliche Fertigstellung an.
Wir fahren noch einmal zu einer Gartenetage hoch, die auch als Verbindungsgang zu den Häusern dahinter und zu den Parkhäusern dazwischen dient. Auch hier oben sind Spielplätze für Kinder angelegt. Große Räumlichkeiten sind von Kindergärten bezogen.

Schließlich gelangen wir zum Neighbourhood Centre "Parc Point", welches wieder mit einem Food Court, vielen Geschäften, Nachhilfeschule, Ärzten und Bürgerbüros ausgestattet ist.

Ich bin insgesamt beeindruckt von der Gestaltung des neuen Stadtgebiets. Trotz des grünen autofreien Zentrums queren große mehrspurige Alleen die Parkanlage, womit auch der einfache automobile Zugang gesichert ist. Trotzdem ist es ein ruhiges Wohnumfeld. Wenn die Metrolinie in den nächsten Jahren in Betrieb geht, wird die Verkehrsanbindung noch besser.

Heute wohnen circa 28.000 Menschen in Tengah. Wenn das Stadtviertel vollständig entwickelt ist, wird mit insgesamt etwa 130.000 Einwohnern gerechnet. Auffällig ist auch der Anteil an jungen Menschen, die hier schon ihr Zuhause gefunden haben. Doch obwohl erst 20% der geplanten Gesamteinwohnerzahl erreicht ist, gibt es schon ein vielfältiges Angebot an Geschäften, Schulen und Restaurants. Wenn ich hier eine Wohnung gekauft hätte, würde ich schon jetzt sehr gut hier leben können.

Im letzten Blogbeitrag in meinem Xiefuzi Reise Blog in diesem Jahr erzähle ich von unserem langen Aufenthalt am Changi Flughafen in Singapore beim Warten auf unseren Flug.


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