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Zuletzt in Singapur

Architektur erleben

Veröffentlicht: 14.10.2026


In Singapore wird viel gebaut. Die Stadt erneuert sich ständig und versucht dabei den Spagat zwischen Altem bewahren und Neuem erschaffen. Es ist mein achter Besuch des Stadtstaates und ich habe immer moderne und alte Architektur besucht.

So auch heute, wobei unser erstes Ziel das Temasek Shophouse in der Orchard Road ist. Das sind vier Gebäude, die früher im Zentrum des Automobilverkaufs in Singapore gestanden haben, danach eher schlecht als recht geschäftlich genutzt wurden und nun im neuem Glanz erstrahlen.

Das staatliche Unternehmen Temasek hat diesen Gebäudekomplex gekauft und sorgfältig zum "Social Impact Hub" restauriert. Es dient der Temasek-Stiftung als Zentrum für Philanthropie und beherbergt heute Büros, Co-Working-Spaces und Veranstaltungsräume für soziale Organisationen. Die automobile Vergangenheit der Malayan Motors Showrooms wird in Fassadenkunst und Skulpturen gewürdigt.
Liebevoll sind historische Architekturdetails erhalten worden, wie Mosaike im Innern und die typischen Wendeltreppen außen am Haus.
Innen findet gerade ein Bauermarkt statt, wobei hier mitten in der Großstadt ohne wirklich landwirtschaftlich genutzte Fläche eher Bioproduzenten und Hobbygärtner ausstellen und verkaufen.
Dazu finden Workshops für Kinder statt. Bei diesem Malevent hätte sicherlich die ein oder andere Mama nicht die teure Bluse oder teures T-Shirt angezogen, denn so manches Kinderhändchen voller Farbe fliegt Richtung der elterlichen Kleidung.
Wir verlassen den Trubel und fahren später zur Metrostation Outram Park, die zum Ausgangspunkt meiner regelmäßigen Besuche im Duxton Plain Park geworden ist und sich der Park von dort auf der Hinterseite von Häusern entlangschlängelt.
Ziel ist ein modernes Büro- und Wohngebäude, wobei wir auf dem Weg dorthin endlich die grüne Verbindungsachse von Chinatown über den Duxton Plain Park und dem Tras Link Park nach Downtown laufen, was ich mir schon länger vorgenommen habe.

Zunächst kommen wir am Lee Kuan Yew Memorial Baum vorbei, der mittlerweile ganz schön gewachsen ist.

Hier in der Nähe existiert auch ein Hintereingang eines Antiquariats, der über die Tür diesen ehrlichen und vortrefflichen Spruch gehangen hat:
WE BUY JUNK
AND SELL ANTIQUES,
SOME FOOLS BUY
SOME FOOLS SELL
übersetzt
Wir kaufen Schrott
und verkaufen Antiquitäten,
manche Narren kaufen
manche Narren verkaufen
Wir kommen an der ikonischen begrünten Fassade des Oasia Hotels vorbei.
Und wir erreichen in Downtown den Guoco Tower, das mit 290 m Höhe derzeit größte Gebäude der Stadt.
Dann laufen wir durch Downtown zum Büro- und Wohngebäude Marina One.
Es besteht aus vier Ecktower. Der Innenhof ist mit dynamischer geschwungener Architektur rund um eine mehrstöckige grüne Oase inklusive Fadenwasserfall gestaltet. Auf einer Fläche von 37.000 m² wachsen über 350 verschiedene tropische Pflanzenarten, darunter 700 Bäume.
Wir fahren die Rolltreppe hoch, um verschiedene Perspektiven zu gewinnen. Irgendwie kriege ich gar kein schönes Gesamtbild hin.
Der Wohnungsbereich mit dem Pool für die Bewohner ist natürlich nicht zugänglich. Eine Wohnung kostet hier übrigens zwischen 1,2 und 2,3 Millionen Euro, wobei das Gebäude einer 99-jährigen Erbpacht (Leasehold) unterliegt und danach wieder entschädigungslos an den Staat fällt.

Wer gerade kein Kleingeld zur Verfügung hat, kann Wohnungen auch mieten, wobei eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung für eine monatliche Miete von 3.900 Euro zu haben ist. Wer sein Schlafzimmer vom Wohnzimmer getrennt haben möchte, muss dann für eine größere Wohnung einen Mietpreis von bis zu 6.000 Euro pro Monat zahlen.

Da mir allerdings meine deutsche Regierung gerade die Rente kürzen möchte, fällt wohl diese Ferienwohnung in Singapore komplett aus meinem Budget. Außerdem gefällt mir die bronzefarbige Fassade für ein Wohnumfeld nicht, für ein Büroumfeld dagegen sieht es recht schick aus.
An dieser Stelle sei mir die Bemerkung erlaubt, dass alle Fotos in diesem Jahr von unserem Aufenthalt in Singapore diesig und trüb sind, was besonders bei fernen Objekten auffällt. In Indonesien brennen nämlich zahlreiche Wälder und eine riesige Dunstwolke vernebelt schon seit Wochen die Sicht in Singapore. Die Sonne erscheint nur als kleiner gelber Ball am Himmel und die Sonnencreme kann ich mir die ganze Zeit sparen.
Ein Tipp für alle Klimaschützer und Regierenden in Deutschland: Statt bei Fahrradwegen in Peru und bei der Klimaanlagenvermeidung in Deutschland könnt ihr euch beim Waldschutz in Brasilien, Kongo oder Indonesien engagieren. Denn die Brände sollen laut Satellitendaten allein in der ersten Septemberwoche eine CO₂-Emission von 19,7 Millionen Tonnen bewirkt haben, was mehr als ein Drittel der globalen Gesamtemission in diesem Zeitraum darstellen soll. Brandrodungen gelten als Hauptursache der Feuer. Wäre nur mal so eine Idee für ein wirklich sinnvolles und wirksames politisches Engagement.


Aber widmen wir uns wieder dem Fotografierobjekt, der Architektur.
Denn bei dieser fasziniert mich übrigens das Alte und Neue auch beim Wohnungsbau in Singapore, was ich ausführlich später aufgreifen werde. Hiermit beende ich erst einmal meine Architektur-Tour.


Im nächsten Blogbeitrag erzähle ich von einem Museumsbesuch, der ganz anders verläuft als erwartet und berichte von einem unscheinbaren geschichtsträchtigen Hügel mitten im Zentrum von Singapore.


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