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Zuletzt in Singapur

Eine Kathedrale für die Mußestunden

Veröffentlicht: 18.10.2026


Durch Singapore verlief früher von Nord nach Süd eine Bahnstrecke welche heute nicht mehr existiert, vielmehr durch die vielen Metrolinien nicht mehr benötigt wird. Ich bin einen Großteil dieses ehemaligen Gleiskorridor schon entlang gelaufen, weil heute ein Weg auf den ehemaligen Gleisen verläuft. Es ist ein grünes Freizeitband durch die Stadt, welches fleißig von Radfahrern, Joggern und Spaziergängern genutzt wird.
Ich habe darüber im Jahr 2022 in Instagram berichtet: Rail Corridor Part I + Rail Corridor Part II.

Heute möchte ich im Rail Corridor eine neue bauliche Gestaltung in Höhe der Metrostation Buena Vista besichtigen. Die Metrostation verlassend schlängeln wir uns einen Pfad zum Rail Corridor entlang und laufen den Weg etwas nach Süden. Nach der Unterführung wurde eine neue Grünanlage mit Spielplatz angelegt.
Diese fügt sich harmonisch in die umliegende Bürohauslandschaft des Innovationszentrums "one-north" ein.
Wir gehen zum neuen Bürokomplex Elementum, wobei ein Entfernungsschild im alten Design eines Bahnüberwegs stilecht an einer Wegkreuzung aufgestellt ist. Auf dem Weg sind auch Bahnschwellen angedeutet.
Im Elementum selbst ist im öffentlichem Bereich eine Statue des kolumbianischen Künstlers Fernando Botero aufgestellt, was überhaupt nicht meinen Geschmack trifft und ich finde seine Bildhauerkunst mit diesen schwulstigen schwarzen Design regelrecht hässlich. Es beweist, dass Kunst reine Geschmackssache ist.
Nur zwei Metrostationen mit der Circle-Line weiter befindet sich ein neues... ja, was ist das eigentlich? Es ist kein Einkaufszentrum, kein Bürokomplex, kein Park und keine Freizeitanlage. Es ist alles zusammen. Das „Geneo“ folgt einem „Mini-City“-Konzept. Es verbindet hochmoderne Arbeitsbereiche und Forschungseinrichtungen mit üppigen Grünflächen und Lifestyle-Angeboten im Singapore Science Park. Das Atrium lädt zum Verweilen ein und ist wie eine Kathedrale gestaltet.
An der Seite des Atriums befinden sich Restaurants.
Man beachte links unten auf dem folgenden Foto einen kleinen Roboter, mit dem man reden kann und der Informationen zu Geneo gibt. So könnte er dich informieren, dass das Atrium von bis zu 25 m hohen Bögen aus Massivholz getragen wird und dass sich die gesamte Anlage über 180.600 m² erstreckt und fünf moderne Gebäude umfasst, die durch Gärten und dem Atrium miteinander verwoben sind.
Ein Video von einem ausführlichen Rundgang auf dem Gelände habe ich im Mai letzten Jahres in meinem Taibang Blog verlinkt: Kathedralenarchitektur für eine Shopping Mall.
Wir tauchen jetzt wieder in die unterirdische MRT-Station Kent Ridge ab und beginnen unsere Tour zur Besichtigung neu eröffneter Metrostationen nicht weit vom Geneo entfernt auf der MRT-Circle-Line.
Zunächst schauen wir uns die Station Keppel an, bei der die Tunnelbohrarbeiten zu den drei neuen Stationen der Circle-Line erklärt werden.
Mit den drei neuen Stationen ist übrigens der Kreis der Metrolinie geschlossen, die jetzt in einer kreisförmigen Bahn rund um das Stadtzentrum von Singapore verläuft.

Die Decke der Station Keppel ziert ein Design eines Tunnelbohrmaschinenkopfs und darunter ist ein Modell einer solchen Tunnelbohrmaschine aufgebaut. Ganz vorn ist ein originaler "Disc Cutter" zu sehen, der das Gestein aufgebrochen hat.

Weiter geht unsere Tour zur MRT-Station Cantonment, welche mit 24 vertikalen, hinterleuchteten Glaspaneelen, die fließende Wasserreflexionen darstellen, gestaltet ist.
An der Stirnseite ist eine ikonische Uhr angebracht. Die Uhr ist in zwei kreisförmigen Ringen eingebettet, die die Circle Line selbst repräsentieren. Zusätzlich sind auf dem Zifferblatt die Umsteigestationen der Metrolinie speziell hervorgehoben, was die Uhr zu einer stilisierten, funktionalen Linienkarte macht.
Jetzt wechseln wir die Metrolinie und fahren auf der Thomson-East Coast Line (TEL) Richtung Osten. In der Station Gardens by the Bay, welche sich auf neuem Land der Insel Singapore befindet, wird durch Landkarten die Landgewinnung im Laufe der Zeit dargestellt.
Die Station Katong Park hat ein holzfarbenes Design mit integrierten Lichtelementen.
Dabei werden in der Zwischenebene Menschen mit zeitgenössischen und historischen Fotos der Gegend künstlerisch ausgestellt.
In der Station Tanjong Katong ist eine mehrstöckige riesige Fotocollage mit einer großen Wasserrutsche als zentrales Element an der Wand angebracht. Das Wandbild integriert eine Fotografie des ehemaligen Big Splash-Wasserparks, der sich im nahegelegenen East Coast Park befand. Dieser Park war von 1977 bis 2006 in Betrieb und berühmt für seine markante, große Wasserrutsche.
Die Station Bayshore glänzt mit leuchtenden Glasbausteinen und gibt der Metrostation ein helles modernes Erscheinungsbild.
Unsere letzte Station Marine Parade hat dagegen eine grüne Decke und Seitenverkleidung bekommen, wobei an der Decke die Beleuchtung durch ausgelassene große weiße Sterne erfolgt.
Singapore gestaltet seine Metrostationen in dieser künstlerischen Form und hat dazu das „Art-in-Transit“-Programm der Land Transport Authority (LTA) ins Leben gerufen. Da in den nächsten Jahren noch viele weitere Metrostationen entstehen, wird das nicht meine letzte Kunst- und Designbesichtigung gewesen sein.


Im nächsten Blogbeitrag werfe ich noch in einer anderen MRT-Station einen Blick auf die dortige Kunstdarstellung mit historischem Bezug und besuche den Plenarsaal des alten Parlaments.


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