Vor zwei Jahren bei unserem Bummel durch Chinatown in Singapore war gerade ein Arbeiter damit beschäftigt, dem neuen großen Schild über der Eingangstür zum Chinatown Heritage Centre den letzten Schliff vor der Wiedereröffnung nach den Umbauarbeiten zu geben.
Dieses Jahr will ich mir also das Ergebnis der Neugestaltung ansehen und so laufen wir zur Pagoda Street in Chinatown.
Der Eingangsbereich des Museums ist tatsächlich komplett mit einem neuen Tresen ausgestattet worden und umfasst jetzt auch im hinteren Teil den Souvenirladen. Die Eintrittspreise sind allerdings sehr hoch, das war auch schon vor sechs Jahren der Fall, als ich das Museum zum ersten Mal besucht habe.
Meine Frau kennt die Geschichte ihres Volkes in Singapore und verzichtet wegen des hohen Preises auf eine Besichtigung. Ich dagegen bin neugierig und trete in den ersten Ausstellungsraum ein, der aber nicht oder nur leicht verändert worden ist. Statt von vorn tritt man nun von der Seite in die Schneiderei.
Auch der hintere Bereich mit Küche und Toilette scheint nicht verändert worden zu sein und so stiefle ich die schmale Holztreppe in die zweite Etage hinauf zu den kleinen Wohnkammern. Diese sind je nach Berufsstand gestaltet und zu meiner Überraschung gibt es auch hier keine deutlich wahrnehmbaren Änderungen.
Allerdings bemerke ich in dem Clog Maker Raum dann doch die Neugestaltung, weil mir die vielen roten Holzschuhe noch in Erinnerung sind und die Kammer dagegen heute nicht mehr so knallig rot leuchtet. Auch die Erklärungstafel schreibt "Clog Maker" nebeneinander, während die beiden Wörter damals noch untereinander geschrieben waren.
Hier das Foto von meinem jetzigen Besuch (2026):
Und hier das Foto aus dem Jahr 2020:
Also wurde die Präsentation der Ausstellung verändert, nur nicht auf den ersten Blick sichtbar.
Insgesamt beeindrucken mich die kleinen Wohnkammern immer noch, vor allem wenn man bedenkt, dass in so einem winzigen Raum eine zehnköpfige Familie gewohnt hat.
Ich steige eine Etage höher in den dritten Stock. Das Schiff mit dem Monitor, wo die schwierige Auswanderung der Menschen aus China nach Singapore geschildert wird, hat nun eine zeichenskizzenhafte Leinwandvideopräsentation, wobei der Monitor darunter jetzt für chinesische Schrifterklärungen benutzt wird.
Die Jackson Map, mit der Lage von Chinatown, wurde als interaktive digitale Karte mit Erklärungen auf einem Monitor dargestellt.
William Pickering und seiner Kriminalitätsbekämpfung bekommt etwas mehr Erklärungsrahmen verpasst, was ich sehr gut finde, da er selbstlos versuchte, die chinesischen Bewohner vor den Mafiabanden zu schützen. Er selbst musste aufgrund einer drei Jahre zuvor erlittenen Verletzung nach einem Angriff dieser Banden 1890 in den Ruhestand gehen. Nach ihm ist heute eine Straße in Chinatown benannt.
Danach fotografiere ich die gezeigten Philanthropen von einem Monitor ab, nur um später einige Informationen über diese Personen im Internet zu suchen.
Am gleichen interaktiven Monitor rufe ich außerdem meinen Nachnamen auf und lasse mich über die Herkunft aufklären. Der Familienname Xie (谢) ist eng mit der Region Hui Ji (会稽) verbunden, der heutigen Stadt Shaoxing in der Provinz Zhejiang. In der chinesischen Geschichte war die Familie Xie einer der mächtigsten und einflussreichsten Clans während der Jin-Dynastie (3. bis 5. Jahrhundert).
Das Bücherregal mit dem Foto der drei Kinder aus dem Jahr 1958 ist auch noch Teil der Ausstellung.
Dafür ist leider der Schreiber gegenüber verschwunden, obwohl sein Schreibtisch noch da steht. Ich fand die Fotofigur an der Wand so trefflich, da es einen dreidimensionalen Effekt gab.
Zunächst das Bild von 2020:
Und das ist die heutige Darstellung:
Auch die Darstellung der Sterbehäuser, die quasi als Palliativwohnhäuser galten, fand ich vor sechs Jahren emotional ergreifender.
Dies ist das Foto aus dem Jahr 2020:
Und das die jetzige Gestaltung:
Dafür kann ich mich nicht mehr an den Geschichtenerzähler erinnern, der mittels Audioabspielung im Museum eine Geschichte erzählt. Sehr schön gemacht.
Und da es früher keine Smartphones gab, waren nicht nur die Storyteller gut besucht, sondern auch die Kinos auf Rädern, die besonders bei den Kindern beliebt waren.
Am Ende des Ausstellungsbereiches gab es vor sechs Jahren Fotos von Singapore, die sich je nach Blickwinkel in eine Damals-Heute-Darstellung wandelten. Leider hängt davon nur noch ein Foto von der New Bridge Road im Souvenirladen. In meinem damaligen Blogvideo habe ich versucht, die Veränderung beim Blickwickel darzustellen, kann man hier ab Minute 4:38 sehen: Chinatown Teil 2.
Im selben Video zeige ich auch durch den traditionellen chinesischen Bildungsvers "San Zi Jing", dass bei der Sprache Chinesisch nicht gleich Chinesisch ist (ab Minute 1:43). Dieser interaktive Monitor existiert auch heute noch im Museum.
Fazit: Auch wenn es kaum Änderungen an der Ausstellung gab, hat mir der Besuch im Chinatown Heritage Centre sehr gefallen. Die Ausstellung war eben schon vorher so hervorragend und ich habe einige kleine neues Aspekte entdeckt. Vor allem die einzelnen Wohnräume vermitteln ein plastisches Bild vom früheren Leben der Chinesen in Singapore.
Wir spazieren nach dem Museumsbesuch zum People's Park Complex, der ja mittlerweile statt seinem gelb-grünen Anstrich im Jahr 2020 in einem roten "Kleid" erstrahlt und der gerade wegen dem Dunst aufgrund der Waldbrände in Indonesien von der Sonne in ein mystisches Licht gerückt wird.
Doch schließen möchte ich meine Schilderungen mit einem Foto eines Pandas, der es sich vor einem Restaurant in Chinatown gemütlich gemacht hat.
Im nächsten Blogbeitrag stelle ich das Design von neuen Metrostationen in Singapore vor, besuche einen neugestalteten Abschnitt des Rail Corridor und zeige ein kathedralenartigen Bau einer Mixed-Use-Mini-City.
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