In der Metrostation Tanjong Pagar stoßen wir auf das beeindruckende Wandgemälde mit dem Titel „Singapore on Canvas“ des Künstlers Ng Peng Sing. Es gilt als das längste handgezeichnete historische Kunstwandgemälde in Singapore und misst 67 m in der Länge und 1,7 m in der Höhe. Das Wandgemälde stellt zentrale Ereignisse, Orte, Symbole und Persönlichkeiten aus über 200 Jahren Geschichte des Stadtstaats dar. Es werden historische Elemente gezeigt, die den Gründungsmythos der Insel, die Kolonialzeit unter der britischen Herrschaft, den zweiten Weltkrieg und dessen prägende Auswirkungen, den Weg zur Unabhängigkeit des Landes und die rasante wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unter der Führung des Gründungspremierministers Lee Kuan Yew beinhalten.
Der Künstler benötigte 22 Monate, um dieses monumentale Werk von Hand zu vollenden. Dabei griff er auch die Anfänge des automobilen Lebens mit einer Darstellung auf.
Das Civilian War Memorial für die zivilen Opfer des zweiten Weltkrieges, insbesondere des Sook-Ching-Massakers, ist auf dem Wandbild besonders auffällig und hervorgehoben. In diesem Bildabschnitt werden auch die beiden Philanthropen und Geschäftsmänner Tan Kah Kee und Lee Kong Chian dargestellt, die für mich die bedeutendsten Persönlichkeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Singapore waren.
Historischen Bezug aus dieser Zeit gibt es auch reichlich im ehemaligen Gebäude des Obersten Gerichtshofs mit dem markanten schwarz-weißem Foyer, welches heute zur National Gallery gehört.
Das Gebäude wurde zwischen 1937 und 1939 erbaut und bis zur Kuppel habe ich es schon erstiegen, wie hier in meinem Fotovideo von 2020 zu ersehen ist: Old Buildings (zugehöriger Blogbeitrag: Historische Gebäude der Politik in Singapore). Durch den Flur im Obergeschoß bin ich schon einige Male zu den Ausstellungsräumen gegangen, habe mir aber nie die Zeit zur näheren Betrachtung genommen.
Am 1. April 1937 legte Sir Shenton Whitelegge Thomas, Gouverneur der Straits Settlements, den Grundstein für das Supreme Court Building. Unter dem Stein liegt eine Zeitkapsel mit sechs Zeitungen aus Singapore vom 31. März 1937 sowie einigen Münzen der Straits Settlements. Die Kapsel soll erst im Jahr 3000 geborgen werden.
Wir spazieren von der National Gallery am Formel 1 Gelände vorbei (siehe auch mein Blogbeitrag Formel 1 Rennen in Singapore) und kommen am The Arts House vorbei, dem alten Parlament. Ich frage meine Frau, ob sie schon einmal im alten Plenarsaal war und sie schaute mich verblüfft an. Kaum jemand weiß, dass im alten Parlament der alte Plenarsaal mit der historischen Bestuhlung vorhanden ist und dass man diesen besichtigen kann.
Wir gehen also ins Gebäude die Treppe hinauf und vor der Tür zum berühmten Saal steht ein Schild, dass der Zutritt nicht gestattet ist. Aber ich kenne noch den anderen Eingang und wir gehen in den hinteren Flur, da wo das ehemalige Büro von Lee Kuan Yew, dem langjährigen Ministerpräsidenten von Singapore, war. Diese Tür ist nicht verschlossen und wir können in den Plenarsaal gehen.
In diesem Saal wurde die so glänzende Politik des Landes geformt und diskutiert. Der Speaker’s Chair und der Rednertisch in der Mitte wurde im Neubau des Parlaments wieder verwendet, deshalb fehlen die beiden Elemente an dieser Stelle hier. Aber die restliche Bestuhlung ist im originalen Zustand bewahrt geblieben.
Auch die Zuschauer- und Medientribüne ist erhalten.
Unter den Stühlen findet sich auch der Stuhl von Lee Kuan Yew.
Klar, dass ich auf dem Stuhl des wohl größten Politikers der Neuzeit Platz nehmen muss.
Und auch meine Frau nutzt den Moment der hautnahen Begegnung mit der beeindruckenden Geschichte von Singapore.
Leider ist das ehemalige Parlamentsbüro von Lee Kuan Yew verschlossen, aber das Zimmer beinhaltet nicht viele Möbelstücke und ich habe den Raum ja schon vor sechs Jahren besuchen können, wie man im oben verlinkten Video sehen kann.
Im nächsten Blogbeitrag berichte ich von meinem Kernthema des gesamten Besuchs in Singapore, der Community-Entwicklung und des staatlichen Wohnungsbaus. Beide Themen sind miteinander verwoben und ich besuche dazu eine Ausstellung und zwei Wohngebiete.
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