
Veröffentlicht: 22.09.2026
Qinhuangdao ist die einzige Stadt in China, welche den Namen des ersten Kaisers trägt. Qin Shihuangdi unternahm insgesamt fünf Inspektionsreisen in seinem Reich. Die vierte Reise nach Jieshi (碣石), das heutige Qinhuangdao, fand 215 v. Chr. statt. Die Reise diente nicht nur der Inspektion, sondern auch zur Suche nach Unsterblichkeit. Er entsandte von hier aus den Hofbeamten Lu Sheng (卢生) auf Schiffe über den Ozean, um auf Inseln mythologische Göttern und dem Elixier des ewigen Lebens zu suchen.
Übrigens schickte der Kaiser schon einmal zuvor einen Expeditionstrupp unter Xu Fu (徐福) auf das Meer. Eine Version dieser Legende besagt, dass Xu Fu natürlich kein Wunderselixier zur Unsterblichkeit gefunden hat und bei der Rückkehr mit der Todesstrafe zu rechnen hatte. Deshalb segelten er gleich weiter, landete in Japan und hatten großen Einfluss auf die japanische Kultur und wird dort sehr verehrt.
Aber zurück nach Qinhuangdao, denn Lu Sheng hielt nach seiner Rückkehr den Kaiser mit dem Omen "亡秦者胡也" hin (um das es eine interessante Geschichte gibt, die ich später noch erzählen werde) und floh dann aber auch vor dem Kaiser. Der historische Moment der Seemission wird in einem Park um den Qiuxian Palast an der Küste geehrt.
Nach dem wir dem sechsmonatigen Kind des Neffen meiner Frau unseren Babybesuch abgestattet haben (es war der Grund, warum wir Qinhuangdao als Urlaubsziel gewählt haben), fahren wir zum Küstenpark und begegnen zuerst dem Tross des Kaisers Qin Shihuangdi.
Dann kommen wir zu einem Gedenkstein, wo die Aufzeichnung des berühmten Historikers Sima Qian über die Ankunft des Kaisers eingraviert wurde.
Nach rechts gehend wird nun die Geschichte der Stadt Jieshi, also Qinhuangdao, durch das Stadttor und einige Gebäude dargestellt.
So gibt es ein Gebäude der Jixa-Akademie, welche in der Zeit der Streitenden Reiche in der Regierungszeit von Tian Wu (regierte von 374 v.Chr. bis 357 v.Chr) stark gefördert wurde und bedeutenden Einfluss auf den Konfuzianismus hatte.
Und siehe da, wir treffen auf eine Statue des Arztes Bian Que, welche Ähnlichkeit mit der Statue im Krankenhaus in Cangzhou aufweist. Natürlich erwähne ich das respektvoll gegenüber meiner Frau nicht, denn ihre damalige Vermutung lief ja auf eine andere Person hinaus. Siehe dazu meinen Blog China : At Ease: Besuch im Krankenhaus
Schließlich gelangen wir zum Qiuxian Palast, der keine historische Funktion hat und nur der Kulisse dient, die an die Meeresepisode des ersten Kaisers von China erinnert.
Und dieser steht dann als riesige Statue im ausgestreckten Armen Richtung Meer. Er hält ein Behältnis in den Händen, was sicherlich die Suche nach dem Elixier zur Unsterblichkeit symbolisieren soll.
Wir blicken jetzt auf den Ozean, steigen die Treppen hinab, werden durch Souvenirstände geschleust und stehen im Sand am Strand des Gelben Meeres. Es ist für mich das erste Mal, dass das Gelbe Meer meine Füße umspült.
Wir erleben Schwimmer, Angler und Taucher. Eine Gruppe Senioren im blauen T-Shirt nimmt wahrscheinlich gerade ein TikTok-Video auf.
Wir spazieren eine Weile am Strand entlang und gehen dann wieder zurück zum Park an einer letzten Stele vorbei, die all das zusammenfasst, was ich in diesem Blogbeitrag über die Geschichte dieses Ortes erzählt habe. Sie wurde 1991 bei der Gründung des Parkes angefertig. Dieser Brauch der "in Stein gemeißelten historischen Worte" wird in China noch heute gepflegt und ich persönlich finde das eine wunderbare Tradition.
