Alpenwanderung Sarstein
Unsere diesjährige China-Reise beginnt wegen eines günstigen Flugticketpreises am Flughafen in Wien, wobei ich zum Flughafen mit der Österreichischen Bundesbahn fahre und dafür...

Veröffentlicht: 09.07.2025

































Unsere zweite Freifahrt in Österreich nutzen wir für einen Tagesausflug nach Wien. Jeden ersten Sonntag im Monat können die kommunalen Museen der Stadt Wien kostenlos besucht werden, was für uns der Grund für die Auswahl des Reisezeitpunktes ist. Dementsprechend liegt unser Schwerpunkt des Wienbesuchs auf ausgewählte kostenlose Museen. Zunächst besuchen wir das Römermuseum, welches sehr klein, aber sehenswert ist. Im Kellergeschoss können wir einige Grundmauern aus der Römerzeit besichtigen, wobei die Architektur der Fußbodenheizung hautnah begutachtet werden kann. Ein aufwendig animierter Videofilm klärt über die hochentwickelten Wassersysteme der Römer auf, die das Wasser aus dem Wiener Wald über Aquädukte und gemauerte Wasserleitungen nach Vindobona, dem heutigen Wien, herbeischafften. Ganz oben im Museum ist eine schöne Kausalkette zum Zweck des unten besichtigten römischen Kellers mit wissenschaftlicher Betrachtung dargestellt. Diese tiefgreifende wissenschaftliche Darstellung mit verschiedenen Theorien und Abwägungen habe ich in dieser Form nur in diesem Museum gesehen, was es trotz der geringen Ausstellungsgröße zu einem besonderen Museum zur Römerzeit macht. Draußen vor dem Museum angekommen, ist es Punkt 12 Uhr und Massen an Touristen filmen nun die Figurenparade der gegenüberliegenden Ankeruhr. Nach einer preisgünstigen Stärkung an einem koreanischen Imbiss schlendern wir zum Stephansdom, besichtigen diesen nicht, sondern tauchen via U-Bahn-Station in die Virgilkapelle hinab, eines lange verborgenen Gemäuers unter dem Dom aus dem Mittelalter. Wieder an der Oberfläche angekommen bewundern wir kurz den "Stock im Eisen". Seit dem 15. Jahrhundert werden Nägel in diesen Fichtenstamm geschlagen. Der Brauch war bis zum 18. Jahrhundert, dass jeder zugereiste Schlossergeselle einen solchen Nagel ins Holz schlagen musste. Jetzt laufen wir hinter die Kirche am Hof zum Uhrenmuseum, in welchem die großen mittelalterlichen Kirchenuhrwerke die beeindruckendsten Ausstellungsstücke darstellen. Die bunte Taschenuhrensammlung von Marie von Ebner-Eschenbach punktet durch schmuckvolle Gestaltung. Die japanischen Pfeileruhren sind mit chinesischen Schriftzeichen beschriftet und die unterschiedliche Zeitmessung der Stunden für Tag und Nacht je nach Jahreszeit in Japan bis zum 19. Jahrhundert ist ein Kuriosum. Die Pfeileruhren wurden bei Sonnenuntergang aufgezogen und ein Antriebsgewicht lässt einen Zeiger von oben nach unten an den Markierungen vorbeiwandern. Diese Markierungen in chinesischen Schriftzeichen wurde dann mittels einer Schablone an die veränderten Tages- und Nachtlängen im Verlauf der Jahreszeiten eingestellt. Ein weiteres Highlight bildet ein kupferner Globus mit Sternzeichen und chinesischer Beschriftung aus dem 18. Jahrhundert, welcher mittels eines Uhrwerkes die aktuellen Sternpositionen zu den verschiedenen landwirtschaftlichen Daten, wie Saatzeitpunkt, anzeigt. Eine Erklärung, die mir nur meine Frau geben konnte, da sie die Beschriftung auf dem Globus lesen konnte. Weiter schlendern wir durch die barocke Architektur der Wiener Innenstadt und gelangen zum Pasqualatihaus, in dem Beethoven mit Unterbrechung acht Jahre gewohnt hat und in welchem er bekannte Kompositionen, wie "Für Elise", geschaffen hat. Auch ein Maskenabdruck von ihm und die darauf beziehende Büste sind ausgestellt. Die Büste gilt wegen des verwendeten Maskenabdruckes als die wirklichkeitstreuste Kopfdarstellung des großen Komponisten. Die Ausstellung in der Wohnung glänzt aber vor allem durch handschriftliche Notenblätter von Beethoven selbst. Nach dem Besuch dieser ehrwürdigen Stätte spazieren wir am Burgtheater vorbei in die königlichen Gefilden und bewundern im Hofgarten die blühenden Rosen. Schließlich landen wir am Wien Museum am Resselpark, welches zwar für uns das größte Museum des heutigen Tages ist, was mich aber letztendlich nicht für die Geschichte Wiens begeistern kann, aber vielleicht muss ich Franz Grillparzer lesen, um einen Zugang zum habsburgischen Geistesleben zu bekommen. Das Museum erlebt heute einen Besucheransturm, was unsere schnelle Besichtigung noch beschleunigen lässt. Nun steuern wir ein geschichtsträchtiges Haus an, in welchem sich jetzt das Ritz Carlton Hotel einquartiert hat. Früher hat hier der Generalkonsul von China Dr. Feng Shan Ho residiert, der während der Naziherrschaft in den Jahren 1938 und 1939 chinesische Visa an Juden ausstellte, die damit nach Shanghai ausreisen und somit ihr Leben vor den Nazis retten konnten. Im anschließenden Stadtpark wird noch einmal besonders deutlich, wie hässlich Wien an vielen Stellen verunstaltet ist. Denn sogar große Blumentöpfe sind mit Graffiti beschmiert, was nicht nur den Schmierern eine ästhetische Geschmacklosigkeit, sondern auch diese der Wiener Bevölkerung durch deren Gleichgültigkeit gegenüber den überall vorzufindenden Schmierereien bescheinigt. Den Tag in Wien beschließen wir mit einem Besuch im Planetarium. Auch wenn der Informationsgehalt zum Thema der Veranstaltung um Schwarze Löcher recht ordentlich ist, so kann die Darbietung mit primitiven sich ständig wiederholenden Animationen, unpassender Musik und manuellen Erläuterungen nicht überzeugen. Im Vergleich zu den von mir zahlreich besuchten Veranstaltungen in Planetarien in Hamburg, Jena, Bochum, Los Angeles und London ist es eindeutig die schlechteste Vorführung. Aber wenigstens ist die Präsentation rechtzeitig zu Ende, so dass wir den zeitlich eng ausgesuchten Zug für die Heimfahrt erwischen. Die Österreichische Bundesbahn beweist dann am Umstiegsbahnhof Linz, dass nicht nur die Deutsche Bahn eine miserable Kundenorientierung aufweist, weil man unseren Anschlusszug trotz Verspätung unseres Railjet ohne Warten auf Fahrgäste abfahren lassen wollte. Ein beherzter Sprint die Treppe hinunter und wieder hinauf lässt uns den Zug Millisekunden vor Abfahrt trotzdem noch erreichen. Andere Fahrgäste hatten da wohl eher weniger Glück. Was von diesem Tag bleibt, ist die Impression beeindruckender musealer Ausstellungsstücke und ein eher unspektakulärer Eindruck von der österreichischen Hauptstadt.
