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Ein Mauerziegel vom Ziegelmacher Hu Mingqing

Veröffentlicht: 29.09.2026

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中国长城博物馆
Shanhaiguan, China
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Taxi
Beidaihe → Qinhuangdao
China

Vielleicht ist es einigen Lesern schon aufgefallen: Auf zwei Fotos von der Chinesischen Mauer mit Blick in die Tiefebene im Blogbeitrag "Der fast verpasste Mauerabschnitt" ist ein großes rechteckiges graues Gebäude zu sehen. Dieser farblich unscheinbare riesige "Kasten" ist das Große Mauer Museum Shanhaiguan am Jiaoshan Naturpark.


Ähnlich große Museen für die beeindruckende chinesische Kultur und Geschichte gibt es in China im ganzen Land, wie beispielsweise das Liangzhu-Museum in Hangzhou, was wir vor zwei Jahren besucht und ich mit drei Blogbeiträgen beschrieben habe: Linkshänder beim Reisanbau & Das Lächeln der alten Dame & Ein Jadekunstwerk, dessen Zweck bis heute nicht sicher geklärt ist.

Auch in unserem Wohnort Cangzhou gibt es ein solch großes Museum zur Kultur des Kaiserkanals. Dieses Museum haben wir letztes Jahr und auch vor drei Jahren besucht, dazu meine folgenden damaligen Blogbeiträge: Grand Canal Kultur & Regionale Kultur in Cangzhou.

Die Themen und die Inhalte der Ausstellung solcher großen Museumstempel sind immer gewaltig, aufwendig und sehr anschaulich in der Darstellung. Der Umfang des nun besuchten Mauermuseums ist so groß, dass ich aus Zeitgründen an dieser Stelle gar nicht so viele Bloginhalte schreiben werde, wie bei den gerade erwähnten vergangenen Museumsbesuchen. Ich gehe auf einige interessante Aspekte ein und werde mit einer Anekdote zu unserer Rückfahrt schließen. Chinareisenden in dieser Region lege ich den Besuch des Museums wärmstens ans Herz und empfehle eine ganze Portion Zeit mitzubringen.
Zunächst fahren wir mit dem Fahrservice aus Beidaihe los. Im Auto sitzt zufälligerweise ein Schüler, welcher zu seiner Schule will. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er auch aus der Region Cangzhou stammt. Wie klein doch die Welt selbst im großen China ist.


Angekommen, gehen wir in das Museum hinein, was übrigens keinen Eintritt kostet und nur eine Reservierung eines Zeitfensters in der App erfordert, und beginnen unseren Rundgang sinnvollerweise in der Halle 1 und arbeiten uns bis Halle 4 im dritten Stock hoch.

Zunächst ist auf einer Karte dargestellt, dass die Große Mauer quasi schon als kleine gestückelte Mauer zur Zeit der Streitenden Reiche bestanden hat, da nomadische Überfälle aus dem Norden auch schon vor der Einigung des großen Chinas stattfanden. Jedes Fürstentum hatte somit eigene Schutzmauern errichtet.

So gibt es sogar einen Mauerteil, die Yan-Nan-Mauer, nur 130 km nordwestlich von Cangzhou. Davon besteht noch ein recht gut erhaltener 9 km langer Abschnitt bei der Stadt Xushui, die damit als Reiseziel in meiner Karten-App (Amap) gespeichert wird. Die Geschichte dieses Mauerabschnitts wird multimedial auf einem Monitor erklärt.
Eine holografische Installation zeigt die Inschrift einer Bronzeglocke aus der Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie in archaischer Siegelschrift, vor der Vereinheitlichung der Schrift durch den ersten Kaiser Qin Shihuangdi.
Bleiben wir bei Bronze, denn auch zahlreiche Kanonen aus diesem Material und einige aus Eisen kamen bei der Verteidigung des Landes vor allem während der Zeit der Ming-Dynastie (1368-1644) entlang der Mauer zum Einsatz. Sie waren damit in China längst etabliert, wo in Europa gerade die ersten Bronzekanonen entwickelt wurden.
Auch die Jurchen im Nordosten schützten sich gegen die nomadischen Mongolen mit einer Mauer, die allerdings vor allem aus gestampften Lehm gebaut wurde. Mit dieser günstigen und schnellen Bauweise im flachen Gelände wurde das Schutzziel ebenso erreicht. Ein Stück einer solchen gestampften Lehmmauer ist im Museum aufgebaut.
Kommen wir aber zu der bauwerkstechnisch anspruchsvolleren Ming-Mauer zurück. Im Jahr 1534 erstellte der Beamte Xu Lun im Kriegsministerium eine große Karte der neun Grenzregionen. Diese nördlichen Verteidigungszonen waren für das Ming-Reich von großer Bedeutung. Die 12-teilige Karte ist knapp 1,84 m hoch, wobei hier in Shanhaiguan eine Kopie ausgestellt ist. Das Original befindet sich im Nationalmuseum in Beijing.
An einem Mauermodell wird die Schlachttaktik mittels Videoprojektion anschaulich gezeigt.

Ein großer Bereich der Ausstellung gilt der Ziegelherstellung aus der Ming-Zeit, mit der die Mauer befestigt und gebaut worden ist. Die Ziegel sind beschriftet, um die Herkunft zu kennzeichnen und die Qualitätssicherung zu gewährleisten. Es zeigt das bürokratische System der Ming-Zeit und die hierarchische Organisation bei der Herstellung von Baumaterialien für die Große Mauer.

Von den hohen Beamten in der Präfektur und im Kreis, über die Gruppenleiter vor Ort, bis hinunter zu den einfachen Arbeitern und dem Ofenmeister, jeder war namentlich bekannt und für sein Werk verantwortlich. Der folgende abgebildete Ziegelstein ist mit diesen Verantwortlichen auf der Vorder- und Rückseite beschriftet:

Aufsichtsbeamter der Präfektur Wuchang: Zhang Xu
Verwaltungsbeamter: Xu Yong
Aufsichtsbeamter des Kreises Wuchang: Yang Shijing
Verwaltungsbeamter: Huang Jing
Hauptgruppenleiter (Zongjia): Min Zigao
Gruppenleiter (Jiaoshou): Wang Yuan
Untergruppenleiter (Xiaojia): Qin Xiuying
Ofenmeister / Ziegelbrenner (Yaochang): Yuan Xing
Ziegelmacher / Arbeiter (Zaozhuan Renfu): Hu Mingqing
Der Brennofen selbst besteht neben dem Feuerraum aus dem Ofenbett, dem Schürraum und dem Kamin.
Und so ging es dann auf der Baustelle zu.
Für die Wachtürme gab es standardisierte Ausführungen.
Die für mich am interessantesten Erläuterungen gibt es zum Signal- und Kommunikationssystem an der Chinesischen Mauer. So wurden Signalhörner (Haojiao) und Signalmuscheln (Hailuo) für Tonsignale verwendet.
Mittels eines Telegrafencodes, ähnlich des Morsecodes, wurden optische und akustische Signale mittels kleiner Kanonen und Flaggen übermittelt. Der General Qi Jiguang schrieb dazu das Lied "Chuanfeng Ge", mit dem sich die Soldaten die einzelnen Signale besser merken konnten. Dieses System ermöglichte es, Feindbewegungen über weite Distanzen schnell und präzise von Wachturm zu Wachturm weiterzugeben.
Ein Museumsbereich zeigt auch die kulturelle Bedeutung der Mauer für Handel und Wirtschaft auf. So wurden Wörterbücher geschrieben, die die Kommunikation mit den Völkern jenseits der Mauer erleichtern sollten.
Zum Schluss wird die Rolle der Chinesischen Mauer im Krieg gegen Japan thematisiert, wo sie natürlich auch als Schutzwall verwendet wurde.
Am Ende der Ausstellung wird auf den riesigen Kraftakt zur heutigen Restaurierung der Mauer und die Bedeutung für die chinesische Kultur eingegangen. Der Bau von großen Museen entlang der Mauer erhält und zeigt das kulturelle Erbe mit seinen zahlreichen historischen Informationen.
Aus eigenen beruflichen Gründen zeigt mein letztes Foto aus der Ausstellung eine Schautafel zur Eisenbahn. Was hat die Bahn mit der Mauer zu tun? Eigentlich nicht viel, nur das hier in Shanhaiguan am "Ersten Pass unter dem Himmel" auch eine wichtige Eisenbahnlinie gebaut wurde und in dieser Stadt die erste staatliche Eisenbahnschule im Jahr 1896 gegründet wurde.
Wir treten ziemlich erschöpft von den vielen Informationen aus der letzten Halle heraus und ruhen uns auf einer Sitzbank aus. Jetzt strömen Massen an Schülern zu den Ausstellungsräumlichkeiten und ich bin froh, dass wir unsere Besichtigung schon abgeschlossen haben.


Draußen vor dem Gebäude suchen wir mittels Smartphone einen Fahrservice für den Heimweg. Ein Taxifahrer hört nicht auf, auf meine Frau einzureden. Er will uns wieder ins Hotel fahren, nennt aber keinen Preis. Meine Frau winkt ab. Er plappert weiter auf uns ein. Schließlich stimmt er der Preisvorgabe meiner Frau zu. Wir steigen ins Taxi ein und er fährt über den Parkplatz. Das heftige Gerede geht im Taxi weiter. Hinter dem Parkplatz stoppt das Taxi und meine Frau drängt mich zum Ausstieg. Was war passiert?

Im Taxi sitzend wollte der Fahrer jetzt plötzlich doch mehr Geld für die Fahrt, was sich meine Frau nicht gefallen ließ, den Fahrer anschnauzte und ihm klar machte, dass wir den Preis nicht bezahlen und er seine erste Zusage einhalten soll. Da der Fahrer das nicht wollte, stiegen wir wieder aus.

Es ist das erste Mal, dass ich ein solches Gezeter mit einem Taxifahrer in China erlebe. Aber meine Frau blieb hartnäckig. Fluchend dreht der Fahrer sein Auto und fährt über den Parkplatz zurück. Schließlich kommt ein Fahrservice, welchen wir durch eine App bestellt haben, an und fährt uns für unsere Preisvorstellung ins Hotel nach Qinhuangdao zurück.

Dieser Taxifahrer konnte uns nicht austricksen und fährt nicht gerade begeistert wieder zurück:


Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Begleitung
Zu zweit (2)
Kulturell
  • Besuch des Museums zur Chinesischen Mauer in Shanhaiguan
  • Ausstellung zur Ziegelherstellung und zum Signalwesen an der Mauer
  • Rückfahrt per Fahrservice nach Qinhuangdao
  • Streit mit einem Taxifahrer über den Fahrpreis
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