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Liangzhu - Kapitel drei: Ein Jadekunstwerk, dessen Zweck bis heute nicht sicher geklärt ist

Veröffentlicht: 07.12.2024

Im Liangzhu-Museum in Hangzhou betrete ich nun eine Ausstellungshalle, in deren kompletter Länge eine Szenerie von arbeitenden Menschen in Liangzhu vor 5000 Jahren dargestellt ist, wobei eine kleine Spotfläche mit Figuren von modernen archäologischen Ausgrabungen integriert wird. Eine verknüpfte Darstellung, die in ihrer innovativen Form mich sehr begeistert. Auf der gegenüberliegenden Seite sehe ich ein originales Teil der alten Stadtmauer, welche in eine Wandprojektion von Dammbauten darstellerisch eingebaut wird. Hier werden Informationen über diesen Damm, der Liangzhu in einem Kreisform umschlossen hat, per Videobeamer an die Wand projiziert und so erfahre ich, dass 1,1 Millionen Kubikmeter Erde für die Stadtmauer bewegt wurden. Und schon komme ich in die Ausstellungshalle, wo die Jadekultur im Mittelpunkt steht, ich hatte schon erwähnt, dass ich darauf zurückkomme. Jadeprodukte des Kunsthandwerkes hat man vor allem, aber nicht nur, in Gräbern gefunden. Das Königsgrab Nr. M14 ist im Museum getreu des Fundes ausgestellt und Grabbeigaben an der richtigen Fundstelle platziert. Von den 260 Grabbeigaben sind 242 Gegenstände aus Jade. Das Grab Nr. M61 ist in seinem Erdquerschnitt ausgestellt, während die Grabbeigaben aus Jade in Glasvitrinen daneben liegen. Besonders erwähnenswert finde ich zwei Jade Cong (玉琮) aus Grab Nr. M12, die mit ihrer Steinstruktur und gravierten Verzierung besonders schön sind. Aber das ist auch kein Wunder, denn aus diesem Grab stammt eine Jadeaxt, die mit ihren zahlreichen Verzierungen und Bildzeichen als Zepter eines Königs galt und die Autorität des Königs symbolisiert. Diese Jadeaxt ist die einzige, die bisher mit geschnitzten Mustern von Göttern, Menschen, Tieren und Vögeln gefunden wurde. Zur Herstellung eines Jade Cong werden Tiersehnen als Schneidwerkzeug und Graviermesser und andere Werkzeuge aus natürlichen abrasiven Materialien für die feinen Strukturen verwendet. Der Jade Cong ist ein Gebilde, welcher innen rund und außen eckig ist und aufwendige Verzierungen aufweist. Forscher vermuten eine spirituelle und rituelle oder königliche Symbolik, da durch das harte Jadegestein eine Herstellung von einem Jade Cong sehr aufwendig war. Aber so richtig hat man den Zweck von einem Jade Cong noch nicht erforscht. Andere Jadeobjekte haben kleine feine gravierte Darstellungen, wobei ich Mühe habe, diese hinter dem Glas der Vitrinen fotografieren zu können. Vor einigen Objekten sind Lupen installiert, um die feinen anspruchsvollen Gravuren betrachten zu können. Dem Jadehandwerk zur Zeit der Liangzhu-Kultur wird insgesamt ein Höhepunkt in seiner Entwicklung bescheinigt. Der Abschluss der Ausstellung bildet eine literarische Schau zu den verschiedenen Zivilisationsbetrachtungen. Auch wenn ich von den Eindrücken im gesamten Museum fasziniert bin, so will ich nun auf einen für mich bedeutenden Höhepunkt kommen, der sich in der ersten Ausstellungshalle befindet und mich jetzt abschließend im Souvenirladen beschäftigt. Es ist die Entdeckung von schriftartigen Symbolen auf Keramiken. Schrift ist für mich immer ein Zeichen von Hochkultur und die Forscher haben sich intensiv mit der Symbolik beschäftigt. Zu den dargestellten Symbolen gehören hauptsächlich Strichsymbole, die zum Teil abstrakt sind, aber auch piktografische und ideografische Symbole. Dabei wurde festgestellt, dass mehrere Darstellungssymbole absichtlich kombiniert und angeordnet wurden, so dass man schon von einer Liangzhu-Schrift sprechen kann. Diese primitive Schrift ist für die Einordnung der Liangzhu-Kultur in Hinblick auf ihr Entwicklungsstadium sehr wichtig. Ein sehr gut gemachtes Video (Erläuterungen allerdings nur in chinesisch) zu den Symbolen mit zahlreichen Animationen kann man hier sehen: Liangzhu-Museum. Ein ausgestelltes Keramikbehältnis, wo diese Anordnung der Symbole entdeckt wurde, steht nun mit den eingravierten Zeichen als kleines Modell in meinem Wohnzimmer. Ein passendes Andenken an einen beeindruckenden Museumsbesuch in Hangzhou.

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