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Liangzhu - Kapitel zwei: Das Lächeln der alten Dame

Veröffentlicht: 03.12.2024

Die archäologische Ausgrabungsstätte in Liangzhu, woher die Kultur auch ihren Namen hat, zeigt neben der Existenz von Kanäle und Dämme auch Hausbauten, wie Palastgebäude, Wirtschafts- und Wohngebäude. Dabei sind hierarchische Unterschiede deutlich zu erkennen. Die Häuser wurden auf natürlichen oder künstlichen höheren Erdplattformen errichtet. Bei der Aufschüttung dieser Erdplattformen wurde Ascheschlamm und eingemischtes Gras als Fundament verwendet, wobei die Ränder mit Steinplatten verstärkt wurden. Darauf befindet sich abwechselnd gestampfter Lehm und Sand. 35 solcher Hausfundamente hat man im Palastgebiet gefunden. Aufgrund der Daten zu den Erdplattformen und der Funde von Verbindungsholzteilen und Wandfragmenten hat eine Computersimulation den Palastbau rekonstruiert und ich stehe im Liangzhu Museum nun vor einem kleinem Modell eines Gebäudes. Ein Palastgebäude, als Haus Nr. 20 archiviert, hatte im Original eine Länge von 23 Meter und eine Breite von 15,3 Meter. Die gesamte bebaute Fläche betrug 350 Quadratmeter. Vorhandene Säulenlöcher lassen die Architektur mit einem Säulengang um das Haus vermuten. Am Fundort eines anderen Palastgebäudes, als Haus Nr. 2 archiviert, wurde die Außenfläche mit Holzbrettern gepflastert, weshalb man dieses architektonische Element im Modell angewendet hat. Daneben hat man Wohnhäuser der einfachen Bevölkerung auf die gleiche Weise rekonstruiert. Das ausgestellte Modell dazu stellt ein Haus dieser Zeit mit weißgetünchten Lehmwänden mit einer Wohnfläche von circa 15 Quadratmetern dar. Die Besiedlung in Langzhu ergab circa 0,4 km² Palastgebiet, 2,6 km² inneres Stadtgebiet und 3,3 km² äußeres Stadtgebiet. Durch die Wasserbauinfrastruktur wurde eine gesamte Siedlungsfläche von 100 km² identifiziert. Die Erläuterungen zur Ausdehnung und Beschaffenheit der ehemaligen Besiedlungsfläche finde ich in der zweiten Ausstellungshalle, in der ich mittlerweile angekommen bin. Gleich links am Eingang der Halle beschäftigt sich die Ausstellung mit dem Straßenbau der damaligen Zeit, welche eine hohe technologische Konstruktion aufweist und gepflasterte Straßen entstehen ließ. Weiter hinten ist der Nachbau eines ausgegrabenen Brunnens aufgebaut, der mit Holzflanken ausgekleidet ist. Die Zwischenräume zwischen den Holzflanken wurden mit Tonscherben und Steinen zur Filterung des Wassers aufgefüllt. Ausgrabungen am Rand von ehemaligen Kanälen haben außerdem eine Art Pier freigelegt, wobei diese Bootsanlegestelle mit 140 Holzpfählen gebaut wurde. Das Wasserbausystem wird nun ausführlich in einem Video erklärt. Es ist das früheste in China bekannte wissenschaftlich-geplante Wassersystem, wobei eine große Anzahl von Dämmen und Kanälen unter Ausnutzung der natürlichen Hügellandschaft angelegt wurden. In der unmittelbaren Umgebung der Stadt Liangzhu waren es insgesamt 11 Dammbauten, wobei die hohe technologische Fähigkeiten der damaligen Menschen in dem verwendeten Baumaterialien zum Ausdruck kommt. So verwendeten die Erbauer lederumwickelten Schlamm, was den heutigen Sandsäcken bei der Dammerrichtung entspricht und Fundamente wurden mit Steinen gepflastert und verstärkt, was die Stabilität der Dammbauten erheblich erhöhte. Hinter all diesen Erklärungen und Modellen am Ende der zweiten Ausstellungshalle erreiche ich nun eine gigantische Leinwandprojektion zur Liangzhu-Kultur und ich bin froh, dass ich mich eine Weile auf die Holzbank setzen und mir die Vorführung anschauen kann. Nach dieser willkommenen Pause geht es um die gefundenen Gräber, welche durch die Grabbeigaben wichtige zivilisatorische Indikatoren bieten. Royale und einfache Gräber können außerdem dadurch unterschieden werden. Das Frauenskelett aus Grab M49 grinst mich an, wobei ich nicht weiß, ob es eine Rekonstruktion oder wirklich die 5000jährige Dame ist. Mit diesem Bild des Lächelns trete ich in die nächsten Ausstellungsräume ein.

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