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Tempel und schwimmende Dörfer

Veröffentlicht: 28.04.2026

Bus
Sun and Moon Urban Hotel → Dusit
Ford Transit
Attraktion
Angkor Wat
Siem Reap, Kambodscha
Sehenswert
Alter Markt
Siem Reap, Kambodscha
Fähre
Tonle Sap → Battambang
gechartertes Boot
Sehenswert
schwimmende Dörfer am Sangke
Battambang, Kambodscha
Sehenswert
schwimmender Supermarkt
Battambang, Kambodscha

Man kann in der Luft, auf dem Wasser oder der Strasse von Phnom Penh ins 300 Kilometer nordwestlich gelegene Siem Reap gelangen. Da Phnom Penh meine Fantasie mehr als genug angeregt hat, entscheide ich mich für das fantasieloseste Transportmittel: den Minibus. Für 16 US-Dollar werde ich, es ist inzwischen der 23. Dezember 2024, von einem Tuk Tuk im «Sun and Moon Urban Hotel» in Phnom Penh abgeholt und zur Busstation gebracht und, nach etwa fünfstündiger Fahrt im vollen Ford Transit, wiederum ins Hotel gebracht, in das «Dusit» in Siem Reap.

Das «Dusit», nicht zu verwechseln mit der luxuriösen Hotelkette «Dusit Thani», ist ein angenehmes kleines, modernes, aber ansprechend ausgestattetes Hotel mit einem Pool fast direkt am Siem Reap-Fluss. Es bietet zwei Vorteile: Erstens kostet es nur etwa 25 Euro pro Nacht, und zweitens liegt es in Gehdistanz zum Markt, zu den Ständen mit Streetfood entlang dem Fluss und zur Pub Street, einer lauten, farbenfrohen, leicht verruchten Ausgeh-Meile in Siem Reap.

In vielen kambodschanischen Städten gibt es neben Taxis und Tuk Tuks ein alternatives Fortbewegungsmittel, das sich «Remorque» nennt, zu Deutsch «Anhänger». Genau das ist es: ein Motorrad mit einer Anhängevorrichtung, mit der eine kleine, gedeckte Kutsche mit einer oder zwei gepolsterten Sitzbänken gezogen wird. Remorques kosten etwas mehr als Tuk Tuks, sind diesen aber punkto Bequemlichkeit klar überlegen.

Wundert sich jemand, dass hier von Dollars die Rede ist? Die US-Währung ist in Kambodscha gang und gäbe: ATM geben Noten sowohl in Dollars als auch in lokalen Riels aus, und auf Rechnungen in Läden, Hotels und Restaurants sind meist ebenfalls beide aufgeführt. Während grössere Summen meist in Dollars bezahlt werden, dient der Riel als Klein- und Herausgeld. Von einem kambodschanischen Bekannten wollte ich den Grund wissen. Er meinte, Kambodschaner hätten wegen der sehr bewegten jüngsten Geschichte wenig Vertrauen in die eigenen Institutionen.

Glorreiche Vergangenheit

Das war nicht immer so. Angkor Wat ausserhalb der angenehmen Provinzstadt Siem Reap, das imposante sakrale Bauwerk, zeugt von der imperialen Vergangenheit des Khmer-Reiches Kambuja. Dieses dehnte sich im 12. Jahrhundert nach blutigen Eroberungskriegen auf rund eine Million Quadratkilometer aus, fast dreimal so viel wie Deutschland.

Angkor war Hauptstadt einer regionalen Supermacht, zu der das heutige Thailand und Laos gehörten, dazu Teile von Vietnam, Myanmar und Malaysia. Angkors Tempel wurden zur Verehrung der hinduistischen Götter gebaut (der Buddhismus setzte sich erst im 14. Jahrhundert durch) und drückten das Selbstbewusstsein und den Machtanspruch der Herrscher aus. Das moderne Kambodscha ist um mehr als vier Fünftel geschrumpft.

Die Tempelanlage gilt als einer der Orte, die von Touristen überrannt werden. Wir, zwei aus der Schweiz angereiste Freunde und ich, sind mit einer Remorque hinausgefahren, schlendern nun durch die gepflegte Allee und auf einer breiten, steinernen Brücke über den künstlichen See auf die Tempel zu und sind beeindruckt und angenehm überrascht: Der Ansturm hält sich in Grenzen; wir können die achthundertjährigen, sorgfältig unterhaltenen und restaurierten Schätze in Ruhe betrachten. Nur die Fotos misslingen an diesem diesigen Tag. 

Ich bin mehr als ein Jahr später nach Siem Reap zurückgekehrt und werde ausführlicher darüber schreiben.

Um die Eindrücke einsinken zu lassen, bummeln wir abends im Stadtzentrum mit seiner französischen Kolonialarchitektur dem Fluss entlang, der von mobilen Essensständen gesäumt ist, bewundern den bombastischen Sonnenuntergang und besuchen den alten Markt. Alles ist hier zu haben, vom Fisch und den Krabben aus dem Tonle Sap See über Früchte und Gemüse, lokal hergestellte, gefälschte Markenklamotten und «Schweizer» Uhren bis zu Schmuck, Lederwaren und Kunsthandwerk. Eine Verkäuferin verlangt 30 Dollar für drei T-Shirts; nach freundschaftlichem Feilschen gehen sie für zwölf Dollar oder 480 Riel in meinen Besitz über.

Malerische Wasserlandschaft

Für die Weiterreise nach Battambang 155 km westlich von Siem Reap haben wir drei Copains am 27. Dezember 2024 uns für ein besonderes Verkehrsmittel entschieden, ein gechartertes Boot. Siem Reap liegt in der Nähe des Tonle Sap Sees, des grössten Sees Südostasiens. Der See ist in der Trockenzeit etwa 3000 Quadratkilometer gross, wächst aber im Sommer bis September auf mehr als 10.000 km2 an. (Im Vergleich ist der Bodensee mit 536 km2 nur ein grosser Tümpel.)

Der Abfluss des Sees, ebenfalls Tonle Sap genannt, mündet bei Phnom Penh in den Mekong. Wenn dieser, der im Tibet entspringt, in der Monsunperiode und mit Schmelzwasser aus dem Himalaya anschwillt, wird das Wasser des Tonle Sap Flusses zurückgedrängt; der Fluss ändert seine Fliessrichtung, und der Seepegel steigt.

Auf unserer Bootsfahrt über den See und den Sangke Fluss fühlen wir uns um Jahrzehnte zurückversetzt. Unser grosses Holzboot mit seinen gepolsterten Sitzbänken und einem Bett, das zur Siesta lädt, dürfte schon seit langen Jahren durch diese malerische Wasserlandschaft getuckert sein. Die schwimmenden Dörfer am Sangke, deren Häuser sanft im Rhythmus der Wellen schaukeln, wirken wie aus einer anderen Welt.

Nur die jugendlichen Rowdys sind überall die gleichen: Während sie bei uns früher mit frisierten Motorfahrrädern, heute mit tiefergelegten Autos die Strassen unsicher machen, brettern sie hier mit schmalen Langbooten über das Wasser. Die rasenden, Gischt aufwerfenden Boote werden von Motoren vorwärtsbewegt, die über lange Stangen Propeller im Wasser antreiben, was wirkt wie überdimensionierte Stabmixer.

Wir lassen die Bilder an uns vorüberziehen: die Fischer, die nachmittags, bis zum Bauch im Wasser stehend, ihre Reusen leeren; Langboote, die als Busse dienen; andere, auf denen Waren transportiert werden. Wir legen an einem schwimmenden Supermarkt an, decken uns mit lokalem Bier und chinesischen Kartoffelchips ein. Und sind am Abend, halt rettungslos von der Zivilisation verdorben, im Hotel in Battambang doch froh um eine kühlende Klimaanlage und eine warme Dusche.


Auf einen Blick

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Begleitung
Mit Freunden (3)
Kulturell
  • Angkor Wat
  • schwimmende Dörfer am Sangke
  • Bootsfahrt über den Tonle Sap
  • alter Markt in Siem Reap
StadtKulturGeschichteArchitekturTransit
  • Minibus Phnom Penh–Siem Reap16 $
  • T-Shirts in Siem Reap12 $
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Reiseberichte Kambodscha
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