Réunion – die ganze Welt auf einer Insel
Nach einem Aufenthalt in der Schweiz war ich ab 3. Dezember 2025 wieder auf Achse. Ich startete weit unten im Indischen Ozean, wo sich Frankreich mit der Insel La Réunion ein...


Veröffentlicht: 11.06.2026
Ich bin seit 4. Dezember 2025 auf der französischen Insel La Réunion weit unten im Indischen Ozean. Während, wie im letzten Blog beschrieben, mehr als die Hälfte der Insel Naturschutzgebiet ist, können nur 20 Prozent oder rund 500 Quadratkilometer für die Landwirtschaft genutzt werden. Auf mehr als der Hälfte des Landwirtschaftslandes wird Zuckerrohr angebaut, für das die Insel im 17. Jahrhundert überhaupt erst besiedelt wurde. Im Süden wird auch Vanille kultiviert, die man in diversen Qualitäten an manchen Ständen auf dem Samstagsmarkt von Saint-Pierre kaufen kann.
Auf diesem Markt gibt es alles, was man sich vorstellen kann, und alles zu Preisen wie in Europa – mindestens. Für einen Budget-Urlaub ist die Insel definitiv nicht geeignet.
Verflüssigtes Zuckerrohr
Über ein berühmtes Produkt aus Zuckerrohr lassen wir uns bei Isautier in der Gemeinde Saint-Pierre im Süden der Insel informieren. Die Firma, 1845 von den Brüdern Louis und Charles Isautier gegründet, die aus der französischen Region Champagne eingewandert waren, ist die ältestes noch bestehende Rum-Brennerei auf Réunion. In ihrem Museum «La Saga du Rhum» erfahren wir alles über die Firmengeschichte. Und natürlich können wir die hochprozentigen Produkte degustieren, vom einfachen, weissen Rum bis zu lange in Holzfässern gelagerten Jahrgangs-Gewächsen und mit allen möglichen Ingredienzien aromatisiertem Rum.
Wenn Réunion nicht in erster Linie eine Badedestination ist, so gibt es trotzdem einige attraktive Strände. Bei Saint-Pierre liegt die Grand'Anse, ein weisser, von Palmen gesäumter Sandstrand mit natürlichem Felsbecken, das trotz starker Strömungen sicheres Baden ermöglicht. Die Plage de l'Ermitage bei Saint-Gilles-les-Bains an der Westküste lockt mit einer Lagune mit türkisfarbigem Wasser. Schnorchler finden hier intakte Korallenriffe.
Am Strand von Kélonia, etwas südlich von Saint-Gilles, bilden wir uns weiter, statt in der Sonne zu schmoren: Das Observatorium der Meeresschildkröten ist Museum, Forschungszentrum, Aufzuchtprogramm und Klinik für Schildkröten gleichzeitig. Einige Spezies dieser faszinierenden Tiere sind bereits ausgestorben oder akut gefährdet. In Kélonia werden verletzte Tiere gepflegt und aufgepäppelt; gerettete Jungtiere wachsen in Becken heran. Später sollen sie, wenn möglich, wieder in die Freiheit entlassen werden.
Müll in Schildkrötenmägen
Besonders eindrücklich aber ist eine Sammlung des Mülls, der in den Verdauungsorganen von verstorbenen Schildkröten gefunden wurde: Flip-Flops, Bikini-Oberteile, Pet-Flaschen und Plastiktaschen, Feuerzeuge und Zigarettenstummel, Fischernetze und Angelhaken. Der Existenzgrund für die maritime Institution ist klar: Besucher sollen für die Artenschutz sensibilisiert und zu vernünftigem Verhalten animiert werden.
Am Abend, im edlen Strandrestaurant «Sauvage» in Saint-Gilles, wollen meine Tochter, vierzig Jahre jünger als ich, und ihr Boyfriend nicht glauben, dass wir vor einigen Jahrzehnten noch Schildkrötensuppe gegessen haben. Als «Lady Curzon» stand sie, mit einem Schuss Sherry verfeinert, auf dem Vorspeisen-Menü schicker Restaurants. Heute käme niemand mehr auf die Idee, sich Schildkröte servieren zu lassen. Irgendwie scheinen wir doch lernfähig.
