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Banda Aceh – nach dem Tsunami die Scharia

Veröffentlicht: 08.07.2026

Bus
Hua Hin → Don Mueang
Thailand
Flug
DMK → BTJ
Air Asia · Economy
Attraktion
Museum PLTD Apung
Banda Aceh, Indonesia
Museum
Tsunami-Museum
Banda Aceh, Indonesia
Sehenswert
Masjid Raya Baiturrahman
Banda Aceh, Indonesia

Nachdem ich die zweite April-Hälfte und fast drei Mai-Wochen auf Koh Tao, Koh Samui und in Hua Hin verbummelt hatte, jenem Badeort 200 Kilometer südlich von Bangkok, das zu meinem südostasiatischen Rückzugsort geworden ist, stand ein radikaler Szenenwechsel bevor: Am 19. Mai 2026 fuhr ich mit einem Minibus von Hua Hin zum alten Flughafen von Bangkok, Don Mueang. Und am nächsten Tag flog ich mit Air Asia via Kuala Lumpur nach Banda Aceh, der Hauptstadt der Provinz Aceh ganz im Norden der indonesischen Insel Sumatra.

Mit Hans aus Dänemark war ich im Dezember 2025 im Gästehaus «Seafever» auf Mauritius ins Gespräch gekommen. Hans hatte jahrzehntelang für das dänische Rote Kreuz gearbeitet. Als ich ihm von meinen Plänen erzählte, Banda Aceh zu besuchen, kam er ins Grübeln. Er habe in Banda Aceh gelebt, sagte er. «Du wirst dich unwohl fühlen. In Aceh mag man Ausländer nicht.»

Unglaubliche Zerstörungskraft

Dabei war Hans gekommen um zu helfen: Banda Aceh war jener Ort im Indischen Ozean, der am 26. Dezember 2004 vom Tsunami am härtesten getroffen wurde. Zuerst erschütterte ein gewaltiges Unterseebeben der Stärke 9,1 vor Sumatras Küste die Stadt. Danach raste eine riesige, bis 30 Meter hohe Wasserwalze mit 800 km/h über den Ozean und traf Banda Aceh Minuten später mit zerstörerischer Wucht.

Die Fluten strömten kilometerweit ins Landesinnere, rissen Schiffe, Häuser, Autos mit. Im Ortsteil Punge Blang Cut inmitten einiger sorgfältig erhaltener Ruinen und neben einer Moschee steht ein 2600 Tonnen schwerer, schwimmender Offshore-Generator. Das Mahnmal nennt sich «Museum PLTD Apung»; PLTD ist das indonesische Kürzel für «Dieselkraftwerk», «apung» heisst «schwimmend».

Unglaublich eindrücklich, vor diesem wuchtigen Wrack zu stehen und sich vorzustellen, dass es von den gigantischen Tsunami-Wellen vom Hafen, wo es vertäut war, losgerissen und rund fünf Kilometer ins Landesinnere gespült wurde. Auf dieser Höllenfahrt zermalmte das schwere Teil Häuser und Autos und begrub viele Menschen unter sich.

Trümmer, Leichen und Schlamm füllten Strassen; Küstenorte wurden ausradiert. In Banda Aceh starben etwa 25.000 Menschen, in der Provinz Aceh, etwas grösser als die Schweiz oder das Bundesland Niedersachsen, kamen 120.000 Menschen um; insgesamt mehr als 230.000 starben in den 14 betroffenen Ländern rund um den Indischen Ozean.

Schwierige Jahre vorher und nachher

Aceh hatte schwierige Zeiten hinter sich, als die Fluten kamen: 1976 war die Rebellenbewegung Freies Aceh gegründet worden; sie führte seither einen Guerillakrieg gegen Regierungsvertreter und Militär, um die Unabhängigkeit der Provinz zu erzwingen. Die indonesische Armee reagierte mit Gegengewalt. Es gab etwa 15.000 Tote; mehrere Friedensverhandlungen scheiterten.

Mit heute mehr als 280 Millionen Einwohnern steht Indonesien an vierter Stelle der bevölkerungsreichsten Länder der Welt nach China, Indien und den USA und an erster Stelle der muslimischen Länder. In Aceh wird ein Islam praktiziert, der viel strenger ist als anderswo im Land. Dieser Unterschied spielte im Befreiungskampf eine wichtige Rolle; noch wichtiger war, dass die Provinz sich von der Zentralregierung in Jakarta unterdrückt und bei der Verteilung der Einnahmen aus Acehs reichen Öl- und Gasvorkommen benachteiligt fühlte.

Der Tsunami war die Zäsur: Das erlebt der Besucher eindrücklich im modernen, geschickt inszenierten Tsunami-Museum. Hier wird architektonisch versinnbildlicht, was der Tsunami bedeutete: Besucher laufen durch einen schwach beleuchteten Gang, der die Höhe der Flutwelle nachempfinden lässt. Auf elektronischen Tafeln werden die Erlebnisse nachgestellt. An die Wände eines diskret beleuchteten, kapellenartigen runden Raumes sind die Namen von Tausenden von Opfern eingraviert.

Fingerzeig Gottes

Doch das Museum, so modern es sein mag, repetiert auch die Behauptung, welche Politiker und muslimische Würdenträger nach der Katastrophe verbreiteten, um die Menschen zusätzlich einzuschüchtern: Der Tsunami sei eine Strafe Gottes für den liederlichen Lebenswandel der Acehnesen. Nur eine Rückkehr zum Glauben könne weiteres Unglück verhindern. Dass die Grosse Moschee, die Masjid Raya Baiturrahman, erbaut 1873, als einziges Gebäude innerhalb einer riesigen Trümmerlandschaft stehengeblieben war, wurde als Fingerzeig Gottes interpretiert.

Tatsächlich kam Mitte August 2005 ein Friedensvertrag zwischen dem indonesischen Staat und den Rebellen zustande. Aceh verzichtete auf die Unabhängigkeit, erhielt aber einen Sonderstatus mit dem Recht auf Selbstverwaltung. Ausgenommen sind nur Aussenpolitik, Verteidigung, Justiz und die Geld- und Steuerpolitik. Zudem darf Aceh 70 Prozent der Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung auf seinem Territorium und dem dazugehörigen Seegebiet behalten und eigenständig Aussenhandel betreiben.

Vor allem aber wurde die Einführung der Scharia rechtlich verankert, des islamischen Gesetzeskomplexes, der auf dem Koran und den Überlieferungen des Propheten Mohammed basiert. Welche Folgen die radikale Umsetzung der Scharia für Aceh hat, werde ich im nächsten Blog illustrieren.

Auf einen Blick

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Kulturell
  • Museum PLTD Apung
  • Tsunami-Museum
  • Masjid Raya Baiturrahman
TransitGeschichteKulturArchitektur
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