100 Meter abseits von Sonne, Strand und Meer
#20 – Aguadulce Sonntag nachmittag. Strahlender Sonnenschein. Während wir am Fenster von hoch oben den Aufmarsch der Reichen und Schönen rund um den Hafen beobachten und sehen,...


Veröffentlicht: 15.02.2022
#21 Cabo de Gata
Cabo de Gata ist ein kleiner Naturpark, der rund 50 Kilometer östlich von Aguadulce am Meer liegt. Die Küstenlinie des etwa fünf Fußballfelder großen Landstrichs ist stark zerklüftet. Steil abfallende Felswände wechseln sich mit herrlichen Sandstränden ab. Cabo de Gata ist für seine vielfältige Vogelwelt berühmt. Wir haben zwar nicht viele Vögel gesehen, aber doch so manchen, der geflogen ist …
Direkt nebenan macht sich die Wüste von Tabernas breit, die als Kulisse für zahlreiche Filmstreifen diente, unter anderem für Indiana Jones, Lawrence von Arabien oder (T)Raumschiff Surprise. Die Cabo de Gata ist der trockenste Ort in Spanien und ganz Europa. Hier gibt es pro Jahr 2.900 Sonnenstunden und verteilt auf 25 Tage durchschnittlich nur 130 Milliliter Regen. Pro Quadratmeter! Das ist nicht einmal eine Kaffeetasse voll. Hier können nur gut angepasste Gräser überleben.
Unser Weg führte uns über die A-7 durch die Dörfchen El Toyo und Cabo de Gato vorbei an Salzsalinen, die schon zu Zeiten der Römer hier angelegt worden sind. Viele der ursprünglich weiß getünchten Häuschen am Straßenrand haben in den Jahren die Farbe des grau-braunen Bodens hier angenommen. Wie fast überall an Andalusiens Küste abseits der Touristen-Hochburgen sind die kargen Felder mit Abfällen überhäuft. Auch das fällt hier auf: Es gibt an vielen Stellen Abfallkörbe, aber die meisten davon sind leer. Die Menschen schmeißen ihren Müll einfach neben die Straße und der Wind verteilt ihn. Da der meiste Dreck aus Plastik ist, werden sich dafür kommende Generationen noch bedanken …
Wir fahren bis zum Faro de Cabo de Gata, zum Leuchtturm, der allerdings Sicherheitszone und weitläufig abgesperrt ist. Blickfang sind hier die wilden Felsen direkt vor der Küste, mit denen die Wellen bei leichtem Seegang ihre Kräfte messen. Mit uns sind hier ein Dutzend Wohnmobile, von denen alle auf den großzügigen Stellflächen rundherum ihr Plätzchen gefunden haben.
Nach einer Stunde brechen wir wieder auf. Unser Ziel ist einer der verlassenen Strände gegenüber den Salinen. Während Icke nach schönen, runden Steinen zum Bemalen sucht, können die Hunde frei laufen – und ich ihnen hinterher. Plötzlich bleibt Berry stehen und schaut zurück. Ich folge seinem Blick. Da müsste doch Icke irgendwo stehen … Icke ist verschwunden! Plötzlich sehen wir, wie jemand sich aus dem Sand gräbt und aus dem Wasser kriecht. Wir laufen alle vier zu ihr hin und sind erleichtert, als wir sehen, dass sie lacht. „Ich wollte einen Stein abspülen, da kam plötzlich eine Monsterwelle und hat mich mitgerissen.“ Ahja. Eine Monsterwelle. Ich schaue aufs Meer hinaus, von wo kleine Schaumkronen in 20, 30 Zentimeter Höhe dem Strand entgegen kriechen. Alles klar!
Icke ist patschnass. Zum Glück sind wir mit dem Wohnmobil hier. Schnell ist sie umgezogen. In ihrem weißen Kleidchen und den giftgrünen Schlappen steht sie vor mir und streckt mit ihrem entwaffnenden Lächeln die Hände in den strahlend blauen Himmel. „Na, wie sehe ich aus?“ Ich sehe den Schriftzug Exotic Journey und ein weißes Etikett aus dem Ausschnitt spitzen. Sie hat das Kleid verkehrt rum an. Mir wird warm ums Herz. Das ist meine Bridget Jones …
