2017 VespamerikasuR 2019

Auf 12 Zoll und mit 125 cc quer durch SüdamerikA

ab 28.10.: Pampas - 3.200 m -

28.10.

vorweg: weit bin ich heute nicht gekommen. Aber der reihe nach. Ein letztes frühstück in gepflegter atmosphäre, die vepse gepackt, und um halb 10:00 uhr bin ich startklar. Ein schöner morgen, samstag und kaum verkehr in der innenstadt. Ich tanke noch guten 95iger sprit und weiter geht es richtung südost.

Alles ist grün um mich rum, obwohl ich die höhe nicht verlassen habe. Es könnte alles schön relaxt sein, auch außerhalb der stadt ist kaum verkehr. Ich erfreue mich meines lebens und meiner vespaamerikasur unternehmung, als die vepse an einem buckel ausgeht.
Das hatten wir bei meiner ankunft hier auch schon. Falsche diagnose? Lag es doch nicht an der zündkerze? Ich nehme diesen aussetzer noch nicht ernst. Sie springt nach drei versuchen wieder an und weiter geht’s. Dann kommt eine polizeikontrolle – die vielleicht dritte während meiner ganzen tour, die mich anhält. Aber es stellt sich schnell raus, dass sie nur neugierig sind und keine papiere sehen wollen.
Schon beim stoppen geht der motor wieder aus. Ich habe jetzt wenig sinn für fragen nach dem woher und wohin, aber ich reisse mich zusammen. Wir verabschieden uns mit handschlag - das machen die peruaner gern – die vepse springt nach mehreren versuchen wieder an - und ich fahre weiter.
Also erst einmal vogel-strauss-politik. Vielleicht wird es ja besser. Aber dem ist nicht so. bei dem nächsten buckel, bei dem ich einfach ganz vom gas runter gehen muss, ist feierabend. Sie springt nicht wieder an.
Die düse – was sonst? Also das übliche procdere, die düse wird wieder verkleinert, aber die vepse will immer noch nicht.

Anfängerfehler: ich sehe nach dem kerzenstecker, weil ich einen blick auf die zündkerze werfen will, er hängt lose rum und ist nicht aufgesteckt. abgeruckelt? ich freue ich mich, dass ich die ursache gefunden und behoben habe.
Sie springt immer noch nicht an. Die batterie hat nicht endlos kraft und beginnt schon zu leiern. An der zündkerze kann es nicht liegen, weil der motor ab und zu schon anstalten macht, anzuspringen. Ich nehme erneut den kerzenstecker ab, schraube ihn vom zündkabel und stelle fest, dass er nicht mehr richtig festgeschraubt ist und nur noch wenige kupferdrähte zu sehen sind. Nicht weiter schlimm. Ich entferne das verwuselte stück, schraube den stecker wieder drauf – sie spingt nicht an.
Um mich herum ist ein mordsgetöse. Alle autos, die kommen, müssen wegen des buckels langsamer werden und werden beim beschleunigen wieder laut. Die meisten autos haben einen manipulierten auspuff, der röhrt und der zu dem spiel wer ist am lautesten im land?  einen nicht unerheblichen beitrag leistet.
Zu allem überfluss kommen dann noch 5 bis 6 motorräder auf ihren frisierten maschinen. Ich setze mich erst einmal hin und rauche eine. Es gibt hier bäume, die kühlenden schatten werfen. Die momente der ruhe genieße ich und habe dabei einen schönen blick in einen verwilderten garten.
Ich versuche es wieder – und sie ist wieder da. Ich stelle das standgas höher, packe alles wieder ein und fahre weiter.

ICH HABE SIE WIEDER ZUM LAUFEN GEBRACHT!

Es geht anhaltend bergauf, und dann bemerke ich, dass sich die temperturnadel langsam aber stetig nach oben bewegt. Alarmstufe 1!!! zwar ist es hier sehr ungünstig stehen zu bleiben und an der vepse zu basteln, alles andere aber wäre für die vepse das aus. Ich nehme die sitzbank ab und sehe, wie das heisse wasser an der naht, wo wir noch zu hause die schläuche verlängert haben, raussprüht. Ok, denke ich. Nicht weiter schlimm. Ich habe ja 3 meter ersatzschlauch dabei, jetzt wird das kupplungsstück zurückgebaut und durch einen neues und entsprechend längeres stück ersetzt. Gute idee! Aber dann stelle ich zu meinem entsetzen fest, dass der umfang des neuen schlauches geringer ist und damit der klemmring nicht mehr stramm sitzt.

jetzt muss ich improvisieren: Nic aus lima, bei dem die vepse in der inspektion war, hat mir für den kühlwasserbehälter noch schlauchreste von einem reifenschlauch gegeben, die mir jetzt helfen können. Ich will mich gerade an die arbeit machen, als eines von diesen frisierten motorrädern vorbeifährt, langsamer wird, wendet und zurückkommt. Kann ich eigentlich gar nicht brauchen, ich weiss was zu tun ist.
Schnell stellt sich raus, dass das ein mitarbeiter meines luxushotels ist, der mir seine hilfe anbieten will. „misterrrr, was ist los?“ ich zeige ihm die beiden schläuche – ich kenne einen mechanico in pampas. Da fahre ich hin und bringe den richtigen schlauch mit. eine gute idee. Weitere motorradkumpels kommen, schauen, fragen und einer von ihnen, der mir als ingenieur vorgestellt wird – hilft mir bei der verstärkung des schlauches mit den schlauchresten aus lima. Als der hotelmitarbeiter zurückkommt - leider mit einem schlauch, der nur auf den luftfilter passt - sind wir fertig. Fotos und verabschiedung.

vorsorglich habe ich schon 3 liter reservekühlwasser mit... links der engineero, rechts der mitarbeiter meines hotels in huancayo

Ich packe wieder auf, erfreue mich an der landschaft, merke zwar immer noch ein wenig das ruckeln und vermute, dass die düse doch kleiner hätte sein müssen.

Die temperaturnadel habe ich im blick und nach einigen kilometern bewegt sie sich wieder nach oben. Sofort halten. Wieder an einer ungünstigen stelle. Ich nehme das helmfach wieder raus und sehe auf den ersten blick, dass der neue schlauch geplatzt ist. Ersatz ist kein problem. In dem moment hält ein pickup und fragt, was los ist. Kein problem, wir helfen dir. Der grund für das platzen des schlauches - so nehmen wir an - ist, dass er mit dem motorblock in berührung gekommen ist. Der umbau ist kein problem, der klemmring sitzt wieder stramm, ich wechsele noch die düse und wir verabschieden uns – mit fotos natürlich. Sein bruder habe in pampas eine werkstatt und er habe auch den richtigen schlauch. Ich bekomme noch die telefonnummer und die zusicherung, dass es in pampas an der plaza de armas ein hotel gäbe.

"ich habe einen  bruder in pampas, der ist mechanico. der hilft dir."

Die beiden sind wieder weg, ich packe die vepse wieder auf, erfreue mich an der tollen landschaft und weiter geht es bergauf.
DAS KANN DOCH NICHT SEIN!!!
wieder bewegt sich die nadel nach oben, ich halte auf freier strecke an und sehe erneut einen riss im schlauch, obwohl er weit weg vom motorblock gelegt ist und ich ihn noch zusätzlich mit einem kabelbinder daran gehindert habe, dass er sich wieder richtung motorblock hinruckelt. Die ursache liegt an dem material. Der schlauch ist zu dünn und dem heissen wasser nicht gewachsen. Gut – das einzige, was ich jetzt machen kann, ist rückbau verbunden mit der hoffnung und dem festen vorsatz, die beiden alten schlauchenden auf dem kupplungsstück, so fest wie möglich mit den schlauchschellen zu verbinden. Ich bin immer noch guten mutes. Die sonne scheint, es ist warm, meinen zielort huanta habe ich durch pampas ersetzt und damit den druck aus der ganzen unternehmung genommen. Damit der motor wenigstens ein wenig abkühlt, setze ich mich an den straßenrand, rauche eine und schaue mir die landschaft an. Bloß keine hektik und übereilten schritte, die nur dazu führen, dass wichtige schrauben etc verloren gehen oder ins nichts wegspringen.

Dieses mal bekomme ich besuch von einem polizei-pickup. Ich bleibe sitzen, warte bis sie über die straße kommen, stehe auf, gebe ihnen die hand und erkläre das fiasko. Im grunde stehlen sie mir die zeit. Helfen könnten sie mir nur, wenn sie die richtige schlauchgröße im kofferraum hätten. Der eine polizist schaut mit sorge nach westen und kündigt regen und kälte an. Ob ich alleine zurecht käme und ahnung von motoren hätte. Mass o menos ist meine antwort und lasse die beiden fahren.
Ich überzeuge mich mit einem blick gen westen und sehe in der tat dunkle wolken auf mich zukommen. Nur die ruhe. Der rückbau klappt gut. Die klemmen sitzen fest. Fester können sich nicht mehr sitzen. Ich lasse den motor laiufen, der perfekt und sofort anspringt und will mittlerweile das dritte mal kühlwasser nachgießen als ich merke, dass es nicht bis zur maximumanzeige reicht. Wasser habe ich keines, also hilft nur externe hilfe. Ich stelle mich erst an den straßenrand und winke vorbeifahrenden autos mit dem leeren kühlwasserbehälter zu, doch keiner hält. Ich stelle mich mitten auf die straße und winke und habe nach dem dritten vorbeifahrer erfolg. Sie haben sogar kühlwasser. Und als ich wieder einen blick auf die mittlerweile bepackte vepse werfe, sehe ich eine größer werdende pfütze. Jetzt ist es mit meiner geduld zu ende. Helmfach raus und die diagnose ist klar. Die klemmen halten das wasser nicht zurück.
Die insassen des autos – vorne sitzen drei und hinten vier mit einem kleinen kind – schreiten zur tat, erfragen einen kugelschreiber, basteln und bauen. Ich sehe nicht was sie machen, weil sie zu dritt über dem motor arbeiten. Langsam wird es hier oben kalt und windig. Ich gebe dem fahrer, der nur im t-shirt arbeitet, meine fliesjacke, die er sich lässig über die schultern wirft. Die drei kommen aber zum ende und erklären mir stolz, dass jetzt alles gut sei.

trotz dieser pannenserie, bleibt mir die besonderheit der landschaft nicht verschlossen

von westen braut sich etwas zusammen. wird der polizist recht behalten?

Verabschiedung ohne foto und weiter geht die fahrt. Und wieder bewegt sich die nadel nach oben. Ich halte kurz an, schaue unter den motor, es bleibt trocken, jetzt kommt eine lange abfahrt ins tal, die einen höhenunterschied von 1.000 m überbrückt. mein einziger gedanke ist, motor aus und rollen lassen. So komme ich wenigstens bis nach pampas, schaue in den motorraum und sehe zwei schläiuche, die ohne funktion im motorraum rumhängen. Gut, für die letzten meter hilft nur noch kabelbinder und agua sin gas gegenüber vom laden.
Hier ist es wieder wärmer, landschaftlich schön, pampas liegt in einem fruchtbaren tal. eine sehr angenehme stille empfängt mich. wir sind trocken angekommen! Ich finde ein hotel direkt an der plaza.

die plaza von pampas

Es ist das genaue gegenteil von meinem luxushotel der vergangenen vier nächte. Eine kammer, versüffte klos im hof, der boden der kammer ist frisch mit beize gestrichen, die mir in den kopf steigt, der senor ist nett und gesprächig, die vepse hat ihren platz und ich bezahle ihm 10 soles. Ca 2,60 euro.
Ich esse hühnerschenkel mit pommes, mache einen gang durch die hauptstraße, die noch voller leben ist. ich werde morgen um 08:00 uhr in der werkstatt sein und hoffen, dass rodrigo den richtigen schlauch da hat. Ein no hay wäre wirklich nicht witzig.

Die vepse steht sicher hier im hof – unter sich eine pfütze...

29.10.

Heute ist sonntag und ich bin schon früh auf, mich treibt die vepse aus der perdedecke. Geschlafen habe ich trotz der gebeizten holzdielen gut und wache ohne kopfweh auf.

flair hat es schon...

Die sanitären anlagen sind nicht benutzbar, so dass ich sogar auf eine katzenwäsche verzichte. Für eine nacht wird das wohl gehen. Der senor ist ein witziger mensch, von dem ich gestern im ersten moment glaubte, dass er zu tief ins glas geschaut habe. Aber heute morgen ist er genauso nuschelig in seiner ausdrucksweise, aber nach mehreren versuchen verstehe ich ihn.

Er führt zwar ein hotel mit cochera (abstellmöglichkeit für pkw), aber es kommt mir eher vor wie eine alten-wg. es leben oder übernachten hier aber auch junge, alleinreisende oder alleinstehende gäste. Es gibt hier einen schönen patio, der eingefasst ist von einem im rechten winkel gebauten zweistöckigen lehmhaus mit balkon in den hof. Eine etwas wackelige treppe führt zu den zimmern, die es aber auch ebenerdig gibt.

die zimmer sind wirklich sehr einfach, aber es gibt steckdosen. Im patio hat der senor alte schweinetröge sehr schön bepflanzt, sein hotel hat atmosphäre, das geld reicht aber nicht, um wenigstens die sanitären anlagen zu modernisieren. Ein einstöckiges lehmhaus, in dem auch gelebt und gewirtschaftet wird, schließt den patio zur straße hin ab.

Nach dem frühstück in einem cafe gegenüber nehme ich mir ein mototaxi und lasse mich zu dem mechanico rodrigo bringen, dessen bruder mir gestern bei meiner zweiten kühlwasserschlauchpanne geholfen hat.
Ich gehe davon aus, dass er kühlwasserschläuche am lager hat, aber er schickt mich ein paar häuser weiter zu ramirez, einer ferreteria. Hinter dem ladentisch steht eine schwarz gekleidete peruanerin, die mich erkennend anlächelt. Sie habe mir gestern mit ihren söhnen mit kühlwasser ausgeholfen. Ich erinnere mich und bedanke mich noch einmal.
Sie verkauft mir einen benzinschlauch, der denselben durchmesser und umfang hat wie das original. Er ist auch in seiner materialbeschaffenheit vertrauenserweckender. Kühlschläuche hätten sie nicht, aber der benzinschlauch wäre zuverlässig – auch für heisses kühlwasser.

Zurück bei meinem senior – er heisst caesar – baue ich ihn die vepse ein und habe sofort publikum. Die schellen, die ich noch gekauft habe, sind für mich wertlos, weil keine von den nüssen auf den schraubenkopf passen. Mit einem schraubenzieher lassen sie sich nicht bis zum ende schließen. Ein anderer bewohner, der mit opa erwin ähnlichkeit hat – pullover mit v-ausschnitt und hemd – schaut mir interessiert zu. Als alle klemmen und klemmringe versagen, bringt er ein stück kupferdraht, womit ich tatsächlich den schlauch wasserdicht verschließen kann. Nebenbei finden dann noch unterhaltungen statt – insgesamt ist ein lustiger vormittag.

links die geniale idee mit dem kupferdraht, rechts der senior des hotels

Ich mache mich auf zu rodrigo. sein tor ist verschlossen. Seine nachbarn schicken mich zu einem anderen mechanico. Seine aufgabe ist es, den bolzen vom gepäckträger wieder zurück in seine führung zu bringen. Durch die ruckelei auf den buckelpisten hat er sich verschoben und ist nur auf der einen seite des gepäckträgers mit ihm verbunden. Doch dann stellt sich raus, dass er nur mit ein paar hammerschlägen neu justiert werden kann. Zur sicherheit wickelt er links und rechts noch draht um den bolzen, damit er sich nicht mehr verschieben kann. Ich versuche ihm das auszureden, weil die arretierungsringe jetzt an der richtigen stelle sitzen, er meint es gut und ich lasse ihn gewähren.

Auch hier wird mir sofort geholfen. Vater und sohn führen die werkstatt und eine kleine ferreteria. Die eltern sitzen in ihrer ferreteria und haben wenig kundschaft, der sohn – mein mechanico – hat die werkstatt unter sich und gut zu tun. Die motos sind für die peruaner ihre existenzgrundlage. Sonntags werden sie wieder fit gemacht für die kommende arbeitswoche. Nur der sonntag ist frei, nicht aber für die mechanicos.

Ich fahre noch zur tankstelle, um den luftdruck auf beiden reifen zu überprüfen. Das ist aber nicht so einfach wie bei uns. Es gibt kein display an der tankstelle, sondern der kunde muss selbst einschätzen, wann der richtige luftdruck erreicht ist.

Ich komme an einer anderen werkstatt vorbei und frage dort, ob sie auch ein messgerät hätten.

Sofort sammelt sich eine traube von mechanicos und zuguckern um die vepse.
Carlos der maestro und inhaber nimmt sich meiner an. Ich erkläre ihm mein problem. Er kenne zwei reifenhändler, bei denen ich luft bekommen könne. Er würde mit mir dahin fahren. Aber leider gibt es zwei mal das no hay, die tiendas haben geschlossen.
Wir fahren wieder zurück in seine werkstattt. es gäbe ein messgerät, das nur auf das geöffnete ventil gedrückt werden müsse und dann erkenne man den vorhandenen luftdruck. Die luft bekäme ich bei der tankstelle. Ich solle warten, er kümmere sich um das messgerät und wäre gleich wieder hier.
Ich beobachte derzeit das treiben in seiner werkstatt. Zwei seiner 5 söhne und ein freund arbeiten heute in der werkstatt mit. Die kids sind 11 bis 18 und kennen sich aus:
Ein motorradfahrer kommt mit heraushängendem schlauch aus dem hinterrad. nicht schiebend, sondern fahrend! Sofort sind die kids mit dem richtigen werkzeug zurstelle, das hinterrad ist schnell ausgebaut und wird in der werkstatt selbst bearbeitet oder besser gesagt malträtiert. Eine werkbank mit schraubstock sehe ich nicht. Die kids arbeiten auf dem lehmboden, stellen sich auf das rad und versuchen den mantel abzuziehen, ein längeres unterfangen, aber das rad hält das aus, keine speiche bricht. nach einer halben stunde sitzt das hinterrad, der kunde ist zufrieden, bezahlt und fährt davon.
Mittlerweile ist carlos wieder zurück, sein sohnemann gibt ihm das geld für den schlauchwechsel.
Dann bin ich wieder dran. Er überreicht mir stolz ein kugelschreiber großes messgerät. Einen mannometer kann ich nicht entdecken und befürchte schon, dass wir uns missverstanden haben, aber dann zieht er eine schwarze kappe ab, öffnet mein ventil und setzt das gerät auf die öffnung. Ein zylinderförmiger stab tritt in erscheinung, auf dem erkennbar wird, wie stark der reifendruck ist.

Ich scheine bei ihm gefallen zu finden, denn er lädt mich zum mittagessen zu sich nach hause ein.

Es ist feierabend, die beiden kids werden auf sein motorrad gesetzt, der ältere sohn nimmt den freund mit, und wir fahren los. Der himmel bewölkt sich sehr schnell.
Sein lehmhaus ist etwas ausserhalb der stadt, die wege dort hin sind später nicht mehr befestigt, am schluss ist es ein trampelpfad, der zu dem haus eines nachbarn und zu seinem führt. Veronika, seine frau um die vierzig macht einen reiseintopf mit huhn und mais, dazu einen gurkensalat.
Seine kinder sind sehr gut erzogen. Das wort des vaters gilt.
Sie müssen nach unserer ankunft ihre hauspflichten erfüllen, während ich mit carlos draussen in seinem patio sitze.
Die verständigung klappt einigermaßen. Sie haben eine katze, die vier junge hat. Sie liegen alle gemütlich in ihrem kleinen häuschen - für mich das ideale fotomotiv.

ich liege auf dem bauch, um diese perspektive zu erhalten.

sie dürfen überleben und mussten nicht in den sack

er hat einen esslöffel als esswerkzeug und seine ausbeute ist schoh beeindruckend

Dann gibt es auch noch einen zweijährigen, der bubu genannt wird. Er ist carlos neffe.
Der mittllerweile 21 jährige vater lebe in argentinien, seine 19 jährige schwester stephania hier in der nachbarschaft und sei jeden tag da. bubu wachse aber in seiner familie auf und er sei der papa. Carlos ist ein fürsorglicher und auch strenger familienvater.

Das essen ist fertig. Wir sitzen in einer einfachen küche, bubu thront in seinem kinderstühlchen und hat eine art entwickelt, wie er so viel reis und huhn von seinem überladenen löffel in seinen mund verfrachtet. seine ausbeute ist fast 100 % - der rest liegt auf der erde und wird von der katze entsorgt.
carlos sohn angel beeindruckt mich am meisten. Mit seinen 11 jahren weiss er schon, dass er nicht im gescnhäft des vaters mitarbeiten will. Er will agrarökonomie studieren und seinen ing machen. Er mag tiere und es sei nicht ausgeschlossen, dass er noch vetrinärmedizin draufsetze.

Ein sehr cleverer kerl, der auch dank seiner zahlreichen geschwister eine große menge sozialkompetenz besitzt. Veronika ist anfangs recht still und werkelt in der küche, während wir mit großem appetitt zu langen.

carlos hat sich einen zweistöckigen winkelbau hingesetzt. Das bad mit dusche ist draussen. Für die katzenwäsche gibt es unter freiem himmel einen etwa zwei meter breiten spülstein.

Im erdgeschoss befindet sich die küche und zwei andere in einander übergehende räume: Der hauswirtschaftsraum mit waschmaschine (!) und in dem anderen stehen carlos andere zwei motoräder.

Der regen hat mittlerweile eingesetzt und zwar recht kräftig. Carlos kennt das und ist sicher, dass er in ein bis zwei stunden vorbei ist. Eigentlich will ich nicht so lange bleiben. Aber es bleibt mir nichts anderes übrig, weil ich keinen anorak und regenhose dabei habe.

Die kids sind im haus verteilt, das katzenhäuschen steht in der küche, die tür ist auf und es ist mal wieder eisekalt. Jetzt kommen die fragen über deutschland, über hitler und die besondere frage, wo er eigentlich begraben sei. Zum glück gibt es google. ich kann ihnen sagen, dass seine asche im osten deutschlands verstreut worden sei.

Der regen hat sich nicht verzogen. Ich nehme das angebot, bei ihnen zu übernachten, an. Es gibt sogar ein gästezimmer. Meinen schlafsack habe ich dabei, so dass für die beiden kein zusätzlicher aufwand besteht. Mich hat das zeitgefühl verlassen und vermute, dass es schon halb 11 ist. Mich wundert, dass carlos wieder hunger verspürt und so nach und nach die kids wieder in die küche an den futtertrog kommen. Ich schaue auf mein smartie. Es ist erst halb 8. es gibt wieder reis mit huhn, brötchen mit käse und heissen tee. Der abend neigt sich dem ende. Carlos bringt noch einen freund der jungs auf seinem motorrad nach hause. Seine zwei anderen söhne fahren wieder mit. Nur im t-shirt bekleidet - das muss reichen für die kurze fahrt. Carlos in pudelmütze... bis auf angel sind alle kids motorrad interessiert.

Der älteste sohn studiert schon und lebt nicht mehr zu hause, der zweitälteste arbeitet teilweise in der werkstatt mit und hat schon viele preise für motocross-rennen gewonnen. Die anderen beiden gehen auch in die richtung und selbst bubu zieht sich schon einen mtorradhelm an. Veronika fährt nicht selbst, es mache ihr aber spaß mitzufahren... von veronika war da nicht so eine eindeutige aussage zu erfahren.

gegen 9 ist der abend beendet. Ein sehr schöner abend in einfachsten verhältnissen.

Die kids werden einen guten start haben, weil sie – so mein eindruck – eine gute erziehung bekommen. Kein bock oder mache ich später gibt es nicht. Wenn der vater eine bitte ausspricht wird ihr widerspruchslos folge geleistet.

Meine erste begegnung mit einer peruanischen familie.


#pampas#peru

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