In der Früh laufe ich zum Nationalpark und drehe ein paar Runden. Das ist schon ein kleines Höhentraining, denn San José liegt auf 1.161 m Höhe.
Der Park ist wirklich schön und gepflegt. Viele nutzen ihn wohl auch als Abkürzung auf dem Weg in die Arbeit.
Dann gibt es Frühstück und um 10 Uhr werde ich zur Tour zu den La Paz Wasserfällen abgeholt. Esteban, unser Radtourguide hat mir diese Organisation empfohlen. Ich kann mich nicht erinnern, irgendwann schon mal eine so gute Tour gehabt zu haben. Olman, der Fahrer hat in der Schweiz und in den Niederlanden gelebt. Adonis, der Guide, ist in Miami aufgewachsen und kam mit 12 Jahren hierher. Daher sein perfektes Englisch. Wir weden untereinander vorgestellt. Pauline und Adrienne aus Belgien, Hazel und Thomas aus San Francisco und ich. Wir werden mit hochinteressanten Informationen geradezu vollgestopft. Ich konnte sicherlich nicht alles auf meiner kleinen Festplatte im Kopf speichern. Also Brainstorming:
Der höchste Berg Costa Ricas ist 3820 m hoch. Es schneit hier jedoch nie, weil sich aufgrund der Winde vom Pazifik und der Karibik kein Schnee bilden kann. Manchmal bildet sich Eis und die Ticos denken, dass es Schnee ist. Ein Irrtum, aber sie kennen keinen Schnee.
Der Mindestlohn beträgt hier 530 US $ pro Monat, der höchste in Südamerika. In Nicaragua beträgt dieser Lohn 120 US $, in Venezuela 20 US $. Deshalb sind 1 Million der 5 Millionen Einwohner Costa Ricas aus Nicaragua. Sie verdienen hier viel besser. Einkommenssteuer muss man ab einem Verdienst von 15.000 US $ pro Jahr zahlen und zwar 10 %. Costa Rica ist sehr klein und hat die Größe von West Virginia (ca 51.000 km²). Beim Bruttosozialprodukt pro Kopf liegt Costa Rica auf Platz 3 oder 4 nach Chile, Uruguay und Panama. Tourismus spielt auch eine große Rolle in Costa Rica, wobei man sich darüber im Klaren ist, dass die hohen Preise abschreckend wirken können. Die Ausgaben sind hier teilweise höher als in einigen Staaten der USA.
Nicht geplant ist der Stopp bei einer Kaffeefarm. Auch total informativ. Es ist eine Doka-Kaffeefarm. Dieser Kaffee wird nicht in Costa Rica verkauft, sondern ist ausschließlich für den Export prädestiniert. Oft für Starbucks. Der Kaffee ist schon für die nächsten zwei Jahre verkauft. Wir sehen uns die Kaffeeplantage an. Costa Rica ist bei Kaffee nicht in der Quantität, sondern laut Adonis in der Qualität Spitzenreiter. Hier sind die Bedingungen ideal. Beste Vulkanerde, Kaffeeanbaugebiete in höheren Lagen (in Brasilien im Flachland, so dass die Qualität nicht gut sein kann), mehrmalige, selektive Ernte per Hand (in anderen Ländern oft eine maschinelle Ernte, wobei auch unreife und verfaulte Kaffeebeeren gepflückt werden). Die rohen Kaffeebohnen wirken wie Abführmittel. Auf den Kaffeefeldern wachsen auch Fruchtbäume. Diese sollen Insekten und Vögel anlocken, damit diese nicht die Kaffeekirschen verspeisen. Zudem spenden sie Schatten, absorbieren Wasser (z.B. Bananenstauden) und reichern den Boden mit Kalium an. Kaffeesträucher werden normalerweise sehr hoch, aber sie werden klein gehalten. Man behält die Sträucher 30 Jahre, weil dann die Qualität der Kirschen nachlässt. Das Holz verwendet man als Brennholz und zum Schnitzen von Souvenirs. Wir sehen auch einen Eukalyptusbaum mit bunter Rinde. Dieser ist nicht von hier, sondern ist auf den Philippinen beheimatet.
Es gibt verschiedene Stärken von Kaffee. Je länger er geröstet wird, desto stärker ist er. Die maximale Röstzeit beträgt 20 Minuten.
Wir bekommen eine kleine Kaffeekostprobe. Man könnte hier auch Kaffee kaufen. Es gibt aber auch Kaffeebohnen mit Schokoladenhülle in verschiedenen Geschmackssorten. Dafür entscheide ich mich.
Wir erfahren, dass koffeinfreier Kaffee oft krebserregend sein kann. In vielen Ländern wird das Koffein mittels Aceton entfernt. Das ist krebserregend. Nur, oh Wunder, in Deutschland wird ein Verfahren angwendet, welches nicht gesundheitsschädlich ist. Doka schickt deshalb Kaffee nach Deutschland, um ihn dekaffeinieren zu lassen und reimportiert ihn dann wieder. Diese Prozedur basiert auf Verdampfung.
Von hier oben in den Bergen sieht man die Valle Centrale, wo 63 % der Bevölkerung leben und sich die 4 größten Städte befinden. Costa Rica setzt sich aus sieben Provinzen zusammen.
Wir fahren an der einzigen Kaffeeplantage von Starbucks vorbei, die sich hier in Costa Rica befindet. Dann fallen die vielen schwarzen Planen ins Auge. Das sind Gewächshäuser, in denen Farne zum Export gezogen werden. Sie werden zum Verzieren von Blumensträussen verwendet.
Es gibt auch Gewächshäuser für Blumen.
Wir sehen dann ein paar Hecken. Eine Zypressenhecke, dient als Sicht- und Windschutz. Das Holz ist sehr beliebt als Baumaterial, für Möbel und zum Schnitzen.
Dann sehen wir eine Bambushecke. Bambus wächst sehr schnell und wurde oder wird verarbeitet zu Waffen, Pipelines (Aquädukten), Baumaterial, als Massagestabnund Stoff. Zudem kann man Bambus essen -> Bambusherzen.
Wir sehen auch immer wieder wunderschöne Hortensien. Adonis erklärt, dass deren Farbe von der Art des Bodens und dessen pH-Wertes abhängt.
Dann kommen wir zum La Paz Waterfall Gardens & the Peace Lodge, das seinen Garten und Refuge auch für Tagesbesucher öffnet. Ein Zimmer kostet hier um die 600 US $ pro Nacht. Wird oft für die Hochzeitsnacht gebucht. Adonis erläutert, dass es in Costa Rica keine Zoos gibt. Sie wurden alle geschlossen. Es gibt nur noch Refuges. Das sind Auffangstationen für Tiere, die als Haustiere gehalten wurden und dann nicht mehr erwünscht waren. Diese Tiere könnten in der freien Wildnis nicht mehr überleben, sie wissen nicht, wie man jagt und Nahrung findet.
Die Toiletten sind etwas besonderes. Der Wasserhahn hat die Form eines Steins und der Wasserhahn ähnelt einem kleinen Wasserfall.
Wir fangen bei den Vögeln an. Es gibt einige Raubvögel, die andere Vögel fressen würden. Deshalb befinden sie sich in separaten Käfigen und werden mit rohem Fleisch gefüttert. In einem separaten Gebäude sind Tukane, die sehr zutraulich sind, weil sie mit Menschen aufgewachsen sind. Der lange Schnabel ist durchblutet und dient zur Regulierung der Temperatur. Man würde denken, dass der Schnabel sehr schwer ist. Dies ist aber ein Irrtum.
Blitzlicht ist verboten, denn das wäre wie 2 - 3 Stunden Sonnenlicht pro Blitz.
Dann gehen wir zum Schmetterlingshaus. Am Eingang sind ein paar konservierte Insekten ausgestellt. Adonis erklärt uns die Fortpflanzungsmethode von wilden Wespen. Sie stechen Vogelspinnen und legen in den Vogelspinnen Eier ab. Wenn die Wespen geschlüpft sind, dann fressen sie die Vogelspinne von innen auf.
Im Schmetterlingshaus schwirren Schmetterlinge, man findet aber auch Pflanzen, auf deren Blättern sich Schmetterlingseier befinden, die dann zu flugunfähigen Raupen mutieren, schließlich in sogenannten Puppen in einer festen Hülle weiterwachsen, aus der dann die Schmetterlinge schlüpfen. Es sind viele Puppen an einem Ständer angeordnet. Wenn man Glück hat, kann man einen Schmetterling schlüpfen sehen.
Nachfolgend bewundern wir die Weißkopfaffen. Affen haben nur 4 Zehen, es fehlt der große Zeh. Der Schwanz dieser Affen ist so stark, dass er das ganze Körpergewicht des Affen halten kann. Die Affen halten sich mit dem Schwanz zusätzlich fest.
Die Kolibris besuchen wir bevor wir zum Essen einkehren. Es handelt sich hier um den kleinsten Vogel. Seine Zunge ist doppelt so lang wie sein Schnabel, seine Flügel schwingen nicht auf und ab, sondern formen beim Flug eine Acht. Dieser kleine Vogel fliegt bis zu 70 km/h schnell und kann sich in alle Richtungen bewegen, auch rückwärts. Er macht 60-90 Schwingungen pro Sekunde, im Normalfall. Während der Paarungszeit erhöht er die Geschwindigkeit der Schwingungen beträchtlich.
Das Essen ist ein Büffet und man kann sich Nachschlag holen, so oft man will. Viel Auswahl und sehr lecker.
Mit gefülltem Magen geht es in das Schlangenhaus mit ca. 30 Schlangen. Nur ein Bruchteil dieser Schlangen sind giftig. Allerdings übertragen sie oft Bakterien, die Krankheiten bei uns auslösen können. Adonisnerläutert den Unterschied zwischen „venemous“ und „toxic“. Von „Venenmous“ spricht man, wenn Gift durch einen Stich oder Biss aufgenommen wird. „Toxic“ ist Gift, welches durch Berührung übertragen wird. Es gibt in Costa Rica zwei Gegengifte. Eines bei Korallenschlangen und einer giftigen Pazifikmeerschlange und ein anderes für alle anderen Schlangen. Nicht immer injizieren Schlangen beim Biss Gift. Es braucht 2 - 3 Wochen bis eine Schlange nach einem Giftbiss wieder Gift gebildet hat. Sie braucht das Gift zum Töten von Beute. Muss sich also überlegen, wann sie Gift einsetzt. Man sollte spätestens vier Stunden nach einem Biss im Krankenhaus sein. Pro Jahr werden über 100 Personen in Costa Rica von Giftschlangen gebissen, 8-10 davon sterben. Meistens, weil sie nicht rechtzeitig in ein Krankenhaus kommen.
Die letzten Tiere, die wir sehen, sind Raubkatzen. Ozeloten sind kleine Raubkatzen, die gerne von Jaguaren gefressen werden. Deshalb haben sie hinter den Ohren zwei weiße Flecken, die aussehen wie Augen. Jaguar denken dann, dass die Ozeloten sie ansehen und greifen hoffentlich nicht an. Wir sehen Pumas. Männchen und Weibchen sind getrennt, denn Nachwuchs in der Gefangenschaft ist nicht erwünscht. Die Jaguare sind beeindruckend. Wenn man so ein Tier in der freien Wildbahn antrifft, dann kann man nur zwei Dinge tun. Sich groß machen, laut sein und hoffen, dass nichts passiert. Denn davon laufen bringt nichts, denn Jaguare können schnell rennen. Ins Wasser zu flüchten hat keinen Sinn, denn Jaguare können bestens schwimmen, auf Bäume zu klettern ist überflüssig, denn das können Jaguare viel besser.
Nun kommt ein weiteres Highlight: fünf Wasserfälle. Zuerst der Wasserfall Templo, dann viele Treppen zum 37 m hohen Wasserfall Magia Blanca. Hier macht Adonis einen kleinen Versuch mit uns. Optische Täuschung. Wir sollen auf die Mitte des Wasserfalls schauen ohne zu blinzeln. Adonis zählt langsam bis 12. Dann sollen wir nach rechts auf die grünen Sträucher und Bäume sehen. Diese bewegen sich nach dem Blick auf dem Wasserfall, als würden sie in einem starken Wind wehen. Wirklich irre.
Dann laufen noch viele Stufen hinab, um die Wasserfälle Encantada, Escondida und La Paz zu sehen.
Adonis erklärt uns den Unterschied zwischen einem Sekundärwald, in dem wir uns befinden und dem Primärwald auf der gegenüberliegenden Seite der Wasserfälle. Primärwald ist unberührt von Menschen und Naturgewalten, wie Erdbeben, Hurrikanen und Vulkanausbrüchen.
Nun ist unsere wunderschöne Tour zu Ende, wir fahren zurück nach San Jose und werden in unsere Hotels gebracht.