Regen ohne Ende
TAG 5: Das Wichtigste vorweg: Es quietscht nichts mehr – zumindest am rechten Hinterreifen. Nachdem Icke bis um 2 Uhr durchgehalten hatte, kam sie zu mir ans Hubbett und...


Veröffentlicht: 21.03.2025








TAG 6: Wir sind auf unserem Campingplatz Malvarrosa de Corinto angekommen. Kurz vor 14 Uhr waren wir da und haben den Platz bekommen, an dem wir vor fünf Jahren standen, als wir zum ersten Mal hier Gäste waren. Wir wurden von unserer Freundin Renate mit einem strahlenden Lächeln in die Arme genommen. Sie ist am Mittwoch angekommen und hat den Stellplatz direkt neben uns – was für ein netter Zufall.
Die sechstägige Fahrt von Straubing aus hat Kraft gekostet. Dabei war unsere längste Etappe nur 400 Kilometer lang. Vor allem die drei Abschnitte durch Frankreich gingen in die Knochen. Unendlich viele Kreisel, Landstraßen voller Lkw-Schlangen, dazu die ungewohnte Verkehrsführung und die vielen Blitzer – das alles sind gute Argumente, auf dem Rückweg die Autobahn über Lyon zu nehmen – die 120 Euro sind eine gute Investition in unser Nervenkostüm.
Während ich am Stellplatz aufbaute, machte Icke einen Abstecher zum Strand, der nur 30 Meter entfernt ist. Kopfschüttelnd kam sie zurück. „Das musst Du sehen. Komm!“, sagte sie, nahm mich an die Hand und zog mich mit. Ich konnte kaum glauben, was ich da sah: Der Strand war weg! Das Meer hatte sich fünf Meter vom Land geholt. Und das seit November. Vor vier Monaten verbrachten wir drei Wochen auf diesem Campingplatz mit langen Spaziergängen direkt am Wasser. Mit den Füßen in den Wellen spielen, das ist jetzt vorbei. Du kommst nicht mehr ans Wasser, weil die Brandung mehr als einen Meter unterhalb der Abbruchkante des Strandes verläuft. Zu nah an die Kante sollte man sich nicht wagen, denn dann droht man mit einem Stück Land und Sand abzurutschen. Wie wird das in ein paar Monaten aussehen?
Ich werde mich in den nächsten Tagen ein wenig umhören. Wir waren abends mit Renate beim Essen in dem kleinen Restaurant, das zum Campingplatz gehört. Wir haben uns zu Dritt vier verschiedene Tappas geteilt. Mit fiel sofort der festlich gedeckte Tisch in der hinteren Ecke auf, der jeden Tag für die Familie Kopp, die Besitzer des Campingplatzes, reserviert ist. Herr Kopp ist Deutscher, und ich habe vor zwei Jahren mit ihm ein Interview geführt. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit und ich kann ihn fragen, was er dagegen unternimmt, dass ihm das Meer bald sein Land wegnimmt.
