Das Meer – ein Räuber!
TAG 6: Wir sind auf unserem Campingplatz Malvarrosa de Corinto angekommen. Kurz vor 14 Uhr waren wir da und haben den Platz bekommen, an dem wir vor fünf Jahren standen, als wir...


Veröffentlicht: 22.03.2025








TAG 7: Ich hatte recht: Das Meer bereitet den Menschen an der Costa de Valencia Kopfzerbrechen. Es nimmt ihnen Land. Meter für Meter. Monat für Monat. Als wir heute Nachmittag zu einem Spaziergang aufbrachen, trafen wir Wolfgang Kopp, den Besitzer des Campingplatzes Malvarrosa de Corinto. Er ist gebürtiger Kölner und kam vor über einem halben Jahrhundert hierher, traf seine große Liebe Pepa, blieb und baute diesen Campingplatz auf und drumherum ein kleines Imperium. Wir haben ihn bei unseren Besuchen in den vergangenen Jahren als freundlichen, aufgeschlossenen Menschen kennen gelernt, der sich für Fragen gerne Zeit nimmt.
Als wir ihm erzählten, dass wir vor fünf Monaten hier waren und erschrocken sind, als wir gestern sahen, dass der Strand um ein gutes Stück schmaler geworden ist. „Haben Sie nicht Angst, dass irgendwann der Campingplatz weg ist?“, fragte Icke geradeheraus. Herr Kopp runzelte die Stirn. Er überlegte. „Nein“, sagte er dann. „Es gibt Möglichkeiten das aufzuhalten.“ Das Problem dabei sei, dass der Strand Eigentum der Provinz wäre, nicht ihm gehöre. Es gäbe Gespräche, Vorschläge, auch Anträge – aber nichts passiere.
Dabei seinen die erforderlichen Maßnahmen nicht einmal so teuer. „Wir könnten eine Mole bauen“, erklärt der Diplomierte Kaufmann. Diese verhindere, dass der Nordwind den Sand ins Meer trage. „Mehr noch“, sagt Herr Kopp, „die Uferstreifen würden sogar wieder breiter. Man gewinnt Land.“ Eine andere Möglichkeit wäre es, eine Anzahl von drei, vier Meter breiten Betonblöcken, die eine bestimmte Form haben, an der Küste zu versenken. Das hätte den gleichen Effekt. Doch: Niemand packt es an. Es verschwindet an der ganzen Küste immer mehr Land. „Sie müssen aber um uns keine Angst haben“, sagte er zu Icke bei unserer Verabschiedung. „Sie werden als unsere Gäste hier immer einen Platz finden – das Meer kriegt uns nicht.“
Starke Worte. Aber wer „El jefe“ kennt – den Chef, wie ihn hier alle nennen –, der weiß, dass das keine leeren Versprechungen sind.
