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Kalender:

Nachtrag: 19.11.2021
Mit Sandra de Kersauson de Pennendreff auf Skulpturenjagd in Papeete

21.11.2021
Tahiti – Moorea (auf der Fähre, mit Scootern)

21.11.2021 – 27.11.2021
Fare Tokoau Moorea, Moorea Westküste

23.11.2021
point Belvedere, route des ananas, plage Ta'ahiamanu

24.11.2021
Plage de Temae, Tiki village

25./26.11.2021
Booster Impfungen Pfizer, PCR Tests

26.11.2021
abends: Tiki village, Folklorevorführung mit Abendessen

27.11.2021
Rückfahrt nach Papeete, Rückgabe der Scooter, Flughafen, 23:40 Abflug nach Los Angeles - Charlotte - Aruba


Erwähnenswertes:

Ursprünglich hatten wir ja in Polynesien den Besuch noch weiterer Inseln geplant. Diese sind aber meistens sehr klein und hier finden sich vorab 5 Star High End Luxus Hotels. Aufgrund der gelesenen Kritiken fallen hier neben den bereits gesalzenen Übernachtungs- sehr hohe weitere Kosten an. So soll ein Teller mit verkochten Spaghetti bis zu 60 Dollar kosten oder für die Kleiderwäsche einzelner Hemden wird 180 Dollar verrechnet. Das ist definitiv nichts für unser Budget. Die Alternative hätte darin bestanden, in einem immer noch überteuerten Bungalow ausserhalb dieser Luxusbunker zu logieren und sich aufzuregen, dass die schönsten Strände den Hotelgästen vorbehalten bleiben. Auch nichts für uns. Dazu kam, dass wir uns in der Villa Te Miti einfach zu wohl fühlten. Der Admiral hat wirklich Geschmack!

Vorab noch ein Nachtrag zu Tahiti: Am 18.11.2021 (zum Glück um die Mittagszeit) rebellierte die Alarmanlage der Villa, das Ding löste zwar keinen Alarm aus, piepste aber in unserem Schlafzimmer unablässig lästig vor sich hin. Die von uns herbeigerufene Melanie konnte auch nicht weiterhelfen. Sie rief daher die seit zwei Tagen wieder in Tahiti anwesende Villeneignerin Sandra de Kersauson de Pennendreff an (und bat um eine Audienz). Die Adelsfrau erschien kurz darauf persönlich in der Villa (hab mich davor noch in aller Schnelle rasiert), sie konnte das Piepsen rasch abstellen (ich glaube, sie hat einfach den Stecker dieses Bewegungsmelders gezogen…..). Wir kamen miteinander ins Gespräch, sie fand es durchaus interessant, jemandem mit einem typischen alten innerschweizer-Geschlecht wie meinem kennenzulernen, die Freiheitstrychler haben wir aber nicht erwähnt. Jedenfalls ging die Empathie so weit, dass sich Sandra de Kersauson de Pennendreff (für uns ab heute: Sandra!) spontan bereit erklärte, uns bei unserer Skulpturenjagd zu helfen, nachdem wir ihr unsere bisherigen Misserfolge offenbart hatten. Sie kenne da ein paar Orte in Papeete, die solche Sachen anbieten. Und so verabredeten wir uns spontan für den Folgetag vor der Notre Dame Kathedrale in Papeete (Wow, ein Date mit dem französischem Hochadel…).

In der Innenstadt war es dann zur Mittagszeit fürchterlich heiss und Sandra führte uns von einem versteckten Atelier zum nächsten. Jedenfalls wurden wir dank Sandra wahrhaftig fündig: Künftig wird also zusätzlich ein polynesischer Tiki unsere Bleibe in Bern bewachen, aber gute Reise erstmal! Wir haben ihn (zu Ehren von unserem Oberchef) auf den Namen Mario getauft und werden gleich nach unserer Rückkehr in die Schweiz den Antrag auf erleichterte Einbürgerung honoris causa stellen, ausser die Linken erheben hier begründete Einwände.

Tiki

„Dem Träger des Tiki wird ein klarer Gedanken, tiefgehende Loyalität sowie das grosse in sich tragende Wissen (Lehrer aller Dinge) nachgesagt.“

Ein wirklich ganz grosses Danke an Sandra: Aufgrund ihrer Präsenz wurden wir nicht übers Ohr gehauen und konnten einen fairen Preis verhandeln! Sandra erzählte uns dann noch, dass ihr Mann (der Admiral) leider eine Woche länger in Frankreich habe bleiben müssen: Auf dem Château in der Bretagne stehen offenbar noch Arbeiten an, lästig aber auch, immer diese Probleme…

Nun aber zu Moorea (tahitianisch: „gelbe Echse“): Das kleine Atoll ist die Schwesterinsel Tahitis, eine Fahrt mit der Schnellfähre dauert rund 40 Minuten und kostet moderate 40 Euro (2 Personen, 2 Scooter). In Moorea geht es definitiv ruhiger zu und her als in Tahiti. Allerdings stellte dieser „Umzug“ eine gewisse logistische Herausforderung dar. Unsere Scooter sind nicht koffertauglich, daher haben wir in Tahiti nach einer Möglichkeit gesucht, diese zu lagern, um dann mit nur leichtem Gepäck nach Moorea zu gelangen. Die Gepäckaufbewahrung am Flughafen ist leider coronabedingt geschlossen, wir haben aber nach langem Suchen im Internet am Fährhafen eine Möglichkeit gefunden und dort direkt gebucht.

Wir liessen dann unsere Koffer am Tag der Überfahrt nach Moorea mit einem Taxi zur im Internet gebuchten Gepäckaufbewahrung bringen. Die „Gepäckaufbewahrung“ entpuppte sich als ziemlich dubiose Hafenkneipe in Papeete, im ersten Stock gibt’s als Zugabe einen einschlägigen Nachtclub...

Die Fähre nach Moorea fuhr pünktlich ab und so kamen wir genau zur vereinbarten Zeit in unserer neuen Lodge Fare Tokoau an. Tea und Alex, die Eigentümer, begrüssten uns herzlichst. Die Lodge ist ein sehr familiär geführter Betrieb, selbst Katzen, Hunde und Hühner gehören hier zum Inventar, wie auf dem Bauernhof…. Bereits am ersten Tag verirrte sich ein Poulet in unser Bungalow, das nächste Mal landet es im Backofen… wir haben ja schliesslich nicht die Spitze der Nahrungskette erklommen, um vegetarisch zu essen…

Gepäck haben wir ja jetzt nur noch sehr wenig dabei, Sylvia holte bei unserer Ankunft den spärlichen Rest, der noch unter meinem Scootersattel verstaut war. Der Sattel lässt sich nur mit eingeschaltetem Zündschloss öffnen. Nachdem wir uns im Bungalow fertig eingerichtet hatten, fanden wir meinen Scooterschlüssel nicht mehr. Sylvia hatte tatsächlich vergessen, diesen abzuziehen und so stand der Scooter während rund 40 Minuten mit leuchtenden Lichtern vor sich hin. Nach 40 Minuten leuchtete allerdings nichts mehr und auch der Starter gab lediglich ein noch müdes und kurzes Ticken von sich.

Natürlich hat mein Scootermodell keinen Kickstarter, also blieb nur das Überbrücken. Glücklicherweise fand sich die Batterie einigermassen zugänglich unter dem Sattel. Alex hatte sogar Überbrückungskabel, die sich allerdings nur schwer an den kleinen Anschüssen der Batterie festmachen liessen. Ich war bereits nahe dran, unseren lieben Freund Sämu, den besten Töffmech in Bern und Umgebung und überhaupt, per Videokonferenz beizuziehen. Schliesslich schafften es Alex und ich unter den kritischen Blicken von Tea und Sylvia auch ohne Hilfe von Sämu. Allerdings löste sich beim Überbrücken irgendwo ein dünner roter Draht, wofür der wohl gut ist? Das muss ich dann bei Gelegenheit mal Sämu fragen. Hauptsache, das Teil fährt wieder….

ominöses rotes Kabel
ominöses rotes Kabel

In Moorea haben wir nur auswärts gegessen. Gleich am ersten Abend besuchten wir auf Empfehlung von Tea ein auch bei Einheimischen sehr beliebtes Restaurant. Tolle Atmosphäre und fantastisches Essen, inklusive musikalischer Begleitung. Die Portionen waren allerdings so gross, dass wir nur rund die Hälfte der Teller schafften. Es war das erste Mal überhaupt, dass wir uns den Rest eines üppigen Mals einpacken liessen und mitnahmen. Es war auch am Folgetag noch vorzüglich.

Die Route des ananas und der point Belvedere liegen im Inneren Mooreas. Eine teilweise nicht asphaltierte Strasse windet sich an steilen Berghängen (magmatischem Ursprungs) durch den tropischen Dschungel und vorbei an leuchtenden Ananasfeldern. Uns überholte eine Gruppe von übermütigen Quad-Fahrern. 30 Minuten später holten wir die Gruppe (mittlerweile auf der Hauptstrasse) wieder ein. Einer der Quads war von der Strasse abgekommen und frontal in eine Mauer gerast. Polizei, Feuerwehr und mehrere Krankenwagen waren bereits vor Ort, es bot sich ein schreckliches Szenario. Hoffentlich überleben die Verunfallten.

Ta'ahiamanu und Temae plage sind die beiden schönsten öffentlich noch zugänglichen Strände Mooreas. Offenbar soll Temae plage an private Investoren verkauft worden sein, um eine weitere 5 Star high End Luxus Anlage zu erstellen. Dagegen wird nun seitens der Bevölkerung heftigst opponiert, unseres Erachtens nicht unbegründet; der Strand sollte in seiner natürlichen Schönheit für alle erhalten bleiben.

Die letzten beiden Tage in Moorea waren insbesondere geprägt von den Reisevorbereitungen für Aruba (PCR Tests, Upload Unterlagen usw.). Auch konnten wir uns die Booster Impfung mit Pfizer machen lassen, da unsere letzte Impfung nun bereits über 6 Monate zurückliegt. Da sind wir ja jetzt nun hoffentlich für den Rest der Reise ausreichend geschützt.


abschliessendes Fazit zu Tahiti: Es stimmt etwas nicht im Paradies

Die Villen der Insel liegen wie an der Côte d’Azur hinter fest verschlossenen hohen Toren und Mauern. An der Küstenstrasse rund um die Insel verenden zerfallende Hotelanlagen wie wild wuchernde Metastasen. Frankreichs dominierender Bürokratismus schlägt sich nieder in einer Flut von Regulierungen, die es mit den Brandungswellen der Insel aufnehmen können. Dazu wird ein überbordendes Beamtenheer benötigt: Morgens macht sich dieses auf den Weg in die Hauptstadt, um in gekühlten Grossraumbüros neue Restriktionen auszuhecken, um dann am Abend wieder nach Hause Richtung Süden im Stau zu stehen. Selbst die polynesischen flics tragen die gleichen Uniformen wie die Gendarmen von Saint Tropez. Die übrige Bevölkerung scheint zu warten…. Auf Godot?

Strassen-Graffiti

Wir waren hier Reisende und genossen unseren Aufenthalt als privilegierte Villenbesitzer. Es bleibt aber der schale Nachgeschmack, dass die Polynesier insgesamt Besseres verdient hätten.

Die Natur bietet täglich Unvergessliches. Kein Wunder, suchten Maler wie Gauguin hier ihre Inspiration.


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