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Wir sitzen am 16. März am Flughafen in Panama und sind froh, es soweit geschafft zu haben. Überall sind Desinfektionsmittel aufgehängt und in Panama hätten wir zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr einreisen dürfen. Wir suchen auf airbnb für die nächsten 9 Nächte eine Unterkunft für Santa Teresa und erhoffen uns ein Ankommen, nach der ganzen Aufregung. Santa Teresa soll ein Ort sein, der eher touristisch aber doch abgelegen ist und einer der schönsten Orte in Costa Rica sein soll. Wir entschieden uns auch für Costa Rica, weil es das beste Gesundheitssystem von Mittelamerika hat.

Wir fliegen von Panama weiter nach San Jose und haben bei der Einreise mehr Fragen über unsere Weiterreise gestellt bekommen, als woher wir kommen. Es war bis daher tatsächlich nur China und Italien auf der verbotenen Liste. Noch nie waren wir so glücklich, über einen Stempel im Pass.

Wir fuhren mit einem Taxi zum Busbahnhof und erwischten noch den einzigen Bus, welcher an diesem Tag nach Santa Teresa fuhr. Somit fuhren wir in einem stickigen Bus vier Stunden über Land. Dann mussten wir für 90 Minuten auf eine Fähre und nach nochmals weiteren 90 Minuten über die Halbinsel kamen wir in Santa Teresa an. Auf der Fähre buchten wir uns noch ein Hostel für die erste Nacht. Am nächsten Tag konnten wir schon am Mittag ins airbnb einziehen. Da unser gemietetes Studio aber einen Wasserschaden hatte, wurden wir upgradet in die grössere Wohnung einen Stock oben dran mit eigenem Minipool. Endlich konnten wir den Reisestress ein bisschen loslassen und anfangen uns neu zu organisieren. Wir mieteten uns für drei Tage ein Quad und fuhren mit dem über die verstaubten Strassen der Halbinsel. Wir entdeckten dabei wunderschöne Strände, viele Tiere und viele Pflanzen. Eigentlich war das ja genau der Grund, warum wir uns für Costa Rica länger Zeit nehmen wollten.

Laufend haben wir dabei die Nachrichten in Costa Rica und in der Schweiz verfolgt. Der Aufruf vom EDA nach Hause zu kommen, liess uns schon immer wieder neu überlegen. Aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte Costa Rica noch weniger als 20 Fälle. Wir überlegten uns da zu bleiben, etwas Schönes zu mieten, den Virus da auszusitzen. Wir schauten uns immer wieder Flugverbindungen und die Nachrichten in Costa Rica an und da alles im grünen Bereich sich bewegte, entschieden wieder zu bleiben. Ein Auf und Ab, welches wir rückblickend durchleben mussten. Und auf einmal war der Virus auch in Costa Rica angekommen, viel schneller als gedacht. Innerhalb weniger Tage verschlechterte sich die Situation und es wurden Grenzen, Restaurants, Hotels und Strände geschlossen.

Am Donnerstag, den 18. März entschieden wir uns abends in den Armen liegend mit Tränen in den Armen unseren Traum vom Reisen aufzugeben und unsere Reise abzubrechen. Es wurde uns bewusst, dass wir unsere Reisepläne aufgrund Corona nicht mehr weiterführen können. So buchten wir Freitagmorgens einen Flug für am Sonntag mit Air Canada. Somit hatten wir noch zwei Tage zum Abschied nehmen von unserer Reiselust, unserem neuen Ich und den vielen Erinnerungen. So schwer wie diese Entscheidung war, so froh waren wir auch endlich eine Entscheidung getroffen zu haben.

Wir machten uns an diesem Freitag auf an den Strand und genossen jeden Augenblick nochmals und freuten uns nochmals einen Tag zu haben.

Als wir am Abend den Quad zurückgaben, merkten wir, dass wir kein Bargeld mehr hatten. Es war wohl ein Ruf des Schicksals, weil wir eigentlich direkt Essen gehen wollten. Somit gingen wir ins airbnb zurück. Carla öffnete schnell das Mail und ach du scheisse – unser Flug von Toronto nach Zürich wurde storniert. Da wir mittlerweile in dieser verrückten Welt ein unschlagbares Team wurden, schnappten wir uns den Computer und buchten einen neuen Flug. Einzige und letzte Option schon morgen zu fliegen… Ja, somit blieb uns nicht mehr ein Tag uns zu verabschieden, wir hatten genau noch einen Sonnenuntergang und dann war die Heimreise angesagt. So gingen wir noch auf einen letzten langen Schwumm ins Meer und versuchten unsere Gefühle in den Griff zu bekommen.

Somit ging es am nächsten Morgen mit dem Transfer um 6:30 Uhr an den Flughafen nach San Jose. Am Flughafen in San Jose mussten wir zehn Stunden warten. Entsprechend gross war das Chaos da… Wir verbrachten die Zeit draussen auf dem Parkplatz und waren dann heilfroh, als wir endlich unsere Boardingpässe in der Hand hielten. Somit flogen wir Samstag abends nach Toronto. Der wenige Schlaf der letzten Nächte liess uns wenigstens ein wenig Schlafen. Am Morgen in Toronto gelandet, mussten wir gleich als erstes durch den ganzen Transitbereich. Dann mussten wir weitere zehn Stunden warten, bis unser Flug nach Zürich ging. Da wir das Terminal nicht wechseln durften, war unser Auslauf beschränkt und die Essensauswahl war entweder Burger (take-away) oder Burger mit Pommes (take-away). Immer mehr kamen wir ins Gespräch mit Schweizern, welche das gleiche durchmachten wie wir. Das beruhigte einem irgendwie. Wir waren dann unglaublich dankbar, als wir das Flugzeug sahen, welches uns nach Hause bringen würde. Somit konnten wir sicher sein, dass unser Flug geht und nicht storniert wird, wie unzählige andere auf dieser Heimreise.

Am Sonntagabend stiegen wir ins Flugzeug und landeten am Montag, den 23. März um 6:00 Uhr mit Tränen in den Augen in Zürich. Wie oft man sich einen solchen Moment vom Heimkommen nach einem Jahr ausmalt, müssen wir hier glaub nicht erklären. Auf jeden Fall nicht so! Wir durften nur in Gruppen von 25 Personen das Flugzeug verlassen und draussen holte uns Basil mit dem Auto ab, welcher uns nach Reigoldswil brachte.

Ja, da sind wir nun seit bald drei Wochen.

Wir sind dankbar, dass wir hier einen Ort zum Bleiben gefunden haben.

Wir sind froh, dass wir gesund zurückgekommen sind und die Entscheidung getroffen haben.

Aber der Schmerz, uns von unseren Träumen zu verabschieden und der Abbruch von unserer Reise nach 256 Tagen, sitzt noch so tief, dass wir manchmal nicht darüber sprechen können und einfach nur Tränen fliessen, ebenso beim Schreiben dieser Zeilen. Wir wünschen uns, dass wir bald den Sprung schaffen und über unsere Reiseerlebnisse erzählen und lachen können.

Wir hoffen irgendwann in naher Zukunft den Boden in der Schweiz wieder zu finden, heim in unsere Wohnung können und am allermeisten hoffen wir, bald all unsere Familie und Freunde fest zu umarmen, sowie es wir gemacht hätten am 11. Juli 2020 nach 366 Tagen um die Welt… Aber eines ist sicher, wir werden nie aufhören, an unsere Träume zu glauben!

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