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Argentinien - Im "Europa" von Südamerika

Argentinien - Im "Europa" von SüdamerikaBuenos AiresArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaViviane und PaulaZug nach RosarioRosarioArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaClaudia und ClaudioArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaCordobaArgentinien - Im "Europa" von SüdamerikaArgentinien - Im "Europa" von Südamerika

Die ersten Tage in Buenos Aires sind heiß. Um Busfahren zu können braucht man eine Karte, die mit Geld aufgeladen werden muss. Weil wir das am Flughafen noch nicht wussten, helfen uns netterweise zwei Schweizer aus und bezahlen für uns mit. Eine Busfahrt kostet zum Glück nur ca. 25 ct. Verschwitzt kommen wir am Nachmittag in unserer Airbnb-Unterkunft an, fallen nach dem wir eine Kleinigkeit gegessen haben ohnmächtig ins Bett und schlafen erst mal 12h. 

In Südamerika ist das Angebot an Airbnb Wohnungen relativ groß und günstig, wir wohnen bei Viviane und ihrer Tochter Paula, die nur ein wenig älter ist als wir. Der lange Gang führt von der Haustüre zu einem hellen überdachten Innenhof von dem aus mehrere Türen in die Zimmer führen. Wir fühlen uns wohl, obwohl Viviane kein kein Englisch spricht, denn wir können uns über eine Übersetzungsapp gut unterhalten. Am zweiten Abend kochen wir für sie, zugegebenermaßen nicht unser bestes Essen. Sie revanchiert sich am Abend darauf und die beiden machen für uns Pizza. Wir erfahren, dass die Einwohner von Buenos Aires in ländlichen Gegenden eher als hochnäsig gelten und sie sich mehr oder weniger als Europäer sehen. Sehr viele haben nahe europäische Vorfahren, wir kommen auch mit einigen Leuten ins Gespräch mit deutschen Wurzeln, die Sprache ist aber meistens verloren gegangen. Die Stadt erkunden wir gemächlich: Die Straßen sind groß, lang und gerade und die Häuser schauen von weit oben herunter. Der Verkehr ist für eine Großstadt sehr gemächlich, wenngleich auch die Hauptstraßen nicht weniger voll sind. Trotzdem finden wir zu unserer Verwunderung auch lange Seitenstraßen auf denen fast nichts los ist. Neben der Stadterkundung planen wir unsere weitere Reise: Patagonien und Feuerland in Argentiniens Süden reizen uns zum Wandern sehr, jedoch ist gerade Hochsessaion, d.h. man sollte lange im Voraus reservieren und die Preise sind uns zu hoch. Deswegen entscheiden wir uns gegen den Süden zu Gunsten für den Norden von Argentinien, der auch besser in unsere Reiseroute passt mit dem Ziel: Kolumbien, dort wo die Sternfrucht, wie wir gehört haben, besonders lecker schmecken soll. Jakob kann sich erinnern die Frucht in Deutschland probiert zu haben, das ist aber vom Geschmack her nicht zu vergleichen - oder hatte er einfach Pech? 

Von Landkarten weiß man natürlich wie groß Argentinien ist, doch die Entfernung bekommt man vor Ort erst so richtig vor Augen geführt. Weil alles soweit weg ist, muss man natürlich auch für die Transportmittel entsprechend zahlen. Der Zug stellt sich als deutlich günstigere Variante heraus im Vergleich zu den Bussen. Doch die Einheimischen raten uns stark von diesem ab. Jakob protestiert und wir fahren trotzdem. Gemächlich tuckert dieser vor sich hin - für ein Viertel des Bus-Preises. Wir können nicht verstehen warum uns abgeraten wurde und so fahren wir mit dem Zug von Buenos Aires weiter nach Rosario, der Geburtsstadt von Che Guevarra und Lionel Messi, wo wir bei einem älteren argentinischen Ehepaar Claudia und Claudio unterkommen. Wir probieren bei ihnen zum ersten mal Mate Tee, der etwas ungewohnt schmeckt, aber gar nicht schlecht und einen kurzen aber starken Koffein-Kick gibt. Mate ist eigentlich der Name der Schale in der der Tee sitzt und in welche das heiße Wasser gegossen wird. Danach wird dieser mit einem metallenen Strohalm getrunken. Das Getränk gehört fest zum argentinischen Lifestyle: Jeder besitzt eine Mate (Tasse in Bauchform) und eine Thermoskanne mit heißem Wasser oder lässt sich das Wasser an allen möglichen öffentlichen Stellen aufgießen. Oft werden die Tassen herumgegeben und jeder darf aus dem Metallstrohhalm schlürfen. 

Rosario gefällt uns sehr gut und wir fühlen uns wegen der geringeren Größe wohler als in Beunos Aires - Vielleicht auch weil der Jetleg überwunden ist. Außerdem gefällt uns der Häuser-Stil aus dem 20. Jahrhundert: Rosario ist eine vergleichsweise neue Stadt und wurde aufgrund der wirtschaftlich vorteilhaften Lage aus dem Boden gestampft: Die Stadt liegt nicht am Meer, dafür aber am Rio Parana, einem (für uns) gewaltigen Fluss der hier noch tief genug ist für die großen Container-Schiffe. Seither ist die Stadt stark gewachsen. Wir besuchen ein Kunstmusseum, das in ein altes Kornsilo hineingebaut wurde, bummeln durch die Innenstadt und gehen an den Strand vom Rio Parana, der an der Stadt vorbeifließt. Dort hat es richtigen Sandstrand, der Fluss ist sehr breit und braun, doch man kann schwimmen: man muss sich nur eine peinliche orangefarbene Boje umbinden, um von den Strandwächtern, die es hier en masse alle 100m gibt, gesehen zu werden. Es herrscht eine sehr entspannte und freizügige Stimmung und wieder wird überall Mate Tee getrunken und die Frauen tragen Tangas, so dass die Ärsche in der Sonne blitzen. Trotz Halbschatten und Sonnencreme 50 bekommen wir beide einen heftigen Sonnenbrand, der uns die nächsten Tage verfolgt. Wir kochen abends für Claudia und Claudio Reisauflauf mit Spinat überbacken mit Käse: Das Rezept hat Jakobs Vater früher für uns Kinder gemacht, statt Bratwurst mischt Jakob Roquefort unter den Reis und Claudio hilft beim Schnippeln, wobei wir uns gut unterhalten. Wir erfahren, dass Claudio und Claudia eigentlich gar nicht mehr ein Paar sind, sondern aus gesundheitlichen Gründen wieder zusammen wohnen, auch haben sie zwei 2 Kinder miteinander. Diesmal schmeckt das Essen besser und alle sind zufrieden. Wir hören Musik zusammen und Jakob kann nicht anders als ihnen das Lied "Claudia hat nen Schäferhund" vorzuspielen. Sie erzählen uns auch viel über das Leben in Argentinien und deren Politik: die Schere zwischen Arm und Reich ist sehr groß. In Buenos Aires leben viele Familien unter den Highways, momentan ist der Peso stark gefallen und die Löhne deswegen sehr niedrig und der konservative Präsident Mauricio Macri ist in Claudios Augen schlimmer als Trump. Die Politik sei wie ein Pendel: die eine Regierung setzt ihre Ziele durch, vier Jahre später kommen andere Politiker an die Macht, beenden was die vorherigen durchgesetzt haben und verfolgen ihre eigenen Ziele. Somit ist es ein ständiges Hin und Her und die Wirtschaft kommt nur schwer voran. Wir erfahren auch den traurigen Grund warum Argentinien hauptsächlich weiß ist: im Tripel-Allianz-Krieg von 1864 bis 1870 kämpften Argentinien, Uruguay und Brasilien gegen Paraguay, das über Brasilien Zugang zum Meer bekommen wollte. Anscheinend schickte Argentinien hauptsächlich dunkelhäutige Menschen mit afrikanischer Herkunft an die Front, wo alle ums Leben kamen. Der Krieg endete mit einer Niederlage Paraguays. 

Nachdem wir an unserem letzten Tag viel unterwegs sind trennen sich die Wege von Miriam und mir für voraussichtliche 12h - denn ich habe das letzte Zugticket bekommen für die Fahrt von Rosario nach Cordoba. Miriam fährt mit dem teureren, aber bequemeren und schnelleren Bus, in den sie um 2 Uhr nachts einsteigt und ich verlasse den Busbahnhof - nach langen Überredungstiraden von Miriam und nachdem ich mehrere Leute gefragt habe ob man nicht doch laufen könnte - mit dem Taxi zum Zugbahnhof. Anscheinend kommt es in dieser Gegend oft zu bewaffneten Raubüberfällen. Nach kurzer Diskussion mit dem Fahrer über den Preis, komme ich mit einem Kompromiss davon und laufe in die Halle wo alle warten. Ich beuge mich über meinen Rucksack und nicke ein. Um halb 4 wache ich auf und der Zug sollte eigentlich da sein, stattdessen kündigt der Schaffner an es gäbe eine Verspätung von 2h. Als die Zeit verstrichen ist verlängert sich die Wartezeit um weitere 2h. Und dann um weitere 2h. Jetzt weiß ich warum der Zug so einen schlechten Ruf hat. Zum Glück habe ich Zeit und ich treffe ein Pärchen mit dem ich Mate Tee trinken kann. Um 10 Uhr morgens fährt der Zug schließlich los und ich bin um 22:00 endlich wieder bei Miriam in unserer Wohnung, die wir diesmal für uns alleine haben. 

In Cordoba regnet und gewittert es. Einmal kracht es so laut, als wir in einem Cafe sitzen, dass wir zusammenzucken. Auf den Straßen bilden sich Wasserströme, so dass es schwierig ist trockene Füße zu behalten... to be continued.


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