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Weiter nach Chile - Mote, Schlammlawinen, Vulkane … und eine besondere Begegnung

Glücklicherweise finden wir mal wieder sehr freundliche Argentinier, die uns vom Nationalpark Los Alerces zurück nach Esquel nehmen und uns direkt vor unserem Hostel absetzen. Ach, Trampen ist einfach eine tolle Art zu reisen! So haben wir noch einen ganzen Tag zum Ausruhen und werden auch noch Zeuge eines besonderen Ereignisses. Heute findet das Finale der Copa Libertadores - des Pendants zur Champions League - statt. Es spielen zwei Mannschaften aus Buenos Aires um den Titel - Boca Juniors vs. River Plate. Anders als erwartet findet das Spiel allerdings nicht in Buenos Aires statt, sondern musste aufgrund von Randalen abgesagt und ins über 10.000km entfernte Madrid verlegt werden! Dass die Menschen hier im absoluten Fußballfieber sind merken wir, als das Spiel zu Ende ist (nein, wir haben es nicht geschaut ;) ) Ein Hupkonzert und Autokorsos vom feinsten, gefühlt alle Fans der Gewinner-Mannschaft River Plate versammeln sich auf den Straßen, laufen singend durch die Stadt, zünden bengalische Feuer, trommeln und schießen mit Schreckschusspistolen direkt neben den Polizisten. Sie scheinen sich wirklich zu freuen, es ist fast ein bisschen ansteckend! Das erstaunliche ist, dass selbst 2-3 Stunden nach dem Spiel noch immer die Autos mit Fahnen aus den Fenstern herumfahren und hupen und es immer noch Umzüge von singenden Menschen gibt! So wird bei uns noch nicht mal gefeiert, wenn Deutschland Weltmeister wird! Und noch mal kurz zur Wiederholung: Wir befinden uns in Esquel, 1.860km entfernt von Buenos Aires. Und es hat ein Team aus BA gegen ein Team aus BA gewonnen! Man möchte sich gar nicht vorstellen wie es in größeren Städten - geschweige denn in BA selbst - abgeht!

Glücklich, dieses Spektakel hautnah mitbekommen zu haben, kochen wir uns noch eine feine Linsen-Erbsen-Gemüse Pfanne und unterhalten uns (etwas mühselig) mit einem französischen Mädchen, das für 8 Monate mit dem Rucksack durch Südamerika reist, ohne Spanisch zu sprechen und mit nur sehr grundlegenden Englischkenntnissen. Mutig! Doch Google-Translate sei Dank offensichtlich möglich.

Pünktlich um 8Uhr fährt am nächsten Tag der Bus nach Chile. Wobei, so ganz stimmt das nicht. Er fährt bis zur argentinischen Grenzstation zur Ausreise, wir laufen ein paar hundert Meter bis zur chilenischen Grenzstation zur Einreise, Taschen Kontrolle, Stempel abholen, und werden dann mit einem anderen Bus weiter nach Futaleufú befördert. Bezahlt werden natürlich beide Busse separat. Trotz Regen sind wir aber sofort von dem kleinen Örtchen Futaleufú begeistert. Es liegt wunderschön in den Bergen, wirkt gepflegt, die Menschen absolut freundlich und es gibt ein richtig schönes Café, das von einem überaus freundlichen älteren Herren betrieben wird. Man schätzt und vertraut sich hier auch gegenseitig, so bekommen wir erst auf Nachfrage einen Schlüssel für unsere kleine Cabaña, denn den braucht man hier nicht! Wir erfahren, dass der Ort einer der weltweit besten Rafting-Spots sei. Trotzdem schlagen wir die Angebote der vielen Rafting-Tour-Anbieter aus und schauen uns die Gegend zu Fuß an.

Wir besteigen ein paar kleine Miradörchen (Aussichtspunkte), geben die Wäsche in die Wäscherei, trinken seit langem mal wieder frisch gepressten Saft und lernen das Nationalgetränk "Mote con Huesillos" kennen. Es handelt sich dabei um zu "Mote" (eine bestimmter Zustand eines Getreides) gekochtem Weizen, der in einem Saft aus einer Art Zucker und eingelegtem Pfirsich serviert wird. Ausführliche Erklärung des Rezepts vom netten Café-Opa inklusive. Und lecker ist es auch noch! So lässt sich es hier auch bei April-Wetter aushalten. Wir haben viel Zeit zum Nachdenken, Reden und uns Gedanken über die Zukunft machen. Außerdem lesen wir viel im Blog unserer Freunde Bernd & Claudia, die seit knapp 2 Jahren mit ihrem alten Landrover die Welt bereisen. Durch Reise- und Hochzeitsstress sind wir nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand, was wir in diesen Tagen nachholen! (Falls ihr Interesse an ihrem Blog habt: www.bodensee-overlander.de). Aus einer geplanten Nacht im 3.000 Seelen Ort werden zwei und wir überlegen sogar noch länger zu bleiben. Doch uns erwartet sicher noch so viel anderes spannendes auf unserer Reise und wir beschließen weiter nach Chaitén zu reisen.

Der Weg dorthin führt uns auch durch das kleine Dorf Santa Lucía, das vor einem Jahr von einer gigantischen Schlammlawine, ausgelöst durch das Schmelzen eines Gletschers, zerstört wurde. Viele Menschen sind dabei ums Leben gekommen und die Häuser wurden zerstört. Es ist ein komisches Gefühl hier durchzufahren und die Verwüstung, sowie das gigantisch breite Flussbett zu sehen, wo die Lawine heruntergekommen sein muss. 

Kurz danach erreichen wir Chaitén, ebenfalls Opfer einer Naturkatastrophe. 2008 und 2009 erwachte der seit 9.000 Jahren schlafende Vulkan "Chaitén" zum Leben und schickte eine Flut aus Schlamm und Asche über den damals 5000 Einwohner zählenden Ort, in dem der Tourismus gerade wuchs. Glücklicherweise wehte der Wind zum Zeitpunkt des Ausbruchs in argentinische Richtung, so dass die Aschewolke das Dorf nicht gleich erreichte und alle Menschen rechtzeitig evakuiert werden konnten. Trotzdem wurde viel zerstört und es lag eine dicke Asche schickt über den Häusern. Zwei Jahre lang wurde auch nichts aufgeräumt, denn der Staat wollte den Ort nicht wieder aufbauen. Doch die Menschen sind trotzdem geblieben und so wurde mit den Aufräumarbeiten begonnen. Heute sieht man tatsächlich nicht mehr viel von der Verwüstung und der Tourismus kehrt nach und nach zurück. Besonders begehrt sind natürlich Touren zum Vulkankrater - das wollen wir uns auch nicht entgehen lassen. Doch erst mal wollen wir mit der Fähre weiter nach Puerto Montt, um uns dort ein Auto zu mieten und die Isla Chiloé zu erkunden. Danach kommen wir aber nochmal zurück und schauen uns den Krater, sowie den angrenzenden Nationalpark Pumalín genauer an und werden auch noch etwas mehr Fotos von Chaitén machen. Dieses Mal bleiben wir nur eine Nacht und sind hauptsächlich mit der Planung der Weiterreise beschäftigt. Als wir dazu die Touristen Information des Ortes besuchen lernen wir allerdings Dante kennen - ein überaus sympathischer, sehr gut deutsch sprechender Chilene, der uns Auskunft über den Park gibt. Wir unterhalten uns allerdings noch über diversen anderen Themen, so ist er auch sehr musikalisch und interessiert sich für die Mapuche. Nach knapp zwei Stunden in der Touri-Info verabreden wir uns noch für den selben Abend zum Lagerfeuer und musizieren. Wir besorgen das Bier, er das Feuer, perfekt! Wir laufen durch das Achebett etwas in die Natur, finden ein ruhiges Plätzchen und machen (trotz sehr feuchtem Holz) ein gar nicht so übles Feuer. Wir sprechen viel über unsere Ansichten des Lebens und er und Jan musizieren gemeinsam. Gitarre und andine Bambusflöte klingen zusammen auch wirklich schön. Da wir am nächsten Morgen die Fähre nach Puerto Montt nehmen, brechen wir um knapp 1Uhr dann doch auf und verabreden uns schon für einen weiteren gemeinsamen Abend, wenn wir zurück in Chaitén sind. Danke Dante, für diesen tollen Abend und bis bald!

Chile

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