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Ushuaia - Nationalpark, Schatzsuche und 48 Stunden Gefängnisaufenthalt

Jetzt ist es soweit. Wir sind an unserem letzten Ort angekommen, den wir auf dieser Reise erkunden werden. Danach geht es nur noch über Punta Arenas, Santiago und Sao Paulo zurück nach Deutschland. Hier gönnen wir uns noch mal 5 Nächte in einer sehr schönen Hütte im Wald. Auch wenn wir zur Internet-Benutzung einige Schritte zu einem bestimmten Baum laufen müssen, an dem der Router hängt. Aber gut, man kann ja auch nicht alles haben.

Am ersten Tag organisieren wir uns Fahrräder für den nächsten Tag, denn es ist Bombenwetter vorhergesagt und wir wollen in den Nationalpark Tierra del Fuego um ein bisschen zu wandern. Der Park liegt ca. 12km außerhalb der Stadt und da uns zu zweit knapp 40€ für den Bus dorthin und zurück leicht überteuert erscheinen (und darin sind der Parkeintritt von 15€ pro Person noch nicht enthalten!), entscheiden wir uns für die sportlichere (und zugleich sogar günstigere) Variante. Wir dürfen die Räder sogar am Vorabend schon mitnehmen und strampeln mühselig hoch zu unserer Hütte. Denn die liegt ca. 3km außerhalb, relativ weit oben. Aber dafür können wir morgen gleich in der Früh runterrollen und sind somit noch lange vor dem ersten Bus im Park. Ja. So die Theorie.

Doch als wir uns am nächsten Morgen um 7Uhr aus dem Bett quälen zeigt sich mal wieder, dass Theorie und Praxis nicht immer Hand in Hand gehen. Denn: Lisa's Rad hat einen Platten!! Etwas genervt, dass immer irgendetwas sein muss, macht sich Jan ans Aufpumpen. Wir haben sogar einen Ersatzschlauch mitbekommen, aber das Problem ist die Pumpe. Wir kriegen den blöden blöden Reifen einfach nicht mit Luft befüllt! Das Ventil passt nicht und die ganze Luft geht vorbei. Das heißt wir müssen das Rad 3km bergab schieben, zum Fahrradgeschäft (das erst um 10Uhr öffnet!) und können danach erst losfahren. Wir versuchen uns nicht allzu sehr aufzuregen (schließlich ist es ja wirklich schön hier), doch es gelingt nicht ganz. Zumindest haben wir Glück und finden auf halber Strecke eine Autowerkstatt, die uns den Reifen in nur 5 Sek aufpumpt. So können wir zumindest den Rest runterrollen. Der Laden öffnet auch pünktlich und in nur 10Min ist der Schlauch gewechselt. Na immerhin! Wir radeln in den Park, machen eine kleine Wanderung (für die große ist es jetzt zu spät) und legen uns noch eine Weile direkt ans klare Wasser des Beagle-Kanals. Die Wettervorhersage hat nicht zu viel versprochen, es hat über 25 Grad und die Sonne strahlt. Die Aufregung vom Morgen verfliegt und wir genießen die Aussicht und die teilweise Ruhe (wenn nicht gerade laut plappernde Touris vorbei schlappen). Es gefällt uns gut, aber um ehrlich zu sein fanden wir Puerto Williams schöner. Wesentlich untouristischer, ruhiger, und freundlicher. Hier ein bisschen abseits der Stadt ist es zwar auch sehr idyllisch, aber mit knapp 60.000 Einwohner ist hier einfach einiges mehr los. Außerdem gibt es einen größeren Flughafen und täglich legen diverse Kreuzfahrtschiffe an und tausende Menschen überschwemmen die Stadt. Das macht sich wie immer auch in den Preisen und der Dichte an Touri-Läden bemerkbar. Nach einer langen Pause am Wasser radeln wir zurück in die Stadt und genießen noch mal die (vermutlich) letzte Wärme, bis der Sommer auch Deutschland erreicht. Die nächsten zwei Tage werden tatsächlich grau und um 10-15 Grad kälter. Doch wir wollen uns ohnehin das Museum im alten Gefängnis anschauen, in dem es neben dessen Geschichte auch Ausstellungen zur Seefahrt, Antarktis sowie Kunstgalerien zu bestaunen gibt. Das Ticket gilt 48h, so dass wir uns den Besuch auf zwei Tage aufteilen. Doch bevor wir das Museum besuchen, begeben wir uns erst noch auf Schatzsuche. Wir erfahren von einem Freund, dass von einer ukrainischen TV-Sendung gerade 100 US Dollar in einer Flasche in Ushuaia versteckt sind! Diese Show versteckt an den verschiedensten Orten der Welt regelmäßig $100 und strahl ein kurzes Video aus, dass auf den genauen Standort hinweist. Dieses Video von Ushuaia erhalten wir und erkennen die Stelle tatsächlich! Wir machen uns auf die Socken und suchen in jedem Busch, doch finden nur leere, alte Glasflaschen vor. Da war wohl jemand schneller als wir! Trotzdem hat die Suche großen Spaß gemacht :)

Am Abend trauen wir uns zum ersten Mal an den Gas-Backofen und erweitern unsere Standard Abendessen um ein neues Geschmacks-Highlight: Selbst gemachte Süßkartoffel Pommes mit Chimmi-Churri- Grillgemüse! Wir sind begeistert von der Re-Aktivierung vieler unserer Geschmacksnerven, die in der letzten Zeit im Winterschlaf waren, denn allzu vielfältig lässt sich hier meist nicht einkaufen und kochen. Es schmeckt uns so gut, dass wir am nächsten Abend noch mal genau das selbe kochen :) Am letzten Tag geht es noch eine schöne kurze Wanderung in Richtung Gletscher durch den Wald und am Abend das letzte Mal in ein argentinisches Restaurant. Jetzt sind selbst die letzten 5 Tage in Ushuaia vorbei! Uns wird immer bewusster, dass unsere Flittermonate nun wirklich so gut wie vorbei sind. Das löst sehr gemischte Gefühle aus. Zum einen gibt es wirklich sehr viele Dinge auf die wir uns zu Hause freuen! Und - so blöd es klingt - mit Patagonien sind wir jetzt auch einfach durch. Seit dem 21.November sind wir nun hier (mit kurzer Unterbrechung in BAires) und haben gefühlt alles gesehen. Auch wenn das nicht ganz stimmt, aber den Großteil dieses wunderschönen Fleckchens Erde haben wir mit viel Zeit bereist. Was auch absolut richtig war und wir haben Patagonien absolut genossen! Aber seit wir die Carretera Austral verlassen haben und die Hochsaison viele ruhige, idyllische Orte in vorübergehende Touristen Hochburgen verwandelt hat, haben wir uns auch oft über die anstrengende Organisation, unverhältnismäßig hohe Preise und fehlende Ruhe geärgert. Hätten wir noch mehr Zeit, würden wir vermutlich in Ländern wir Kolumbien, Panama, Ecuador oder Mexiko weitermachen. Aber darüber müssen wir uns ja ohnehin keine Gedanken machen, denn die Zeit ist so gut wie um. Und so schwanken wir zwischen Freude auf die vertraute Heimat, Familie & Freunde und der Angst, vor schnell aufkommendem Fernweh und der schwer vorstellbaren Rückkehr in die Arbeit und den damit verbundenen Alltag. Wir können uns kaum vorstellen wie es anderen geht, die 1 Jahr oder länger auf Reisen sind. In Villa O'Higgins haben wir sogar ein französisches Pärchen getroffen, die seit 6 Jahren auf Achse sind! So sehr wir aber auch das Reisen lieben, das können wir uns dann wiederum auch nicht vorstellen. Und so versuchen wir uns die vielen schönen Dinge zu Hause vor Augen zu halten und die wenigen letzten Tage noch zu genießen.

Am nächsten Tag geht es in 10h mit dem Bus zurück nach Punta Arenas, wo wir dann noch mal 2 Nächte haben, bevor der Flug-Marathon beginnt… Dazu aber mehr im nächsten, vermutlich letzten, Beitrag.

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