max-ein-hase-auf-weltreise
max-ein-hase-auf-weltreise
vakantio.de/max-ein-hase-auf-weltreise
Zuletzt in Leipzig

Zivilisationsmüdigkeit 1/2 (Fidschi)

Veröffentlicht: 04.12.2025

Tour
Sunset Hike
Wanderung
Sehenswert
Wabbling Stone
Wayasewa, Fidschi
Sehenswert
Wayasewa village church
Wayasewa, Fidschi
Tour
Schnorcheln vor Wayasewa
Wassersport
Leise, aber für die paar Reihen vor und hinter uns hörbar, fängt die Frau neben mir im Flugzeugsitz an zu singen. Es ist ein Gospel. Sie stimmt ein zweites Lied an. "Thank you.", ich schiele zu ihr rüber, als sie zu Ende gesungen hat. "Do you like it when I sing?", fragt sie. "Yes, it's quite soothing.", ihr Gesang hebt tatsächlich die Stimmung zwischen dem monotonen Lärm der Triebwerke.

Wati ist Methodistin und als Pastorin hat sie eine befreundete Gemeinde in Australien besucht. Aber jetzt ist sie froh, wieder nach Fidschi zurückkehren zu können. Um ihren Hals hängt eine dieser Ketten, wie man sie aus Filmen und Dokus zu Hawaii kennt. Ihre ist weihnachtsgrün und ein paar Schokoladenbonbons sind daran angehängt. Sie schlägt vor, einen anderen Gospel in Englisch zu singen, sodass ich den Text verstehen kann: "This is the day, this is the day that the lord has made, that the lord has made. We will rejoice and be glad indeed, and be glad indeed."

Die 65-Jährige wäre von einer Insel im Osten des Landes, erklärt sie mir. Sie zeigt mir ein Video, wie von einer kleinen Fähre aus ein Jeep auf ein Floß im Meer abgesetzt wird, um ihn dann auf den Strand ihrer Insel zu befördern. Es gäbe keine Straßen und Autos, wo sie lebt. Nur um bei einer Baustelle zu helfen, haben sie mühsam den Truck für die Zeit des Baus am Ufer abgeladen. Eine wunderbare Dorfgemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützte und wo es keine Schlösser vor den Türen gäbe, beschreibt sie mir, während sie mir eine Schokolade nach der nächsten anbietet.

Sie würde nie mit viel Geld, dafür aber immer mit ihrer Bibel reisen. Ihre Gaben unterwegs und überhaupt im Leben erhalte sie nur durch Gott allein, der ihre stetigen Gebete erhört. So habe sie eine nette junge Frau aus Fidschi vor dem Flug kennengelernt, die ihr jetzt das Essen während des Fluges bezahlt hat. Und so hat Gott auch mich neben sie gesetzt, damit wir uns jetzt durch den Plausch die Flugzeit vertreiben können. "See!", kommentiert sie nach der Ansage zur Landung mit Blick auf ihre Rolex, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ein wenig anderes Verständnis von Gott und der Welt haben wir schon. Aber das stelle ich nicht laut fest. Ich nicke stattdessen brav. Ihre Bestimmtheit und Freundlichkeit ist entwaffnend. Vielleicht unterstützt das die Wirkung ihrer Gebete, um die kleinen Wunder des Alltags zu erhalten. Meines habe ich auch ohne Gebet erhalten. Wati bringt mir Wörter auf Fiji bei: Bula - Hallo und Vinaka / Vinaka baka lebu - Danke / Vielen Dank.


"Bula!", nachdem die beiden Ukulele-Spieler hinter der Grenzkontrolle ihren Willkommens-Songgespielt haben , rufen sie uns Fluggästen das "Hallo" laut entgegen. Hätte es mir Wati nicht schon beigebracht, hätte ich es schnell intuitiv gelernt. Überall schallt es einem entgegen. Auf den Straßen des Ortes Nadi grüßt mich jeder entgegenkommende Passant, sodass ich bald meine Kopfhörer rausnehme. Fidschi ist kein Land, in dem man wie in Japan unbehelligt Podcast hörend durch die Gassen schlendern kann.

Ein Großvater mit seinen drei Enkelkindern sitzt vor einem Baum. "Bula.", ich grüße ihn. "Bula, have a good day." - "You too." - "God bless you!"

Mit meinem schnellem Gang nähere ich mich von hinten einem Mann, der sich unsicher umdreht. "Bula!", rufe ich. "Bula!" - "I'm just trying to catch the sunset.", erkläre ich im Vorbeigehen meine Eile. "Ah, better hurry then." Ich bin rechtzeitig am Strand, um der Sonne beim Untergehen zuzusehen. Familien sitzen auf Decken, Kinder baden im Wasser. "Bula bula." - "Bula", ich grüße und werde gegrüßt, während ich den warmen Sand entlanglaufe.


Zwischen zwei Inseln hält die Fähre an. Die eine wie aus dem Katalog: Klein, Strandliegen unter Palmen, ein paar Bungalows im Hintergrund. Die andere sieht nicht weniger idyllisch aus, ist größer und Häuserreihen hinter dem Strand bilden ein kleines Dorf. Darüber erhebt sich ein gewaltiger Felsen im grünen Jungel. Meine nächsten Tage verbringe ich auf der zweiten der beiden südlichsten Wayasewa-Inseln. Von der Fähre aus steige ich zusammen mit drei anderen in ein kleines Motorboot und setze mich auf die Holzplanken. Während das Boot abfährt, winken mir Kyle und Scarlett, ein britisches Pärchen, das ich auf der Überfahrt kennengelernt habe. Beide waren auf ihrem bisherigen Open End Sabbatical in Neuseeland und Australien. Zwei Niederländer werden am Strand nahe der Homestays im Dorf abgesetzt. Michael ist ursprünglich aus Manchester und jetzt in Norditalien Alpen-Führer. Er und ich werden als letztes am Strand beim Resort "Wayalailai" abgesetzt. Wir erhalten ein Empfangskomitee, drei Fidschis mit Gitarre singen aus vollem Hals unser Willkommenslied in ihrer Landessprache und rufen an Schluss laut "Bula!". "Bula!", rufen wir beim Aussteigen zurück und "Vinaka baka lebu!" Unsere Taschen werden und angenommen und wir werden zum Hauptgebäude begleitet. Tailo, eine ältere Dame mit gültigem Blick nimmt uns in Empfang und erklärt uns ein paar Dinge. Für obligatorischen Mahlzeiten gibt es mehr so eine ungefähre Uhrzeit: "When they hit the drums." Unsere Schuhe sollen wir mit rein nehmen. Neulich wurden die von einem Gast von Hunden zerfetzt. Ansonsten wären keine gefährlichen Tiere auf der Insel. "Only dogs are dangerous...", sie macht eine Pause und schaut uns über ihre Lesebrille hinweg in die Augen: "...cause they will eat your shoes."


Die Trommeln ertönen, es gibt Mittag. Wir treffen Marianna und Tonia aus Norwegen und den Franzosen Nicolas. In der Nebensaison haben sie nicht viele Gäste, erklärt uns Tailo. Glücklicherweise wurde ich daher von einem Bett im Schlafsaal auf ein eigenes Zimmer im langgestreckten Bungalow upgegraded. An einer Tafel stehen die wöchentlichen Aktivitäten, für die wir uns eintragen können. Michael geht fischen. Ich habe mich für den heutigen Sunset Hike angemeldet.


"You look fast. Are you fast?", so wie mich John, mein Guide für die Sonnenuntergangs-Wanderung nach meinem bevorzugten Tempo fragt, kann ich schlecht anders antworten als: "Sure, let's go fast." Und schnell ist der 19-Jährige. Der Trek bestehe aus fünf Leveln, bei jedem hält er kurz inne. Ohne ein bisschen außer Atem zu sein, schaut er mich herausfordernd an: "Should we take a break?" "Let's go!", sage ich, der Schweiß perlt mit von der Stirn wie zuletzt im tropisch heißen Hongkong beim Gipfelaufstieg. Ab Level 3 wird es kühler und weniger steil. Wir umkreisen den Felsen in Schneckenhausform. Auf dem Weg zeigt er mir den "Wabbling Stone", ein mehrere Tonnen schwerer runder Felsen, der einzeln auf einem weiteren Felsbrocken aufliegt. John weist mir an, ihn zu bewegen. Ich schiebe, aber wie zu erwarten, tut sich nichts. Er hält Zeigefinger und Damen in die Luft und legt sie an eine Kerbe, über der in Graffiti "Push" geschrieben steht. Er kann den Felsen tatsächlich um einige Millimeter zum Wackeln bringen.

Kurz vor dem Gipfel kommt uns Nicolas entgegen. Wie Adler umkreisen große Fledermäuse ihre Höhle nahe dem höchsten Felsen.

An einer Klippe springt John mit seinen Flipflops auf einmal steil hinunter bis knapp vor den Rand. Eine klare Angebergeste, die Wirkung zeigt. Ich fühle mich in der Rolle einer besorgten Mutter. Junge, was machst du?! Er steht dort wenige Zentimeter über der Kante, an der es mindestens hundert Meter direkt in den Abgrund geht. "Keep going?" "Yes, please!", ich versuche mir meine Anspannung nicht anmerken zu lassen. Sein Blick bedeutet mir, er macht das jeden Tag. Genau das ist meine Befürchtung.


Oben angekommen erklärt mir John kurz den Mythos seiner Ahnen. Ein weißer Felsen etwas weiter bergabwärts symbolisiere eine Frau, der schwarze größere, auf dem wir jetzt sitzen sei der Mann. Die Vorfahren der Inselbewohner wären Riesen, erzählt mir John. Die hätten die Felsen hingelegt bzw. ins Wasser geworfen, auch den Wabbling Stone und den, der dort drüben weiß im Meer hervorsticht. Er sagt dies alles mit tiefer Überzeugung. Mythos und Geschichte verschwimmen zu einer Erzählung. Früher, bevor der Glaube sie erleuchtet hätte, hätten sie Kriege geführt mit den anderen Inseln. Könige hätten Tribut gefordert und nicht selten wurde Kannibalismus betrieben. Damals hätten sie im Inneren der Insel gelebt, am Strand wären sie ein zu leichtes Ziel gewesen. Von oben haben wir einen 360 Grad Blick. Wir sehen die andere kleinere Insel mit dem Resort im Süden, die weiteren Wayasewa-Inseln im Norden und die Hauptinsel im Osten.So langsam müssten wir wieder runter und hinter den dichten Wolken ist der Sonnenuntergang sowieso nur zu erahnen. Bald nach Anbruch der Dunkelheit kämen die Hunde raus. Nicht die friedlichen im Dorf, die nur Schuhe essen, sondern die wilden. Die würden ihn kennen, seit er sieben Jahre ist und seine ersten Schritte ins Inselinnere gelaufen ist. Aber auf Touristen würden sie scharf reagieren.

Ein deutsches Paar, das kurz nach uns hinaufgestiefelt ist, und uns jetzt in der Dämmerung folgt, lässt sich Zeit und John macht Druck. Er schlägt mit einem Stock gegen eine leere Plastikflasche. Das würde die Hunde vertreiben. Die Flughunde hingegen sind harmlos. Eine Fledermaus hängt sich nur wenige Meter von uns in die Äste und beobachtet uns kopfüber. An einer anderen Stelle hebt John etwas von Boden auf, dass auf den ersten Blick wie eine riesige Spinne aussieht. Die Deutsche stößt einen hellen Schrei aus. Es ist nur eine Riesenkrabbe, die John und da entgegenhält. Er wirft sie wieder in die Büsche.


Im Verlauf der Woche spreche ich mit ein paar Dorfbewohnern über die Aussicht vom Felsen und die vermeintlichen Hunde. Die winken ab. John würde alle möglichen Lügen erzählen, denen man nicht glauben sollte. Gefährliche Hunde im Inneren der Insel gäbe es nicht und John sei auch nicht 19, sondern 17. Ein wenig Flunkern muss erlaubt sein. Da unterscheidet sich John schließlich nicht viel von seinen Tourguide-Kollegen in Vietnam oder Thailand. Ich finde es nur nach wie vor faszinierend, wie ich nach fünf Monaten immer noch leichtgläubig bin und alles für bare Münze nehme, was mir aufgetischt wird.


Es ist Sonntag. The Lord's Day. Eine Angestellte aus dem Resort nimmt uns mit zur kleinen Dorfkirche. Schon von Weitem hören wir die Kinder singen. Die Messe hat noch nicht angefangen, aber in den ersten Reihen sitzen von Kleinkindalter über Teenager alle zusammen und singen Gospellieder aus vollem Herzen. Nicolas und ich sitzen in einer der hinteren Reihen. Ich schaue in die Reihen meiner Mitreisenden. Sie sind genauso ergriffen wie wir. Ein Foto oder gar ein Video würde sich nicht angemessen anfühlen. Wayasewas Bewohner haben uns als Gäste eingeladen, nicht als Zuschauer. Wir versuchen möglichst dezent zu sein und machen ein paar Tonaufnahmen.


[An der Stelle verweise ich gerne auf den Blog von Nicolas. Die Übersetzungsfunktion im Browser funktioniert gut, falls ihr wie ich kein Französisch sprecht:


https://vadrouilles.xyz/?p=14140


Auf seiner eigenen Webseite hat er die Möglichkeit, die ich hier nicht habe, Audios reinzustellen. Die Gospellieder hat er dort hochgeladen.

Seine Einträge sind auch sonst sehr lesenswert und geben ein paar Einblicke über die Kultur in Fidschi. Jedenfalls mehr als ich in meinen paar Absätzen zusammenfassen kann. Nicolas möchte sich für Fidschi mehrere Monate Zeit nehmen.]


Die Kinder scheinen aus eigenem Antrieb zu singen. Nach jedem der melanesischen Gesänge vergeht eine kleine Weile, bis ein älteres Kind oder eine Erwachsene wieder ein neues Lied anstimmt. Selbst die kleinsten singen mit. Die Kirche ist gut gefüllt. Die Kinder müssen mehrmals nachrücken, bis ein paar von ihnen ganz vorne auf dem Boden sitzen. Als schließlich nach 40 Minuten der Pastor eintritt, beginnt der eigentliche Gottesdienst. Wir verstehen kein Wort, aber vor der Predigt begrüßt er uns und gibt einen kurzen Abriss auf Englisch über die Stellen aus der Bibel, auf die sich seine anschließende Rede bezieht.Zum Abendmahl kommen auch wir Gäste mit vor und empfangen eine Oblate und einen kleinen Plastikbecher mit Limo. Anders als noch in Südkorea fragen sie gar nicht, ob wir getauft oder gläubig sind. Der Herr in Fidschi heißt alle willkommen.

Die Messe endet mit einem kräftigen Adeste fideles / O Come, All Ye Faithful auf Fidschi und ich summe leise mit. Auf dem Rückweg sprechen wir nicht viel, wir sind noch ganz in andächtiger Stimmung. Marianna, eine der beiden Norwegerinnen, teilt mit uns ihre Eindrücke. Beim Gesang der Kinde konnte sie nicht anders, als zu weinen. Sie musste sofort an ihre früh verstorbene Oma denken, die sehr gläubig war. Wir sind uns einig, dass dieser Gospelgottesdienst keinen von uns Atheisten kalt gelassen hat.


Voller Gottvertrauen lasse ich mich von Nicolas zu einer Runde Schnorcheln überreden. Nach meiner Erfahrung in Vietnam, bei der ich ständig Wasser in die Brille bekam, hatte ich das Thema eigentlich abgehakt. Aber mit Unterstützung eines Profis und ohne Sprachbarriere wie auf Cham Island, traue ich mir zu, es noch einmal zu versuchen. Nicolas ist passionierter Taucher und Schnorchler. Er geht täglich ins Wasser und lässt sich sogar mit dem Schnellboot an abgelegenere Stellen bringen, an denen Riffhaie und Wasserschlangen ihr Revier haben. Hard pass. Nein, danke. Fürs Erste bin ich sehr zufrieden mit den Clownfischen und bunten Korallen, die ich im klaren Wasser vor Wayasewa entdecken kann. 

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Sommer
Begleitung
Mit Freunden
AbenteuerlichKulturellEntspannend
  • Sunset Hike mit John
  • Gottesdienst in der Dorfkirche
  • Schnorcheln vor Wayasewa
Schnorchelausrüstung
NaturStrandKulturAbenteuerTransit
max-ein-hase-auf-weltreiseFolge diesem Blog und verpasse keine neuen Beiträge.
Antworten (2)

Nicolasvor 8 Monaten
So nice to read again our adventures ! It was only two weeks ago, but sometimes it seems that months already vanished, or sometimes one day or two, the time is really something different on this island ! 😋

Maximilianvor 8 Monaten
Yes, time's a weird concept being on an island like this.. makes me think of the TV show Lost actually haha

Fidschi
Reiseberichte Fidschi