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Zivilisationsmüdigkeit 2/2 (Fidschi)

Veröffentlicht: 04.12.2025

Unterkunft
Jolames Homestay
Ferienwohnung · Wayasewa
Unterkunft
Wayalailai Resort
Resort · Wayasewa
Essen
Maria
$$ · Abendessen
Essen
Maria
$$ · Frühstück
Essen
Maria
$$ · Mittagessen
Attraktion
Wayalailai Resort
Wayasewa, Fidschi
Attraktion
Wayasewa village beach
Wayasewa, Fidschi
Am dritten Tag im Resort heißt es Abschied nehmen für die beiden Norwegerinnen und mich. Tonia und Marianna nehmen die Fähre zurück auf die Hauptinsel. Ich bleibe zum Glück noch, wechsel aber in ein Homestay am anderen Ende des Dorfes. Ich kann also wiederkommen, höre mir aber pro forma auch das Abschiedslied "Isa Lei" an, das die Resortmitarbeiter für uns anstimmen.Marianna und Tonia werden zum Boot gebracht, das sie zur Fähre bringt. Von Michael und von Kalliope, einer Griechin, die eben erst angekommen ist, aber durch ihre einnehmende Art schon sofort zur Gruppe gehört, werde ich zu meinem neuen Homestay begleitet. Jolame und seine Frau Maria sind meine neuen Gastgeber. Ein Kind fragt, welches Haus wir suchen und bringt uns zum letzten Bungalow im Dorf. Lassie und Marie erklären mir, dass sie Nachbarn von Jolame sind. Die wären gerade in einem anderen Dorf für eine Zeremonie für ein Mädchen, dass zum ersten Mal ihre Periode hat. Lassie erklärt mir, dass in Fidschi viele dieser Lebensschritte zelebriert werden. Ihre Mutter würde mich direkt dorthin bringen. Ein paar der anderen Dorfbewohner würden sowieso fahren, da können sie mich auch mitnehmen. Bräuchte ich eine angemessene Kleidung, einen Sulu vielleicht, frage ich. Lassies Mutter verkauft mir unumwunden einen der traditionellen Fidschi-Kilts, ein breites Tuch, das man sich um die Hüfte bindet. Wie viele der Frauen auf den kleinen Inseln verkauft sie Souvenirs an die Touris.


Am Haus einer anderen Familie warten wir auf das Schnellboot, das uns nordwärts zum Nachbardorf bringen soll. Wann ginge es los, möchte ich etwas ungeduldig wissen, als nach einer halben Stunde nur Männer, Frauen und Kinder ein- und ausgehen, aber noch keine wirkliche Aufbruchsstimmung aufgekommen ist. "Fiji time my dear, everything on Fiji time.", antwortet Lassies Mutter. Mit anderen Worten, es geht los, wann es los geht. Mit "Fiji time" wird zweierlei beschrieben: einmal eine Zeitangabe, die nichts konkretes bedeutet - Essen gibt es, wenn getrommelt wird; die Zeremonie endet, wenn der Dorfälteste sie beendet.. zum anderen steht es für den relaxten Lebensstil der Inselbewohner. Wie "Bula!" wird einem öfter auch ein "Fiji time!" beim Vorbeilaufen entgegengerufen. Es ist das Hakunamatata oder "Take it easy" Fidschis.


Im kleinen Motorboot nehme ich vorne auf den Holzplanken Platz. Neben mich setzt sich ein älterer Mann mit feinen Gesichtszügen, den ich vom Gottesdienst wiedererkenne. Er war einer der lautesten Sänger in der ersten Reihe. Das Boot fährt los. Es ist nicht die sanfte Geschwindigkeit für Touristen. Laut knallend schlägt der Kiel mit voller Wucht auf die Wellen. Ich klammere mich an den Rand. Lassies Mutter schaut etwas besorgt zu mir vor: "Are you alright, Max?" "Sure, all good!", grinse ich sie an. Aber es ist wohl nicht zu übersehen, dass ich leicht angespannt bin. Der Gospelsänger neben mir ruht in sich. Im Schneidersitz mit beiden Händen auf den Knien unterhält er sich ungerührt mit dem Mann am Bug. Ein Mädchen, die ich auf etwa fünf Jahre schätze, sitzt zwischen zwei Frauen auf dem Holzbalken hinter mir und scheint tagzuträumen. Es erinnert mich an Vietnam: Wie die Vietnamesen auf den Rücksitzen der Roller sitzen, ohne sich festzuhalten, aber die Touristen sich mit beiden Händen am Griff festklammern müssen, um nicht hinten runter zu fallen.


Ein Boot kommt uns entgegen. "There is Jolame!", erklären mir die anderen. Mein Ausflug, bei einer malenesischen Zeremonie beizuwohnen, endet bevor es begonnen hat. Meine Gastgeber sind schon auf ihrem Rückweg. Also steige ich zu ihnen ins Boot und fahre zurück zum Dorf. Ich schüttel neue Hände und mir werden Namen genannt, die ich mir nicht alle merken kann. Erst als ich zum Haus geführt werde und im Wohnzimmer stehe, stellen sich Jolame und Maria vor. Eine Verwandte der beiden setzt sich zum Kaffee zu mir. Sie wirkt ein wenig mürrisch, zeigt aber Anflüge eines Lächelns, als ich ihr von der - zumindest für mich - holprigen Überfahrt erzähle. Alle Kinder ohne eigenes Schulgebäude im Dorf würden so täglich in die nächstgelegene Schule gefahren, meint sie. Als sie noch keine Schnellboote hatten, vor ca. 30 Jahren, da seien sie am Ufer langgelaufen oder hätten noch die alten Trampelpfade genutzt, die heute nur noch für Wanderführungen mit den Touristen dienen. Damals waren sie in langsamen Segelbooten und Katamaranen auf dem Meer unterwegs, ähnlich ihrer Vorfahren. Auch hier muss ich wieder an die Entwicklung in Vietnam denken. Vom Fahrrad zum Motorroller.

Die Frau erzählt, dass das Resort, in dem ich war, früher auch eine Schule gewesen wäre. Ein Erdrutsch habe sie zerstört. Von da ab mussten die Kinder in die Schule im nächstgelegenem Ort. Ich denke mir, dass möglicherweise auch die geringere Geburtenrate damit zu tun habe. Geringer heißt, dass eine durchschnittliche Familie auf den äußeren Inseln immer noch vier bis fünf Kinder hat. Aber früher waren es bis zu zehn.

Das Resort wurde zunächst von privater Hand geführt und ging dann in Besitz des Dorfes über, höre ich erstaunt von der Verwandten Jolames. Jetzt macht alles vielmehr Sinn - die herzliche Atmosphäre, die gütige Tailo, die zahlreichen Mitarbeiter, die im Hauptgebäude zusammen abhängen und Rugbyspiele gucken. Jeder im Dorf würde das, was er kann, beitragen. Manche arbeiten als Guides und bieten Tauchgänge an, andere spielen Musik usw. Die Einkünfte würden dann auf das Dorf verteilt. Gleichzeitig haben wir Gäste so die Möglichkeit, viel immersiver die Kultur der Insulaner zu erfahren.


Am Ende des Inseldorfes sind kleine enge Schweinekäfige aufgestellt. Hinter den letzten Klippen liegt eine Menge Müll. Ob angespült oder bewusst weggeworfen kann ich nicht sagen. Am ersten Tag habe ich beobachtet, wie am Strand ein Vater seinem Sohn im Boot eine leere Plastikflasche zugeworfen hat. Er traf nicht, die Flasche landete im Wasser und trieb einfach weiter, ohne dass sie einer der beiden einsammelte.

Es gibt auch andere Kehrseiten des Fortschritts. Tailo erklärt uns, dass Zucker ein großes Problem für die Fidschis ist. Von ihren neun Geschwistern wären fünf an Diabetes gestorben. Die Industrie ist einflussreich und überschwemmt mit ihren billigen und süchtig machenden Produkten den Markt. Als ich im Resort einmal bei einer Zeremonie für die Kinder im Dorf, die das Grundschulalter erreicht haben, durch die Reihen schaue, beobachte ich, wie einige Eltern ihren Kindern im Kindergartenalter eine Flasche Cola geben. Vor dem Mittagessen werden schon erste Snacks verteilt, Chips und Schokolade sind allgegenwärtig.


Jolame ist ein herzlicher Mann um die 60. Seine Frau Maria kocht gut und die zwanzig Meter zum Strand machen für die Einfachheit der Unterkunft wett. Das einzige Möbelstück in meinem winzigen Raum mit den dünnen Spanholzwänden ist ein Einzelbett mit einem Moskitonetz. Licht gibt es nicht. Wenn ich das brauche, kann ich die mobile elektrische Lampe nehmen, die im Wohnzimmer hängt. Die Dusche ist ein Fass, das in einer Kammer im hinteren Teil des Hauses steht und aus dem ich mit einer Kelle das Wasser schöpfe und über mich gieße. Ich hätte es gerne andersherum gemacht. Das Dorfleben zum Kennenlernen zuerst und das Resort zum Entspannen zuletzt. Nun ist es so und ich mache eine Routine daraus. Früh lasse ich mich vom Hahnenschrei wecken und laufe raus, um auf einen schwarzen Felsen am Strand zu klettern und von dort aus den Sonnenaufgang zu sehen. Danach lege ich mich nochmal hin, esse Frühstück um 8 Uhr. Auf dem Weg zum Resort gehe ich schwimmen. Dort lege ich mich in eine Hängematte, schreibe Karten und quatsche mit den anderen. Zum Mittagessen laufe ich zurück zu Maria und lege mich für ein Powernap hin. Ich laufe wieder die 300 Meter zum Resort, um mit Nicolas, Michael und Kalliope Kaffee zu trinken. Nach dem Sonnenuntergang auf meinem Affenfelsen Abendessen bei Jolames und abends wieder zum Resort und zurück zum Homestay. So bekomme ich meine Schritte für den Tag zusammen.


An einem Abend wird im Resort Kava verkostet. Das alkoholfreie Getränk aus einer Wurzel der Pflanze, die überall auf den pazifischen Inseln wächst, aber deren Export streng verboten ist, besitzt eine leicht berauschende Wirkung. Sie beruhigt und macht in erster Linie schläfrig. Kava ist in Polynesien weit verbreitet und hat auch eine spirituelle und kulturelle Bedeutung. Bei der Zeremonie, auf der mich die Dorfbewohner mitnehmen wollten, hätten sie ohne eine bestimmte Menge Kava gar nicht erst auftauchen brauchen. Es ist Gastgeschenk und rituelles Mittel. Zwischen Gebeten und Gesängen werden immer wieder volle Kavaschüsseln für die Teilnehmenden verteilt. Eine solche Zeremonie erleben wir jetzt im Resort. Wir Gäste sitzen im Halbkreis vor einer riesigen steinernen Schüssel, in die aller halben Stunde der Kava-Brauer eine neue Portion hineinschüttet. Zwei der Jungs vom Resort sind mit kleinen Holzschüsseln für den Ausschank zuständig. Sie bestimmen Michael zum Chief und einen dicken Polen zum Chief's Spokesman. Der Häuptling trinkt zuerst, dann sein Sprecher, dann alle anderen. Die beiden Fidschis am Trog schöpfen die Schüsseln voll. "Man's Potion?", fragt mich Kiti, der jüngere der zwei provozierend. Na sicher. Nach jeder Runde spielen sie ein Lied mit den anderen der Resortangestellten, die hinter ihnen sitzen. Jedesmal wenn der Sprecher vom Häuptling laut "Taki" sagt, ist das das Zeichen für die nächste Runde Kava. Der Pole wartet nicht lange. "Taki!", ruft er, sobald der letzte Ton gespielt ist. Sie spielen auch ein paar Lieder auf Englisch auf Zuruf. Überhaupt ist es beeindruckend, wie scheinbar alle Männer Fidschis Gitarre spielen können und dabei ein unvergleichbares Repertoire an Songs haben. Kalliope greift sich eine Gitarre, nur um sofort uns anderen zum Spielen zu bewegen. Ich signalisiere vorsichtig, dass ich Gitarre kann und singe dazu Norwegian Wood, einen der wenigen Songs, die ich auswendig kann. Ich bekomme einen warmen Applaus.Der Kava schmeckt etwas bitter, fast wie Medizin. Es betäubt leicht die Zunge und den Mundraum. Wären wir nicht unter Palmen bei Meeresrauschen und Gitarrenklängen, hätte es ein Gefühl wie beim Zahnarzt.


Es regnet wie in Sturzbächen. Laut prallen die Regentropfen auf die Wellblechdächer des Dorfes und ich sitze auf der Veranda von Jolames Homestay. Die Kinder scheint es nicht zu stören. Sie flitzen auf dem einzigen Weg im Dorf hin und her, strecken ihre Hälse in die Luft, um den Regen zu trinken und stellen sich unter Rinnen für eine Dusche unter freiem Himmel. Vorne am Strand machen die älteren weiter beim Schwimmen und Surfen. Bei Sturm sind schließlich auch die Wellen höher.


Ich steige abends von meinem Stammfelsen herunter, nachdem der Sonnenuntergang wegen der Wolken fürs erste nicht so spektakulär war. Unten steht eine junge Dorfbewohnerin und spricht mich an. Sie hätten selber ein Homestay und gerade zwei Franzosen bei sich. Ve erzählt mir von dem entspannten Inselleben. Auf der Hauptinsel wäre sie nicht so gerne, da würde sie schnell auffallen wegen ihres Sulus und überhaupt fühle sie sich in den modernen Städten nicht wohl. Jungs würden sie auf der Straße ansprechen und zum Trinken auffordern. In Clubs ginge sie nicht gerne. So etwas gibt es schließlich nicht in ihrem kleinen Dorf. Sie mag es ruhig. Nach meiner Woche auf Wayasewa kann ich das nachvollziehen.


Am letzten Tag verabschiede ich mich von Jolame und Maria und schlurfe Richtung Wayalailai Resort, die die Bootsfahrt zur Fähre am Nachmittag organisieren. Ich darf mir ein zweites Mal das Abschiedslied anhören. Nur dass ich diesmal nicht bloß das Resort verlasse, sondern die Insel. "Bula, how are you brother?", spricht mich auf dem Weg ein Dorfbewohner an. "A bit sad, cause I'm leaving today.", antworte ich ehrlich deutsch auf die Smalltalk-Frage. "Bon voyage!", wünscht er mir. "Vinaka!"

Auf einen Blick

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Wetter
Sommer
Begleitung
Mit Freunden
KulturellEntspannend
  • Kava-Verkostung im Resort
  • Sonnenaufgang am Strand
  • einfaches Homestay im Dorf
  • Abschied von Wayasewa
StrandKulturEssenNatur
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Antworten (2)

Nicolasvor 8 Monaten
So difficult to leave this paradise ! I will be so sad when it will be my turn. But we have to leave to be able to come back ! That was a pleasure to share these few days in paradise with you Max !

Maximilianvor 8 Monaten
I was glad too, a nice community of strangers and locals. And indeed, we can always come back :) enjoy your extended stay and bon voyage!

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