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Nach mir die Sintflut

Veröffentlicht: 28.08.2025

Unterkunft
.
Hostel · Chiang Mai
Tour
Gibbon Watching
Wildtiere
Essen
Jazzclub
$$ · Abendessen
Flug
CNX → PNH
Economy
Attraktion
Sticky Waterfalls
Chiang Mai, Thailand
Attraktion
buddhistischer Tempel
Chiang Mai, Thailand
"Eines Tages fing es an zu regnen. Und es hörte vier Monate lang nicht auf. Wir haben so ziemlich jeden Regen gehabt, den es gibt. Regen mit kleinen prasselnden Tropfen. Mit richtig schönen dicken Tropfen. Regen, der von der Seite kam. Und manchmal sogar Regen, der von unten nach oben zu kommen schien. Und so ein Mist, es regnete sogar nachts." Regenzeit in Südostasien hinterlässt nicht nur einen Eindruck bei Forrest Gump. Taifun Kajiki hat sich über dem südchinesischen Meer geformt und tobt über Hainan und Zentral- und Nordvietnam. Auf meiner Rückfahrt vom Gibbon Watching im Regenwald westlich Chiang Mai's erhalte ich eine Warnmeldung der thailändischen Regierung auf meinem Handy: "Heavy to very heavy rainfall in Thailand between 24/08 - 28/08. Beware of floodings." "Did you also just get this alert on your phone?", frage ich Cat aus Wales, die mit auf der Gibbon-Tour war. Unser Fahrer beruhigt mich nicht gerade, als ich meinen Plan teile, über Nordlaos mit dem sogenannten slow boat auf dem Mekong nach Luang Prabang fahren zu wollen: "Oh be carefull, stay safe."


Mein Hostel liegt mitten in der Altstadt Chiang Mais. Es ist eine mehrgeschossige Wohnung, die ich mir mit der Familie des Betreibers teile und ich bin der einzige Gast. Die kleine Enkeltochter ist der ganze Stolz des freundlichen Hostelbesitzers. Wenn ich durch das Wohnzimmer im Eingangsbereich laufe, steht sie meistens vor dem Fernseher und sieht sich Cartoons an, wechselweise mit Opa, Oma, Uroma oder Mama, die geduldig daneben sitzen. Auf der Terrasse liegt ein Hund, der scheinbar nie ausgeführt wird, aber dafür Kette tragen muss. Der stets lächelnde Hostel-Besitzer wird in der vorsintflutlichen Zeit mein Wettermann und Ansprechpartner in Sachen Taifun. Jeden Abend sprechen wir über die neuesten Entwicklungen und Voraussagen und sein Ratschlag lautet immer: Abwarten und eine Nacht drüber schlafen. Das fällt dem Planungsdeutschen in mir sichtlich schwer. Ich brauche Sicherheit und mindestens eine Ahnung, wie die nächsten zwei, drei Tage aussehen.


Am Tag nach der landesweiten Handywarnung regnet es in Strömen und die Straßen sind zum Teil knietief mit Wasser überflutet. Ich steigere mich etwas in meine Taifun-Panik hinein und finde bei meiner Recherche einen YouTube-Kanal eines US-amerikanischen Nerds, der meteorologische Grafiken von Taifuns teilt und kommentiert. "It could become a category 4!", in der Begeisterung in seiner Stimme erkenne ich, dass er sicher in seinem Haus in den Staaten sitzt und nicht in Vietnam oder Laos. Zusätzlich wird meine Schlangenphobie getriggert, als ich in einer lokalen News-Webseite lese, dass in den Außenbezirken von Chiang Mai eine Python gesichtet wurde, wie sie in der überfluteten Straße im Müll nach Ratten fischt. Ich bin mir zwar bewusst, wie irrational meine Angst ist, das hält mich aber nicht davon ab, mich verunsichern zu lassen. Auf der Wanderung zu den Gibbons erzählt uns der Guide, er hätte hier auf dem Weg vor ein paar Monaten Überreste einer Pythonhaut gefunden. Entgeistert schauen wir auf das vermeintliche Beweisfoto auf seinem Handy, aus dem er langsam rauszoomt. Es ist ein Mops im Hundepullover mit Schlangenmuster. "I would believe you anything.", meint Cat zu unserem lachenden Wanderführer. Niemand lässt sich leichter verarschen als westliche Touris im Abenteuermodus.


An Tag 2 nach der Warnmeldung sieht zwar das aktuelle Wetter vor Ort besser aus, aber die Vorhersagen dafür düsterer. Vietnam wurde im Norden verwüstet und schwere Regenfälle werden für Nordlaos und Nordthailand erwartet. Mit dem Boot auf dem Mekong flussabwärts zu fahren, wäre jetzt keine gute Idee, bestätigt mir auch zahnlückenlächelnd mein Host. Also bleibe ich noch eine Nacht und besuche einen Jazzclub zusammen mit Saranna und Daniel, mit denen ich schon an meinem Ankunftstag in Chiang Mai einen buddhistischen Tempel besucht habe. Immerhin bin ich in guter Gesellschaft, bevor wir untergehen. Am Tag vor der großen Flut stelle ich mir vor, wie ich als Noah statt der giftigen Reptilien nur kleine Hundepärchen in Schlangenverkleidung in meine Arche lassen würde, in der Hoffnung, Gott würde es oben nicht merken.


Aber der Weltuntergang bleibt wieder einmal aus. Es nieselt nur stetig und manchmal scheint sogar die Sonne. Statt ruhig und geduldig zu bleiben, habe ich allerdings zwischenzeitlich Fakten geschaffen und für den nächsten Tag einen Flug nach Phnom Penh gebucht. Damit habe ich nicht nur meinen Plan verworfen, über Laos zu reisen, sondern auch Südostasien komplett auf dem Landweg zu erkunden. Gleichzeitig habe ich reflektiert, dass meine ursprüngliche Reiseroute eher ein Ergebnis von verschiedenen Empfehlungen meiner Mitreisenden war und weniger das meiner eigenen Vorstellungen. Meine Durchreise in Laos hätte auch bedeutet, sehr viel mehr Zeit in unbequemen Bussen und weniger Zeit in Vietnam zu verbringen. Und gleichzeitig muss ich mich auch zügeln, keine Bucketlisten abzuarbeiten á la XYZ countries and counting.


Ich versuche wirklich allen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ohne Vorurteile zu begegnen und so bemühe ich mich auch bei den drei Gen-Zs aus München, die ich auf meiner Tour zu den "Sticky Waterfalls" kennenlerne, um Unvoreingenommenheit. Aber nachdem ich 10 Minuten ihrem Gespräch über ihre SUVs und Höchstgeschwindigkeiten lausche ("180 average ist schon echt krass." - "Check, check, safe.") stecke ich sie mit innerem Schulterzucken in meine geistige Schublade "Münchner halt". Ich tausche mich mit einem der drei, Lukas, über Vietnam aus. Er ist einer von zahlreichen anderen travelern, die mir den Ha Giang Loop ans Herz legen, eine Motorradrundfahrt, bei der man wahlweise selbst fährt oder hinten aufsitzt, während man auf verschiedenen Stationen Land und Leute kennenlernt. Meistens werden diese Mehrtagestouren von verschiedenen Hostels organisiert. Zu "meiner Zeit", vor 7 Jahren, war das in Vietnam noch kein Trend.


Die "Sticky Waterfalls" sind ein zur Touristenattraktion umgewandeltes Naturphänomen. Irgendwas mit Verdunstung und Oxidation. Statt einer rutschig glatten Oberfläche, haben die Felsen des Wasserfalls Grip und sind bekletterbar. Nach zweimal hoch laufen, verliere ich die Lust. Gruppen machen Fotos und stehen im Stau im Wasser. Ich setze mich zu einem Australier, der ähnlich unterwältigt ist. Er empfiehlt auch wieder den Ha Giang Loop, diesmal aber ein anderes Hostel. "You gotta do it, mate. I've done a lot of traveling, South East Asia, South America. But this was one of the best experiences of my life." Schwierig, seine Entscheidungen "unabhängig" zu treffen, wenn man massenweise solche überschwänglichen Berichte zu hören bekommt..

Auf einen Blick

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Wetter
Regenzeit
Begleitung
Mit Freunden
AbenteuerlichAbseits der PfadeEntspannend
  • Gibbon-Watching im Regenwald westlich von Chiang Mai
  • Besuch eines buddhistischen Tempels mit Saranna und Daniel
  • Sticky Waterfalls
  • Taifunwarnungen und überflutete Straßen in Chiang Mai
  • Flug nach Phnom Penh statt Weiterreise über Laos
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