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...but different

Veröffentlicht: 03.09.2025

Tour
Sonnenaufgangs-Tour durch Angkor Wat
Tour
Attraktion
Angkor Wat
Siem Reap, Kambodscha
Sehenswert
Night market
Siem Reap, Kambodscha
Attraktion
Ta Keo
Siem Reap, Kambodscha
Attraktion
Bayon
Siem Reap, Kambodscha
Tour
Zweiter Tag der Angkor-Wat-Tour
Tour
Attraktion
Angkor Wat
Siem Reap, Kambodscha
Attraktion
Angkor Wat
Siem Reap, Kambodscha
Attraktion
Angkor Wat
Siem Reap, Kambodscha
Attraktion
Angkor Wat
Siem Reap, Kambodscha
Attraktion
Angkor Wat
Siem Reap, Kambodscha
Attraktion
Angkor Wat
Siem Reap, Kambodscha
Die Sonnenaufgangs-Tour durch Angkor Wat startet um 4 Uhr morgens. Zur gleichen Zeit findet ein Marathon in Siem Reap statt und der Bus muss sich durch Massen von Läufern schlängeln. Völlig verpennt schäle ich mich aus dem Sessel. Mit meinen neu erworbenen elephant pants sehe ich aus wie noch im Schlafanzug. Die leichten Hosen mit Elefantenmuster gehören hier zur Backpacker-Uniform. Gestern hatte ich alle meine übrigen Klamotten zur Wäsche gegeben, dabei auch alle meine langen Hosen. Die gehören aber zum Dresscode für die buddhistischen Tempel, daher habe ich kurz entschlossen auf dem night market für 3 $ ein Modell der trendigen Hose besorgt. Damit bin ich zwar top ausgestattet für eine Führung durch die Khmer-Ruinen, aber nach 3 1/2 Stunden Schlaf eigentlich zu hundemüde dafür.


Ich versuche beide Augen aufzuhalten, während ich bemüht bin, im Dunkeln mit der Gruppe Schritt zu halten. Antonio aus Ecuador mit langen schwarzen Locken, die auf seinen Stiernacken fallen, ist das ganze Gegenteil von mir. Er ist gerade erst gestern in Kambodscha gelandet und hätte nur 1 1/2 Stunden geschlafen, aber ist sichtlich energiegeladen. Mit letzter Kraft versuche ich nicht einmal mehr meine unglaubliche Müdigkeit zu überspielen und antworte einsilbig im Smalltalk-Gespräch, das er mir aufbindet, über bereits bereiste Länder und geplante Routen usw. Wie in einem Traum laufe ich über die Brücke des Wassergrabens und anschließend durch das gewaltige Tor, um dann vor einem riesigen Areal zu stehen, in deren Mitte sich die massive Tempelanlage befindet. Unser Guide gibt uns im starken Khmer-Akzent ein paar rudimentäre Hintergrundinfos, von denen nur ein Bruchteil zu meinem fragilen Bewusstsein durchdringt. Nach ein paar Minuten Freigang und Sonnenaufgang fotografieren sollen wir uns rechtzeitig wieder am Treffpunkt einfinden. Wenig später stehe ich unweigerlich mit Antonio in Reih und Glied mit den anderen Touristen am picture point vor dem Teich, der uns eine freie Sicht auf die Ruine bietet. Nun dämmert es nicht nur hinter dem Tempel, sondern auch mir, warum Antonio mich zu seinem Begleiter für die Tour ausgewählt hat: Ich muss den Instagram-Boyfriend mimen und Fotos von ihm schießen. 


Das Prozedere wiederholt sich an jeder spektakulären Kulisse an den vier weiteren Tempeln, die wir an diesem Tag besuchen. Er bietet mir an, Fotos von mir zu machen - ein Angebot, das ich halbherzig annehme - und ich stelle mich mit verquollenen Augen vor die Steine. Anschließend posiert er, einmal mit Blick Richtung Szenerie, einmal zur Kamera. Als er nicht zufrieden mit meiner Arbeit ist, zeigt er mir wie man den Fokus richtig setzt, sodass er und der Hintergrund am besten zur Geltung kommen. Ich lerne "on the job". In mich hinein lachend denke ich, dass er keinen untalentierteren Fotografen hätte rekrutieren können.


Nach der vom Regen erzwungenen Frühstückspause - "No good pictures with rain." - bin ich zum Glück gestärkt und halte mich an ein amerikanisches Pärchen, das in Hanoi Englisch unterrichten wird. Antonio hat sich währenddessen die Dienste unseres Guides zu Nutzen gemacht, der bereitwillig Fotos von uns macht und fast beleidigt ist, wenn wir mal einen seiner angepriesenen Foto Stops nicht wertschätzen und wahrnehmen. Den Höhepunkt vom Influenzer-Daseins unseres Ecuadorianischen Gruppenmitglieds spielt sich am Ta Keo ab. Wir stehen vor der Tempelpyramide und er weist unseren Fremdenführer umständlich an, ein Video von ihm zu drehen. Dabei geht er auf die Stufen der Ruine zu, während er in die Kamera grinst, mit einem Schirm in der Hand die Arme ausbreitet und ruft "Welcome to Cambodia!". Diese One-Man-Show wäre ja ganz drollig, wenn Antonio nicht sonst komplett planlos durch die Gegend irren würde, auf der Suche nach weiteren Fotomotiven. Öfter hält er nicht mit der Gruppe mit. Dann muss einer durch das Tempellabyrinth zurücklaufen, um ihn zu rufen. Als er einmal nicht rechtzeitig am Treffpunkt ist, muss sich unser Guide auf die Suche nach ihm begeben und wir werden zurück zum Bus geschickt, wo wir eine halbe Stunde auf ihn warten müssen.

Am letzten Tempel macht er den Polnischen. Unser Guide erzählt, unser Antonio Banderas hätte sich ein Taxi zurück nach Siem Reap genommen. Sein nächster Flug ginge am Nachmittag. Und so verschwindet die Inkarnation eines Bucketlist-Globetrotter. Diese sind stets auf der Durchreise. Ein voller Tag für Angkor Wat wäre Verschwendung von wertvoller Zeit, die zum Streichen weiterer Hotspots von der Liste genutzt werden muss. Die Buddha-Gesichter lächeln zufrieden von allen vier Seiten der Türme des Heiligtums Bayon. Sie sind von allen weltlichen Bedürfnissen befreit.


Am nächsten Morgen bin ich wieder auf der Spur für den zweiten Tag unserer Tour, die um 10 Uhr startet. Mit zur Gruppe stoßen diesmal drei Schweizer, die für ein Projekt ihrer Uni Freiwilligenarbeit als Zahnärzte auf dem kambodschanischen Land leisten. Passenderweise sind sie alle im weißen Partnerlook mit "Angkor Wat"-Hemden gekleidet. Wenn sie miteinander reden klingt es wie in Zeitlupe: "Desch fühlt sich an wie ä künschtlicher Park, aber ichscht voll Natuhr, wäichst was i mein." Ich muss schmunzeln, aber besser hätte ich die Symbiose aus Wald und darin verborgenen Überreste menschlicher Schaffenskraft auch nicht beschreiben können. Die geometrischen Formen der Tempelanlage und Kanalsysteme sind noch immer vorhanden, aber gleichzeitig hat sich die Natur alles wiederholt.


Mit genügend Schlaf und YouTube-Wissen über die Khmer und Angkor gefüllt, labere ich diesmal das Ami-Pärchen voll mit Fakten über aufwendige Wasserreservoir-Systeme, die zugleich Aufstieg und Untergang der Khmer bedeuteten, Frauen in Militär und Verwaltung im Angkor-Reich und die beiden bedeutendsten Herrscher des Imperiums Jayavarman VII. (1181–1218) und Suryavarman II. (1113–1150). Wie so oft bei US-Amerikanern kann ich nicht erkennen, ob sie ernsthaft an meinem neu erworbenen Wissen interessiert sind oder sie von meiner Besserwisserei genervt und alle "interestings" und "fascinatings" nur Fassade sind. Im Zweifel für den Angeklagten, denke ich und gebe Kontext, sobald sich die Gelegenheit bietet.


Auf dem letzten der sechs Tempel lasse ich die beiden aber selbstverständlich in Ruhe ihren Sonnenuntergang genießen. Ich lerne Roshni aus Nordirland kennen, die ihre gestrige Sonnenaufgangs-Tour komplett verpennt hat, dafür aber jetzt einen top spot für den Sonnenuntergang gefunden hat. Hinter uns zieht ein Gewitter über die Ruinen von Angkor Wat und nur wenige hundert Meter an uns vorbei. Vor uns geht die Sonne in einem der riesigen Wasserreservoirs unter, rechts von uns im Norden blitzt es und hinter uns im Osten formt sich ein doppelter Regenbogen. Drei Wetterphänomene auf einmal. Als das die Gruppen von Menschen, die gebannt auf den feurigen Himmel im Westen schauen, auf einmal kollektiv merken und über ihre Schultern Richtung Regenbogen blicken, geht ein Raunen durch die Menge.


Zurück in Phnom Penh nehme ich nach Anbruch der Dunkelheit von meiner Tuk Tuk-App Gebrauch, wo ich kann. Sicher ist sicher. Manch ein Fahrer hat sich sein kleines Taxi gemütlich eingerichtet und kleine Pflanzen und Bonsais in seiner Windschutzscheibe stehen.

Als ich am nächsten Tag unentschlossen vorm Bus stehe, signalisiert mir der vietnamesische Fahrer mit rabiaten Handwedeln, dass ich eintreten soll. "One, two, three, four, five, six!", weist er mir militärisch meinen Sitzplatz zu. Der Ton wird rauer. Bald bin ich in Saigon und verlasse Kambodscha. Ein südostasiatisches Land ähnlich seiner Nachbarn, aber dennoch einzigartig. Gleich und doch anders...

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Dauer
3 Tage
Wetter
Regenzeit
Begleitung
Mit Freunden
AbenteuerlichKulturellAbseits der Pfade
  • Sonnenaufgangstour durch Angkor Wat um 4 Uhr morgens
  • Besuch mehrerer Tempel an zwei Tagen
  • Regenbogen und Gewitter über den Ruinen
  • Ta Keo und Bayon
  • Weiterreise von Kambodscha nach Saigon
elephant pantslange Hose für Tempelbesuche
KulturGeschichteArchitekturNaturTransit
  • Elephant pants am Night Market3 $
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Antworten (2)

Darrynvor 11 Monaten
Antonio doing a classic speed dating with his Instagram Boyfriends

Maximilianvor 11 Monaten
Wasn't a match for no one 😁

Kambodscha
Reiseberichte Kambodscha