5. Wundervoller Wald auf dem Monteluco
Der Stadt Spoleto müsste man mehrere Tage widmen, so viele Schätze gibt es hier zu entdecken. Allerdings sollte man den Besuch planen, bevor man an Arthrose leidet. Die Altstadt...


Veröffentlicht: 19.04.2025
Der Tag im Madonna beginnt friedlich. Den Abend zuvor habe ich mit zwei Frauen aus Ulm verbracht, die ebenfalls auf dem Pilgerweg unterwegs sind, eine Zufallsbegegnung, wie es hier häufig gibt.
Durch den Ostermorgen begleitet mich eine liebreizende Landschaft und das "Bouna Pasqua" (der Ostergruß) der hiesigen Bevölkerung. Es gibt nur drei kleine Ortschaften auf dem Weg, ansonsten nur Einsamkeit. Was vom Weg erwähnenswert ist, sind die Berghänge, an denen Errosionen geschichtete Felsen zu Tage gebracht haben.
Meinen Hut habe ich schon in Griffweite angebracht, zum Schutz vor einem drohenden Sonnenbrand. Die Sonne brennt runter und es ist sehr heiß. Den Hut brauche ich schließlich eine Stunde später, aber nicht als Schutz gegen die Sonne, sondern als Schutz gegen einen sehr heftigen Regenschauer. Eine Stunde später: wieder Sonnenschein. So schnell kann's hier mit dem Wetterumschwung gehen.
Ich komme gut voran: Die Steigungen sind moderat und GPS leitet mich getreu durch alle Widrigkeuten. Und so sehe ich mich schon gemütlich an meinem nächsten Etappenziel sitzen, Romita di Cesi, eine einsam gelegene Herberge (Erimo), die vor 40 Jahren von einem Mönch gegründet wurde.
Irgendwann ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Was ich ja schon vom letzten Jahr kenne: die Beschilderung ist mangelhaft, die Beschreibung im Wanderführer unbrauchbar. Dichter Wald (und damit meine ich einen sehr dichten Wald). Und dann verlassen mich auch noch die Satelliten. Der Pfeil verharrt bewegungslos, wie eingefroren, in welche Richtung ich auch gehe.
Ich entscheide mich umzukehren. Da schrecke ich im steilen Dickicht ein massives Tier auf, von dem ich erst nur die Größe und die Angruffslust wahrnehme, bevor es hinter einem großem Stein verschwindet in mich von dort anknurrt.
Ich zeige mich betont friedlich, lasse den knurrenden Stein nicht aus den Augen und bewege mich rückwärts in einem großen Bogen weg. Vor mir springen etwa 12 Frischlinge aus dem Dickicht. Aha, also doch kein angruffslustiger Wolf, sondern eine angriffslustige Wildschweinmutter.
Das Ende vom Lied: ich habe durch durchdiese Aktion die Orientierung gänzlich verloren, irre umher, suche ein Ort, der beschreibungsfähig ist, rufe in der Unterkunft an: Bin in einer Schlucht, wie komme ich weiter? Leider, keine Ahnung. Gut, ich rufe nochmal an, wenn ich meinen Aufenthaltsort besser beschreiben kann.
Aufwärts ist die beste Richtung, davon bin ich überzeugt, auch wenn es sehr mühsam ist. Ich gelange irgendwann auf einen baumfreien Bergrücken und von hier aus klappt auch die Orietierung wieder. Ich finde mein Ziel (nach fast zwei Stunden Irrweg) und treffe auf Leute, die man vom Eremo losgeschickt hat, um mich das letzte Stück zu begleiten.
Schließlich lande ich glücklich im Eremo, wo mich etwa 25 Leute euphorisch begrüßen. Meinen Namen kennen hier nun schon alle. Der lange Tisch ist gedeckt, es wird geratscht, gegessen und gesungen.
Übrigens sind auch die beiden Ulmerinnen verloren gegangen, die ebenso im Eremo übernachten wollten. Sie sind irgendwo im Tal gelandet und von einem freundlichen Menschen mitgenommen worden. Heute haben sie enttäuscht und vorzeitig die Heimreise angetreten, wie ich gehört habe. Im Eremo wurd nun heftig diskutiert, wie man die Situatuon verbessern könnte. Gäste zu suchen, ist hier nämlich an der Tagesordnung.
Man sollte sich nicht abhalten lassen, diesen wunderschönen Ort zu besuchen, aber auf die Umstände sollte man mental vorbereitet sein. Das wäre eigentlich auch die Aufgabe des Wanderführers, den ich ab sofort nicht mehr empfehlen kann.
